Kampf um den Euro Haltet die Herde
Europa setzt eine halbe Billion Euro aufs Spiel, um seine Währung zu retten. Die Spekulanten sind fürs Erste besiegt. Doch was, wenn die größte Wette der Wirtschaftsgeschichte schiefgeht?
© Mario Tama/Getty Images

Händler an der Börse in New York. Das Rettungspaket der EU soll die Spekulationen an den Märkten eindämmen
Spiel, Einsatz, Sieg. Am Wochenende zeigte Europa den Zockern, was es kann. Und die trollten sich schon Montagfrüh . Der Euro-Kurs stieg, die Aktienkurse kletterten – und die Zinsen für Anleihen der angeschlagenen Südeuropäer schrumpften wieder auf ein erträglicheres Maß.
Spiel, Einsatz, Sieg? Eine halbe Billion Euro Steuergeld setzt Europa ein, um die eigene Währung zu retten . Und das, nachdem sich die Länder schon in ähnliche Schuldenabenteuer stürzten, als sie erst die Banken und dann die Konjunktur stützten. Jetzt erleben wir die dritte Welle der Krise, und allein Deutschland verwettet mehr als 120 Milliarden Euro auf die Zukunft des europäischen Projekts.
65 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs steckt der Kontinent in einem neuerlichen Großkonflikt – mit den Finanzmärkten. Von einem »Generalangriff« auf den Euro ist die Rede, von einer »Generalmobilmachung« der Staaten. Verteidigt wird nicht die Landmasse: »Wir schützen das Geld der Menschen in Deutschland«, sagt Angela Merkel – und klingt genauso wie 2008, als sie alle Bankeinlagen garantierte und den großen Bankensturm abwehrte.
Es ist ein Konflikt, der anders verläuft als ein Krieg zwischen Nationen, weil hier zwei Welten aufeinandertreffen. Auf der einen Seite stehen demokratisch gewählte Regierungen, die den Willen ihrer Bürger repräsentieren sollen. Auf der anderen Seite sind die Märkte, die vom Geld ebendieser Bürger leben – Banken, Versicherungen, Hedgefonds. In den beiden Welten denkt man anders, handelt man anders, entscheidet man anders.
- ZEIT-ONLINE-Debatte
In der schwersten Krise des Euro seit Gründung der Währungsunion zeigen die Euro-Staaten Geschlossenheit: Mit 750 Milliarden Euro stemmt sich die Eurozone gegen die Spekulanten. Aber wird das Paket ausreichen, um die Krise zu beenden? Was muss zusätzlich unternommen werden, um den Euro zu retten? Debattieren Sie mit uns.
In der Logik der Politik zählen Landtagswahlen und Koalitionsverträge.
In der Logik der Finanzmärkte zählen die Chancen, aus Geld noch mehr Geld zu machen.
Die beiden Welten sind untrennbar miteinander verbunden. Und meistens gewinnen die Märkte.
Nur diese Woche nicht. Es ist Montag, halb drei morgens in Brüssel. Bleich und mit tiefen Ringen unter den Augen sagt EU-Währungskommissar Olli Rehn im Pressesaal des Rates: »Die besten Entscheidungen trifft die Europäische Union nachts.« Und dann verkündet der Finne ein Hilfspaket sondergleichen. Zu den 500 Milliarden Euro aus Europa kommen noch 250 Milliarden vom Internationalen Währungsfonds in Washington, die in Not geratenen Euro-Ländern helfen sollen. Was Rehn nicht sagt, in diesem Moment aber jeder hört: Das alte Europa ist tot, es lebe das neue!
Das alte Europa war ein Klub, in dem jeder für sich selbst verantwortlich war. Das neue ist ein Verbund, in dem man füreinander einsteht. Bisher war das verpönt. Nun aber darf die EU-Kommission Kredite vergeben – bis zu 60 Milliarden Euro. Die Europäische Zentralbank kauft Ländern ihre Anleihen ab. Und auch die europäischen Regierungen können sich finanziell helfen. Dafür wird eine Zweckgesellschaft gegründet, die angeschlagenen Euro-Ländern Geld leiht, abgesichert durch Garantien der anderen Mitgliedsstaaten.
All das entspricht in Grundzügen der Idee eines Europäischen Währungsfonds, den Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) vor wenigen Wochen öffentlich gefordert hatte, wofür er in Deutschland heftig kritisiert worden war – von der eigenen Partei. Auch die Kanzlerin war damals mäßig angetan. Und so gehört es zur Ironie der Geschichte, dass eine ursprünglich deutsche Idee in einer dramatischen Brüsseler Nachtsitzung den Deutschen geradezu aufgezwungen wurde – von den Franzosen.
In Paris ärgert man sich seit je darüber, dass sich die Deutschen bei der Gründung der Währungsunion mit ihren Ideen harter Stabilitätsregeln für jedes Mitgliedsland durchsetzen konnten. Jetzt sah der französische Präsident Nicolas Sarkozy die Gelegenheit gekommen, Solidarität mit dem gebeutelten Süden zu demonstrieren und die Währungsunion umzubauen. Ein Landsmann gab den Anstoß dazu: Jean-Claude Trichet, der Präsident der Europäischen Zentralbank. Denn der warnte die in Brüssel versammelten Regierungschefs, die Finanzmärkte könnten über Nacht zusammenbrechen, schon würden manche Banken sich untereinander kein Geld mehr leihen – so wie nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers. Europa müsse handeln. Und zwar schnell.
Kurz nach Öffnung der Börsen in Asien am Montagmorgen stand die europäische Abwehr. Ohne sie wäre das Ende des Euro fast gewiss gewesen. Erst Griechenland, dann womöglich Portugal, dann Spanien: Die Pleite dieser Staaten hätte auch Frankreich und Deutschland bedroht.
So ähnlich sahen es wohl auch die Währungshüter in Frankfurt am Main.
Wie auf dem Höhepunkt der Bankenkrise werden nun die Märkte mit Liquidität geflutet, die Notenbanken in Japan, den USA, Großbritannien, Kanada und der Schweiz machen mit und stellen den klammen europäischen Banken Devisen bereit. Am Montag begann die EZB damit, Staatsanleihen der angeschlagenen Länder aufzukaufen.
- Datum 11.05.2010 - 18:14 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 12.05.2010 Nr. 20
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B-ö-r-s-e-n-umsatzsteuer wieder einführen und Spekulationen gesondert besteuern.
Wer mit voller Absicht zockt, soll dafür auch zahlen.
Ist ja nicht so, dass die Börsenumsatzsteuer eine Idee der "Linken" ist, es gab sie ja schonmal bis 1991...
mfg
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Bei Fragen, Kritiken oder Anmerkungen zur Moderation, wenden Sie sich bitte an community@zeit.de. Danke, die Redaktion / mh
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Hat der Autor die letzten 24 Stunden verschlafen? Aus der grossartigen Rettungsaktion von gestern ist ein Strohfeuer geworden, der Euro schwächelt wie zuvor, die Börsen haben einen Tag lang gut verdient - Danke! -, bevor sie wieder abgaben.
Und immer wieder die alte Mär von den Spekulanten. Fakt ist doch: Die Griechen verlangen heute subito 9 Milliarden Euro, nachdem sie während Wochen und Tagen behauptet haben, sie bräuchten das Geld gar nicht und man dränge es ihnen geradezu auf! Diese staatlichen Lügnereien sind es doch, die den Euro- und EU-Raum an den Rand (oder darüber) des Absturzes bringen.
Lieber William Tell,
der Erfolg des Rettungspakets, das erst vor zwei Tagen beschlossen wurde, kann nicht allein an der Reaktion der Aktienkurse festgemacht werden. Jetzt gilt es, zumindest etwas Geduld aufzubringen. Das Gesetz ist ja noch nicht einmal beschlossen. Zudem haben Portugal und Spanien ihre Programme zur weiteren Konsolidierung der Haushalte noch nicht vorgelegt.
Wir haben übrigens eine neue Debatte zur Zukunft der Währungsunion gestartet:
http://www.zeit.de/wirtsc...
Grüße
Marcus Gatzke
Heutigen Nachrichten zufolge zeigt sich diese Weisheit nun sogar in China. Auch unsere Politiker haben es bekanntlich am vorigen Sonntag nochmal versucht. Ergebnis Null.
Lieber William Tell,
der Erfolg des Rettungspakets, das erst vor zwei Tagen beschlossen wurde, kann nicht allein an der Reaktion der Aktienkurse festgemacht werden. Jetzt gilt es, zumindest etwas Geduld aufzubringen. Das Gesetz ist ja noch nicht einmal beschlossen. Zudem haben Portugal und Spanien ihre Programme zur weiteren Konsolidierung der Haushalte noch nicht vorgelegt.
Wir haben übrigens eine neue Debatte zur Zukunft der Währungsunion gestartet:
http://www.zeit.de/wirtsc...
Grüße
Marcus Gatzke
Heutigen Nachrichten zufolge zeigt sich diese Weisheit nun sogar in China. Auch unsere Politiker haben es bekanntlich am vorigen Sonntag nochmal versucht. Ergebnis Null.
Der Kollaps wäre eine Erlösung. Ein System das die Reichen reicher macht und die Armen ärmer darf nicht länger verteidigt werden. Wo sind die Politiker, die vom Kapital unabhängige Entscheidungen treffen können? seit 2 Jahren schreiben wir Weltgeschichte - der schwarze Freitag ist nix gegen das was heutzutage passiert!
Liebe Leute, wir haben gerade mal Dienstag. Die Woche ist noch lang.
Lieber William Tell,
der Erfolg des Rettungspakets, das erst vor zwei Tagen beschlossen wurde, kann nicht allein an der Reaktion der Aktienkurse festgemacht werden. Jetzt gilt es, zumindest etwas Geduld aufzubringen. Das Gesetz ist ja noch nicht einmal beschlossen. Zudem haben Portugal und Spanien ihre Programme zur weiteren Konsolidierung der Haushalte noch nicht vorgelegt.
Wir haben übrigens eine neue Debatte zur Zukunft der Währungsunion gestartet:
http://www.zeit.de/wirtsc...
Grüße
Marcus Gatzke
Das Hauptproblem der dargestellten Situation und dem Fakt das jetzt auch die EZB sich dem „Zocken“ hingibt ist, das es nur die Antwort bzw. Reaktion auf die Finanzmärkte ist. Wie in den meisten fällen kann dies aber nur schief gehen. Denn beim Tennis ist auch immer derjenige im Vorteil der den Gegenspieler laufen lässt und zur Reaktion zwingt. Dazu kommt noch, dass die EZB in dem Falle ein recht behäbiger Mitspieler und neu auf diesem Feld ist und somit noch schlechtere Karten hat dieses Spiel zu gewinnen.
Ich für meinen Teil sehe jedenfalls schwarz für die Zukunft der EU und des Euros, der schon mit seiner Einführung eine der größten Fehlentscheidungen war, die im Laufe der letzten 65 Jahre getan wurde.
an die EU-Staaten: Was da passiert, ist doch ein Angriff auf die Souveränität der Euro-Staaten.
Deshalb schlage ich vor:
1. Identifikation der Verursacher durch unsere Geheimdienste / militärische Aufklärung
2. Ausrufung des Verteidigungsfalles und Einsatz der Bundeswehr
... unser Verteidigungsminister bereitet mit seinem wirtschaftlichen und militärischen Sachverstand alles vor, bis Mutti dann übernimmt und zuschlägt.
Alternative: wir lassen uns nicht verrückt machen wegen der Haushalts-Defizite und EURO-Stabilität, die USA machts doch mit ihrer gigantischen Staatsverschuldung vor, dass es nur mit festem Willem und Neudefinition der Umstände zu tun hat....
Also, werte Journalisten: statt Öl ins Feuer zu giessen: ran an die Waffen!
Die Zahl der jährlichen Baugenehmigungen ist vom Frühjahr 2007 bis heute von 1600000
auf unter 60000 gesunken("[MCH Iberian Capital Fund I, II y III]"
http://www.mch.es/portal/...
).
Vgl. hierzu meine Kommentare zur OECD der ersten Mai-Woche:
http://www.oecd.org/searc...
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