Tierschutz Viel Feind', viel Ehr'
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Kormorane können jahrelange Arbeit für den Artenschutz zerstören

Kormorane können jahrelange Arbeit für den Artenschutz zerstören

Ein noch kleiner, aber sehr aktiver Teil der Angler meidet jedoch degradierte Gewässer und betreibt aktiven Naturschutz, um Seen und Flüsse zu renaturieren, verschwundene Spezies wie den Lachs wieder einzubürgern oder bedrohte Spezies wie die Äsche zu bewahren. Dieser forellenartige Fisch ist vielerorts eine Art Liebhabertier, das nur gehegt und nicht entnommen wird. Finanziell unterstützt dies etwa das bayerische Umweltministerium mit dem »Artenschutzprogramm Äsche«.

In koordinierten Attacken können Kormorane jahrelange Artenschutzarbeit zerstören, auch in abwechslungsreichen Flüssen mit Versteckmöglichkeiten. Besonders gefährlich sind strenge Winter, in denen stehende Gewässer zufrieren, sodass alle Kormorane in noch offenen Fließgewässern jagen. Nach zwei harten Wintern sind derzeit in vielen Bächen und Flüssen kaum noch Barben, Nasen, Forellen und Äschen übrig. Von den wenigen Überlebenden wiederum sind viele verletzt durch scharfe Kormoranschnäbel.

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»Das erkennen die Angler zwar richtig, trotzdem beeindrucken solch unsystematische Beobachtungen Vogelfreunde und Politiker nicht«, sagt Felix Rauschmayer vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. Der Trainer für gewaltfreie Kommunikation ist spezialisiert auf Umweltkonflikte und hat für die EU jahrelang den Streit um den Kormoran untersucht. Ihn hat am meisten gewundert, wie wenig echte Gespräche zwischen den Kontrahenten stattfinden. »Vogelschützer sollten endlich zugeben, dass nicht nur Teichwirte, sondern auch Angler Schäden durch den Kormoran erleiden. Und die Angler müssen einsehen, dass ihre jahrzehntealten Gewohnheitsrechte nicht unbedingt über einem gesellschaftlich gewünschten Naturschutz stehen.«

Stur fordern stattdessen Vogelschutzfunktionäre, Angler sollten sich mit dem begnügen, was übrig bleibe. »Wenn an manchen Gewässern das Angeln keinen Sinn mehr hat, ist das eben so«, heißt es beim Nabu: »Gönnt dem Vogel doch seinen Fisch.« Hinzu kommt, dass Ornithologen den wissenschaftlichen Diskurs dominieren, von Ichthyologen (Fischkundlern) ist kaum etwas zu hören. Auch haben Teichwirte und Angler lange keine professionelle Öffentlichkeitsarbeit betrieben.

Einer ihrer seltenen Erfolge war, als Ende 2008 über 96 Prozent der Abgeordneten des Europaparlaments die EU-Kommission aufforderten, einen Kormoran-Managementplan zu entwickeln. Denn die Vögel fräßen »in vielen Mitgliedsstaaten ein Vielfaches dessen, was die Binnenfischerei und Fischzucht an Speisefischen erzeugt«.

Doch die Kommission winkte ab: Zu unterschiedlich sind die Einstellungen der 27 EU-Mitglieder. So wird in den Niederlanden prinzipiell kein Kormoran geschossen, in Frankreich sind es über 30.000 pro Jahr. Die Dänen halten unaufgeregt ihren Kormoranbestand gedeckelt, in Finnland zerstörten im vergangenen Jahr Fischer ungestraft neue Kormorankolonien. EU-Beamte bezweifeln, dass 27 Mitgliedsstaaten beim Kormoran-Management unter einen Hut zu bekommen sind. Schon Deutschland könne seine 16 Bundesländer zu keiner einheitlichen Politik bewegen. So hat Hessen keine Kormoran-Verordnung, Bayern bundesweit die schärfste. Die erlaubt es, von Mitte August bis Mitte März in Gewässernähe Kormorane zu erlegen. 2009 sind in Bayern über 8500 Stück geschossen worden, mehr als die Hälfte der bundesweiten Strecke von 15.000.

Wie schwer sich Landespolitik mit dem Vogel tut, war Anfang des Jahres in Mecklenburg-Vorpommern zu beobachten, das den höchsten Kormoranbestand aufweist. Umweltminister Till Backhaus (SPD) hatte im Schweriner Schlossrestaurant vor dem Jagd- und Angelverband zur »Großoffensive« gegen den Fischräuber geblasen und eine Reduktion der Brutpaare von 15.000 auf 3000 angekündigt – wozu passenderweise Kormoranbrust gereicht wurde. Der Schuss ging nach hinten los. Umweltverbände knöpften sich den Minister vor, der umgehend von seiner Ankündigung abrückte und stattdessen nun ein EU-weites Management für Kormorane fordert.

Konfliktforscher Rauschmayer konstatiert, dass die Kormoran-Verordnungen der deutschen Bundesländer »vorwiegend psychologische Maßnahmen sind, um den Druck vor Ort ein wenig rauszunehmen. Sie ändern am grundsätzlichen Problem nichts und nützen höchstens lokal oder kurzfristig.« Echte Erleichterung brächte nur das europaweite Management samt Reduktion der Bestände. Da genau das nicht gelinge, hätte auch die Umsetzung lokaler Großoffensiven in Mecklenburg oder Bayern keinen nachhaltigen Effekt.

Dafür sind die schwarzen Vögel zu clever, zu fruchtbar und zu mobil. So gilt für Kormorane wie für alle Räuber: Sie nutzen die Freiheit, die immobile föderale Systeme bieten.

 
Leser-Kommentare
    • Crest
    • 16.05.2010 um 18:54 Uhr

    Ihn hat am meisten gewundert, wie wenig echte Gespräche zwischen den Kontrahenten stattfinden.

    Muss man sich da wirklich so wundern?

    Ist das nicht ein typisches Kennzeichen solcher Konflikte? Für die einen geht es um das wirtschaftliche Überleben, für die anderen geht es um Ästhetik.

    Herzlichst Crest

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    "Für die einen geht es um das wirtschaftliche Überleben, für die anderen geht es um Ästhetik."

    hmmm - okay, dass es den kormoranen ums wirtschaftliche ueberleben geht, sehe ich ein. aber was die sportfischerei mit aesthetik zu tun haben soll, ist mir schleierhaft!

    "Für die einen geht es um das wirtschaftliche Überleben, für die anderen geht es um Ästhetik."

    hmmm - okay, dass es den kormoranen ums wirtschaftliche ueberleben geht, sehe ich ein. aber was die sportfischerei mit aesthetik zu tun haben soll, ist mir schleierhaft!

    • ddkddk
    • 16.05.2010 um 19:11 Uhr

    haben ihre Freude daran, dass einem Fisch ihr tückischer Haken im Gaumen hängen bleibt, den sie dann mit offenbar großem Spass, je langwieriger je schöner, aus dem Wasser ziehen können.

    Der Kormoran tötet die Fische nur, um seine Existenz zu sichern. Im Gegensatz zum Sportangler ist das für ihn kein Sport, sondern überlebenswichtig.

    Aber brauchen wir wirklich diesen Räuber?

    Der Mensch ist Teil der Natur. Ohne die ihn umschließende Umwelt ist er nicht überlebensfähig. Wenn er nur nach seinem Belieben in Nützlinge und Schädlinge unterteilt, ohne dass ihm bewusst ist, dass er dabei selbst daS größte Raubtier der Erde ist, könnte es bald soweit sein, dass er der einzige, vorübergehend noch Überlebende, in einer Umwelt ist, deren Ökosystem irreparabel zusammengebrochen ist.

  1. 3. @crest

    "Für die einen geht es um das wirtschaftliche Überleben, für die anderen geht es um Ästhetik."

    hmmm - okay, dass es den kormoranen ums wirtschaftliche ueberleben geht, sehe ich ein. aber was die sportfischerei mit aesthetik zu tun haben soll, ist mir schleierhaft!

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    • Crest
    • 16.05.2010 um 23:35 Uhr

    (Er sprach mit den Tieren und den Vögeln. ;-))

    Herzlichst Crest

    • Crest
    • 16.05.2010 um 23:35 Uhr

    (Er sprach mit den Tieren und den Vögeln. ;-))

    Herzlichst Crest

  2. .. wie dieser Vogel uns die Absurdität des gesellschaftlichen Diskurses uns vor Augen führt?
    Unfähigkeit zur Einsicht un Kommunikation auf beiden Seiten, befeuert durch ideologische Grabenkriege (schwarze Fischzüchter vs. grüne Umweltschützer) und das ganze unter Umgehung der Eigentumsrechte der Teichbesitzer.
    Ganz großes Gesellschaftskino,...
    Übrigens: Auch Waffenbesitzer haben Grundrechte.
    DAS gefällt mir.

    • Crest
    • 16.05.2010 um 23:35 Uhr

    (Er sprach mit den Tieren und den Vögeln. ;-))

    Herzlichst Crest

    Antwort auf "@crest"
  3. So, so, 360.000 Tonnen Fische fressen die Kormorane jedes Jahr in ganz Europa. Umgerechnet in Kilogramm Rindfleisch sind entspricht das einer Menge von 360.000 Kühen. die könnte man sich sparen, wenn dafür Fisch als Alternative auf den Teller kommt.

    Fiswch ist nicht nur gesünder als Rindfleich, sondern den Produktionsbedingungen ökologisch ungleich umweltfreundlicher zu produzieren. Schließlich produzieren die Mägen der Rinder im Verdauungsprozeß eine Menge Methangas - pro Rülpser ca. 40 Liter - die in die Umwelt entweichen und 10 mal schädlicher als die gleiche3 Menge CO2 sind.

    Deshlab müßten alle ökologisch Interessierten einen Aufschrei veranstalten und sich hinter die Teichbetreiber und Fischer stellen.

    Wo bleiben die GRÜNEN? Aber die versagen wieder genauso wie bei dem unsinnigen Elefantenschutz. Jeder ausgewachsene Elefant frist 400 Kilo Grün-Blätter pro Tag; die Herden zerstören ganze Landstriche und sorgen für eine weitere Versteppung Afrikas. Ende des Prozesses ist die Austrocknung der Böden, deren Erosion und am Schluß die Verwüstung.

    Offensichtlich handelt es sich bei Tierschützern um Menschen mit einem sehr eingeengten Gesichtskreis, bei denen zu allem Übel auch noch der gesunde Menschenverstand abhanden gekommen ist.

  4. Der Kracher an der Geschichte ist doch, daß der Nabu seine eigenen Besatzfische dort bezieht, wo sie mit Waffengewalt vor den Kormoranen geschützt werden. Trotzdem bekommen sie die Brut nicht durch und trotzdem führt das nicht zur Einsicht. Das ist das Problem aller Vereinigungen, die sich einseitig engagieren. Aus der anscheinenden Ohnmacht heraus werden sie mit wachsendem Erfolg und durch Spenden gut versorgt zur Geißel der Gesellschaft, unfähig zu erkennen, wann man längst über das Ziel hinaus geschossen ist. Denen auf der anderen Seite fehlt nun das Geld, oder der Wille es in die Hand zu nehmen, um ihrerseits Lobbyisten zu bezahlen, die Stimmung gegen Nabu und Kormorane machen....

    ....oder wendet sich gerade das Blatt? Geschickt platzierte Artikel in der Presse in Sachrubriken wie "Wissen" sind schließlich Teil effektiver Lobbyarbeit. Vielleicht werden bald Karpfen und Forellen unter Schutz gestellt. Man kann aber nicht gleichzeitig alle Tiere immer nur schützen. Manchmal muß man abwägen und eine Tierart dezimieren (nicht ausrotten), um einer anderen das (Über-)Leben zu ermöglichen. Diesen Ansatz beansprucht - leider teilweise zu wenig glaubhaft - die Jägerschaft für sich. Und da liegt der Hase im Pfeffer: Worin unterschieden sich Naturschützer in der Öffentlichkeit noch von der Jägerschaft, wenn sie vernünftigerweise plötzlich den Abschuss ehemals geschützter Tierarten befürworteten? In der Finanzierung. Jäger haben kein Spendenkonto.

    Alles wird wie es immer war.

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