Es war ein Abendessen im kleinen Kreis, damals, am 8. Februar 2010, in einer Privatwohnung in Manhattan. Geladen hatte die Finanzdienstleistungsfirma Monness, Crespi, Hardt, die sich auf Großinvestoren spezialisiert hat. Gekommen war eine Handvoll Herren, die das "Ideendinner" zum zwanglosen Plausch nutzte. Sie vertraten illustre Adressen wie SAC Capital Advisors, Soros Fund Management und Greenlight Capital. Hedgefonds, die teils zweistellige Milliardenbeträge verwalten und zu den einflussreichsten ihrer Branche zählen.

Ein paar Stunden dauerte das Treffen. Stunden, in denen die Hedgefondsmanager sich über Gott und die Welt unterhielten – und über die Zukunft des Euro . Griechenland sei nur ein Dominostein, es stehe schlecht um die europäische Währung, schon bald werde ihr Wert fallen, die Parität zum Dollar sei absehbar. Sätze wie diese sollen an jenem Februarabend gefallen sein. Eine Analyse, auf deren Grundlage Hedgefondsmanager nur eins tun können: gegen den Euro wetten und dabei viel Geld verdienen.

Gerade drei Monate ist dieses Abendessen her, doch längst schon zählt es zu den Mythen der Finanzkrise. Zu jenen Geschichten, in denen sich Gerüchte mit Wahrheit mischen, die sich die Menschen aber immer und immer wieder erzählen, weil in ihnen das Abstrakte konkret wird und das Unfassbare verständlich scheint. In diesem Fall: die "weltweit organisierte Attacke gegen den Euro", von der Luxemburgs Ministerpräsident Jean-Claude Juncker redet. An jenem Abend in Manhattan, so die Lesart heute, begann der epische Kampf zwischen "den Märkten" und der europäischen Politik. Ob die Hedgefondsmanager sich bei diesem Essen tatsächlich abgesprochen und ihr Vorgehen koordiniert haben, das prüft inzwischen das US-Justizministerium. Es hat einige der Fonds aufgefordert, den Euro betreffende Handelsunterlagen aufzubewahren.

Beim Abendessen besprachen sie den Euro – aber "nur drei Minuten lang"

Einer, der dabei war, hält dem Vernehmen nach den Vorwurf der Absprache für haltlos und den Bericht des Wall Street Journal, in dem Ende Februar erstmals von dem Treffen die Rede war, für "sensationsheischend": David Einhorn, Gründer und Chef von Greenlight Capital, einem laut SEC-Dokumenten drei Milliarden Dollar schweren Hedgefonds. Öffentlich geäußert hat Einhorn sich bisher nicht, in Finanzkreisen kursieren jedoch seit April Auszüge aus dem jüngsten, an sich vertraulichen Quartalsreport von Greenlight. Ihnen zufolge beklagt Einhorn, das Dinner sei eines von Tausenden gewesen, zu denen sich Hedgefondsmanager immer mal träfen, und die Diskussion über den Euro habe "insgesamt drei Minuten gedauert". Die Geschichte des – als hoch seriös und bestens informiert geltenden – Wall Street Journal sei eine Geschichte wie aus der "Regenbogenpresse".

Viele Politiker, viele Medien mögen derlei Beschwichtigungen keinen Glauben schenken. Schuld daran ist zum einen die Verschwiegenheit der Hedgefondsbranche, derentwegen Ablauf und genaue Umstände jenes Treffens bis heute im Dunklen liegen. Zum anderen ist da Einhorns Geschichte: Er war es, der bereits 2007 damit begann, gegen Lehman Brothers zu wetten und am Ende viel Geld einfuhr.

Geradezu legendär ist ein Gespräch zwischen Einhorn und Erin Callan, damals noch Finanzchefin der Bank und ein Star der Wall Street. In dem Disput gelang es Callan nicht, Einhorns Zweifel an den Zahlen der Bank auszuräumen. Zweifel, die Einhorn kurz darauf in beißenden Worten publik machte. Im September 2008 dann ging Lehman Brothers pleite – und brachte die gesamte Finanzwelt beinahe zum Einstürzen. Das Chaos jener Tage kommentierte Greenlight damals lapidar mit einem Zitat aus einem Film mit Tom Hanks: There’s no crying in baseball. Ende 2009 sorgte Einhorn wieder einmal für Schlagzeilen, als er massive Zweifel an Euro, Dollar und Yen äußerte und davon sprach, Gold zu kaufen.