Pädagogikstudium Von wegen LaberfachSeite 2/2
Nicht nur bei der Spezialisierung gilt es, sich früh zu entscheiden, sondern auch bei der Bachelorvariante: Möglich sind nämlich ein reines Studium der Erziehungswissenschaft, eine Kombination mit einem zweiten Hauptfach und eine Kombination aus Hauptfach und Erziehungswissenschaft als Nebenfach. Die besten Berufschancen biete das reine Studium der Erziehungswissenschaft, weil es ausführlich theoretische Grundlagen behandele, Module in Nachbardisziplinen wie Psychologie und Soziologie vorsehe und genug Zeit lasse für die Vertiefung einer Teildisziplin, sagt Wolfgang Nieke, der Professor aus Rostock.
Wer die Kombination mit einem zweiten Hauptfach wählt, kann an einigen Universitäten – etwa in Bochum, Münster und Wuppertal – anschließend einen Master of Education machen und Lehrer werden. Allerdings kann man Erziehungswissenschaft nur in einigen Bundesländern in der Oberstufe von Gymnasien und Gesamtschulen unterrichten. Ganz gleich, welche Bachelorvariante und welche Vertiefung man wählt – Praxisbezug bieten die meisten Studiengänge. »Wir haben in einem Seminar über soziale Einrichtungen zum Beispiel ein Kinderheim, ein Gefängnis und ein Familienzentrum besucht, um die pädagogischen Konzepte zu analysieren«, erzählt Lina Honens.
Bei der Entscheidung für den Studienort ist auch ein Blick auf das neue CHE-Ranking (mit dem DIE ZEIT und ZEIT ONLINE kooperieren) für Erziehungswissenschaft hilfreich. Demnach hat sich die Universität Augsburg deutlich verbessert und befindet sich nun in puncto Studiensituation und Betreuung in der Spitzengruppe, ebenso wie die Uni Bielefeld. Ihre Spitzenplätze behauptet haben die Freie Universität Berlin, die Universität Halle-Wittenberg sowie die Universität Oldenburg und die Universität Klagenfurt, wobei die zwei letztgenannten bei den Forschungsgeldern nur im Mittelfeld beziehungsweise in der Schlussgruppe liegen. Zu den Verlierern des neuen Rankings zählen unter anderem die Universität Jena und die Universität Duisburg-Essen, die bei der vorhergehenden Erhebung noch im Mittelfeld lagen, nun jedoch in mehreren Punkten in die Schlussgruppe zurückgefallen sind.
Für den Arbeitsmarkt gibt es überwiegend Positives zu vermelden: »Die Zahl der Stellenangebote für Erziehungswissenschaftler wächst von Jahr zu Jahr«, sagt Ralf Beckmann, Arbeitsmarkt-Experte bei der Bundesagentur für Arbeit. Die Berufsaussichten seien auch deshalb »grundsätzlich gut«, weil die meisten Erziehungswissenschaftler in Einrichtungen arbeiteten, die nur wenig krisenabhängig seien. Nicht ganz so optimistisch ist Kolja Briedis, der beim Hochschul-Informations-System (HIS) Absolventenforschung betreibt. Nach einer HIS-Studie von 2005 haben nur 63 Prozent der Absolventen ein Jahr nach ihrem Abschluss einen Job gefunden – dieser Wert werde sich in Zukunft höchstens leicht verbessern, prophezeit Briedis. Er gehe auch davon aus, dass immer mehr Absolventen beim Berufseinstieg befristete Arbeitsverträge erhalten werden.
Zukunftsträchtig, sagt Arbeitsmarktexperte Beckmann, sei vor allem die Erwachsenenbildung, für die es die meisten Stellenangebote gebe. Dagegen entfallen gerade einmal fünf Prozent der gemeldeten Stellen derzeit auf das Gesundheitswesen, also etwa auf Pflegeheime und Krankenhäuser. Dennoch könne auch dieses Arbeitsfeld langfristig für Erziehungswissenschaftler immer wichtiger werden, da sind sich Beckmann und Briedis einig.
Schon jetzt sei es wichtig, dass möglichst viele Studenten einen Master anstrebten, sagt Monika Kil vom BV-Päd. »Mit dem Bachelor allein ist im unterfinanzierten Bildungs- und Sozialsystem kaum Karriere zu machen.« Sie hoffe auch, dass möglichst viele Masterabsolventen promovieren, denn derzeit könne der jährliche Bedarf an Professoren nur durch den »Import« von Wissenschaftlern aus Nachbarfächern wie Soziologie und Psychologie gedeckt werden. »Wir brauchen dringend Nachwuchs aus den eigenen Reihen, damit die Erziehungswissenschaft als eigenständige Disziplin stark bleibt.«
- Datum 18.05.2010 - 06:46 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 12.05.2010 Nr. 20
- Kommentare 22
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Wer nicht lehren kann, lehrt Lehrer lehren!
Entfernt. Äußern Sie sich zu den konkreten Inhalten des Artikels - die Erziehungswissenschaften im Jahr 2010. Danke. Die Redaktion/sh
Ich äußerte mich zu folgendem WÖRTLICHEN Zitat aus dem Artikel.
"Dabei diskutieren sie Ideen von pädagogischen Klassikern wie Jean-Jacques Rousseau, Johann Heinrich Pestalozzi oder von Soziologen wie Theodor W. Adorno."
Konnte das die Redaktion nicht erkennen? Ist das kein konkreter Inhalte des Artikels? Ich hätte meine Thesen auch gerne durch mehr Literaturhinweise belegt. Bekanntlich steht aber nur begrenzter Raum zur Verfügung. Oder übt die die Redaktion hier bewusst Zensur, weil das Vorgetragene ein schlechtes Licht auf ihre Autoritätshörigkeit und Liebedienerei gegenüber akademischen Titel offenlegt.
Schon seltsam, was da passiert.
Ich äußerte mich zu folgendem WÖRTLICHEN Zitat aus dem Artikel.
"Dabei diskutieren sie Ideen von pädagogischen Klassikern wie Jean-Jacques Rousseau, Johann Heinrich Pestalozzi oder von Soziologen wie Theodor W. Adorno."
Konnte das die Redaktion nicht erkennen? Ist das kein konkreter Inhalte des Artikels? Ich hätte meine Thesen auch gerne durch mehr Literaturhinweise belegt. Bekanntlich steht aber nur begrenzter Raum zur Verfügung. Oder übt die die Redaktion hier bewusst Zensur, weil das Vorgetragene ein schlechtes Licht auf ihre Autoritätshörigkeit und Liebedienerei gegenüber akademischen Titel offenlegt.
Schon seltsam, was da passiert.
Ich will nicht völlig pauschalisieren. Aber wer Pädagogik auf nur so (also nicht Lehramt oder "Master of Education" oder wie das jetzt heißt) studiert, kann man ganz gut im studiVZ sehen:
Bis auf ein paar Jungs, die offenbar nicht ahnen, dass sie später zum akademischen Prekariat gehören, sich von schlecht bezahltem Job zu Job hangeln müssen und kaum Chancen haben, später mal von deiner Frau als Ernährer ernst genommen zu werden (wenn das wichtiger wird… und das wird es!), gibt es da eine ganze Menge junge Frauen, denen man echt ansehen kann, dass sie mit Anfang zwanzig einfach nur keine Lust auf Arbeit oder eine ernsthafte Ausbildung haben. Und die Zeit überbrücken wollen, bis sie jemanden kennengelernt haben, der in oder außerhalb der Uni was Vernünftiges gelernt hat... um dann ihren Jobverzicht als großes Opfer darstellen zu können. Davon gibt es wirklich sehr viele.
Habe selber Insiderkenntnisse (Lehramt).
Ich will ja jetzt nicht behaupten, dass man mit Pädagogik entweder gar nichts werden kann oder halt Lehrer (was dann aber kaum einer will). Aber für das, was die meisten bekommen werden, hätte man nicht studieren müssen.
Sie haben ja sowas von recht! Meine Tochter studierte Pädagogik. Als sie mit sehr gutem Erfolg das Studium abgeschlossen hatte, kam die Frage: Was mache ich jetzt. Lehrer? Och, nee. Also Zweitstudium. Der Papa hat es ja! Jetzt hat sie ihr Diplom in Psychologie und wir sind alle gespannt, was jetzt wird.
Sie haben ja sowas von recht! Meine Tochter studierte Pädagogik. Als sie mit sehr gutem Erfolg das Studium abgeschlossen hatte, kam die Frage: Was mache ich jetzt. Lehrer? Och, nee. Also Zweitstudium. Der Papa hat es ja! Jetzt hat sie ihr Diplom in Psychologie und wir sind alle gespannt, was jetzt wird.
Sie haben ja sowas von recht! Meine Tochter studierte Pädagogik. Als sie mit sehr gutem Erfolg das Studium abgeschlossen hatte, kam die Frage: Was mache ich jetzt. Lehrer? Och, nee. Also Zweitstudium. Der Papa hat es ja! Jetzt hat sie ihr Diplom in Psychologie und wir sind alle gespannt, was jetzt wird.
Ich äußerte mich zu folgendem WÖRTLICHEN Zitat aus dem Artikel.
"Dabei diskutieren sie Ideen von pädagogischen Klassikern wie Jean-Jacques Rousseau, Johann Heinrich Pestalozzi oder von Soziologen wie Theodor W. Adorno."
Konnte das die Redaktion nicht erkennen? Ist das kein konkreter Inhalte des Artikels? Ich hätte meine Thesen auch gerne durch mehr Literaturhinweise belegt. Bekanntlich steht aber nur begrenzter Raum zur Verfügung. Oder übt die die Redaktion hier bewusst Zensur, weil das Vorgetragene ein schlechtes Licht auf ihre Autoritätshörigkeit und Liebedienerei gegenüber akademischen Titel offenlegt.
Schon seltsam, was da passiert.
Da kann sich Herr Hasse noch so auf den Kopf stellen und in der Zeit Werbung machen. Da hab ich schon genug mitbekommen. Jeder, aber auch absolut jeder Lehrer macht sich über diese Blümchenlehre lustig, da sie so absolut hirnrissig und unrealistisch ist und nur so vor Subjektivität stinkt! Dieses Gelaber ist komplett realitätsfremd und kaum ein Leherer hält sich vollständig dran. Das sollen die Pädagogen, die sich auch noch für das allerwichtigste Glied halten, einfach mal hinnehmen.
Entfernt. Stellen Sie bereits entfernte Kommentare bitte nicht erneut ein. Rousseau, Pestalozzi und Adorno werden im Artikel genannt, um zu erklären, warum Pädagogik als "Laberfach" bezeichnet wird; nicht, um deren Biographien oder Äußerungen zur NS-Vergangenheit zu erläutern. Die Redaktion/sh
Im Artikel steht:
"Dabei diskutieren sie Ideen von pädagogischen Klassikern wie Jean-Jacques Rousseau, Johann Heinrich Pestalozzi oder von Soziologen wie Theodor W. Adorno. Vor allem dieser Umstand hat wohl für das Vorurteil gesorgt, Erziehungswissenschaft sei ein »Laberfach«."
Das Zitat enthält zwei Aussagen:
1.Auch in der zeitgenössischen Pädagogik bechäftigten sich die Studierenden mit
/Zitat
Ideen von pädagogischen Klassikern wie Jean-Jacques Rousseau, Johann Heinrich Pestalozzi oder von Soziologen wie Theodor W. Adorno."
Zitat/
Nochmals im Klartext: Studenten der Pädagogik beschäftigen sich auch in der zeitgenössischen Pädagogik mit den oben genannten Klassikern. Wenn Sprache einen Sinn haben soll, steht dies als Fakt fest. Und auf diesen Fakt bezog sich mein Beitrag.
2. WEIL dem so ist, weil sich die zeitgen. Pädagogik IMMER NOCH mit diesen ""Klassikern" beschäftigt, hat dies
/Zitat
wohl für das Vorurteil gesorgt, Erziehungswissenschaft sei ein »Laberfach«.
Zitat/
Die Behauptung der Redaktion
/Zitat
Rousseau, Pestalozzi und Adorno werden im Artikel genannt, um zu erklären, warum Pädagogik als "Laberfach" bezeichnet wird
Zitat/
ist schlicht und einfach und nachprüfbar falsch. Die Begründung der Redaktion für die Entfernung meines Beitrags ist für jemanden, der des Lesens kundig ist, unhaltbar. Sie lässt nur den Schluss zu, dass belegbare und sachkundige Kritik an der zeitgenösschen Pädagogik hier und jetzt von der Redaktion zensiert wird.
Die Redaktion behauptet, mein Beitrag zu den so genannten "Klassikern" der Pädagogik hätte sich damit beschäftigt,
"deren Biographien oder Äußerungen zur NS-Vergangenheit zu erläutern."
Die Behauptung ist falsch. Ich wies daraufhin, dass sowohl bei Rousseau (er gab seine 5 Kinder ins Findelheim) als auch bei Pastallozi (er versagte als Erzieher im Alltag katastrophal) und Adorno (der bei dieser Thematik einfach daherschwafelte) zwischen PRAXIS und THEORIE Welten lagen.
UND GENAU UNTER DIESEM PROBLEM LEIDET DIE PÄDSGOGIK BIS HEUTE.
Sie verkündet großartige Theorien in der Regel eher moralischer Art, die sich bei den alltäglichen Berufsanforderungen in der Schule als eher schädlich denn hilfreich erweisen und die man am besten nach der Klausur wieder aus dem Gedächtnis streicht.
Dass die Redaktion einen solchen Beitrag zensiert und FALSCH interpretiert, lässt nur einen Schluss zu: Eklatante Unkenntnis bei der zur Rede stehenden Thematik.
Dann allerdings wäre etwas mehr Zurückhaltung bei zensierenden Eingriffen zu empfehlen.
Im Artikel steht:
"Dabei diskutieren sie Ideen von pädagogischen Klassikern wie Jean-Jacques Rousseau, Johann Heinrich Pestalozzi oder von Soziologen wie Theodor W. Adorno. Vor allem dieser Umstand hat wohl für das Vorurteil gesorgt, Erziehungswissenschaft sei ein »Laberfach«."
Das Zitat enthält zwei Aussagen:
1.Auch in der zeitgenössischen Pädagogik bechäftigten sich die Studierenden mit
/Zitat
Ideen von pädagogischen Klassikern wie Jean-Jacques Rousseau, Johann Heinrich Pestalozzi oder von Soziologen wie Theodor W. Adorno."
Zitat/
Nochmals im Klartext: Studenten der Pädagogik beschäftigen sich auch in der zeitgenössischen Pädagogik mit den oben genannten Klassikern. Wenn Sprache einen Sinn haben soll, steht dies als Fakt fest. Und auf diesen Fakt bezog sich mein Beitrag.
2. WEIL dem so ist, weil sich die zeitgen. Pädagogik IMMER NOCH mit diesen ""Klassikern" beschäftigt, hat dies
/Zitat
wohl für das Vorurteil gesorgt, Erziehungswissenschaft sei ein »Laberfach«.
Zitat/
Die Behauptung der Redaktion
/Zitat
Rousseau, Pestalozzi und Adorno werden im Artikel genannt, um zu erklären, warum Pädagogik als "Laberfach" bezeichnet wird
Zitat/
ist schlicht und einfach und nachprüfbar falsch. Die Begründung der Redaktion für die Entfernung meines Beitrags ist für jemanden, der des Lesens kundig ist, unhaltbar. Sie lässt nur den Schluss zu, dass belegbare und sachkundige Kritik an der zeitgenösschen Pädagogik hier und jetzt von der Redaktion zensiert wird.
Die Redaktion behauptet, mein Beitrag zu den so genannten "Klassikern" der Pädagogik hätte sich damit beschäftigt,
"deren Biographien oder Äußerungen zur NS-Vergangenheit zu erläutern."
Die Behauptung ist falsch. Ich wies daraufhin, dass sowohl bei Rousseau (er gab seine 5 Kinder ins Findelheim) als auch bei Pastallozi (er versagte als Erzieher im Alltag katastrophal) und Adorno (der bei dieser Thematik einfach daherschwafelte) zwischen PRAXIS und THEORIE Welten lagen.
UND GENAU UNTER DIESEM PROBLEM LEIDET DIE PÄDSGOGIK BIS HEUTE.
Sie verkündet großartige Theorien in der Regel eher moralischer Art, die sich bei den alltäglichen Berufsanforderungen in der Schule als eher schädlich denn hilfreich erweisen und die man am besten nach der Klausur wieder aus dem Gedächtnis streicht.
Dass die Redaktion einen solchen Beitrag zensiert und FALSCH interpretiert, lässt nur einen Schluss zu: Eklatante Unkenntnis bei der zur Rede stehenden Thematik.
Dann allerdings wäre etwas mehr Zurückhaltung bei zensierenden Eingriffen zu empfehlen.
Das Problem bei Fächern wie den Erziehungswissenschaften ist, dass sie nicht speziell auf ein Tätigkeitsfeld hin qualifizieren, sondern sich mit einem weitgefächerten Themengebiet befassen. Es ist daher unabdingbar, sich bereits während des Studiums auf bestimmte Aufgabenfelder zu konzentrieren und darin möglichst viel Praxiserfahrungen zu sammeln. Ich weiß aus Erfahrung, dass sich ohne diese Spezialisierung ein Eintritt in spannende und gut dotierte Tätigkeiten recht schwierig gestalten kann.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren