Leerverkäufe Kurz und gut
Leerverkäufer – sogenannte Short Seller – gelten als die Geier der Finanzmärkte. In Wahrheit sind sie nützlich.
© Rizwan Tabassum/AFP/Getty Images)

Ein Börsenhändler am Marktplatz Karatschi in Pakistan: Short Seller tragen dazu bei, dass die Kurse nicht in den Himmel steigen
Der Pulverdampf hat sich verzogen. Von den Spekulanten , die sich angeblich gegen den Euro verschworen hatten, ist kaum noch die Rede. Die Unsicherheit im Handel zwischen den Banken sei die wahre Bedrohung gewesen, hat Frankreichs Wirtschafts- und Finanzministerin Christine Lagarde nun erklärt. Es habe sich gar »nicht um einen Angriff auf den Euro« gehandelt, sagt jetzt auch der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, sondern um eine Art Vertrauenskollaps: »Die Märkte funktionierten nicht mehr, es war fast wie nach der Lehman-Pleite im September 2008.« Der frühere Bundesbank-Präsident Karl Otto Pöhl hält es für »möglich« und »sogar plausibel«, dass die Spekulantenmär von Politikern gezielt verbreitet wurde, um den Bruch des Lissabon-Vertrags zu kaschieren.
Die Bundeskanzlerin aber hat sich bei ihrem Auftritt vor Gewerkschaftern am vergangenen Wochenende für ein Verbot von »Leerverkäufen in einem bestimmten Umfang« ausgesprochen – und den Eindruck erweckt, dadurch ließe sich der Euro vor Spekulanten schützen.
Nun ist es aber so, dass es bei Währungen gar keine Leerverkäufe gibt. Man kann auch nicht gegen eine Währung spekulieren, wie oft gesagt wird, sondern allenfalls darauf, dass ihr Wechselkurs gegenüber einer anderen Währung fällt.
Ein Spekulant, der auf einen gegenüber dem Dollar fallenden Euro setzen will, kann einen Devisen-Future kaufen, mit dem er eine große Euro-Summe zum heutigen Wechselkurs in einem Monat verkauft. Behält er mit seiner Prognose recht und schwächt sich der Euro in den vier Wochen gegenüber dem Dollar wirklich ab, macht er einen Gewinn. Diese Spekulation ist aber nur möglich, wenn der Euro-Pessimist einen Geschäftspartner findet, der für den Euro optimistisch gestimmt ist. Wer »gegen« den Euro spekuliert, braucht immer einen, der »für« ihn spekuliert. Und was der eine gewinnt, verliert der andere.
Kann man auf die Pleite eines Staates spekulieren? Ja, das geht, zum Beispiel mit Ausfallversicherungen auf Anleihen, denn diese werden umso wertvoller, je stärker ein Staat auf die Insolvenz zusteuert. Was aber nicht möglich ist: dass Spekulanten die Pleite eines Staates herbeiführen. Zu einer solchen Pleite kommt es nämlich nur dann, wenn sich unter allen möglichen Geldgebern nicht mehr genügend finden, die dem Staat weiteres Geld geben möchten – ein Generalstreik der Anleihenkäufer sozusagen. Oder wenn sie für ihr Geld so hohe Zinsen verlangen, dass der Staat sie nicht aufbringen kann.
Die großen Geldanleger sind aber weder die Marionetten noch die Geiseln der Spekulanten, sondern sie treffen ihre eigenen Entscheidungen. Sicher, sie schauen dabei auch auf die in der Vergangenheit erfolgreichen Spekulanten. Sie orientieren sich vor allem aber daran, was die anderen Investoren gerade machen. Dieses Herdenverhalten führt manchmal zu dramatischen Kursschwankungen, etwa wenn alle gleichzeitig Anleihen der finanzschwächeren Euro-Länder auf den Markt werfen und keiner sie kaufen mag. Das ist kein Raubtierkapitalismus, sondern Fluchttierkapitalismus.
Das Grundübel der Finanzmärkte sind diese Übertreibungen in die eine oder andere Richtung. Der Markt ist nicht so effizient, wie wir ihn uns wünschen würden. Vielleicht ist er dafür trotz Computereinsatz einfach zu menschlich.
- Datum 20.05.2010 - 20:24 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 20.05.2010 Nr. 21
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Und die Rolle der Ratingagenturen wird hier komplett ausgespart? Nat. wurde gegen die Währung gewettet, da reichen ein paar gezielt eingespeiste Meldungen in den einschlägigen Medien, um die Herde aufzuschrecken. Die Agentur im Rücken und der Rubel kann rollen. Der Computerhandel ist ebenso eine Gefahrenquelle als ein Segen per se. Man muss nämlich in der Lage sein die entsprechenden Statistikmodelle auch verstehen und einsetzen zu können. Mal völlig abgesehen von Fehlern in der Modellierung und Programmierung.
Jetzt bin ich aber platt ...
> Nun ist es aber so, dass es bei Währungen gar keine Leerverkäufe gibt. <
Schauen Sie doch mal in Wikipedia ...
http://de.wikipedia.org/w...
> Leerverkauf (auch: Blankoverkauf, Short Sale) ist ein Begriff aus dem Bank- und Finanzwesen, der den Verkauf von Waren oder Finanzinstrumenten (insbesondere Devisen, Wertpapiere) beschreibt .... <
und fragen Sie mal Händler bei Goldman Sachs.
Das Grundübel der Finanzmärkte sind diese Übertreibungen in die eine oder andere Richtung.
Das ist aber auch das Grundübel der short seller und naked short seller, wenn es keine Aufsicht gibt.
Denken sie an die VW Aktie, die explodierte, weil short seller auf fallende Kurse gesetzt hatten.
Die größte je eingereichte Sammelklage über 3,15 Billionen € aus 2010 betrifft die US Börsenaufsicht wg. dieser Handelsart oder Versäumnisse diesbezüglich.
http://www.nzz.ch/nachric...
Ob sinnvoll oder nicht, interessiert doch letztlich keinen. Hauptsache der Wähler ist mal wieder ruhig gestellt.
Mittlerweile gibt es auch bei der ZEIT für jeden Unsinn einen Fürsprecher.
Wenn der Autor behauptet, Leerverkäufe seien ein gutes Mittel gegen Übertreibungen und Finanzblasen, läßt er den Umstand außer acht, dass Übertreibungen und Finanzblasen schon eine ungesunde Entwicklung sind.
Die Argumentation wirkt auf mich wie, den Teufel mit dem Beelzebub austreiben zu wollen.
Endlich bringt hier mal jemand Sachlichkeit rein.
Weder Leerverkäufe, noch Spekulation ist etwas Schlechtes. Jedoch sollten die Rahmenbedingungen und Regeln für diese Art von Geschäften mit Zukunftserwartungen klar geregelt und kontrolliert werden. So halte ich das Verbot ungedeckter Leerverkäufe in bestimmten Märkten durchaus für sinnvoll.
Aber in unserer Zeit ist es populär, auf Banker und das ach so "böse" Kapital zu schimpfen. Dabei stimmt weder das eine, noch das andere.
Banker, oder genauer gesagt: Verkäufer von Finanzprodukten, hatten einen Nimbus des Ehrenwerten. Nun haben viele Bürger schmerzhaft merken müssen, dass Banker auch nur Egoisten sind und wie Gebrauchtwagenverkäufer ihren Vorteil im Auge haben.
Da ist man enttäuscht und reagiert mit Wut. Schließlich wurde einem ja das große Geld versprochen, und nun ist es weg. Stand aber im Kleingedruckten ...
Ähnlich unsere Politiker!
Da konnten sie über Jahrzehnte ihre Wahlkampfversprechen über Schulden am Kapitalmarkt finanzieren und nun kommt das böse Erwachen, dass die Gläubiger den Schuldner "Staat" nicht mehr für kreditwürdig halten.
Da schimpft man als Politiker doch lieber auf die anderen, statt sich an die eigene Nase zu fassen und nicht mehr über seine Verhältnisse zu leben.
Da die "Spekulanten" die ersten waren, die der Politik das nahe Ende der Schuldenparty vor Augen führten, sind sie nun der Sündenbock der Politik: "Köpft den Boten!"
Dabei waren es Politiker, die unseren Staat überschuldet haben.
Was kann daran wichtig oder gar richtig sein, wenn Leerverkäufer die Kurse von ansonsten kerngesunden Firmen in den Keller drücken und dadurch versuchen diese kaputt zu kriegen? Momentan geschieht das mit einigen Papieren der deutschen Solarindustrie (siehe Solar Millennium, Solarworld). Das Leerverkaufsverbot legt gerade solchen Kriminellen das Handwerk. Weltweit und die gesamte Marktbreite umfassend durchgesetzt wird die Welt dann vor weiteren Finanzkatastrophen geschützt sein. Merkel hat bei mir wieder einen Pluspunkt erhalten.
Haben Sie etwa Solarworld- Aktien gekauft, als die Zocker am Werke waren? Selbst schuld.
Vor etwa 10 Jahren stand die Aktie bei ca. 4 Euro. Heute steht sie so bei 8-9 Euro.
Langfristige Anleger haben also innerhalb von 10 Jahren ihren Wert verdoppelt.
Dass da zwischendurch Öko-Zocker am Werk waren und den Kurs auf knapp unter 50 Euro gebracht haben, ist das Problem derjenigen, die in dieser Zockerzeit diese Zockeraktie gekauft haben.
Wo sich nun zeigt, dass auch dieses Unternehmen nur mit Wasser kocht, ist die Blase nun mal geplatzt.
Aber auch hier müssen sich alle die selbst an die eigene Nase packen, die bei einem Kurs von z.B. 20 Euro ihrem Bank- Verkäufer geglaubt haben, dass das doch bald ein 100 Euro Papier sei. Zu der einfachen Frage, warum er dann nicht selbst kauft, sind die meisten nun mal leider nicht fähig. Denn die Antwort: Risiko, wollen sie eigentlich gar nicht hören.
Wenn Sie einen Gebrauchtwagen kaufen und für eine 5000 Euro Schrottkarre 10.000 Euro bezahlen, sind sie das auch selbst schuld. Auch wenn ihnen ihr fliegender Händler mit gebrochenem Deutsch gesagt hat, dass der Wagen mindestens 20.000 Euro wert sei ...
Niemand zwingt sie, solche Geschäfte einzugehen. Genau so, wie niemand Griechenland (oder Deutschland) gezwungen hat, sich über beide Ohren zu verschulden und so abhängig von Gläubigern zu werden.
Haben Sie etwa Solarworld- Aktien gekauft, als die Zocker am Werke waren? Selbst schuld.
Vor etwa 10 Jahren stand die Aktie bei ca. 4 Euro. Heute steht sie so bei 8-9 Euro.
Langfristige Anleger haben also innerhalb von 10 Jahren ihren Wert verdoppelt.
Dass da zwischendurch Öko-Zocker am Werk waren und den Kurs auf knapp unter 50 Euro gebracht haben, ist das Problem derjenigen, die in dieser Zockerzeit diese Zockeraktie gekauft haben.
Wo sich nun zeigt, dass auch dieses Unternehmen nur mit Wasser kocht, ist die Blase nun mal geplatzt.
Aber auch hier müssen sich alle die selbst an die eigene Nase packen, die bei einem Kurs von z.B. 20 Euro ihrem Bank- Verkäufer geglaubt haben, dass das doch bald ein 100 Euro Papier sei. Zu der einfachen Frage, warum er dann nicht selbst kauft, sind die meisten nun mal leider nicht fähig. Denn die Antwort: Risiko, wollen sie eigentlich gar nicht hören.
Wenn Sie einen Gebrauchtwagen kaufen und für eine 5000 Euro Schrottkarre 10.000 Euro bezahlen, sind sie das auch selbst schuld. Auch wenn ihnen ihr fliegender Händler mit gebrochenem Deutsch gesagt hat, dass der Wagen mindestens 20.000 Euro wert sei ...
Niemand zwingt sie, solche Geschäfte einzugehen. Genau so, wie niemand Griechenland (oder Deutschland) gezwungen hat, sich über beide Ohren zu verschulden und so abhängig von Gläubigern zu werden.
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