DIE ZEIT: Sind Sie der EU-Kommissar, der den Euro zu Grabe trägt?

Olli Rehn: Ich werde natürlich der Kommissar sein, der den Euro stärker gemacht hat.

ZEIT: Zu einem hohen Preis: 500 Milliarden Euro kann die Rettung Europas Steuerzahler kosten .

Rehn: Bis zu dieser Summe kann die Union Mitgliedsstaaten Kredite gewähren – wenn sie durch außergewöhnliche Umstände in Schwierigkeiten geraten sind. Das sind weder Geschenke, noch ist das verlorenes Geld. Im Gegenteil, dass diese Summe nun bekannt ist, macht es sehr unwahrscheinlich, dass sie je gebraucht wird.

ZEIT: Haben Sie am Wochenende eine neue Währungsunion geschaffen?

Rehn: Nein, wir haben in schweren Zeiten die bestehende Union gestärkt

ZEIT: Durch den Hilfsfonds, den die Regierungen nun auf ihren Vorschlag einrichten?

Rehn: Der Fonds wird Ländern helfen, gegen die spekuliert wird. Das Signal: Wir werden den Euro nicht aufgeben. Wir werden ihn verteidigen.

ZEIT: Kriegen wir damit nun so etwas wie einen Europäischen Währungsfonds?

Rehn: Es muss kein Europäischer Währungsfonds werden. Wir wollen nicht die nächste europäische Institution schaffen. Das wäre teuer und würde komplizierte Vertragsänderungen erfordern. Außerdem ist es unnötig. Unsere jetzige Lösung ist schneller.

ZEIT: Und wenn Sie auf diese Weise das verlorene Vertrauen der Anleger doch nicht dauerhaft gewinnen – haben Sie dann noch einen Plan B?

Rehn: Wir sind schon bei Plan E wie Euro. Eines ist klar: Die Feuerwehraktion ist nur ein Teil der Antwort, die Vorsorge auf lange Sicht muss anders sein. Die Euroländer werden ihre Haushalte sanieren müssen. Jetzt heißt es sparen.

ZEIT: Das fordert die Kommission, seit es den Euro gibt. Zeigt unsere heutige Lage nicht viel mehr, dass der Euro eine Fehlkonstruktion war, weil wir wichtige Fragen offengelassen haben?

Rehn: Es stimmt. Schon als Europa mit dem Delors-Bericht den Grundstein zur Währungsunion legte, kannten wir die strukturellen Schwächen der Konstruktion. Wir haben deswegen später den Stabilitätspakt geschaffen. Der sollte mit harten Regeln dafür sorgen, dass alle Regierungen ähnlich solide wirtschaften. Aber erstens wurde der Pakt zu wenig beachtet. Zweitens haben wir zu wenig berücksichtigt, wie unterschiedlich die Volkswirtschaften wachsen und welche Ungleichgewichte zwischen ihnen entstehen – doch genau das sind die wichtigsten Gründe für die heutige Krise. Und drittens konnten wir uns nicht vorstellen, dass jemand in die Situation von Griechenland kommen würde. Dafür haben wir nicht vorgesorgt.

ZEIT: Wenn Sie "wir" sagen, meinen Sie dann auch die EU-Kommission. Haben Sie früh genug und laut genug vor den Problemen gewarnt?

Rehn:(lacht) Warum sollte ich Fehler gestehen?

ZEIT: Weil es doch offensichtlich ist, dass die Kommission Griechenland nicht genug überwacht und vor der Krise nicht laut genug gewarnt hat.

Rehn: Wir haben nach dem Zusammenbruch der Lehman-Bank sehr schnell dafür plädiert, Konjunkturprogramme aufzulegen, und die halfen, eine schlimme Rezession zu verhindern. Der Preis war allerdings die hohe Verschuldung der Euro-Länder. Sie liegt in der EU – gemessen an der Wirtschaftsleistung – durchschnittlich um 20 Prozentpunkte höher als vor der Krise. Wir haben also in zwei Jahren zwei Jahrzehnte des Konsolidierens ausradiert. Deswegen mahnen wir in Brüssel jetzt auch wieder lauter als viele andere zum Sparen .