Neandertalergenom Die Formel Sapiens
Von Menschen und Neandertalern: Forscher entdecken in den Genen Spuren einer gemeinsamen Vergangenheit. Unterschiede aber zeigen, was unsere Spezies so einzigartig macht.
Viel ist nicht geblieben. Aus dem Mittelpunkt des Universums verjagt, dann vom Thron der Schöpfung gestoßen. Der Mensch, eine Existenz ohne Sinn und Bestimmung. Voll seelenloser Tristesse zeichnen die Befunde der Wissenschaft die Stellung des Menschen in der Natur – ein harter Gegenschnitt zum abendländischen Menschenbild. In der vergangenen Woche bekam das Bild des Menschen einen weiteren Makel: Homo sapiens hat sich noch in jüngerer Vergangenheit mit »niederen« Verwandten gepaart, verkündeten internationale Wissenschaftler in der Zeitschrift Science. Auf zwölf Druckseiten, für das Magazin ungewöhnlich üppig, präsentierte das 56-köpfige Team um den Paläogenetiker Svante Pääbo vom Leipziger Max-Planck-Institut (MPI) für Evolutionäre Anthropologie den ersten Report zur Entzifferung des Neandertaler-Genoms – und wartete mit einer spektakulären Botschaft auf . »Menschen hatten Sex mit Neandertalern«, verkündeten Tagesschau und heute-journal bereits am Donnerstagabend. Tags darauf war die Nachricht von der humanen Promiskuität in allen Tageszeitungen zu lesen.
»Gratulation an die Jungs, ein außerordentlicher Befund«, urteilt der britische Anthropologe Paul Mellars von der Cambridge University . »Das bedeutet, Menschen und Neandertaler gehörten ein und derselben Spezies an.« Die Menschheit ist demnach nichts weiter als die letzte überlebende Population der Sippe Homo – eine von vielen, die lange Zeit vor und mit ihr existierten. Bis zu vier Prozent des menschlichen Erbmaterials stammten nach den bisherigen Befunden aus dem Genbestand der ausgestorbenen Frühmenschen, rechnen die Forscher vor. Man habe gezeigt, dass Mischlinge zwischen beiden Menschengruppen biologisch möglich waren, versichert Pääbo: »Es konnte passieren, und es ist tatsächlich passiert.«
- Die Wiedergeburt
Ist eine Auferstehung der Neandertaler in Fleisch und Blut bloß Science-Fiction? Ethische Bedenken einmal beiseite gelassen: Es ist durchaus denkbar, sie durch Klonen wieder ins Leben zurückzubringen. Zwar sind ihre Erbmoleküle physisch für immer verloren, die Rekonstruktion ihres Genoms besteht nur aus einer gewaltigen Menge digitaler Informationen in einer Computerdatenbank.
- Genome engineering
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Gleichwohl wäre es möglich, wenn auch derzeit sehr aufwendig, menschliche Zellen im Labor nach und nach mit den genetischen Neandertalermerkmalen aus dieser Datenbank zu versehen. Für dieses Genome engineering existieren seit Kurzem sehr effiziente Methoden, mit denen künstlich synthetisierte Neandertalergene jeweils gegen ihre menschlichen Pendants ausgetauscht werden können. Neandertalerzellen werden also bald sehr wahrscheinlich in den Laboren wachsen können.
Dann wäre es auch möglich, solche Zellen in pluripotente Stammzellen umzuwandeln, aus denen man verschiedene Gewebetypen züchten kann. Nerven-, Leber- oder Muskelzellen von Neandertalern ließen sich dann auf ihre Eigenschaften untersuchen.
- Spermien
Um aber einen lebenden Neandertaler zu klonen, müssten auch Spermien und Eizellen aus diesen Zellen zu gewinnen sein. Das funktioniert bislang noch nicht. Allerdings werden Labormäuse heute längst routinemäßig aus Stammzellen hergestellt. Auf diese Weise ließen sich vielleicht auch Neandertalerstammzellen direkt in einen Embryo verwandeln, wie das bei Labormäusen längst Praxis ist. Ob dieses Verfahren auch bei Primaten erfolgreich eingesetzt werden kann, ist allerdings offen.
- Leihmutter
Wenn es in prähistorischer Zeit wirklich Mischlinge zwischen Mensch und Neandertaler gab, dürften weibliche Anatomie und Stoffwechsel das Austragen eines geklonten Neandertalerfötus wohl erlauben. Die Frage ist allerdings: Welche Frau würde sich als Leihmutter zur Verfügung stellen? Und wenn das Kind groß ist, bekommt es dann Bürgerrechte?
In der Aufregung um die steinzeitlichen Mesalliancen – sex sells – ging die weitaus brisantere Nachricht beinahe unter. Ziel des seit 2006 vorangetriebenen Forschungsfeldzugs war es nie, etwaige Beiträge des Vorzeitlers zum genetischen Erbe der Menschheit zu beleuchten. Sein Genom wurde nicht durchbuchstabiert, um festzustellen, ob er rothaarig und blasshäutig war (wahrscheinlich) oder sprachbegabt (eher unklar) – es ist Mittel zum Zweck: Die Rekonstruktion des Neandertalers dient der Dekonstruktion des menschlichen Geistes.
Die Neandertaler repräsentierten eine fremde Intelligenz
Kein Wesen in der bekannten Evolutionsgeschichte war dem Menschen so ähnlich wie diese frühen Europäer, und dennoch waren sie ihm an Schöpfergeist ganz offenbar unterlegen. »Die Neandertaler waren keine Aliens«, sagt der Harvard-Forscher George Church , »doch sie repräsentierten eine fremde Intelligenz.« Was genau also fehlte ihnen, und was hat der Mensch ihnen voraus? Welche besondere Raffinesse liegt der conditio humana zugrunde, der menschlichen Natur?
In der belebten Natur ist das Menschenhirn eine überlegene Macht. Sein Denken reicht zum Anfang des Universums, in fernste Galaxien und hinein in die nur noch mathematisch fassbaren Bausteine der Materie. Gescheitert ist es bislang nur an der größten Herausforderung – an sich selbst. Kann die Geistmaschine sich selbst verstehen? Mit dem lang erwarteten Forschungsbericht der Paläogenetiker ist ein weiterer Pfad ins Zentrum des Mysteriums freigelegt, ein weiterer Schritt getan, um die Frage zu beantworten: Was genau macht die überlegene menschliche Kognition aus?
Die Forscher hatten die in winzige Bruchstücke zerfallenen Erbmoleküle der Frühmenschen aus fossilen Knochen von drei Individuen geborgen, die in der kroatischen Vindijahöhle vor 38.300 bis 44.500 Jahren gestorben waren ( siehe Infografik unten ). Vier Jahre und nahezu drei Millionen Euro benötigten die am Neanderthal Genome Project beteiligten Wissenschaftler, um knapp zwei Drittel des Erbguts der ausgestorbenen Vormenschen zu entziffern. Erstmals können die Fachleute nun einen Blick auf den Genbestand einer anderen Menschenform richten.
Und tatsächlich haben die Leipziger eine Reihe spektakulärer Befunde zu bieten. Komplizierte Rechenoperationen sollen aus den Erbdatenbanken von Schimpanse, Mensch und Neandertaler nun Antworten herauskitzeln: In einer Art Dreisatz der Genome sieben die Forscher die ausschließlich menschentypischen Genvarianten aus dem Datenwust – solche Abschnitte im Erbgut des Homo sapiens, die bedeutungsvolle Unterschiede zu den entsprechenden Bereichen im Genom der beiden anderen Primaten zeigen.
Bereits der erste Katalog des Sapiens-Codes lässt erahnen, welche Erkenntnismöglichkeiten das Vorgehen bietet: So stießen die Forscher auf eine Reihe von Genvarianten, die vor allem Unterschiede bei körperlichen Merkmalen indizieren, Differenzen in der Samenbeweglichkeit, der Hautstruktur, -physiologie und -pigmentierung. Vor allem legte die Genomarithmetik Spuren dramatischer Prozesse während der Menschwerdung frei. Die Entstehung des Menschen wurde von gewaltigen Umbrüchen im Erbgut angetrieben. In mehr als 200 Bereichen des Erbguts hatten sich damals neue Genvarianten rasant ausgebreitet.
Solche Wogen genetischer Innovation, im Fachjargon selective sweeps genannt, haben stets nur eine Ursache: Mit ihnen war ganz offenbar ein mächtiger Vorteil verbunden. So überschwemmten die Code-Updates im Sog des Überlebenskampfes binnen weniger Generationen den Genpool der frühen Menschheit.
Und unter den zwanzig auffälligsten Erneuerungen, die den Neandertalern versagt blieben, finden sich gleich vier Erbanlagen, die für zentrale Aspekte des menschlichen Geistes eine entscheidende Rolle spielen: abstraktes Denken und Kreativität, rationale Realitätskontrolle und soziale Intelligenz – die Fähigkeit, in die Gedankenwelt anderer Menschen vorzudringen, ihre Absichten zu erkennen, ihre Reaktionen auf das eigene Verhalten vorauszusehen.
Defekte in den vier auffälligen Genen haben beim Menschen üble Folgen. Fehler in zweien der Erbanlagen ziehen Autismus nach sich – einen weitgehenden Ausfall der sozialen Kompetenz. Ein weiterer ist an der Entstehung von Schizophrenie beteiligt, der vierte verursacht Intelligenzdefizite beim Downsyndrom. Diese vier Gene dürften also – so der Umkehrschluss – der menschlichen Kognition auf die Sprünge geholfen haben, neben vielen anderen, die noch der Entdeckung harren. Im frühen modernen Menschen seien solche Genvarianten selektiert worden, folgert Teamchef Pääbo, »die mit kognitiven Fähigkeiten zu tun haben«.
Dabei stehen die Untersuchungen erst am Anfang. Man habe bisher nur an der Oberfläche des Datenschatzes gekratzt, sagt Pääbos ehemaliger Mitarbeiter Ed Green, der inzwischen an der University of California forscht . Vollständig entziffert wird das Erbgut der menschlichen Geschwister ohnehin erst in zwei Jahren sein. Doch demonstriert der Forschungsfeldzug der Leipziger Paläogenetiker die Effizienz des Verfahrens: Man habe nun ein machtvolles Instrument in der Hand, um »unsere evolutionäre Geschichte zu beleuchten«, meint Green. »Diese Technik wird die genetischen Faktoren enthüllen, die den Schlüssel für die menschliche Identität darstellen.«
Das Gehirn ist eine Sinnmaschine, die eine Simulation der Wirklichkeit erzeugt
In den Geisteswissenschaften stößt dieser Trend der Biologisierung stets auf verständliches Ressentiment. Natürlich hilft die Biologie des Hirns vorerst nicht, die Verskunst eines Dylan Thomas, den Zauber der Mona Lisa oder den verstörenden Klang von Bruckners 9. Sinfonie zu deuten. Doch wohnt dem Menschenhirn deswegen schon ein »göttlicher Funke« inne? Hat der Spiegel recht, dessen Feuilleton kürzlich etwas pampig empfahl, die »vulgäre Biologie« möge die Finger von Dingen lassen, von denen sie »keinen blassen Schimmer« habe? Oder folgt die Überzeugung von einer metaphysischen Kraft im Menschen einem schlichten Hirngespinst – mit Kant gesprochen, einer »Ausrede der denkfaulen Vernunft«?
- Auf den Spuren des Menschen
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Als Homo sapiens ist der Mensch heute die einzige lebende Art aus der Familie der Hominiden, der Menschenartigen. Die meisten Hominiden sind jedoch keine direkten Vorfahren des Menschen, sondern als Seitenlinie der Evolution aus. Ein Überblick:
4,4 Millionen Jahre - Ardipithecus ramidus: Der Fund aus Äthiopien zählt zu den Menschenartigen und ist weit mehr von den Affen entfernt, als bislang vermutet.
3,2 Millionen Jahre - Australopithecus afarensis: 1974 wird in Äthiopien "Lucy" ausgegraben, ein Teilskelett, das als letzter gemeinsamer Vorfahr mehrerer Abstammungslinien von Hominiden gilt.
2,5 bis 2,3 Millionen Jahre - Homo rudolfensis: Dieser Mensch hat ein größeres Gehirn als die affenartigen Vormenschen, die Australopithecinen, und nutzte auch schon Werkzeuge. Er ist möglicherweise einer der direkten Vorgänger des modernen Menschen.
- 2.000.000 bis 500.000 Jahre
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1,8 bis 2 Millionen Jahre - Australopithecus sediba: Die in einer Höhle der südafrikanischen Region Sterkfontein gefundenen Fossilien eines Jungen und einer Frau könnten eine Übergangsform zwischen den Australopithecinen und den Frühmenschen darstellen.
1,8 Millionen bis 300.000 Jahre - Homo erectus: Mit dem Homo erectus begann eine Wanderbewegung aus Afrika nach Europa und Asien. 1891 entdeckt der Holländer Eugene Dubois einen Javamenschen, der vor 500 000 Jahren gelebt hat. In Georgien finden Forscher seit 1999 mehrere 1,75 Millionen Jahre alte menschliche Überreste, die dem Homo erectus zugerechnet werden.
500.000/780.000 Jahre - Homo heidelbergensis: Im Oktober 1907 wird im Dorf Mauer bei Heidelberg ein rund 500 000 Jahre alter Unterkiefer dieses Menschen ausgegraben. 1995 werden in Spanien 780.000 Jahre alte Überreste von vier Menschen dieser Art und Werkzeuge gefunden. Sie zählen zu den frühesten Menschen Europas.
- 160.000 bis heute
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120.000 bis 10.000 Jahre - Homo floresiensis: Der als "Hobbit" bekanntgewordene, nur ein Meter große indonesische Urmensch war im Jahr 2004 auf der Insel Flores gefunden worden. Es gilt als umstritten, ob er eine eigene Art ist oder ein kleinwüchsiger Homo sapiens.
40 000 Jahre - Homo neanderthalensis: Ein Fund von 1856 in der Feldhofer-Grotte im Neandertal stellt den Beginn der Forschung zur Evolution des Menschen dar.
160 000 Jahre - Homo sapiens: Die bislang ältesten Überreste des modernen Menschen findet ein internationales Forscherteam 1997 in Äthiopien. Die erst 2003 analysierten Schädelknochen erhärten nach Ansicht der Forscher die Vermutung, dass die modernen Menschen in Afrika entstanden sind und sich von dort in die ganze Welt ausgebreitet haben. (Quelle: dpa)
Das Hirn ist eine Sinnmaschine, die alles erzeugt, was der Mensch wissen kann. Sie erschafft beständig eine taugliche Simulation der Realität – die ganze Welt, wie der Mensch sie kennt. Wie sie das macht, ist nicht näher bekannt. Sicher ist: Es handelt sich bei unserem menschlichsten Organ um ein undurchschaubar fein gesponnenes Rechennetzwerk. Seine Funktionszustände oszillieren im Takt von Millisekunden, seine Konstruktion wandelt sich beständig.
Doch Feinstruktur und Leistungsstärke der biologischen Rechenarchitektur, das zeigen die Erkenntnisse der Neurogenetiker immer deutlicher, werden durch große Gruppen von Genen gesteuert, die durch ihre Funktion miteinander vernetzt sind. Das bedeutet indessen keineswegs, dass die vier jetzt identifizierten Abschnitte im Erbgut etwa direkt die Geistestätigkeit steuern würden. Doch ohne Zweifel bauen sie an der Rechnerarchitektur mit, die des Menschen geistige Leistungen ermöglicht.
Ohnehin steht die Geistmaschine Hirn keineswegs allein unter der Diktatur ihres DNA-Codes. In den Datenmassen der Leipziger MPI-Wissenschaftler wird nun auch nach einer besonderen Klasse von Hirngenen gesucht, sie dürften eine Schlüsselrolle für die Fähigkeiten des Menschenhirns besitzen. Ob und wie stark diese Gene in Aktion treten, steuert das Hirn selbst – durch die elektrischen Signalkaskaden, mit denen die Neurone kommunizieren. Die Folge: Alle aktiv rechnenden Nervennetze verändern sich, weil die elektrische Aktivität jene Gene weckt, die den Aufbau neuer Kontakte in der Rechnerarchitektur bewirken, die Bildung neuer Nervenzellen anstoßen. »Der Zusammenhang zwischen Nervenaktivität und Genaktivierung ist die Basis für Lernen und Gedächtnis«, schrieben die Harvard-Forscher Gene Robinson, Russell Fernald und David Clayton bereits 2008 in Science. Ihr Fazit: Das Denken vernetzt das Hirn permanent anders; das Organ erfindet sich alle paar Millisekunden neu. »Die elektrische Aktivität des Hirns formt das Hirn«, sagt der Heidelberger Neurogenetiker Hilmar Bading . Cogito, ergo sum – ich denke, also bin ich.
Welche Bedeutung diese Einsichten der Neuroforschung für die Philosophie des Geistes haben, hat der Mainzer Philosoph Thomas Metzinger als einer der Ersten erkannt: Die Unterscheidung zwischen der Struktur – dem Neuronenverband, der Träger eines Geisteszustandes ist – und dessen innerer Bedeutung sei nicht eindeutig. Denn »die Bedeutung verändert die Struktur«. Der Inhalt des Denkens wirkt zurück auf die biologische Maschine, die das Denken erzeugt.
Noch sind bei den Untersuchungen der Leipziger Genetiker solche per Hirntätigkeit gesteuerten Erbanlagen nicht aufgetaucht. Würden sie demnächst gefunden, stünde der Zugang zum Menschengeist ein großes Stück weiter offen. Doch ob all das einst erklären kann, wie das Hirn den Umschlag von Materie in Geist bewältigt, treibt die Neuroforscher um. »Was macht den Menschen aus?«, grübelt Bading in seinem Heidelberger Labor. Liegt der Schlüssel in den Bäumen aus Nervenfortsätzen, die ganze Netze von Neuronen miteinander verschalten? »Eine ganz schwierige Frage«, seufzt Bading, »guten Gewissens kann man sie derzeit nicht beantworten.«
Unabhängig von der Entmystifizierung des Denkens, bröckelt die tradierte Sicht auf den Homo sapiens: Schon die Nachricht von den prähistorischen Schäferstündchen mit Neandertalern liefert einen herben Gegenschnitt zum Anspruch auf evolutionäre Singularität. Das, sagt der Neuroforscher John Hardy vom University College in London , »wird unser Bild von der Menschheit verändern«.
Offenbar haben moderne Menschen sich bei ihrer Expansion aus der afrikanischen Heimat bei Gelegenheit mit der eurasischen Urbevölkerung vermischt und dabei fortpflanzungsfähige Kinder gezeugt. Die Folge der steinzeitlichen Techtelmechtel: Europäer und Asiaten, nicht aber Afrikaner, tragen bis zu vier Prozent Neandertaler-Erbgut in sich.
»Wir haben überzeugende Indizien für einen genetischen Beitrag der Neandertaler zum menschlichen Erbgut gefunden«, sagt der Populationsgenetiker David Reich von der Harvard University . »Es ist ein kleiner, aber wesentlicher Anteil unseres Erbmaterials.« Dieser Befund beantwortet eine alte Debatte der Fachwelt um die Vermischung von Mensch und Neandertaler weitgehend.
Beim Vergleich der historischen Genome mit den Erbdaten fünf heutiger Menschen waren die Forscher immer wieder auf dasselbe Muster gestoßen: Alle Nichtafrikaner stehen dem Neandertaler genetisch näher als die Afrikaner. Weil die Forscher zwischen Europäern und Asiaten keinen Unterschied im Verwandtschaftsgrad zum Neandertaler entdeckten, scheint der Befund zwingend: Jene Pioniere, die sich vor 60.000 bis 70.000 Jahren aus Afrika vorwagten, dürften mit Neandertalern zuweilen das Höhlenlager geteilt haben, noch bevor sich ihre Wege in die Kontinente trennten. Die Vermischung fand demnach im Nahen Osten statt, dem Nadelöhr, das alle Auswanderer auf dem Weg um den Globus passieren mussten.
Tatsächlich traf der Mensch bei seiner Ausbreitung allenthalben auf archaische Verwandte: im Europa vor rund 45.000 Jahren auf die Neandertaler, auch in Asien kam es zu Familienzusammenführungen; etwa bei Treffen mit dem asiatischen Nachkommen des Homo erectus und den rätselhaften Hobbits auf der indonesischen Insel Flores.
Inzwischen sind Pääbos Paläogenetiker dabei, auch die Erbdaten eines weiteren Vetters der Menschheit zu decodieren. Auch er steht unter dem Verdacht eines vorzeitlichen Tête-à-tête: »Hominin X«, ein erst jüngst entdeckter Menschenschlag, lebte bis vor wenigen Jahrzehntausenden noch in Sibirien und womöglich in anderen Teilen Europas. Gefunden wurden bislang nur Knochensplitter. Ein erster Erbgutvergleich ergab bereits: Die Wesen waren weder Menschen noch Neandertaler. In wenigen Monaten wollen die Leipziger MPI-Wissenschaftler das Genom des Hominiden entziffert haben.
Auch seine Erbdaten werden helfen, die biologischen Ursachen der besonderen menschlichen Natur zu enthüllen. Am Ende könnte das Erbe jener Völker, die der Mensch bei seiner Ausbreitung über den Globus in den finalen Kollaps drängte, ihm helfen, sich selbst zu erkennen.
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- Datum 11.05.2010 - 17:01 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 12.05.2010 Nr. 20
- Kommentare 14
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Würde er heute auftauchen(lebend), die Pharmazeutische Industrie würde ihn sich greifen .
Zitat ZEIT:
"Die Rekonstruktion des Neandertalers dient der Dekonstruktion des menschlichen Geistes."
Zitat LINK "Leihmutter":
"Wenn es in prähistorischer Zeit wirklich Mischlinge zwischen Mensch und Neandertaler gab, dürften weibliche Anatomie und Stoffwechsel das Austragen eines geklonten Neandertalerfötus wohl erlauben. Die Frage ist allerdings: Welche Frau würde sich als LEIHMUTTER zur Verfügung stellen? Und wenn das Kind groß ist, bekommt es dann Bürgerrechte?"
Zitat LUCY:
"Das Forschungsziel der Rekonstruktion des Neandertalers zeigt die Perversion des männlichen Geistes":
Machbarkeitswahn um jeden Preis!
Fazit:
Das "Neandertaler-Genom" scheint offenbar stark aktiviert, was hier an seinem geistigen Niederschlag mühelos zu entziffern ist.
Oder ist die „Hirnsteuerung“ außer Kontrolle geraten???
Jedenfalls erübrigt damit so wohl die "Leihmutter-Frage"
- als auch die Frage nach den „Bürgerrechten“,
die die Fragesteller bereits von Kindesbeinen an besitzen.
"Der Inhalt des Denkens wirkt zurück auf die biologische Maschine, die das Denken erzeugt"
Das macht allerdings Sinn: Die singuläre geistige Überlegenheit des Menschen könnte also eine Art von Resonanzzustand sein.
Wenn man die Parameter eines Systems, also zum Beispiel die Windgeschwindigkeit in dem berühmten Film mit der einstürzenden Brücke, nur leicht ändert, kann man ja bekanntlich dramatisch unterschiedliche Ergebnisse erhalten.
So kann also aus dem selben Ur-Hominiden ein Schimpanse oder ein Mensch werden.
Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, ist man bisher davon ausgegangen, dass es zu keiner Vermischung mit den Neandertalern kam, weil sich die Mitochondrien zu sehr unterschieden. Ist dieser ehemalige Befund mit vielen Unsicherheiten verbunden, oder wie kann es jetzt zu der gegenteiligen Einschätzung gekommen sein?
Oder kann ich jetzt davon ausgehen, dass nur Nachfahren zwischen homo sapiens-Frauen und homo neandertalis-Männern entstanden sind, da Mitochondrien nur von der Mutter vererbt werden?
Auch entzieht es sich etwas meinem Verständnis, wie man zu einer Prozentzahl von 4 kommt bezüglich der Menge an Genvermächtnis von den Neandertalern. Man liest ja oft in der Presse, dass selbst Mäuse eine Genübereinstimmung von über 90% mit uns Menschen haben, Neandertaler dementsprechen vermutlich über 99%? Wieviel Genvarianz gibt es denn innerhalb der heute lebenden Menschen? Wie stark unterscheiden sich nach wie vor Europäer und Asiaten (und dann wohl auch die Ureinwohner Amerikas, Ozeaniens und Australien) von Neandertalern?
Und die ersten Nachfahren, hatten die dann 50% Neandertaler-Gene in sich? Und die haben sich dann nach und nach auf 4% verwässert?
Wär toll, wenn jmd zumindest Teilweise meinen Wissensdurst stillen kann - ich freu mich auf Antworten!
Zitat: "Ein erster Erbgutvergleich ergab bereits: Die Wesen waren weder Menschen noch Neandertaler."
Während der Autor viel zu viel in die Gen-Unterschiede ("überlegenes Gehirn") interpretiert und zudem noch eine neue Demütigung der Menschheit sehen will, kommt er auf eine Kleinigkeit jedoch gar nicht zu sprechen. Menschen und Neandertal-Menschen konnten, zumindest in einem gewissen Stadium/während einer Zeitspanne, fortpflanzungsfähige Nachkommen zeugen. Beide waren Menschen. Während dieser Zeit gehörten sie nach unserer Interpretation auch der selben Art an. Eine Unterscheidung zu "niederen" Verwandten sollte hier _nicht_ herausgestellt werden. Da bringt es auch nichts das diskriminierende Wort in Anführungszeichen zu setzen.
Glücklicherweise hat der Autor darauf verzichtet herauszustellen, dass die Afrikaner (zwei Individuen(!!)) einen Entwicklungsschritt nicht mitgemacht haben und deshalb keine Menschen wären, sondern Afrikaner.
...die man durch befruchten einer Elefanten-Eizelle mit künstlicher Mammut DNA wieder zum Leben erweckt.
Der Neandertaler hingegen müsste sich allein durch gezielte Rückzüchtung sehr leicht wieder herstellen lassen.
Ähnlich wie die Gebrüder Heck –die glaubten durch die Kreuzung unterschiedlichster Rinderrassen die "versprengten Gene" des Auerochsen wieder "zusammenführen zu können"– müssten bloß immer wieder Menschen mit besonders hohem Anteil an Neandertaler DNA miteinander verkuppelt werden. So würden nach und nach Wesen entstehen, welche uns zumindest einen ersten Eindruck von Antlitz des Neandertaler vermitteln könnten.
...und mit denen wir dann zum Beispiel ne runde Schach spielen könnten oder xBox.
Wenn die nationaldeppen durch die Straßen ziehen, mit haßverzerrten Visagen "Doitschland" völkisch umbauen wollen und das was sie für "Ausländer" halten abschieben möchten und krankenhausreif prügeln und (seit 1990 bereits 149 mal) totschlagen spürten wir schon lange vor den wissenschaftlichen beweisen, daß DA noch viele neandertalergene schlummern ...
manche aussagen in diesem forum spiegeln nur wieder, was bisher als tatsache galt. homo sapiens ist einzigartig und allen überlegen. natürlich muss der neanderthaler schlicht dumm gewesen sein, deshalb auch gleich der nazivergleich.
wie war das nochmal mit den später geborenen besserwissern? schöne verharmlosung des problems übrigens.
aber anstatt sich überaus spannenden wissenschaftlichen erkenntnissen zu erfreuen, muss natürlich alles sofort wieder in den dreck gezogen werden.
manche aussagen in diesem forum spiegeln nur wieder, was bisher als tatsache galt. homo sapiens ist einzigartig und allen überlegen. natürlich muss der neanderthaler schlicht dumm gewesen sein, deshalb auch gleich der nazivergleich.
wie war das nochmal mit den später geborenen besserwissern? schöne verharmlosung des problems übrigens.
aber anstatt sich überaus spannenden wissenschaftlichen erkenntnissen zu erfreuen, muss natürlich alles sofort wieder in den dreck gezogen werden.
manche aussagen in diesem forum spiegeln nur wieder, was bisher als tatsache galt. homo sapiens ist einzigartig und allen überlegen. natürlich muss der neanderthaler schlicht dumm gewesen sein, deshalb auch gleich der nazivergleich.
wie war das nochmal mit den später geborenen besserwissern? schöne verharmlosung des problems übrigens.
aber anstatt sich überaus spannenden wissenschaftlichen erkenntnissen zu erfreuen, muss natürlich alles sofort wieder in den dreck gezogen werden.
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