Ich habe einen Traum "Ich begegne meinen Ängsten in Gestalt von Cartoonfiguren"

Der Schauspieler, Regisseur und Modedesigner John Malkovich ändert sich alle paar Tage. Er möchte sein Leben lang neugierig bleiben.

Ich bin wie Popeye. Viele Menschen glauben, weil ich als Schauspieler arbeite, denke ich ständig über mich nach. Das stimmt nicht. Ich habe mich nie für mich interessiert. Ich weiß nicht genau, was es bedeutet, Selbstvertrauen zu haben. Doch vor langer Zeit habe ich akzeptiert, dass ich nicht mehr bin, als ich bin.

Sieben Jahre lang unterzog ich mich einer Psychoanalyse. Das Komische ist, dass wir nicht über mich geredet haben. Es ging mir darum, andere Menschen zu verstehen. Warum sie sagen, ich bin dein Freund, obwohl sie es nicht sind. Warum sie sagen, ich liebe dich, wenn dies nicht unbedingt der beste Satz ist, um ihre Gefühle zu beschreiben. Mittlerweile vertraue ich meinen Instinkten, wenn ich jemanden kennenlerne. Und es ist eine große Entlastung, zu wissen, wie wenig Einfluss ich auf sie habe. Wie unwichtig ich bin.

John Malkovich

Der 56-jährige Schauspieler wurde bekannt durch seine Rollen in Gefährliche Liebschaften und Being John Malkovich. Er arbeitet seit einigen Jahren auch als Modedesigner. Im Mai tritt er als Serienmörder Jack Unterweger in The Infernal Comedy am Hamburger Schauspielhaus auf.

Während der Analyse habe ich auch meine Träume gedeutet. Sie sind wie kleine Lagerfeuer, die das Dickicht unseres Lebens ausleuchten. Hinweise darauf, womit wir kämpfen. Besonders intensiv träumte ich als Kind. Wahrscheinlich, weil die Welt größer war, erschreckend und unkontrollierbar.

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Mit meinen Eltern und meinen vier Geschwistern lebte ich in einem alten Haus in Illinois, ich teilte mir mit meinem Bruder Danny ein Zimmer. Als ich etwa vier Jahre alt war, fuhr nachts ein Auto an meinem Bett vorbei. Es war eindimensional, wie in einem Cartoon. Darin saßen einige Menschen, Cartoonfiguren. Sie sahen irgendwie fremd aus. Und sie waren böse, Furcht einflößend. Dieses Auto rollte oft durch meine Träume.

Ich habe einen Traum
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Ich glaube, das, was uns in unseren Träumen am meisten Angst macht, was vor allem unsere Aufmerksamkeit erregt, sind wir selbst. Diese Cartoonfiguren waren ich, und sie waren der Ausdruck meiner Ängste: vor meinen Sehnsüchten, vor meinen Impulsen, vor meinem Zorn.

Was mir wirklich wichtig ist: neugierig zu bleiben. Dinge zu finden, die mich interessieren, und sie gut zu machen. Eine neue Rolle, Regieführen, Entwürfe für meine Herrenmodelinie. Mein Gehirn brennt, unablässig. Womit ich mich beschäftige, ändert mich, nicht immer zum Guten, ein neues Ich entsteht. Nicht alle paar Jahre, sondern alle paar Tage. Für die letzte Ausstellung mit einigen meiner Zeichnungen und Kollektionsteile schlug ich den Titel vor: Constantly being born – ständig geboren werden. Wenn das beste Indiz für unsere Zukunft unser Verhalten in der Vergangenheit ist, wird es so bleiben. Aber ich bin mir nicht sicher.

Voriges Jahr starb meine Mutter, sie war Ende siebzig. Sie schämte sich, denn sie konnte zuletzt nicht mehr für sich selbst sorgen. Sie glitt ins Kindsein zurück. Doch viel einschneidender war, dass sich meine Mutter am Ende für nichts mehr begeisterte, obwohl sie ihr Leben lang ein neugieriger Mensch war. Ich glaube, dann wird es Zeit für mich sein, auf die andere Seite zu wechseln: wenn mich nichts mehr interessiert. 

Aufgezeichnet von Vanessa Oelker

 
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