"Topographie des Terrors" Grauwert der GeschichteSeite 2/2
Ehrlich gesagt, viel ist ja nicht zu sehen. Aber vor dem Hintergrund des grauen Ausstellungsbaus und des erhaltenen Mauerstreifens, des Preußischen Landtags dahinter und dem gewaltigen Gebirge des Göringschen Reichsluftfahrtministeriums, heute Finanzministerium, erblickt man hier ein beeindruckendes Panorama, eine Art Grisaille, eine städtebauliche Graumalerei jüngerer deutscher Geschichte.
Nicht wenige werden von der Topographie des Terrors enttäuscht sein. Es ist ein asketischer und geradezu abstrakter Ort geworden. Weder sind Folterkeller zu besichtigen, noch werden SS-Uniformen ausgestellt. Viel Vorstellungskraft ist nötig, um das Arrangement der Steine mit dem historischen Bildmaterial oder gar mit den Gesichtern der Täter in Verbindung zu bringen.
Aber dass sich der letzte der wichtigen Gedenkorte in Berlin so distanziert und prunklos präsentiert, wirkt heute beinahe erleichternd. Niemand vermisst hier mehr ein Stück Zumthor-Architektur. Ohnehin wird man sich in ein paar Jahren fragen, warum die Debatte über deutsche Erinnerungskultur in jener Zeit sich so selbstverständlich mit hoch ästhetischen Lösungen und Prestigearchitekturen verzahnte. Der Wille zur historischen Wahrheit und der Wille zur grandiosen Hauptstadt waren keine Brüder, höchstens eine Parallelaktion. Aber auch das ist schon wieder Geschichte.
- Datum 06.05.2010 - 11:45 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 06.05.2010 Nr. 19
- Kommentare 7
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Endlich? Als ob wir deutschen nichts besseres zu tun hätten...
Ständig an der Vergangenheit rumgraben und dann mit dem Wort "Endlich" herkommen.
Wann hat dieses heuchlerische gejammere über die Vergangenheit "Endlich" ein Ende?
Zur Folterungen-Topologie nach
der L._Sadat-Intervention gibt es keinen Konsens:
http://avalon.law.yale.ed...
1. Vergangenheit ist spannend, man kann aus Ihr lernen und viel über Menschen lernen, denn auch die größten Kriegsverbrecher sind nun Menschen wie Du und ich...
2. Ist der ehemalige Sitz der "Behörden" des Terrors ja etwas sehr wichtiges, kann man doch hier die Kälte des Regimes sehr deutlich machen, denn die "Judenfrage" wurde ja gelöst wie ein betriebliches Problem, mit Berechnungen, Zahlen und Besprechungen... Das RSHA war die zentrale Behörde für diesen Massenmord, an allen "Gegnern" nicht nur den Juden..
3. Sicherlich gibt es in einer Gesellschaft immer "Aktuelleres" (habe ich jetzt mal aus dem "Besseren" übersetzt) aber man kann eine Nation nur als der Historie erklären.
Von daher sage ich auch "endlich", jedenfalls halte ich das Zentrum für viel wertvoller als das Mahnmal....
erschließt sich in dieser Konstruktion vom Typ
'Mehrzweckhalle' mit Sicherheit nicht unmittelbar und vllt noch weniger als in der Freiluftausstellung, es fehlt der assoziierende Blick in die Umgebung des Geschehens . Erst die geistige Verknüpfung des Bild- und Textmaterials
mit dem historisch authentischen Grund- und Boden, auf welchem man sich befindet, setzt die Phantasie in Gang ... Der spurensuchende Tourist wird zur Abstraktion gezwungen,
nachdem der Titel der Ausstellung emotional Schauerliches für's Auge erwarten ließ ..
Nach Kriegsende wurde m.E.zu schnell abgerissen und bereinigt, was heute eine Touristenattraktion wäre, denn Information liefert jedes Geschichtsbuch.
Dennoch fand ich das gezeigte Bildmaterial außerordentlich erhellend.
Ob dies für die jüngeren Generationen zutrifft, die durch diese Ausstellung schlendern oder eilen, ist fraglich... Für diese Gruppe haben die 'Berliner Unterwelten' sicherlich
mehr zu bieten.
Ich möchte folgendes anmerken (und Sie dürfen es nicht persönlich nehmen bitte!):
Sie argumentieren vielleict zu sehr, mit dem sicherlich existenten Typus Besucher, für Touristen.
Im Grunde ist der Bau ja die zentrale Gedenkstätte für die Verbrechern des NS-Regimes. Dies erklärt sich zum einen aus dem Ort an sich, aber auch an mangelnden Orten. Sicher, man kann KZ´s besuchen oder das Stelenfeld (ein reiner Touristenort!) besuchen, aber eine wirklich zentrale Gedenkstätte hat es bislang in dieser Form nicht gegeben. Umso peinlicher der Weg dahin (dazu ein guter Artikel in er FAZ..).
Ferner müsste man überlegen was, außer den Originalgebäuden, besser gepasst hätte als der entstandene Bau?
Mit dem Abriss gäbe ich Ihnn Recht, aber was würde der Führerbunker heute für Besicher anziehen? Ein NS-Gruselkabinett? Und auch jüngere Besucher können hier viel Lernen, sicher mehr als in irgendwelchen "Unterwelten" der Vergleich ist wohl nicht statthaft...
Ich möchte folgendes anmerken (und Sie dürfen es nicht persönlich nehmen bitte!):
Sie argumentieren vielleict zu sehr, mit dem sicherlich existenten Typus Besucher, für Touristen.
Im Grunde ist der Bau ja die zentrale Gedenkstätte für die Verbrechern des NS-Regimes. Dies erklärt sich zum einen aus dem Ort an sich, aber auch an mangelnden Orten. Sicher, man kann KZ´s besuchen oder das Stelenfeld (ein reiner Touristenort!) besuchen, aber eine wirklich zentrale Gedenkstätte hat es bislang in dieser Form nicht gegeben. Umso peinlicher der Weg dahin (dazu ein guter Artikel in er FAZ..).
Ferner müsste man überlegen was, außer den Originalgebäuden, besser gepasst hätte als der entstandene Bau?
Mit dem Abriss gäbe ich Ihnn Recht, aber was würde der Führerbunker heute für Besicher anziehen? Ein NS-Gruselkabinett? Und auch jüngere Besucher können hier viel Lernen, sicher mehr als in irgendwelchen "Unterwelten" der Vergleich ist wohl nicht statthaft...
die größten Kriegsverbrecher sind nun eben nicht Menschen wie Du und ich - sie sind die größten Kriegsverbrecher und sollten nichts mit einem gemein haben. Diese allgemeinentlastende Frage "Wie hättest Du Dich denn verhalten" mit der implizierten Antwort "Du bist doch weder Held noch Märtyrer" exkulpiert nicht nur die größten Kriegsverbrecher aller Zeiten, sondern fördert in den Nachwachsenden einen Ethos des Relativen, Gleichgültigen, und letztlich Unehrenhaften: Denn "man kann ja eh nichts machen," ob in einer Diktatur oder, in der Schlussfolgerung, ganz generell.
Fazit: Man versteht sich als passives Element, nicht als gestaltendes. Furchtbar! Treiben lassen, kein verbindliches Gewissen haben, nichts gutes anstoßen, wenn man Glück hat aber auch nichts schlechtes. Schildert das nicht ganz gut die Einstellungen der Generation Praktikum?
Angesichts der NS-Verbrechen, nein, jedes einzelnen NS Verbrechens, ist moralische Entrüstung, Stellungbeziehen und aktives Handeln gegen dessen Relativierung Pflicht.
Ach ja, und gut, das der Ort eine angemessene Form gefunden hat.
Ich meinte mit "Du und ich" auch vielmehr die Tatsache, dass die Nazis, die Verantwortlichen Planer z.B. im RSHA keine verwirrten Monster waren, sondern Menschen mit einem perversen Rassebild von Untermenschen. Die Planung, die Leitung der Verbrechen erfolgte kühl und berechnend, wie in einem Wirtschaftsunternehmen, es wurden "Einheiten" "sonderbehandelt" und erfasst, registriert und "Erfolge" gemeldet. Ich denke dieses Zusammenspiel, ähnlich wie in einem Unternehmen, lässt sich viel. an diesem Ort besonders erahnen.
Ich denke auch dass nunmehr ein passender Ort und Rahmen gefunden wurde, es ist ja auch kein EXPO Paviliion, sondern die zentrale Erinnerung an den NS-Terror...
Ich meinte mit "Du und ich" auch vielmehr die Tatsache, dass die Nazis, die Verantwortlichen Planer z.B. im RSHA keine verwirrten Monster waren, sondern Menschen mit einem perversen Rassebild von Untermenschen. Die Planung, die Leitung der Verbrechen erfolgte kühl und berechnend, wie in einem Wirtschaftsunternehmen, es wurden "Einheiten" "sonderbehandelt" und erfasst, registriert und "Erfolge" gemeldet. Ich denke dieses Zusammenspiel, ähnlich wie in einem Unternehmen, lässt sich viel. an diesem Ort besonders erahnen.
Ich denke auch dass nunmehr ein passender Ort und Rahmen gefunden wurde, es ist ja auch kein EXPO Paviliion, sondern die zentrale Erinnerung an den NS-Terror...
Ich möchte folgendes anmerken (und Sie dürfen es nicht persönlich nehmen bitte!):
Sie argumentieren vielleict zu sehr, mit dem sicherlich existenten Typus Besucher, für Touristen.
Im Grunde ist der Bau ja die zentrale Gedenkstätte für die Verbrechern des NS-Regimes. Dies erklärt sich zum einen aus dem Ort an sich, aber auch an mangelnden Orten. Sicher, man kann KZ´s besuchen oder das Stelenfeld (ein reiner Touristenort!) besuchen, aber eine wirklich zentrale Gedenkstätte hat es bislang in dieser Form nicht gegeben. Umso peinlicher der Weg dahin (dazu ein guter Artikel in er FAZ..).
Ferner müsste man überlegen was, außer den Originalgebäuden, besser gepasst hätte als der entstandene Bau?
Mit dem Abriss gäbe ich Ihnn Recht, aber was würde der Führerbunker heute für Besicher anziehen? Ein NS-Gruselkabinett? Und auch jüngere Besucher können hier viel Lernen, sicher mehr als in irgendwelchen "Unterwelten" der Vergleich ist wohl nicht statthaft...
Ich meinte mit "Du und ich" auch vielmehr die Tatsache, dass die Nazis, die Verantwortlichen Planer z.B. im RSHA keine verwirrten Monster waren, sondern Menschen mit einem perversen Rassebild von Untermenschen. Die Planung, die Leitung der Verbrechen erfolgte kühl und berechnend, wie in einem Wirtschaftsunternehmen, es wurden "Einheiten" "sonderbehandelt" und erfasst, registriert und "Erfolge" gemeldet. Ich denke dieses Zusammenspiel, ähnlich wie in einem Unternehmen, lässt sich viel. an diesem Ort besonders erahnen.
Ich denke auch dass nunmehr ein passender Ort und Rahmen gefunden wurde, es ist ja auch kein EXPO Paviliion, sondern die zentrale Erinnerung an den NS-Terror...
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