Neandertalergenom Die Formel Sapiens
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Europäer und Asiaten tragen ein Stück Neandertaler in sich

Unabhängig von der Entmystifizierung des Denkens, bröckelt die tradierte Sicht auf den Homo sapiens: Schon die Nachricht von den prähistorischen Schäferstündchen mit Neandertalern liefert einen herben Gegenschnitt zum Anspruch auf evolutionäre Singularität. Das, sagt der Neuroforscher John Hardy vom University College in London , »wird unser Bild von der Menschheit verändern«.

Offenbar haben moderne Menschen sich bei ihrer Expansion aus der afrikanischen Heimat bei Gelegenheit mit der eurasischen Urbevölkerung vermischt und dabei fortpflanzungsfähige Kinder gezeugt. Die Folge der steinzeitlichen Techtelmechtel: Europäer und Asiaten, nicht aber Afrikaner, tragen bis zu vier Prozent Neandertaler-Erbgut in sich.

»Wir haben überzeugende Indizien für einen genetischen Beitrag der Neandertaler zum menschlichen Erbgut gefunden«, sagt der Populationsgenetiker David Reich von der Harvard University . »Es ist ein kleiner, aber wesentlicher Anteil unseres Erbmaterials.« Dieser Befund beantwortet eine alte Debatte der Fachwelt um die Vermischung von Mensch und Neandertaler weitgehend.

Beim Vergleich der historischen Genome mit den Erbdaten fünf heutiger Menschen waren die Forscher immer wieder auf dasselbe Muster gestoßen: Alle Nichtafrikaner stehen dem Neandertaler genetisch näher als die Afrikaner. Weil die Forscher zwischen Europäern und Asiaten keinen Unterschied im Verwandtschaftsgrad zum Neandertaler entdeckten, scheint der Befund zwingend: Jene Pioniere, die sich vor 60.000 bis 70.000 Jahren aus Afrika vorwagten, dürften mit Neandertalern zuweilen das Höhlenlager geteilt haben, noch bevor sich ihre Wege in die Kontinente trennten. Die Vermischung fand demnach im Nahen Osten statt, dem Nadelöhr, das alle Auswanderer auf dem Weg um den Globus passieren mussten.

Tatsächlich traf der Mensch bei seiner Ausbreitung allenthalben auf archaische Verwandte: im Europa vor rund 45.000 Jahren auf die Neandertaler, auch in Asien kam es zu Familienzusammenführungen; etwa bei Treffen mit dem asiatischen Nachkommen des Homo erectus und den rätselhaften Hobbits auf der indonesischen Insel Flores.

Inzwischen sind Pääbos Paläogenetiker dabei, auch die Erbdaten eines weiteren Vetters der Menschheit zu decodieren. Auch er steht unter dem Verdacht eines vorzeitlichen Tête-à-tête: »Hominin X«, ein erst jüngst entdeckter Menschenschlag, lebte bis vor wenigen Jahrzehntausenden noch in Sibirien und womöglich in anderen Teilen Europas. Gefunden wurden bislang nur Knochensplitter. Ein erster Erbgutvergleich ergab bereits: Die Wesen waren weder Menschen noch Neandertaler. In wenigen Monaten wollen die Leipziger MPI-Wissenschaftler das Genom des Hominiden entziffert haben.

Auch seine Erbdaten werden helfen, die biologischen Ursachen der besonderen menschlichen Natur zu enthüllen. Am Ende könnte das Erbe jener Völker, die der Mensch bei seiner Ausbreitung über den Globus in den finalen Kollaps drängte, ihm helfen, sich selbst zu erkennen.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unterwww.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Heute

    Würde er heute auftauchen(lebend), die Pharmazeutische Industrie würde ihn sich greifen .

  2. Zitat ZEIT:
    "Die Rekonstruktion des Neandertalers dient der Dekonstruktion des menschlichen Geistes."

    Zitat LINK "Leihmutter":
    "Wenn es in prähistorischer Zeit wirklich Mischlinge zwischen Mensch und Neandertaler gab, dürften weibliche Anatomie und Stoffwechsel das Austragen eines geklonten Neandertalerfötus wohl erlauben. Die Frage ist allerdings: Welche Frau würde sich als LEIHMUTTER zur Verfügung stellen? Und wenn das Kind groß ist, bekommt es dann Bürgerrechte?"

    Zitat LUCY:
    "Das Forschungsziel der Rekonstruktion des Neandertalers zeigt die Perversion des männlichen Geistes":
    Machbarkeitswahn um jeden Preis!

    Fazit:
    Das "Neandertaler-Genom" scheint offenbar stark aktiviert, was hier an seinem geistigen Niederschlag mühelos zu entziffern ist.
    Oder ist die „Hirnsteuerung“ außer Kontrolle geraten???

    Jedenfalls erübrigt damit so wohl die "Leihmutter-Frage"
    - als auch die Frage nach den „Bürgerrechten“,
    die die Fragesteller bereits von Kindesbeinen an besitzen.

  3. "Der Inhalt des Denkens wirkt zurück auf die biologische Maschine, die das Denken erzeugt"

    Das macht allerdings Sinn: Die singuläre geistige Überlegenheit des Menschen könnte also eine Art von Resonanzzustand sein.

    Wenn man die Parameter eines Systems, also zum Beispiel die Windgeschwindigkeit in dem berühmten Film mit der einstürzenden Brücke, nur leicht ändert, kann man ja bekanntlich dramatisch unterschiedliche Ergebnisse erhalten.

    So kann also aus dem selben Ur-Hominiden ein Schimpanse oder ein Mensch werden.

  4. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, ist man bisher davon ausgegangen, dass es zu keiner Vermischung mit den Neandertalern kam, weil sich die Mitochondrien zu sehr unterschieden. Ist dieser ehemalige Befund mit vielen Unsicherheiten verbunden, oder wie kann es jetzt zu der gegenteiligen Einschätzung gekommen sein?
    Oder kann ich jetzt davon ausgehen, dass nur Nachfahren zwischen homo sapiens-Frauen und homo neandertalis-Männern entstanden sind, da Mitochondrien nur von der Mutter vererbt werden?
    Auch entzieht es sich etwas meinem Verständnis, wie man zu einer Prozentzahl von 4 kommt bezüglich der Menge an Genvermächtnis von den Neandertalern. Man liest ja oft in der Presse, dass selbst Mäuse eine Genübereinstimmung von über 90% mit uns Menschen haben, Neandertaler dementsprechen vermutlich über 99%? Wieviel Genvarianz gibt es denn innerhalb der heute lebenden Menschen? Wie stark unterscheiden sich nach wie vor Europäer und Asiaten (und dann wohl auch die Ureinwohner Amerikas, Ozeaniens und Australien) von Neandertalern?
    Und die ersten Nachfahren, hatten die dann 50% Neandertaler-Gene in sich? Und die haben sich dann nach und nach auf 4% verwässert?

    Wär toll, wenn jmd zumindest Teilweise meinen Wissensdurst stillen kann - ich freu mich auf Antworten!

  5. Zitat: "Ein erster Erbgutvergleich ergab bereits: Die Wesen waren weder Menschen noch Neandertaler."

    Während der Autor viel zu viel in die Gen-Unterschiede ("überlegenes Gehirn") interpretiert und zudem noch eine neue Demütigung der Menschheit sehen will, kommt er auf eine Kleinigkeit jedoch gar nicht zu sprechen. Menschen und Neandertal-Menschen konnten, zumindest in einem gewissen Stadium/während einer Zeitspanne, fortpflanzungsfähige Nachkommen zeugen. Beide waren Menschen. Während dieser Zeit gehörten sie nach unserer Interpretation auch der selben Art an. Eine Unterscheidung zu "niederen" Verwandten sollte hier _nicht_ herausgestellt werden. Da bringt es auch nichts das diskriminierende Wort in Anführungszeichen zu setzen.
    Glücklicherweise hat der Autor darauf verzichtet herauszustellen, dass die Afrikaner (zwei Individuen(!!)) einen Entwicklungsschritt nicht mitgemacht haben und deshalb keine Menschen wären, sondern Afrikaner.

    • LP
    • 12.05.2010 um 6:02 Uhr

    ...die man durch befruchten einer Elefanten-Eizelle mit künstlicher Mammut DNA wieder zum Leben erweckt.

    Der Neandertaler hingegen müsste sich allein durch gezielte Rückzüchtung sehr leicht wieder herstellen lassen.

    Ähnlich wie die Gebrüder Heck –die glaubten durch die Kreuzung unterschiedlichster Rinderrassen die "versprengten Gene" des Auerochsen wieder "zusammenführen zu können"– müssten bloß immer wieder Menschen mit besonders hohem Anteil an Neandertaler DNA miteinander verkuppelt werden. So würden nach und nach Wesen entstehen, welche uns zumindest einen ersten Eindruck von Antlitz des Neandertaler vermitteln könnten.
    ...und mit denen wir dann zum Beispiel ne runde Schach spielen könnten oder xBox.

  6. Wenn die nationaldeppen durch die Straßen ziehen, mit haßverzerrten Visagen "Doitschland" völkisch umbauen wollen und das was sie für "Ausländer" halten abschieben möchten und krankenhausreif prügeln und (seit 1990 bereits 149 mal) totschlagen spürten wir schon lange vor den wissenschaftlichen beweisen, daß DA noch viele neandertalergene schlummern ...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    manche aussagen in diesem forum spiegeln nur wieder, was bisher als tatsache galt. homo sapiens ist einzigartig und allen überlegen. natürlich muss der neanderthaler schlicht dumm gewesen sein, deshalb auch gleich der nazivergleich.
    wie war das nochmal mit den später geborenen besserwissern? schöne verharmlosung des problems übrigens.
    aber anstatt sich überaus spannenden wissenschaftlichen erkenntnissen zu erfreuen, muss natürlich alles sofort wieder in den dreck gezogen werden.

    manche aussagen in diesem forum spiegeln nur wieder, was bisher als tatsache galt. homo sapiens ist einzigartig und allen überlegen. natürlich muss der neanderthaler schlicht dumm gewesen sein, deshalb auch gleich der nazivergleich.
    wie war das nochmal mit den später geborenen besserwissern? schöne verharmlosung des problems übrigens.
    aber anstatt sich überaus spannenden wissenschaftlichen erkenntnissen zu erfreuen, muss natürlich alles sofort wieder in den dreck gezogen werden.

  7. manche aussagen in diesem forum spiegeln nur wieder, was bisher als tatsache galt. homo sapiens ist einzigartig und allen überlegen. natürlich muss der neanderthaler schlicht dumm gewesen sein, deshalb auch gleich der nazivergleich.
    wie war das nochmal mit den später geborenen besserwissern? schöne verharmlosung des problems übrigens.
    aber anstatt sich überaus spannenden wissenschaftlichen erkenntnissen zu erfreuen, muss natürlich alles sofort wieder in den dreck gezogen werden.

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