Bachelor Plus In die VerlängerungSeite 2/2

Natürlich sind solche Erfahrungen im Grunde nicht nur durch Bachelor Plus möglich. Wer will, kann seinem Bachelor heute einen Masterstudiengang im Ausland folgen lassen – aber von der verkürzten Studiendauer, wie durch Bologna beabsichtigt, kann dann zumindest bei zweijährigen Programmen keine Rede mehr sein. Und war es nicht auch einmal so gedacht, dass der Bachelor schon ausreichend für den Beruf qualifizieren soll?

»Oft wird vergessen, dass das weit verbreitete Modell drei Jahre Bachelor und zwei Jahre Master (3+2) nur eine unter vielen Möglichkeiten ist«, sagt Christiane Schmeken vom DAAD, die das Bachelor-Plus-Programm mit entwickelt hat. »Uns geht es mit dem Programm auch darum, ein Bewusstsein zu wecken für den Spielraum, den die Universitäten haben.« Doch ganz so einfach ist es für die Hochschulen dann doch nicht. Bis vor Kurzem etwa beschränkte noch die Gesetzgebung einzelner Bundesländer ihre Freiheiten, neue Modelle mit unterschiedlicher Studiendauer aufzulegen. Und die anfänglichen Probleme von Bologna haben sich längst auch in den Köpfen der Studenten festgesetzt: Die durchschnittliche Dauer der Auslandsaufenthalte im Rahmen von Erasmus ist zurückgegangen; viele sind der Meinung, dass man sich gerade einmal noch, wenn überhaupt, ein halbes Jahr im Ausland leisten könne – und das häufig nur durch ein Urlaubssemester.

Besonders dramatisch ist das, wenn Auslandserfahrungen eine wesentliche Qualifikation des Faches ausmachen, bei Fremdsprachen und Kulturstudien etwa. Für solche Studiengänge kommen Programme wie Bachelor Plus daher wie gerufen. So auch am Centrum für Nah- und Mitteloststudien der Philipps-Universität Marburg. Gefördert vom Bachelor-Plus-Programm, entwickelt Leslie Tramontini dort gerade einen vierjährigen Bachelorstudiengang Orientwissenschaft, der auch ein Jahr Auslandsaufenthalt vorsieht. »Wir haben nun das fehlende Zeitfenster, das es vorher nicht gab«, sagt Tramontini. »Sprachen wie Persisch und Arabisch lernt man nicht mal eben in drei Jahren, selbst wenn man während der Semesterferien in die entsprechenden Länder fährt.« Derzeit steht sie in Verhandlungen mit möglichen Partneruniversitäten in Kairo, Teheran, den Vereinigten Arabischen Emiraten. In einem Jahr sollen die ersten Bachelor-Plus-Studenten im fünften und sechsten Semester ins Ausland gehen, bald will man in Marburg Kurse anbieten, die speziell auf das Jahr im Mittleren Osten zugeschnitten sind.

Auch Florian Winter in Weimar nimmt in diesem Semester bereits an einem Vorbereitungsworkshop für seine Zeit in Argentinien teil. »Wir hören viel über die Probleme, die entstehen, wenn unterschiedliche Schichten aufeinanderprallen, und welche Möglichkeiten der sozialen Vermittlung es gibt, um die Schwierigkeiten abzupuffern«, erzählt er. Während seiner Zeit in Buenos Aires wird Winter monatlich etwa 300 Euro vom DAAD erhalten, dazu werden ihm die Reisekosten pauschal erstattet. Auch die Universitäten erhalten finanzielle Mittel für die Organisation und die Strukturierung der Bachelor-Plus-Programme. Obwohl das BMBF in den nächsten Jahren die Förderung strukturierter Auslandsaufenthalte weiter ausbauen möchte, sind die Kapazitäten natürlich begrenzt.

Zwar hofft Schmeken darauf, dass die Hochschulen die zunehmende Freiheit, die sich als Folge der Bolognaproteste eingestellt hat, bald häufiger für die Auflage neuer innovativer Studienmodelle zu nutzen. Doch bis dahin sind Programme wie jene von Bachelor Plus nur sehr wenigen vorbehalten: Selbst unter den geförderten Studiengängen sind derzeit lediglich jeweils etwa zehn Teilnehmer zugelassen, alle anderen müssen weiter nach dem herkömmlichen Bachelor studieren.

 
Leser-Kommentare
  1. In der Bologna-Reform ist eine Studienzeitbeschränkung nicht vorgeschrieben. Daher wundert es mich, dass nun ein Programm eingerichtet werden soll, das eine Verlängerung bei Auslandsaufenthalt ermöglicht.

    Ich zitiere aus der Erklärung von Bologna:

    · Förderung der Mobilität durch Überwindung der Hindernisse, die der Freizügigkeit in der Praxis im Wege stehen, insbesondere
    - für Studierende: Zugang zu Studien- und Ausbildungsangeboten
    und zu entsprechenden Dienstleistungen
    - für Lehrer, Wissenschaftler und Verwaltungspersonal:
    Anerkennung und Anrechnung von Auslandsaufenthalten zu
    Forschungs-, Lehr- oder Ausbildungszwecken, unbeschadet der
    gesetzlichen Rechte dieser Personengruppen."

    • IllI
    • 13.05.2010 um 10:09 Uhr

    und die Umsetzung genau dieser sind halt immernoch zweierlei ...
    Wiedereinmal wird an etwas herrumgeflickt das garnicht geflickt werden müsste, hätte man sich auf den guten deutschen Diplomer/etc. verlassen.

  2. kallewestrich: Nein, wirklich nicht, wer dann doch 5 Jahre und länger an der Uni bleibt, um eventuell die längere BA-Variante oder ganz fix sogar den Master zu packen, steht dem Markt nicht früher zur Verfügung. Eingeführt ist jedoch ein Studiensystem, das so manche BA- und Master-Absolventen auf der Strecke lässt. Die Docs dann ganz beliebt. ... Nur einer kam durch ... Heute schon gibt es schon zu wenig Stellen für die Absolventen, das wird sich nach Prognose verschlimmern.

  3. Ab WS 10/11 gibt es an der FAU Erlangen-Nürnberg den Studiengang "International production Engineering and Management". Dieser baut auf einem klassischen Maschinenbaustudium auf, und hält im fünften Semester 30 ECTS für ein Auslandssemester bei kooperierenden Hochschulen frei.

  4. ach so tollen Bologna:
    http://www.heise.de/tp/bl...
    http://www.heise.de/tp/r4...

    Scheinbar dient das Bildungssystem immer mehr dazu gewisse "Adelsstrukturen" zu zementieren. Schließlich könnten denkende Menschen ja beginnen zu hinterfragen. Was würde das bloß für die Zukunft der Gesellschaft bedeuten wenn da plötzlich neue Ideen entstünden weil Menschen aus der Unterschicht Zugang zu Bildung bekämen? Viel zu gefährlich, also gleich die Freude am Denken von Beginn an abwürgen.

    Wer in guten Verhältnissen aufgewachsen ist, kennt und versteht das Leid der Schlechtergestellten nur selten.

  5. ... wurden doch ganz klar überwiegend aus finanziellen Gesichtspunkten gewählt. Denn wenn man tatsächlich das anglo-amerikanische Bildungssystem als Maßstab genommen hätte (weswegen die Studiengänge ja angeblich auch "Bachelor" und "Master" genannt werden müssen - was natürlich so in den Bolognaverträgen nicht steht), wäre klar, dass ein Bachelor nicht immer zwingend 3 Jahre dauern muss:
    - In den USA sind 3-jährige wie auch 4-jährige Programme gebräuchlich, aber nur die 4-jährigen sind die typischen Uniabschlüsse; 3-jährige existieren hauptsächlich an "Community Colleges" aber nicht an renommierten Unis.
    - In Großbritannien gibt es den "einfachen Bachelor" und "Bachelor with Honours". Früher mal war es üblich, dass man erst den "einachen Bachelor" macht, welcher in der Regel 3 Jahre dauert (aber unter Umständen auf 2 Jahre verkürzt werden konnte), und dann, wenn man dafür ausgewählt wird, ein weiteres Jahr für den "Honours degree" ... inzwischen dürften aber die meisten Programme direkt in den "Bachelor with Honours" führen (welcher inzwischen zum wesentlich gebräuchlicheren Abschluss geworden ist).

    An diesen Beispielen sollte offensichtlich sein, dass nirgendwo "3 Jahre" in Stein gemeisselt sein sollte. Bedenken darf und sollte man natürlich aber auch, dass in den genannten Länder üblicherweise mit 17 Jahre die Schule beendet wird und das Studium beginnt - und in diesem evtl. noch mehr allgemeinbildender Stoff enthalten sein muss. Vergleichbarkeit also nur begrenzt.

    • Tamera
    • 02.06.2010 um 13:10 Uhr

    Wo war denn vorher das Problem? Der Artikel sagt ja selbst, dass man auch ohne das neue Bachelor- Plus- Programm schon ins Ausland gehen konnte. Mit Erasmus, DAAD- Stipendien oder als Free- Mover war das doch alles kein Problem. Man kann sich dafür beurlauben lassen, dann verliert man zu Hause keine Regelstudienzeit. Wenn man das nicht will, dann informiert man sich halt vorher genau und geht nicht an eine Uni wo der Erasmus- Spaß im Vordergrund steht und die Kurse einem eigentlich nichts bringen, sondern geht an eine Uni die Kurse anbietet, welche dann auch voll als Ersatz für die, die man in der Zeit zu Hause gemacht hätte, angerechnet werden können und dann entsteht da auch kein Problem, weil man garkeine Zeit verloren hat.
    Und wenn man kein Bafög- Student ist, dann ist das alles ja noch viel weniger ein Problem, denn dann muss ein Bachelor ja nicht zwingend nur 3 Jahre gehen und man hat Zeit und Ruhe ins Ausland zu gehen.
    Warum wurde denn da schon wieder gejammert?
    Wenn die Bachelorstudenten denken sie hätten keine Zeit und keine Möglichkeiten mehr ins Ausland zu gehen, dann liegt das an ihrer eigenen Bequemlichkeit und Unlust sich zu informieren und/ oder daran, dass sie sich das einreden lassen!

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service