Erinnerungsstätte Torgau Mein Gedenken!Seite 2/2
Dann spricht Baumann, aufgeregt: gegen den Afghanistan-Krieg, die Interessenpolitik der reichen Länder, die Rehabilitaton der Nazi-Richter in der Bundesrepublik. Schandmal! ruft Baumann. Die Schrifttafel verharmlose und sei fehlerhaft, und der Arzt Friedrich Timm, dessen die Stalinismus-Opfer als »Engel von Torgau« gedenken, sei ein NS-Täter gewesen. Aufruhr. Ein alter Herr brüllt: Erzähl nich so’n Mist! Rudolf Hinrichs heißt er, Jahrgang 1929, siebeneinhalb Jahre Häftling für nichts, wie er sagt, Besitzer eines Kartons, aus dem er das Flugblatt »Die Unwahrheiten des Herrn Baumann« verteilt.
Viel Wahres wird gesprochen. Ministerin von Schorlemer zitiert Rudolf Bahros Forderung nach »Solidarität mit allem, was Menschenantlitz trägt«. Der Historiker Joachim Scholtyseck beharrt auf Fakten und warnt vor mythisch überhöhtem Erinnern, wie es Regierungen lieben, zwecks Fundamentierung der jeweiligen Staatsideologie. Genießt deshalb das Stalinismus-Gedenken im christdemokratischen Sachsen spürbar Präferenz?
Fort Zinna: Ein Ort, zwei Geschichten. Übermalen sie einander? Schließen sie sich aus? Zweihundert Menschen teilen sich zur Blumenniederlegung. Jeder scheint hier Partei. Auf der Baumannschen Seite findet sich das schönere Mahnmal, die größere Botschaft, die ursprünglichere Geschichte. Denn auch die kommunistische Diktatur im Osten Deutschlands begann ursächlich mit dem 30. Januar 1933. Ohne Hitler keine DDR.
Immer wieder hört man, Nazi- und SED-Diktatur ließen sich nicht vergleichen. Das ist falsch. Erst der Vergleich offenbart die enormen Unterschiede. Und hierin liegt die Gefahr: im Leichenzählen, im gnadenlos generalistischen Blick, in der nachordnenden Minderwertung des Einzelgeschicks. Lässt sich Geschichte schreiben ohne Opfer-Hierarchie?
Jetzt liegt der Platz verwaist. Wir inspizieren die Blumengebinde rechts und links der Hecke. Die Nachkriegsseite blüht etwas bunter. Auf der Kriegsseite leuchtet ein großer Rosenstrauß. Die Schleife nennt als Spender den Verband der Stalinismus-Opfer.
- Datum 15.05.2010 - 09:21 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 12.05.2010 Nr. 20
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Seitdem die Wessis in Ostdeutschland herrschen und mit ihnen ihre Interpretation der deutschen Geschichte seit 1945, der sich einige Ostdeutsche, denen in der DDR ein Haar gekrümmt worden sei, liebedienerisch anbieten (s. die Janka-CDU mit ihrer Aktion von der Zwangskollektivierung), ist das Leben in diesem Lande nicht mehr lebenswert. Zu viel Lügen, Verleumdungen und Hass.
Genau, hopp, zurück zu solipstischen Wirklichkeit und real verwirklichten Weltbeglückungsideen!
...kann man Ihren Kommentar als Schlag ins Gesicht jedes einzelnen nicht linientreuen DDR-Bürgers verstehen. Meinen Sie das so?
Ich finde den Streit zwischen Wehrmachts-Deserteuren und Stalinismus-Opfern unwürdig. Beides sind Opfer von staatlichen Verbrechen und sollten sich nicht gegeneinander ausspielen lassen. Auch eine Art "Wetteifer", wer nun des schlimmeren Verbrechens Opfer geworden sei, halte ich für unangebracht.
Genau, hopp, zurück zu solipstischen Wirklichkeit und real verwirklichten Weltbeglückungsideen!
...kann man Ihren Kommentar als Schlag ins Gesicht jedes einzelnen nicht linientreuen DDR-Bürgers verstehen. Meinen Sie das so?
Ich finde den Streit zwischen Wehrmachts-Deserteuren und Stalinismus-Opfern unwürdig. Beides sind Opfer von staatlichen Verbrechen und sollten sich nicht gegeneinander ausspielen lassen. Auch eine Art "Wetteifer", wer nun des schlimmeren Verbrechens Opfer geworden sei, halte ich für unangebracht.
Genau, hopp, zurück zu solipstischen Wirklichkeit und real verwirklichten Weltbeglückungsideen!
Das eine war schlimmer als das andere.
Die Rothemdeen hatten vielleicht nicht genug Zeit, alles von den Baunhemden zu lernen und zu uebernehmen. Wie in Buchenwald.
Was es ist: Eine Schande.
Oft denke ich und viele Freunde, es waere besser, man baute Denkmale fuer des Uebele, nicht fuer Siege und "Wohltaeter".
Verbrecher und Verbrechen vergisst man schnell. Weil es einem passt.
Aber das ist falsch. Das Lernen geht besser und ist viel wichtiger, wenn man sich an Verbrechen erinnert (denken muss). Nur so kann man hoffen, dass Verbrechen sich nicht wiederholen.
PS: Wir sollten auch manchmal an diejenigen denken, die taeglich sich an den Stammtisch setzten, lachten, Witze erzaehlten, auch vom Tage: Die, die das Lager bewachten. Vor und nachdem sich die zwei (nicht deutschen) Soldaten umarmten. Diee Lumpen leben unter uns. Benuetzen denselben Stammtisch und spielen Skat.
Erinnern wir uns besonders an diesen Burschen: Den "Richter" (den hoehsten den es gab) der schreiend die Gebr Scholl verurteilte und tausende andere. An den kaum jemand denkt.
[...]
PPS. An die Pazifisten: Ja, Recht habt Ihr. Kriege sind scheusslich. Aber Gott-sei-Dank, manche werden gefuehrt. Und fuehren zu Torgau, dem Treffen zwei Soldaten, die beide tausende und tausende Km von zu Hause Wochen-, Monate-, Jahre lang jede Minute, Stunde den Tot erwarten konnten auf ihrer langen Reise an die Elbe.
teilweise entfernt. Bitte achten Sie trotz Ihrer-wenn auch berechtigten Kritik- darauf, sich nicht pietätlos zu äußern. Die Redaktion/km
Aber der Sinn des 2.Satzes Ihres Kommentars erschließt sich mir nicht. Thailand hat damit nichts zu tun.
Selbstverständlich gebe ich Ihnen in manchem Recht.
Eindeutig ist doch wohl die Frage beantwortet, wer Verbrecher und Verbrechen vergessen, relativiert und soga geleugnet hat. Nämlich genau jene, die sich dieser Verbrecher zum Aufbau von Polizei, Justiz, Bundeswehr und Nachrichtendiensten bedient haben, selbst der bereits veurteilten.
Jene, die ihre Kinder den Lehrern dieses untergegangenen Systems anvertraut und noch Jahrzehnte körperliche Züchtigumg der Kinder in der Schule geduldet haben.
Nichts gegen ein Gedenken für die in den Speziallagern unschuldig inhafierten Menschen, aber keine Freibriefe für die dort ebenfalls vorhanden gewesenen Täter. Der Mühe, das zu differenzieren entzieht man sich wohl aus gutem Grund.
Aber der Sinn des 2.Satzes Ihres Kommentars erschließt sich mir nicht. Thailand hat damit nichts zu tun.
Selbstverständlich gebe ich Ihnen in manchem Recht.
Eindeutig ist doch wohl die Frage beantwortet, wer Verbrecher und Verbrechen vergessen, relativiert und soga geleugnet hat. Nämlich genau jene, die sich dieser Verbrecher zum Aufbau von Polizei, Justiz, Bundeswehr und Nachrichtendiensten bedient haben, selbst der bereits veurteilten.
Jene, die ihre Kinder den Lehrern dieses untergegangenen Systems anvertraut und noch Jahrzehnte körperliche Züchtigumg der Kinder in der Schule geduldet haben.
Nichts gegen ein Gedenken für die in den Speziallagern unschuldig inhafierten Menschen, aber keine Freibriefe für die dort ebenfalls vorhanden gewesenen Täter. Der Mühe, das zu differenzieren entzieht man sich wohl aus gutem Grund.
Imme wieder schön die Themen rund um "Mahnmale", "Denkmäler" etc. Wir sind so verliebt in die Vergangenheit, dass wir vergessen haben worum es wirklich geht. Beim "Rattenrennen" um den Titel des allergrößten Opfers und Leids entehren wir unsere Ahnen durch falsches Verhalten und falsche Schlussfolgerungen. Das gild für ALLE! Ob Ost oder West, Jude oder Christ,...
Liebe Leute. Wir leben von der Vergangenheit für die Zukunft und nicht in der Vergangenheit.
Aber der Sinn des 2.Satzes Ihres Kommentars erschließt sich mir nicht. Thailand hat damit nichts zu tun.
Selbstverständlich gebe ich Ihnen in manchem Recht.
Eindeutig ist doch wohl die Frage beantwortet, wer Verbrecher und Verbrechen vergessen, relativiert und soga geleugnet hat. Nämlich genau jene, die sich dieser Verbrecher zum Aufbau von Polizei, Justiz, Bundeswehr und Nachrichtendiensten bedient haben, selbst der bereits veurteilten.
Jene, die ihre Kinder den Lehrern dieses untergegangenen Systems anvertraut und noch Jahrzehnte körperliche Züchtigumg der Kinder in der Schule geduldet haben.
Nichts gegen ein Gedenken für die in den Speziallagern unschuldig inhafierten Menschen, aber keine Freibriefe für die dort ebenfalls vorhanden gewesenen Täter. Der Mühe, das zu differenzieren entzieht man sich wohl aus gutem Grund.
...kann man Ihren Kommentar als Schlag ins Gesicht jedes einzelnen nicht linientreuen DDR-Bürgers verstehen. Meinen Sie das so?
Ich finde den Streit zwischen Wehrmachts-Deserteuren und Stalinismus-Opfern unwürdig. Beides sind Opfer von staatlichen Verbrechen und sollten sich nicht gegeneinander ausspielen lassen. Auch eine Art "Wetteifer", wer nun des schlimmeren Verbrechens Opfer geworden sei, halte ich für unangebracht.
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