Berufseinstieg Zum Glück gezwungenSeite 2/2
Ulrike Job dagegen spricht von einer »kleinen Gruppe« von Studierenden, die aus »ideologischem Unmut« über den Bereich motzten. Allzu oft habe sie mitbekommen, dass sich Studierende überschätzten und beim ersten Bewerbungsschreiben unglaubliche Patzer machten. Sie sagt, sie habe Verständnis für die unterschiedliche Bedeutung, die die Vorbereitung aufs Berufsleben im Studium einnehmen könne, aber manchmal sei sie einfach nur enttäuscht über die mangelnde Wertschätzung ihrer Arbeit. »Viele Geisteswissenschaftler studieren in erster Linie aus Interesse an ihrem Studienfach, weniger im Hinblick auf eine berufliche Orientierung«, sagt sie.
Das Curriculum des ABK-Bereiches ist klar gegliedert. In den ersten Semestern sollen sich die Geisteswissenschaftler Gedanken über erste Praktika machen, bekommen Einblicke in die unterschiedlichsten Berufsfelder. Im Bereich Schlüsselqualifikationen geht es um Präsentation, Rhetorik oder EDV-Anwendungen, die im Studium hilfreich sein könnten. Bis zum vierten Semester lernen die Studierenden, sich für ein Praktikum zu bewerben, um schließlich sechs Wochen lang erste Berufserfahrungen zu machen. Auch hat man auf die Studierenden reagiert, die in die Wissenschaft wollen, bietet hierfür Seminare und Praktika bei Hochschulprofessoren an. In der späteren Phase des Studiums dreht sich dann alles um das Thema Soft Skills: soziale, kommunikative, interkulturelle und methodische Kompetenzen. In den letzten Semestern bietet die Arbeitsstelle eine Berufsfelder-Vorlesung an, in der jeweils ein Gast von seiner Arbeit aus den Bereichen Fernsehen, Öffentlichkeitsarbeit, Journalismus, Film und Theater erzählt.
Maike Baum hat nach dem Bachelor in Französisch den Sprung ins Berufsleben geschafft. Das hat sie sogar dem Pflichtpraktikum des ABK-Bereichs zu verdanken, über den sie ihren jetzigen Job in der Öffentlichkeitsarbeit bekommen hat. Trotzdem übt auch sie Kritik: »Mich hat der Zwang gestört, der dahintersteht, die Anwesenheitspflicht, die mangelnde Wahlmöglichkeit, das Schreiben der Berichte.« Die 26 Jahre alte Stephanie Feldmann, die gerade im Spanisch-Bachelor-Examen steckt, hat sich über das unterschiedliche Niveau der Studierenden gewundert. Besonders dann, wenn es um die Berufs- und Bewerbungspraxis ging. »Ich habe vor dem Studium schon gearbeitet und wusste, wie man sich auf einen Job bewirbt«, sagt sie. »Manche, die gerade von der Schule kommen, haben überhaupt keine Ahnung. Da gibt es tatsächlich Leute, die noch nichts von einem Textverarbeitungsprogramm gehört haben.«
ABK-Chefin Ulrike Job kritisiert, dass die Studierenden wenig Beistand von den Hochschullehrern der älteren Generation bekommen und deshalb den Sinn der ABK-Lehrveranstaltungen bezweifeln: »Diese verstehen nur die Hochschule als den möglichen Arbeitsmarkt und kennen den Kampf außerhalb des Instituts nicht aus dem eigenen Leben. Die Jobsuche hat für sie etwas Triviales.« Einige Professoren haben sich aber schon mit dem Angebot arrangiert, so wie Ulrich Moennig vom Institut für Griechische und Lateinische Philologie. Er sagt: »Gerade in sprach- und literaturwissenschaftlichen Fächern, die nicht auf eindeutig abgrenzbare Berufsfelder ausgerichtet sind, kann es nach dem Abschluss zu schwierigen Umstiegsprozessen kommen. Die neuen Studiengänge bewahren davor.«
Die Frage bleibt spannend, ob ABK-Seminare die Studenten besser in den Job bringen. Ulrike Job kann keine Zahlen nennen. Doch auch wenn ihre Statistik noch nicht von Erfolg gekrönt ist, die Geisteswissenschaftlerin ist sich sicher, dass ihre Arbeit etwas bewirkt: »Mit dem Werkzeug, das die Studierenden bekommen, haben sie definitiv mehr Chancen als ohne. Wir öffnen die Augen für den Arbeitsmarkt.«
- Datum 12.05.2010 - 15:18 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 12.05.2010 Nr. 20
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»Viele Geisteswissenschaftler studieren in erster Linie aus Interesse an ihrem Studienfach, weniger im Hinblick auf eine berufliche Orientierung«
"Natürlich, wieso anders?", möchte man fragen? Natürlich braucht man in den Geisteswissenschaften eine hohe Frustrationstoleranz, will man seine Neigungen in bare Münze umgewertet wissen. Gerade deshalb erscheint es mir zwingend auch ein Recht, einige Jahre ganz einer eigenen Sache aus reinem Interessen und reiner Vorliebe zu widmen, ohne auf die Verwertbarkeit zu schielen.
Studiert man aus Zweck und nicht aus Neigung - und geht dann der Plan nicht auf, bleibt später die Ahnung, man hätte wenigstens seinen Neigungen Nahrung geben können, so aber bleibt von beidem wenig. So traurig das Schicksal ist, als Historiker dann in der Unterhaltungsindustrie oder als Literaturwissenschaftler im Marketing eines Konsumgüter-Unternehmens zu enden, die Jahre des Neigungsstudiums kann einem niemand mehr nehmen.
Daran sollte sich gerade die Universität orientieren.
Ein valides Angebot für die, die Unverstützung wollen ist notwendig, eine Zwangspackung für alle eher hinderlich und eine ziemlich zeitgeistlose Erscheinung.
natürlich können kindergärten und behütungsstationen für hilflose wesen eingerichtet werden, die es vor den folgen ihres eigenen tuns zu schützen gilt. natürlich kann man universitäten zu sozialen therapiestationen ausbauen, die aufgaben übernehmen, die früher in den bereich der arbeitslosenberatung und des sozialamtes gehörten. natürlich werden universitäre sozialarbeiterInnen ihre stellen mit dem hinweis auf ihre soziale verantwortung verteidigen. wenn die politik daran arbeitet, die durchschnittliche einstiegsqualifikation in unbezahlte praktika und volontariate (früher hieß das mal "lehre") vom hauptschullabschluss für 6-jährige zum bachelor für 23-jährige zu steigern, ist das vielleicht sogar nötig. erst recht, wenn bestimmte fächer zu aufenthaltsstzationen für menschen degradiert werden können, die nicht wissen, was sie sonst tun sollen. "deutsch" kann ich eh schon, also studiere ich halt germanistik. die müssen dann halt so betreut werden, dass es nicht mehr dem fach, sondern den studierenden angemessen ist.
wo aber kann und darf noch ein fach (ruhig auch germanistik) studiert werden, ohne dass der gute, qualifizierte student sich wie ein derartiger sozialfall behandeln lassen muss?
Ich halte die Berufsvorbereitungskurse für absolut notwendig. Gerade, weil ich die Luftschlösser meiner Studienkollegen noch zu gut in Erinnerung habe.
In einer Umfrage, die wir damals am (geisteswissenschaftlichen) Fachbereich durchgeführt haben, schienen nur rund 25% der Antworten von Studenten zu stammen, die sich über das Thema "danach" ernsthaft Gedanken gemacht hatten. Der Rest träumte nicht selten davon, "irgendwas mit Medien" zu machen (das geisteswissenschaftliche Äquivalent zum Traumberuf "Model" oder "Superstar" an einer deutschen Hauptschule). Manche schrieben dann auch noch eine Abschlussarbeit zu einer Thematik, die alle potenziellen Arbeitgeber (mit Ausnahme der TAZ und der Rosa-Luxemburg-Stiftung) schon mal von vornherein abschrecken musste.
Eine Proseminar zur Arbeitsmarktrealität kann da sicher nicht schaden. Das heisst ja nicht, dass nachher alle gezwungen sind, den "Kapitalisten" zu dienen. Aber es macht vielleicht ein paar der Träumer zu Realisten. Und Realismus hat noch niemandem geschadet...
Mag sein, dass viele Studierende Luftschösser bauen möchten. Häufig wird vielleicht eine Holzhütte daraus; und die werden dann Politiker. ;) Liebe Leute, schon mal was von "Autonomie" gehört. Und dazu gehört auch, dass man auf die Schnauze fallen darf.
Mag sein, dass viele Studierende Luftschösser bauen möchten. Häufig wird vielleicht eine Holzhütte daraus; und die werden dann Politiker. ;) Liebe Leute, schon mal was von "Autonomie" gehört. Und dazu gehört auch, dass man auf die Schnauze fallen darf.
Böse Studenten: »Viele Geisteswissenschaftler studieren in erster Linie aus Interesse an ihrem Studienfach, weniger im Hinblick auf eine berufliche Orientierung« Böse, böse, böse. Da gibt es doch wirklich Leute, die sich zumindest eine Zeitlang trauen Ihren Interessen nachzugehen, da muss doch sofort eine Förderung einsetzen. Das Nächste ist, dass Studierende einen Coach in Anspruch nehmen müssen, um ihn zum arbeitsmarktlich-stromlinienförmigen Fachidioten zu dressieren. Ach, was rede ich da, wahrscheinlich gibt's die schon.
Natürlich gibt es unter den Studenten Luschen, na und? Auch die werden ihren Weg finden - früher oder auch später. Langsam geht mir das Förder-Gesülze auf den Keks. Läuft etwas nicht wie die BWL-Jüngelchen das ausgerechnet haben, dann muss "gefördert" werden. Die "Helfer" spüren selbst, irgendwann einmal, dass sie nicht gebraucht werden. Der Artikel deutet das selbst an.
Mag sein, dass viele Studierende Luftschösser bauen möchten. Häufig wird vielleicht eine Holzhütte daraus; und die werden dann Politiker. ;) Liebe Leute, schon mal was von "Autonomie" gehört. Und dazu gehört auch, dass man auf die Schnauze fallen darf.
"Liebe Leute, schon mal was von "Autonomie" gehört. Und dazu gehört auch, dass man auf die Schnauze fallen darf."
Das Besuchen eines Informationsseminars zur Berufswahl raubt einem wohl kaum die Möglichkeit zur autonomen Entscheidung. Und wer danach unbedingt auf die Schnauze fallen will, bekommt das auch mit Seminar hin. Ich sehe aber keinen Grund, warum die Uni nicht versuchen sollte, die unangenehme Erfahrung eines Scheiterns so vielen Studenten wie möglich zu ersparen. Bei Ihnen klingt das ja schon fast so, als wäre der potenzielle "Fall auf die Schnauze" eine Errungenschaft, die es zu verteidigen gilt.
Bei vielen der Unbedarften kann das Seminar sicher dazu führen, dass sie sich etwas mehr Gedanken darüber machen, weshalb sie eigentlich ein Studium angefangen haben.
Eine Antwort, in der das Wort "Karriere" keinen zentralen Platz einnimmt, ist dabei völlig legitim. Wir brauchen auch Leute im Land, die nicht alles unter dem Gesichtspunkt der wirtschaftlichen Verwertbarkeit betrachten.
Aber ich bevorzuge es, wenn diese Leute die Entscheidung bewusst treffen können. Dem überwiegenden Rest, da bin ich sicher, hilft eine realistische Darstellung ihrer Optionen weiter. Davon gibt es im geisteswissenschaftlichen Bereich nämlich eine ganze Menge. Und ohne Hilfe gewinnt man da nur schwer einen Überblick...
"Liebe Leute, schon mal was von "Autonomie" gehört. Und dazu gehört auch, dass man auf die Schnauze fallen darf."
Das Besuchen eines Informationsseminars zur Berufswahl raubt einem wohl kaum die Möglichkeit zur autonomen Entscheidung. Und wer danach unbedingt auf die Schnauze fallen will, bekommt das auch mit Seminar hin. Ich sehe aber keinen Grund, warum die Uni nicht versuchen sollte, die unangenehme Erfahrung eines Scheiterns so vielen Studenten wie möglich zu ersparen. Bei Ihnen klingt das ja schon fast so, als wäre der potenzielle "Fall auf die Schnauze" eine Errungenschaft, die es zu verteidigen gilt.
Bei vielen der Unbedarften kann das Seminar sicher dazu führen, dass sie sich etwas mehr Gedanken darüber machen, weshalb sie eigentlich ein Studium angefangen haben.
Eine Antwort, in der das Wort "Karriere" keinen zentralen Platz einnimmt, ist dabei völlig legitim. Wir brauchen auch Leute im Land, die nicht alles unter dem Gesichtspunkt der wirtschaftlichen Verwertbarkeit betrachten.
Aber ich bevorzuge es, wenn diese Leute die Entscheidung bewusst treffen können. Dem überwiegenden Rest, da bin ich sicher, hilft eine realistische Darstellung ihrer Optionen weiter. Davon gibt es im geisteswissenschaftlichen Bereich nämlich eine ganze Menge. Und ohne Hilfe gewinnt man da nur schwer einen Überblick...
Ich surfe gerade auf Spon und wie die Faust aufs Auge, must du gucken: http://www.spiegel.de/uni...
"Liebe Leute, schon mal was von "Autonomie" gehört. Und dazu gehört auch, dass man auf die Schnauze fallen darf."
Das Besuchen eines Informationsseminars zur Berufswahl raubt einem wohl kaum die Möglichkeit zur autonomen Entscheidung. Und wer danach unbedingt auf die Schnauze fallen will, bekommt das auch mit Seminar hin. Ich sehe aber keinen Grund, warum die Uni nicht versuchen sollte, die unangenehme Erfahrung eines Scheiterns so vielen Studenten wie möglich zu ersparen. Bei Ihnen klingt das ja schon fast so, als wäre der potenzielle "Fall auf die Schnauze" eine Errungenschaft, die es zu verteidigen gilt.
Bei vielen der Unbedarften kann das Seminar sicher dazu führen, dass sie sich etwas mehr Gedanken darüber machen, weshalb sie eigentlich ein Studium angefangen haben.
Eine Antwort, in der das Wort "Karriere" keinen zentralen Platz einnimmt, ist dabei völlig legitim. Wir brauchen auch Leute im Land, die nicht alles unter dem Gesichtspunkt der wirtschaftlichen Verwertbarkeit betrachten.
Aber ich bevorzuge es, wenn diese Leute die Entscheidung bewusst treffen können. Dem überwiegenden Rest, da bin ich sicher, hilft eine realistische Darstellung ihrer Optionen weiter. Davon gibt es im geisteswissenschaftlichen Bereich nämlich eine ganze Menge. Und ohne Hilfe gewinnt man da nur schwer einen Überblick...
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