Lebensbild eines Monarchen Ein heiterer Mann

Krieger und Friedensstifter, legendärer Liebhaber und begeisterter Vater: Frankreich liebt bis heute seinen »guten König« Heinrich IV., der am 14. Mai 1610 in Paris ermordet wurde. Ein Lebensbild des vitalen Monarchen

Henri Quatre in Heldenpose auf einem Gemälde von Ambroise Dubois (um 1600)

Henri Quatre in Heldenpose auf einem Gemälde von Ambroise Dubois (um 1600)

Ein Historiker von Rang, der seine Geschichte der Franzosen mit getragenem Ernst, ja einer gewissen Feierlichkeit niederschrieb, fand unversehens heitere Töne, als seine Erzählung bei Henri Quatre anlangte. König Heinrich IV. habe sich, als er der Macht über das Land endlich sicher sein konnte, als »ein Ausbund an Vitalität« erwiesen – trotz seiner 47 Jahre (die in jener Epoche als ein vorgerücktes Alter galten) und trotz des ergrauten Bartes und der allzu prominenten Nase, die fast seine Oberlippe erreichte, immer noch ausgesprochen gut aussehend.

Heinrichs Charakter, schreibt Guillaume-André de Bertier de Sauvigny in seinem 1977 erschienenen Buch weiter, sei von dem »unsteten Leben eines Partisanenführers« geprägt worden, sein politisches Urteil von den Wechselfällen des Geschicks geschärft; er habe in allen Regionen und Winkeln Frankreichs das Leben seiner einfachsten Untertanen kennengelernt, was für einen König ganz ungewöhnlich gewesen sei. »Er bezauberte durch seinen Elan, seine gute Laune, seine ungezwungenen Manieren, seinen Geist, seinen Witz, seinen verzeihenden Großmut und durch seine Fähigkeit, Befehle als Bitten« zu formulieren.

56 seiner Mätressen sind namentlich bekannt

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Nein, die gute Laune zählte nicht zu den dominierenden Eigenschaften der bedeutenden Herrscher Frankreichs, nicht der gekrönten und nicht der republikanischen. Sie zeichnete weder Ludwig XIV. noch Napoleon aus, weder Clemenceau, den Organisator des Sieges im Ersten Weltkrieg, noch Charles de Gaulle, den Gründervater des heutigen Frankreich. Freilich, die streng katholische Gesinnung verbot es Bertier de Sauvigny, die wichtigste Quelle der Daseinslust Heinrichs von Navarra beim Namen zu nennen: eine erotische Dynamik, wie sie keinem anderen König, auch keinem Präsidenten Frankreichs nachgesagt werden kann.

Oder übertrieben seine Bewunderer die Liebeskräfte des »guten Königs«? Der Schriftsteller André Maurois berichtete 1947 in seiner nüchternen Geschichte Frankreichs von 56 Mätressen, die mit Namen verzeichnet seien. Die Unbekannten und Unbenannten dazugerechnet, müsse die Zahl wohl verdoppelt werden, und die Schar der Kinder, die er zeugte, hätte, auf einem Fleck versammelt, eine stattliche Gemeinde ergeben.

Seine ehelichen Sprösslinge ließ Heinrich – allzeit ein begeisterter Vater – zusammen mit den Kindern erziehen, die seine damalige Hauptmätresse fast taktgleich mit der Gattin Maria von Medici zur Welt brachte. Murrend fügte sich die Florentinerin, die 600.000 Goldtaler in die Ehe gebracht hatte. Eine sagenhafte Mitgift – freilich nicht hoch genug, um die Schulden des Königs zu tilgen. Aber sie boten eine Entlastung. Statt Dank zu ernten, wurde die statuöse Königin, deren üppige Formen später von Peter Paul Rubens schmeichlerisch verewigt wurden, am Hofe heimlich als »la grosse banquière«, als »fettes Bankiersweib«, verspottet.

Maria von Medici war Heinrichs zweite Frau. Die erste Ehe schloss er mit einer Tochter Katharina von Medicis: Margarete von Valois, die machtbewusste, vitale Königin Margot. 1599 war die Ehe geschieden worden, da kinderlos geblieben. Lieber hätte Heinrich die schöne Gabrielle d’Estrées geheiratet, seine offizielle Mätresse. Doch die energische Margot, ganz Tochter ihrer Mutter, hatte sich nur unter der besonderen Bedingung scheiden lassen, dass sie selber zunächst Königin bleibt und Heinrich die dicke, reiche Maria heiratet, eine Verwandte aus dem Medici-Clan.

Die Ehe erstickte seine Lebenslust nicht. Darum vergöttern ihn seine Landsleute bis zum heutigen Tag (auch wenn ausgerechnet die glühendste Verklärung seiner Gestalt in der Romanbiografie Heinrich Manns nie so recht ihr Interesse fand, vielleicht weil ihnen Manns chronisch hoher Ton doch zu anstrengend ist). Heinrichs robuster Machtwille verband sich stets mit dem Wunsch, sein Glück zu dem der vielen, zu dem des Volkes zu machen.

In der Tat bescherte er Frankreich von 1594, dem Jahr seines Einzugs in Paris, bis 1610, dem Jahr seiner Ermordung, eine Ära des inneren Friedens. Eine Zeit, in der die Bauern ihre Äcker ohne die Furcht bestellen konnten, dass die reifende Ernte morgen von dem einen oder anderen Heerhaufen in den Boden gestampft würde. Eine Schonfrist, in der das Handwerk wieder gedieh, die Städte nicht mehr den Plünderungen durch die katholische oder die protestantische Soldateska preisgegeben waren. Eine Zeit des aufblühenden Wohlstandes, in der sich Geld genug in den Kassen des Königs sammelte, um im Lande Brücken und Straßen, in Paris den Pont Neuf und den Louvre zu bauen, um neue Industrien zu gründen. So konnten sich in den letzten Jahren seiner Herrschaft auch die Franzosen der unteren Stände sonntags das Huhn im Topf leisten, das er ihnen versprochen hatte. Die Bürger sagten hernach, Henri Quatre habe Frankreich ein »goldenes Zeitalter« geschenkt.

Anderthalb Jahrzehnte, mehr nicht: ein Aufatmen nach den fast vierzig Jahren, in denen das Land den Religionskriegen ausgeliefert war, grausamer Hader, der immer wieder aufbrach, weil jede Partei und jeder ihrer Heerführer die mühsam zusammengebastelten, manchmal auch eilig improvisierten Friedensschlüsse nur als Chance nutzte, den nächsten Waffengang vorzubereiten. Das Pathos der Prediger – gleichviel ob es auf protestantischen oder katholischen Kanzeln erschallte – und der fistelnde Eifer der religiösen Fanatiker tarnten Beutegier und schiere Mordlust mit dem Anspruch der Legitimität, die aus dem Glauben stammt. Wer heutzutage naiv genug ist, den fromm drapierten Terror der Islamisten für eine beispiellose Verirrung zu halten, der lese in der Geschichte der europäischen Religionskriege nach, zu welch viehischen Schlächtereien, zu welch absurden Gräueln, zu welcher Verwüstungs- und Vernichtungswut die katholischen wie die protestantischen Heerscharen im Namen Gottes fähig waren!

Uns heute erscheint das 20. Jahrhundert, angesichts der Auslöschung von Millionen und Abermillionen Menschenleben unter dem Diktat primitiver oder intellektuell dürftig aufgeputzter Ideologien, als das finsterste in der Geschichte des Abendlandes. Doch das Zeitalter der Religionskriege steht ihm nicht viel nach. Frankreich wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, im vierzigjährigen Krieg der Konfessionen, kaum weniger verwüstet als wenig später die deutschen Lande im Dreißigjährigen Krieg. Der Unterschied: In Frankreich tobte ein Binnen- und Bürgerkrieg, Deutschland war obendrein die Walstatt fremder Heere.

Königin-Mutter Katharina von Medici bittet zur Hochzeit nach Paris

Der Teutsche Krieg hinterließ in der Gesellschaft eine Urangst, von der die Mentalität der Deutschen bis in unsere Tage geprägt ist. Und Frankreich? Es hat sich niemals von der Furcht vor den Heimsuchungen der inneren Zerrissenheit befreit. Aus jener Grundfurcht nährte sich der Zentralismus, von dem sich das Land erst jetzt im Zeichen Europas zu lösen versucht. Sie erklärt den eisernen Willen der Könige und ihrer Kanzler (wie Richelieu), die Provinzen zu entmachten, ohne Rücksicht auf ihre gewachsenen Kulturen, voller Misstrauen gegen die Minderheiten, die bis in die Anfänge des 19. Jahrhunderts – alle zusammengezählt – in Wirklichkeit eine Mehrheit waren, die meisten der Bauern und kleinen Bürger kaum des Französischen mächtig.

Diese Urfurcht war es auch, die Ludwig XIV. 1685 zur Aufhebung des Ediktes von Nantes trieb. Mit diesem Edikt, diesem Monument der Toleranz, hatte HeinrichIV. 87 Jahre zuvor den Protestanten Glaubensfreiheit, Zugang zu Ämtern und Würden und gerechte Gerichte zu sichern versucht. Diese Urfurcht war das Grundmotiv für die unerbittlich brutale Verfolgung, mit der der »Sonnenkönig« dann die reformierten Christen im Land überzog – das düstere Schlusskapitel der Religionskriege.

Weit, bis ins späte Mittelalter, reicht ihre Geschichte zurück. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts wurden die Katharer mit Feuer und Schwert vertilgt: jene urchristliche Gegenkirche der »Reinen«, wie sich die Mitglieder selbst nannten; der Begriff, aus dem Griechischen hergeleitet, ist vermutlich auch der Ursprung des deutschen Wortes »Ketzer«. Sie hatten vor allem in den mediterranen Regionen Zulauf gefunden, und eine ihrer Festungen war die Stadt Albi, von der sie ihren zweiten Namen bezogen: die Albingenser. Tausendfach wurden die Einheit der Kirche und die Einheit des Königreiches beschworen, um die gnadenlose Vernichtungsorgien der rom- und königstreuen Terrorkommandos zu rechtfertigen.

Es wundert daher nicht, dass dann im 16. Jahrhundert im Süden Frankreichs die Lehren der Reformatoren zunächst fast stärkeren Zulauf fanden als droben im Norden. Wie groß die Zahl der Bürger und Bauern, der Adligen war, die in Frankreich den neuen Ideen anhingen, wissen wir nicht. Jakob Burckhardt, der große Schweizer Historiker, nahm an, dass sich niemals mehr als ein Zehntel der Bevölkerung zum Protestantismus bekannt hat. Die 150 »sicheren Plätze«, die Heinrich 1597 in seinem Edikt von Nantes den Hugenotten zusprach, zählten zusammen etwa 1,2 Millionen Seelen. Aber daraus ergibt sich keine schlüssige Berechnung. Manche Kenner der Epoche schätzen, dass zu Beginn der Konfessionskonflikte wenigstens ein Drittel der Franzosen von den Botschaften Calvins und Luthers ergriffen wurde.

Dass der junge Herrscher des Kleinkönigreiches von Navarra im äußersten Südwesten Frankreichs dem protestantischen Bekenntnis anhing, ergab sich ganz natürlich, da seine Mutter Johanna von Albret eine leidenschaftliche Vorkämpferin der Reform war. Der Sohn, am 13. Dezember 1553 im Schloss von Pau geboren, erwies sich als eine glückliche Natur, mit einer raschen Intelligenz begabt und jung schon ein couragierter Soldat. Die ehrgeizige Mama bestimmte ihn früh zum militärischen Führer der Protestanten. Sie ließ ein Goldmedaillon prägen, das den 15-jährigen Jüngling auf der einen Seite, auf der anderen den politischen Chef der Protestanten zeigte, den Admiral de Coligny, der im Dienste des französischen Königshauses rasch aufgestiegen war, ehe er zur Kirche der Reform konvertierte. Im Gegensatz zu dem strengen Staatsmann liebte der junge Henri vor allem das Leben. Jeder Fanatismus war ihm fremd, doch er wusste seine (wandelbaren) Überzeugungen mit einer eleganten und – wenn es notwendig war – kräftig-volksnahen Sprache zu vertreten. Freilich eroberte er lieber die Betten der Damen als feindliche Festungen.

Katharina von Medici, die regierende Königin-Mutter in Paris, warf früh ein prüfendes Auge auf den jungen protestantischen Heerführer aus dem Haus der Bourbonen, der überdies mit der regierenden Dynastie der Valois verwandt war. Er stand dem Königsthron am nächsten, wenn, wie zu befürchten stand, die eigenen Söhne kinderlos bleiben sollten. Um seiner sicher zu sein, erwählte sie ihn zum Gatten ihrer eigensinnigen Tochter Margarete, die alle Welt Margot nannte.

Zur glanzvollen Hochzeit des Königs von Navarra mit der Prinzessin von Valois am 16. August 1572 hatten sich einige Tausend Mitglieder des protestantischen Adels in Paris eingefunden. Die Stimmung war gereizt. Die Chefs der katholischen Partei, hinter der als mächtige Schutzmacht das fanatische Spanien Philipps II. stand, gaben vor, einen protestantischen Staatsstreich zu wittern. Sie rieten der immer noch auf Ausgleich bedachten Katharina dringend, Coligny, angeblich der Kopf der Verschwörung, beseitigen zu lassen. Der Anschlag misslang. Der Admiral wurde nur leicht verwundet.

Die protestantischen Hochzeitsgäste waren empört. Was nun folgte, ist bis heute ungeklärt. Einige Historiker vermuten eine spanische Intrige. Andere beschuldigen Katharina, sie habe, von nackter Angst getrieben, ihrem schwachen Sohn, König Karl IX., souffliert, dass nur die Liquidierung der protestantischen Elite ihn selbst und das Haus Valois noch retten könne. Verdunkelten Sinnes stimmte der verwirrte junge Mensch zu.

In der Bartholomäusnacht werden Tausende Protestanten ermordet

Am 24. August 1572 um ein Uhr dreißig in der Nacht des heiligen Bartholomäus läuteten die Sturmglocken der Kirche Saint-Germain-l’Auxerrois. Die Schlächter gingen ans Werk. Der Herzog von Guise, ein rot glühender Katholik, überwachte in Person die Ermordung des Admirals de Coligny. Der Pariser Pöbel, vom Blutbad berauscht, erstach und erschlug alle, die er für protestantisch hielt, auch Frauen und Kinder. Die Schätzungen über die Zahl der Opfer schwanken. Es waren in Paris wohl drei- oder viertausend. Etwa zwanzigtausend weitere Menschen mussten in den Provinzstädten »dran glauben« – wie der deutsche Volksmund so richtig sagt –, zumal in Orléans und Lyon.

Heinrich von Navarra, seit wenigen Tagen Katharinas Schwiegersohn, saß unter Hausarrest im Louvre. Der 19-Jährige sollte geschont bleiben, falls er konvertierte. Heinrich beugte sich; Dogmen kümmerten ihn wenig, und Konfessionswechsel belasteten sein Gewissen nicht. So oder so versuche er, ein guter Christ zu sein, bemerkte er später.

Etwas anderes quälte ihn. Er wurde den Verdacht nicht los, seine Frau, die kluge Margot, habe von dem Komplott der Blutnacht gewusst. Die Ehe (ohne Liebe) fand ein Ende, noch ehe sie recht begonnen hatte (doch es brauchte mehr als ein Vierteljahrhundert, bis die Scheidung vollzogen wurde).

In einer eiskalten Winternacht gelang Heinrich die Flucht. Er schloss sich den protestantischen Streitkräften an und bekannte sich wieder zur Konfession der Reform. Das Martyrium der Bartholomäusnacht wurde für das protestantische Europa zur mythischen Evidenz der infernalischen Intoleranz des Papismus. Katharina von Medici, die als die Anstifterin des großen Mordes galt, wurde zur Symbolgestalt des Urbösen. Man vergaß darüber oft, dass auch die militärischen Führer der Reformkirchen und ihre Landsknechte keine gütigen Engel waren. Sie standen mit ihren Gräueln den katholischen Kriegern nicht nach. Nur Heinrich von Navarra behauptete den Ruf eines untadeligen Soldaten.

Karl IX. starb, 24 Jahre alt, nicht lange nach der Pariser Bluthochzeit an der Tuberkulose. Dem Bruder Heinrich von Valois, inzwischen zum polnischen König gewählt, fiel die Nachfolge zu. Unverzüglich kehrte er aus Krakau zurück. Den radikalen Katholiken passte es nicht, dass der intelligente und allzu elegante junge Mann den Frieden mit den Protestanten suchte. Die Pariser lachten über Heinrichs Neigung, sich mit zu viel Schmuck zu behängen und zu parfümieren, ja manchmal in Frauenkleidern aufzutreten. Man nannte ihn voller Spott den »Prinzen von Sodom«.

1574 zum König gekrönt, stand auch HeinrichIII., wie schon sein Bruder, ganz unter der Fuchtel der Übermutter Katharina. Zugleich war der Herzog von Guise als Führer der Katholischen Liga so mächtig wie nie. Unterstützt von Spanien, torpedierte er alle Versuche des Königshauses, mit den Hugenotten zu einem Ausgleich zu kommen, und kämpfte weiter gegen Heinrich von Navarra, der ihre Führung übernommen hatte. Als 1584 der letzte Bruder des kinderlosen Königs starb und es keinen Thronfolger mehr gab, erhob Guise selbst Anspruch auf die Nachfolge. Es kam zum offenen Bruch mit Heinrich III.; Guise zog in Richtung Paris. Unter brausendem Jubel wurde der Haudegen mit dem zernarbten Gesicht in der Hauptstadt empfangen.

Heinrich blieb nichts anderes als die Flucht. Doch auch er fuhr jetzt die Krallen aus. Ohne die Meinung seiner Mutter einzuholen, die das Exil in Blois an der Loire mit ihm teilte, ließ er den Herzog, nachdem er scheinbar auf dessen Forderungen eingegangen war und ihn zum Generalstatthalter ernannt hatte, am Vorabend der Heiligen Nacht 1588 ermorden. Sicherheitshalber wurde zugleich auch der Bruder des Herzogs auf Befehl des Königs umgebracht. Der Doppelmord traf Katharina wie ein Schock. Sie erkrankte schwer und starb zwei Wochen später.

Das katholische Lager tobte. Die Liga setzte sich in Paris fest und suchte nach Mitteln, den König zum Verzicht auf die Krone zu zwingen. Heinrich III. verbündete sich in der Not mit seinem protestantischen Schwager Heinrich von Navarra. Gemeinsam belagerten sie Paris. Der König versicherte dem ketzerischen Alliierten, dass er in ihm den Thronfolger sehe. Zugleich bat er ihn dringend, sich von Neuem und mit verlässlichem Ernst zum katholischem Glauben zu bekehren – eine Mahnung, die er wiederholte, ehe ihn die posthume Rache des Herzogs von Guise ereilte und er in der Nacht des 2. August 1589 starb, vom Dolch eines Dominikanermönches getroffen.

Heinrich begreift, dass er konvertieren muss

Noch wusste der Mann aus Navarra das Land nicht hinter sich. Im Kampf gegen die Liga folgten auf Siege Niederlagen. Vergeblich versuchte er, Paris zu erobern, das die Liga mit der Unterstützung spanischer Truppen weiterhin hielt. Er begriff, dass die Konversion gewissermaßen seine Pflicht war. Im Juli 1593 bekannte er sich, ganz in Weiß gekleidet, in der Basilika von Saint-Denis vor den Toren von Paris, zur römischen Kirche. Die Front der Liga begann zu bröckeln. Im März des folgenden Jahres war es dann endlich so weit: Heinrich IV. zog in der Hauptstadt ein und ließ in Notre-Dame ein Te Deum anstimmen. In der Tat, Paris war eine Messe wert.

Zugleich verkündete er eine Generalamnestie, die den Hass der Parteien zähmen sollte. Dieser Hass aber glühte unter der Oberfläche weiter, auch in den friedvollen Jahren nach seiner Heirat mit der dicken Medici, mit der er nach dem Dauphin noch weitere vier Kinder zeugte.

Er durfte sich nicht lang an ihnen erfreuen. Am 14.Mai 1610 fuhr der König durch Paris. In der Rue de la Ferronnerie wurde sein Wagen aufgehalten, ein Mann sprang auf das Trittbrett und stach auf Heinrich ein. Der König starb innerhalb weniger Minuten. Der geistig gestörte Mörder François Ravaillac, später durch Vierteilung hingerichtet, beschwor bis zum Ende, dass ihn niemand zu der Tat angestachelt habe. Tatsächlich züngelten im Geheimen viele Verschwörungen. 

Heinrichs Ende aber schuf für die Franzosen einen Mythos, wie er sich in unserer Epoche mit dem Mord an John F. Kennedy ins Gedächtnis der Menschheit eingegraben hat. Henri Quatre wurde zur Lichtgestalt der Geschichte Frankreichs. Selbst die Französische Revolution überlebte er: Nachdem die Republikaner sein Denkmal in Paris gestürzt hatten, wurde es 1818 neu errichtet. Und dort, auf »seinem« Pont Neuf an der Spitze der Ile de la Cité, steht es noch heute.

 
Leser-Kommentare
  1. Wieder einer der historischen Artikel, die ich schätze. Ich vermisse trotzdem - natürlich unabhängig vom Artikel - die damalige Kolumne "Zeitläufte" auf der letzten Seite. Lange galt dieser Seite mein erster, spätestens aber mein zweiter Blick.

    Hinter oder innerhalb des Dossiers gehen die oft gut geschriebenen Artikel leider unter.

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    Ja, Zeitläufte war eine tolle Rubrik. Wenn ich etwas ausschnitt und aufbewahrte, dann war es diese eine Seite.

    Ja, Zeitläufte war eine tolle Rubrik. Wenn ich etwas ausschnitt und aufbewahrte, dann war es diese eine Seite.

  2. Bisher waren mir die Hintergründe der "Bartholomäusnacht" nicht wirklich bekannt. Das hat sich nun geändert. Vielen Dank dafür!

    Ein sehr schöner Text über Heinrich IV. ("Pau" - seine Geburtsstadt) steht übrigens auch in Kurt Tucholskys "Pyrenäenbuch".

    • ddkddk
    • 15.05.2010 um 17:21 Uhr

    hat er wohl von seiner Großmutter Margarete von Angoulême, Königin von Navarra, die bekanntlich das Heptameron verfasste.

    Richtig dargestellt wurde, dass Heinrich III. von einem Mitglied der Domini Cani ermordet wurde.

    Nicht verschwiegen werden sollte, dass der Verdacht besteht, dass Heinrich IV. auf Anstiftung der Societas Jesu ermordet wurde. Heinrich Mann war jedenfalls überzeugt davon und hat dies ganz gut dargestellt. Das Motiv hierzu lag, wie bei Heinrich III., jedenfalls klar auf der Hand.

  3. Weil er vielleicht auf Kosten anderer Menschen lebt?
    Wieso ermordert man einen beliebten Mann?

    Weil er verdammt homosexuell ausschaut in seinem Pinken Tütü?

    Weil er viele Kinder in die Welt setzt um die sich andere nicht adelige Menschen kuemmern muessen, sprich diese Polygamie auch noch finanzieren muessen?

    Jaja, die Monarchie. Schade das es diese Herrenmenschen in Deutschland nicht mehr gibt. Diese Menschen bereichern durch ihre Nichtleistugen eine ganze Gesellschaft. Welch edle Geschoepfe.
    (ironie off)

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    • ddkddk
    • 15.05.2010 um 20:24 Uhr

    Sie ist aber gerade bei Henri Quatre völlig unangebracht.

    Er war in jeder Hinsicht ein außergewöhnlicher Mensch und Herrscher.

    Also bei aller berechtigter Kritik am Adel, von der ich nebenbei nicht glaube, dass sie auch Heinrich IV zutrifft, der Satz über Homosexuelle ist ja wohl absolut unpassend. Aber man sieht eben in jeder Epoche, wes Geistes Kind ein Mensch oder Kommentator ist...

    • ddkddk
    • 15.05.2010 um 20:24 Uhr

    Sie ist aber gerade bei Henri Quatre völlig unangebracht.

    Er war in jeder Hinsicht ein außergewöhnlicher Mensch und Herrscher.

    Also bei aller berechtigter Kritik am Adel, von der ich nebenbei nicht glaube, dass sie auch Heinrich IV zutrifft, der Satz über Homosexuelle ist ja wohl absolut unpassend. Aber man sieht eben in jeder Epoche, wes Geistes Kind ein Mensch oder Kommentator ist...

    • ddkddk
    • 15.05.2010 um 20:24 Uhr

    Sie ist aber gerade bei Henri Quatre völlig unangebracht.

    Er war in jeder Hinsicht ein außergewöhnlicher Mensch und Herrscher.

  4. Also bei aller berechtigter Kritik am Adel, von der ich nebenbei nicht glaube, dass sie auch Heinrich IV zutrifft, der Satz über Homosexuelle ist ja wohl absolut unpassend. Aber man sieht eben in jeder Epoche, wes Geistes Kind ein Mensch oder Kommentator ist...

  5. Es gibt eine sehr schöne Roman-Reihe von dem französischen Historiker Robert Merle, die "Fotune de France", die sich ausführlich mit den franz. Religionskriegen und den Folgen (z.B.Bartholomäusnacht,Henri III.,Henri IV. und dessen Nachfolger) beschäftigt.
    Gut recherchiert und (selbst für einen Historiker) gut geschrieben - macht Spaß diese Bücher zu lesen, wenn man historisch interessiert ist.

  6. ...es sollte natürlich "Fortune de France" heissen ;-)

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