Ölpest Die Vernunft geht unterSeite 2/2
Weltweit sähe das Ergebnis anders aus. Aus den Tiefen der Weltmeere wurden schon 2007 rund 1,4 Milliarden Tonnen Öl geholt, knapp 37 Prozent der gesamten Ölförderung. Mit jeweils 210 Millionen Tonnen wurde das meiste Öl aus der Nordsee und aus dem Golf von Mexiko gepumpt.
157 Felder waren damals schon mindestens 500 Meter tief. Und ein Halten scheint es nicht zu geben. Transocean, das für BP die Deepwater Horizon betrieb, hat derzeit mehr als 100 Plattformen im Einsatz – alle auf der Suche nach der weltweit immer noch mit Abstand wichtigsten Energiequelle.
Wird das Vabanquespiel in den Untiefen der Meere also bis zum letzten Tropfen Öl betrieben?
Zuletzt gab es eine gute Nachricht: Die Sucht nach Öl lässt nach – jedenfalls in den Industrieländern. Das verkündete Anfang des Jahres Fatih Birol, der Chefökonom der Internationalen Energieagentur (IEA). Birol überbrachte die frohe Botschaft beim Weltwirtschaftsforum in Davos, und er nannte als Hauptgrund dafür nicht einmal die Wirtschaftskrise. Sparsamere Autos und der Ersatz von Öl durch Gas und Strom in Haushalten und Gewerbe sorgten für die Entspannung – eine Interpretation, der auch BP-Chef Tony Hayward beipflichtete. »Niemand von uns wird jemals wieder mehr Kraftstoff verkaufen als 2007«, prophezeite Hayward in Davos.
In China wurden 2009 mehr als 13 Millionen Autos zugelassen
Doch ist das Ende des Ölrausches tatsächlich eingeläutet? Mitnichten. Während sich in den Industrieländern, die immer noch mehr als die Hälfte der weltweiten Ölnachfrage auf sich vereinen, tatsächlich Sättigungstendenzen abzeichnen, entdecken viele andere Länder gerade erst, was sich mit Öl alles anstellen lässt. Die weltweite Nachfrage steigt deshalb laut IEA mit immerhin knapp einem Prozent jährlich an. Ein Grund dafür: Allein in China wurden im vergangenen Jahr mehr als 13 Millionen Pkw und leichte Nutzfahrzeuge zugelassen.
Unabhängig von dem augenscheinlich erreichten Gipfel der Ölnachfrage in den Industrienationen hat deshalb die Warnung vor peak oil von ihrem Schrecken nichts verloren. Peak oil wäre tatsächlich der GAU aller Wachstumsfetischisten; es ist der Zeitpunkt, von dem an die Förderung nicht mehr zu steigern ist, während der Bedarf noch wächst. Die Folgen für die Weltwirtschaft wären kaum auszudenken. Eine Gruppe von Wissenschaftlern und Politikern, vereint in einem Netzwerk namens Aspo ( Association for the Study of Peak Oil and Gas ), warnt schon seit Jahren vor dem irgendwann Unvermeidlichen; die deutsche Sektion versammelt sich nächste Woche zu ihrer Jahrestagung in Berlin. Das weltweite Fördermaximum, wird es dort heißen, ist nahezu erreicht. Die konventionelle Förderung von Rohöl habe sogar schon 2005 ihren Höhepunkt überschritten – und die Hoffnung auf eine Rückkehr der guten alten Zeiten werde sich bald als Illusion erweisen.
So weit geht die Internationale Energieagentur zwar längst nicht; aber die beruhigenden Nachrichten, die der Pariser Thinktank jahrelang gerne verbreitete, sind inzwischen Erkenntnissen gewichen, die zu Gelassenheit keinen Anlass bieten. Weltweit sei zwar noch genug Öl im Boden, heißt es seit einiger Zeit in den IEA-Expertisen, aber es gebe keine Garantie dafür, dass es auch schnell aus dem Boden herausgeholt werde. Fatih Birol, der IEA-Chefökonom, nimmt deshalb immer öfter das Wort vom supply crunch in den Mund, von einer möglicherweise bevorstehenden Lieferklemme. Bis 2030, sagt er, seien »vier neue Saudi-Arabien« nötig, allein um den Förderrückgang der alten Felder auszugleichen.
Mehr als ein Zehntel der Ölförderung verbrauchen Autofahrer in den USA
Dass die Ölkonzerne immer schwieriger zu erschließende Vorkommen anzapfen, überrascht angesichts solch drohender Angebotsengpässe nicht, ist aber riskant, wie das Mega-Malheur mit der Deepwater Horizon jetzt gerade wieder bewiesen hat. Doch während US-Politiker allein den britischen Konzern für die Katastrophe im Golf von Mexiko verantwortlich machen, haben sie selbst das Naheliegende verpasst: dafür zu sorgen, dass die Nachfrage nach Öl schnell sinkt.
Mehr als ein Zehntel der weltweiten Ölförderung geht allein auf das Konto der amerikanischen Autofahrer. Deren Fahrzeuge sind, entgegen dem europäischen Trend, im Laufe der Zeit nicht etwa genügsamer geworden. Die US-Umweltschutzbehörde Epa hat kürzlich eine Untersuchung vorgelegt, aus der das Trauerspiel hervorgeht. Die Autos des Modelljahres 2009 verbrauchen danach sogar etwas mehr Sprit als die des Modelljahres 1987. Das liegt auch an fehlenden Anreizen zum Sparen: Während in Deutschland die Mineralöl-und die Mehrwertsteuer fast neunzig Cent pro Liter ausmachen, beträgt der entsprechende Wert im Durchschnitt der USA nicht einmal zehn Cent. Wer so billig fährt, muss offenbar gelegentlich mit einer Ölpest rechnen.
- Datum 12.05.2010 - 17:11 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 12.05.2010 Nr. 20
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Drängts sich die Frage auf warum er weiter wächst? Da es für viele Aspekte menschlicher Wirtschaft und Mobilität inzwischen Alternativen gibt, kann es eigentlich nur 2 Ursachen dafür geben.
- Die Staaten und Staatsführer sind zu schwach um den Wandel zu forcieren bzw. stehen sie auf "Begünstigungslisten" der Ölindustrie.
- Die Öllobby wird den Weg der Kutschen- und Huthersteller gehen. Also verfälscht sie massiv die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen durch Lobbying, um weiterhin im Zentrum der Energie- und Rohstoffversorgung zu stehen.
Da Konzerne und ihre Lenker eine egoistische Ausrichtung haben, die eine langfristige Bewohnbarkeit des Planeten nicht beinhaltet, werden sie auch ihr Verhalten nur durch öffentlichen und staatlichen Druck ändern. Geschieht das nicht, war das nur die erste von vielen Katastrophen.
Die Menschheit wird nicht durch Naturkatastrophen aussterben, sondern an Dummheit in Form der Überhöhung von Gier (Wachstumszwang, wirtschaftliche Gewinne,..) zugrunde gehen. Wie peinlich.
"Die Menschheit wird nicht durch Naturkatastrophen aussterben, sondern an Dummheit in Form der Überhöhung von Gier (Wachstumszwang, wirtschaftliche Gewinne,..) zugrunde gehen. Wie peinlich." Naja evtl. werden einige überleben oder sich besonders geschickt anpassen. Im Grundegenommen ist es halt wie mit allem, es muss wachsen um zu leben. Grundsätzlich gilt (es gibt jedoch Ausnahmen) Je langsamer das Wachstum umso länger wird gelebt. Wachstum durch Geld geschieht aber in der Regel sehr schnell, manchmal erschreckend schnell.
"Da es für viele Aspekte menschlicher Wirtschaft und Mobilität inzwischen Alternativen gibt..."
Welche wären das denn?
In engen Grenzen köntte man langsam zu Erdgas und Kohle umsteuern, das war es auch schon. Was es im Bereich der Erneuerbaren Energien gibt, ist im wesentlich wenigstens eine Größenordnung (Faktor 10) teurer als die fossilen Brennstoffe.
sehe ich im Moment nicht.
- Ölsande und -schiefer. Sehr energieintensiv, Abbau und Gewinnung erzeugen, wie man in Kanada sehen kann, enorme Umweltschäden, jedenfalls mit der gegenwärtigen Technologie.
- Bioäthanol und -diesel. Wirkungsgrad bezogen auf die eingestrahlt Energie ca 1%. Ebenfalls sehr energieintensiv. Es gibt auch nicht die erforderlichen Flächen und Böden. Ausserdem Konkurrenz zur Nahrungserzeugung.
- Elektromobilität. Ist auf dem Stand der Photovoltaik von vor 20 Jahren. Irgendwo in ein paar Hinterhof-Werkstätten wird was zusammengebastelt. Ohne Durchbrüche bei Batterien oder Brennstoffzellen gibt es für die Serienfertigung keine Chance. Und solche Durchbrüche kann man mit Geld nicht erzwingen, siehe Aidsforschung.
"Die Menschheit wird nicht durch Naturkatastrophen aussterben, sondern an Dummheit in Form der Überhöhung von Gier (Wachstumszwang, wirtschaftliche Gewinne,..) zugrunde gehen. Wie peinlich." Naja evtl. werden einige überleben oder sich besonders geschickt anpassen. Im Grundegenommen ist es halt wie mit allem, es muss wachsen um zu leben. Grundsätzlich gilt (es gibt jedoch Ausnahmen) Je langsamer das Wachstum umso länger wird gelebt. Wachstum durch Geld geschieht aber in der Regel sehr schnell, manchmal erschreckend schnell.
"Da es für viele Aspekte menschlicher Wirtschaft und Mobilität inzwischen Alternativen gibt..."
Welche wären das denn?
In engen Grenzen köntte man langsam zu Erdgas und Kohle umsteuern, das war es auch schon. Was es im Bereich der Erneuerbaren Energien gibt, ist im wesentlich wenigstens eine Größenordnung (Faktor 10) teurer als die fossilen Brennstoffe.
sehe ich im Moment nicht.
- Ölsande und -schiefer. Sehr energieintensiv, Abbau und Gewinnung erzeugen, wie man in Kanada sehen kann, enorme Umweltschäden, jedenfalls mit der gegenwärtigen Technologie.
- Bioäthanol und -diesel. Wirkungsgrad bezogen auf die eingestrahlt Energie ca 1%. Ebenfalls sehr energieintensiv. Es gibt auch nicht die erforderlichen Flächen und Böden. Ausserdem Konkurrenz zur Nahrungserzeugung.
- Elektromobilität. Ist auf dem Stand der Photovoltaik von vor 20 Jahren. Irgendwo in ein paar Hinterhof-Werkstätten wird was zusammengebastelt. Ohne Durchbrüche bei Batterien oder Brennstoffzellen gibt es für die Serienfertigung keine Chance. Und solche Durchbrüche kann man mit Geld nicht erzwingen, siehe Aidsforschung.
..und am falschen Verständnis des Rest der Welt bzgl. Ökonomie.
Der Mainstream-Ökonomie muss angekreidet werden, dass man bei der Analyse Folgen für die Umwelt häufig vernachlässigt, unterschlägt, dass die Risiken finanziell im Extremfall immer von der Gemeinschaft, nicht mehr von dem evtl. dann im Konkurs befindlichen Unternehmen getragen wird, und daher marktwirtschaftliche Regeln ausgehebelt sind.
Für die Gesellschaft gilt: sie ist zu Ökonmie gläubig und vergisst die Konsequenzen für sich selbst. Die unsichtbare Hand des Marktes gibt es nicht, es war ein Bild eines Philosophen, der für die Selbstorganisation der Bürger zu kämpfen hatte. Diese Selbstorganisation aber ist notwendig, denn es sind die Marktteilnehmer und deren selbstbestimmte Regeln, die den Fortschritt bestimmen.
"Die Menschheit wird nicht durch Naturkatastrophen aussterben, sondern an Dummheit in Form der Überhöhung von Gier (Wachstumszwang, wirtschaftliche Gewinne,..) zugrunde gehen. Wie peinlich." Naja evtl. werden einige überleben oder sich besonders geschickt anpassen. Im Grundegenommen ist es halt wie mit allem, es muss wachsen um zu leben. Grundsätzlich gilt (es gibt jedoch Ausnahmen) Je langsamer das Wachstum umso länger wird gelebt. Wachstum durch Geld geschieht aber in der Regel sehr schnell, manchmal erschreckend schnell.
wird eh aufgebraucht werden, bis seine Förderung unrentabel wird.
Wer das noch nicht begriffen hat, lebt echt hinterm Mond.
Und ob das jetzt in 30, 50 oder 50 Jahren der Fall sein wird ist der Atmosphäre relativ schnuppe. Verbraucht wird es so oder so und die Umwelt wird mit den 'Schäden' klar kommen müssen.
Mit welchen Argumenten kann man den Indien oder China den zunehmenden Öldurst ausreden? Pro Kopf braucht ein Inder oder Chinese immer noch nur einen Bruchteil dessen was jemand im Westen braucht.
Unsere bisherigen Anstrengungen vom Öl los zukommen sind ein Witz verglichen mit dem was getan werden müsste.
Benzin und Energie generell sind nach wie vor viel zu billig.
Eine Einsicht in der Bevölkerung zu wirklich tief greifenden Änderungen kann ich nirgends erkennen.
Billigfliegerrei boomt nach wie vor. Über die Benzinpreise wird geschimpft. Und wenn man die Tagespresse liest hat man den Eindruck wir müssen lediglich unsere SUVs, Passats und Mercedese auf Elektroantrieb umstellen und sind alle Sorgen los.
Totaler Quatsch! Sollte Deutschland wirklich seinen Öldurst halbieren wollen, so sind unglaubliche Anstrengungen nötig. Um den Öldurst zu halbieren müsste Deutschland z.B. komplett auf Autos und Laster verzichten. Diese Relation sagt doch eigentlich schon alles.
Wenn man sich jetzt vor Augen hält, dass alles was bisher an erneuerbaren Energien erzeugt wird gerade einmal 15% an der gesamt erzeugten Strommenge ausmacht (hierbei sind noch gut 3% Wasserkraft enthalten). Kann man sich ja mal ausmalen wie viel Windräder noch nötig sind nur um die nach wie vor 40% Kohlestrom wett zumachen.
Bei diesen Zahlen fällt es mir sehr schwer zu glauben, dass sich die nötige CO2 Reduktion allein technisch lösen lässt. Ich denke hier sind drastische Änderungen unsere Lebensweise nötig.
das sehe ich genau so.
das sehe ich genau so.
das sehe ich genau so.
"Da es für viele Aspekte menschlicher Wirtschaft und Mobilität inzwischen Alternativen gibt..."
Welche wären das denn?
In engen Grenzen köntte man langsam zu Erdgas und Kohle umsteuern, das war es auch schon. Was es im Bereich der Erneuerbaren Energien gibt, ist im wesentlich wenigstens eine Größenordnung (Faktor 10) teurer als die fossilen Brennstoffe.
Europa muss in Sachen alternativer Energie einen Schritt zunehmen. Wir wissen natürlich nicht, ob das so einfach klappen wird. Es aber nicht zu versuchen wäre eine Schange. Und der Autoindustrie muss man endlich mal Feuer unterm Hintern machen. Die sind nur so faul, weil alle paar Jahre Vater Staat wieder kräftig hilft, den Ramsch den keiner wirklich braucht loszuwerden. Auf den Messen werden immer richtungsweisende Studien gezeigt, aber auf die Straße kommt das Zeugs dann nicht. Das muss sich ändern. Man darf ihnen einfach nicht mehr diese ganzen Entschuldigungen abkaufen, es ist ja klar, mit herkömmlicher Technik lässt sich viel leichter Geld verdienen.
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