Ausgesiebt Die Auslese
Am Arbeitsmarkt wird härter denn je ausgesiebt. Die einen sind trotz Krise hochbegehrt, andere bleiben chancenlos. Woran es liegt, auf welcher Seite man landet. Und was das mit Roland Koch zu tun hat
Harald Wiehler ist der Beweis, dass Roland Koch falschliegt. Und dass umgekehrt Merkels Machtwort richtig war. Dieses Land sollte überall sparen, nur nicht an der Bildung. Womit man wieder bei Harald Wiehler ist. Er beendet seine Ausbildung im Frühjahr 2009, mitten in der Krise. In den Fabriken stehen Fließbänder still. In den Häfen legen weniger Schiffe an. Chefs schicken Belegschaften nach Hause.
Wiehler spürt davon – nichts. Fünf Bewerbungen schreibt er. Nur auf Stellen, die ihm wirklich gefallen. Kompromisse machen, denkt sich der 31-Jährige, könne er noch, wenn aus dem Wunschjob nichts würde. Es wird aber. Binnen Kurzem hat er zwei Angebote und kann sich seinen Job aussuchen. Er entscheidet sich für die Aurubis AG, früher bekannt als Norddeutsche Affinerie, Europas größten Kupferproduzenten mit Sitz in Hamburg. Dort fängt Wiehler im Juli als Betriebsassistent an, im Konzern ein klassisches Karrieresprungbrett.
Mitten in der Weltwirtschaftskrise bekam Harald Wiehler genau das, was er gesucht hat: eine Stelle in Hamburg (wo auch seine Frau arbeitet), einen großen Arbeitgeber (5000 Beschäftigte), eine Aufgabe, bei der er seine Fachkenntnisse als Ingenieur nutzen kann (Verfahrenstechnik, Werkstoffkunde), und eine Tätigkeit, bei der Theorie und Praxis eng miteinander verknüpft sind. Nun hat er in der rechten Tasche seiner blauen Arbeitsjacke grobe Handschuhe, in der linken steckt ein Blackberry. Mal eilt Wiehler mit Helm und Schutzbrille zu einem der Öfen, in denen zwischen grün lodernden Flammen Kupfer geschmolzen wird. Mal plant der Ingenieur am Computer neue Anlagen. »Das habe ich mir gewünscht«, sagt er.
Ein Einzelfall? Eine krasse Ausnahme? »Eigentlich haben alle meine Kommilitonen ziemlich schnell einen Job gefunden«, sagt Wiehler nach kurzem Nachdenken. Von wegen Generation Krise. Leute wie Wiehler gehören eher zur »Generation Schwein gehabt«. Sie sind bei Arbeitgebern hochbegehrt.
Kaum zu glauben? Noch immer stecken 800.000 Menschen in Deutschland in Kurzarbeit und bangen um ihre Jobs, doch andernorts werden schon wieder die Arbeitskräfte knapp: Es fehlten 20.000 IT-Fachleute , klagt der Branchenverband Bitkom. Und 30.000 Ingenieure , rechnet ihr Berufsverband VDI vor. In ländlichen Gebieten mangelt es außerdem an Ärzten , in einigen Bundesländern an Lehrern .
Dahinter stecken jeweils andere Ursachen, aber es gibt auch einen gemeinsamen Trend, der die gesamte Gesellschaft verändert: Viele Ältere gehen in den Ruhestand, immer weniger Junge rücken nach. Allein in diesem Jahr wird die Zahl der Menschen, die in Arbeit drängen, um rund 100.000 schrumpfen. Und das ist erst der Anfang. Wenn selbst in der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Krieg diesem Land die Talente ausgehen, was wird dann erst sein, wenn die wenigen jungen Leute auf den Arbeitsmarkt kommen, bei denen Roland Koch heute sparen will?
In zehn Jahren, warnt die Unternehmensberatung McKinsey, könnten zwei Millionen Arbeitskräfte fehlen. 2030, glauben Wirtschaftsforscher der Prognos AG, werden es mehr als fünf Millionen sein. Es drohe ein »dramatischer Fachkräftemangel«, sagt Ursula von der Leyen. Und der Bundesarbeitsministerin stimmen Gewerkschaftsfunktionäre zu. »Die Deckung des Fachkräftebedarfs«, sagt DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach, »ist die große Herausforderung in den nächsten Jahren.«
Endlich eine gute Nachricht für die Arbeitnehmer. Endlich können sie aus der Rolle der Bittsteller, die sich um die knappen Jobs reißen, in die Rolle der Begehrten schlüpfen. Das Machtverhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern scheint sich nach langer Zeit einmal wieder zugunsten der Lohnempfänger zu verschieben. Allerdings werden nicht alle Arbeitnehmer davon profitieren. Die entscheidende Frage ist deshalb: Was macht den Unterschied aus? Was entscheidet darüber, zu welcher Gruppe man gehört? Die naheliegende Antwort lautet: die Bildung. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit.
Falk Fritsch hat Harald Wiehler einiges voraus. Fritsch spricht fünf Sprachen (Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch und etwas Polnisch), hat ebenfalls studiert (Architektur), hat aber schon einige Jahre Berufserfahrung. Und zwar auf internationaler Ebene: Der 40-Jährige wirkte an Bauprojekten in Chile mit, entwarf Autohäuser für Jaguar, plante Appartementblocks, Reihenhaussiedlungen und Hotels. Zuletzt leitete er in England ein Team von fünf Mitarbeitern.
Doch die Finanzkrise hat reihenweise Bauprojekte gekippt – und Fritsch den Job gekostet. Seit Februar 2009 ist er arbeitslos und inzwischen ganz unten angekommen. Weil der Architekt in Großbritannien keine Chance mehr sah, kehrte er kürzlich nach Deutschland zurück. Nun wohnt er in einer 35-Quadratmeter-Wohnung in Berlin. Einziges Möbelstück ist eine Campingmatratze. Fritsch lebt von Hartz IV, seine Ersparnisse sind aufgebraucht.
Rund 200 Bewerbungen hat er geschrieben. Auf die meisten bekam er nicht mal eine Antwort. Während des Baubooms in Großbritannien war das ganz anders. »Wenn es mir da irgendwo nicht mehr gefallen hat, habe ich meinen Headhunter angerufen«, erzählt der Architekt. »Zwei Tage später rief er zurück und sagte: Ich habe Vorstellungsgespräche für dich – Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag.«
- Datum 24.05.2010 - 09:17 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 20.05.2010 Nr. 21
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Es gibt keinen Fachkräftemangel! Unternehmen wollen aussuchen und erzählen von Arbeitskräftemangel, wenn sie weniger als 20 Bewerbungen bekommen. Das Gerede von Fachkräftemangel ist nur Marketing - bitte nicht darauf hereinfallen!
Ich selbst habe erst einen fast einjährigen Bewerbungsmarathon mit weit über 100 Bewerbungen hinter mir. Die Folge ist nun, dass die netten Unternehmen und ihre arroganten Personaler (wie charakterlich verkommen muss man eigentlich sein, um diese Tätigkeit auszuüben? - siehe auch Behandlung des Architekten in diesem Bericht) es geschafft haben, mich aus Deutschland zu vertreiben - wieder ein Hochqualifizierter weniger in Deutschland.
Einerseits sollten Unternehmen endlich von ihrem hohen Ross herunterkommen und Bewerber auch als Menschen sehen. Andererseits sollten Angestellte auch gut behandelt werden. Neben der Arroganz der Unternehmen werden Deutsche Hochqualifizierte im Ausland auch häufig besser behandelt (insbes. Medizin/Pflege). In der Schweiz leben aktuell ca. 270.000 Deutsche, davon haben ca. 60% einen Universitätsabschluss.
Seit April habe ich wieder Arbeit - in dem Land, wo man (sofern nicht wieder Daten-CD's im Umlauf sind) nicht nur sein Vermögen vor dem gierigen Deutschen Fiskus retten kann, sondern auch deutlich besser als in Deutschland verdient.
Dieser Populismus von Mangel kommt natuelich von der Industrielobby. Was sollen sie denn auch anders dazu sagen? Umso mehr Bewerber sie bekommen, umso mehr kann man den Lohn druecken. Besser 100 Bewerber als 5.
Wenn man als Arbitgeber den richtigen Preis anbietet, bekommt man IMMER die Stelle besetzt. Das erinnert mich an das Gejammer von Hausbesitzern, sie koennten ihr haus nicht verkaufen. Auch hier gilt: Jedes Haus ist zum Marktpreis verkaufbar.
Das gerade eine eher links orientierte Zeitung wie die Zeit, auf diesen Arbeitnehmer feindlichen Populismus hineinfaellt, verbreitert und somit zur Lohndrueckung beitraegt ist jedoch schon seltsam.
Gaebe es einen Mangel wuerde sich das im Lohnnivau wiederspiegeln. Denn der Markt funktioniert immer gleich und ist sehr einfach: Ein hoher Preis signalisiert Knappheit. Davon ist jedoch nichts zu sehen.
....ich erinnere mich an meinen Ex-Chef der alle paar Monate eine Stellenanzeige schaltete, diese offen in den Flur hängte um seine "Mitarbeiter" zu motivieren; ohne freie Stelle, Bewerber einlud und sich an den Absagen delektierte. Perverse Person. Wahrscheinlich kein Einzelfall.
Dieser Populismus von Mangel kommt natuelich von der Industrielobby. Was sollen sie denn auch anders dazu sagen? Umso mehr Bewerber sie bekommen, umso mehr kann man den Lohn druecken. Besser 100 Bewerber als 5.
Wenn man als Arbitgeber den richtigen Preis anbietet, bekommt man IMMER die Stelle besetzt. Das erinnert mich an das Gejammer von Hausbesitzern, sie koennten ihr haus nicht verkaufen. Auch hier gilt: Jedes Haus ist zum Marktpreis verkaufbar.
Das gerade eine eher links orientierte Zeitung wie die Zeit, auf diesen Arbeitnehmer feindlichen Populismus hineinfaellt, verbreitert und somit zur Lohndrueckung beitraegt ist jedoch schon seltsam.
Gaebe es einen Mangel wuerde sich das im Lohnnivau wiederspiegeln. Denn der Markt funktioniert immer gleich und ist sehr einfach: Ein hoher Preis signalisiert Knappheit. Davon ist jedoch nichts zu sehen.
....ich erinnere mich an meinen Ex-Chef der alle paar Monate eine Stellenanzeige schaltete, diese offen in den Flur hängte um seine "Mitarbeiter" zu motivieren; ohne freie Stelle, Bewerber einlud und sich an den Absagen delektierte. Perverse Person. Wahrscheinlich kein Einzelfall.
...gibt es, aber der ist, wie es auch der Artikel vermuten lässt, sehr, sehr branchenspezifisch. Es steht ja auch im Artikel, dass nicht unbedingt jeder Ingenieur ausgezeichnete Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat.
Davon abgesehen spüren Ingenieure die Krise auch, die spiegelt sich in den angebotenen Gehältern wieder.
Es ist einfach eine scheiß Zeit auch für Akademiker. Ich selbst suche jetzt schon seit 7 Monaten und die Behandlung in den Bewerbungsgesprächen geben mir zu verstehen, dass die Arbeitgeber freie Wahl haben. Und ich bin keine 40, sondern 33 Jahre alt.
Eine Personalerin, die ich privat auf einem Fest kennengelernt habe, sagte mir direkt, dass sie einen lockeren Kündigungsschutz befürworten würde, damit sie die älteren Arbeitnehmer rauswerfen könnte. So viel zur Dienstleistung Personalwesen!
Alles was hier im Artikel steht, ist kein Geheimnis. In der Baubranche sieht es bekanntermaßen seit vielen vielen Jahren sehr schlecht aus. Auch dass dem Handwerk qualifizierte Mitarbeiter fehlen, dank schlechter Bildung in Mathe, davon wird auch seit Jahren berichtet. Ja und dass mit den mangelnden Fachkräften sollten spätestens seit dem CDU-Slogan "Kinder statt Inder" zum Allgemeinwissen zählen.
Traurig, dass regelmäßig auf so etwas hingewiesen werden muss und allen Politikern, nicht nur denen von der CDU, Lösungskonzepte fehlen.
Wie ich finde, sollte Selbstständigkeit wieder mehr gefördert werden. Dann könnten die ganzen sinnlosen Schulungen vom Arbeitsamt, bei denen man Chatten und Webdesign lernt, auf Businessplanung und Existenzgründung umschwenken. So würde Deutschland auch wieder die nötige Innovationskraft gewinnen, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können. Und geringqualifizierte hätten mehr Entfaltungsmöglichkeiten, auch außerhalb von Bodenschrubben und Kassieren.
Selbstständigkeit löst gar nichts, denn ein paar erfolgreiche Einzelfälle machen noch kein erfolgreiches Konzept zur Lenkung eines Landers Mit über 6 Millionen berufsfähigen Arbeitslosen.
Der Fachkräftemangel wird hauptsächlich mit völlig absurden Forderungen konstruiert, denen die Firmen selbst nicht einmal annähernd gerecht werden, schon gar nicht deren Personaler, Chefs oder übrigen Angestellten. Bei einem wirklichen Mangel könnte man sich diese gar nicht leisten, sondern müsste schaun, was man bekommt und notfalls eben in denjenigen noch investieren.
Am aller, aller lächerlichsten ist jedoch so eine Schätzung wie "in zehn Jahren brauchen wir 2 Millionen mehr, weil nicht mehr genug junge Arbeitskräfte auf den Markt nachströmen". Dagegen kann leicht stellen, dass wir in 10 Jahre noch klügere, genauere, bessere Maschinen und Programme haben, die menschliche Arbeit noch überflüssiger macht - was auch gut ist. Das versuchen Menschen nämlich seit Jahrtausenden.
Aber statt auf diese Entwicklung einzugehen und sie anzunehmen, wird sie nicht nur ignoriert, sondern sogar noch pervertiert, indem man aus etwas Guten eine neue Form der Sklaverei entwickelt, in welcher der Staat (also der Bürger) dem Sklavenhalter seinen Sklaven bezahlt. Nennt sich dann Lohnsubvention, Kurzarbeit und im schlimmsten Fall 1-Euro-Job.
Selbstständigkeit löst gar nichts, denn ein paar erfolgreiche Einzelfälle machen noch kein erfolgreiches Konzept zur Lenkung eines Landers Mit über 6 Millionen berufsfähigen Arbeitslosen.
Der Fachkräftemangel wird hauptsächlich mit völlig absurden Forderungen konstruiert, denen die Firmen selbst nicht einmal annähernd gerecht werden, schon gar nicht deren Personaler, Chefs oder übrigen Angestellten. Bei einem wirklichen Mangel könnte man sich diese gar nicht leisten, sondern müsste schaun, was man bekommt und notfalls eben in denjenigen noch investieren.
Am aller, aller lächerlichsten ist jedoch so eine Schätzung wie "in zehn Jahren brauchen wir 2 Millionen mehr, weil nicht mehr genug junge Arbeitskräfte auf den Markt nachströmen". Dagegen kann leicht stellen, dass wir in 10 Jahre noch klügere, genauere, bessere Maschinen und Programme haben, die menschliche Arbeit noch überflüssiger macht - was auch gut ist. Das versuchen Menschen nämlich seit Jahrtausenden.
Aber statt auf diese Entwicklung einzugehen und sie anzunehmen, wird sie nicht nur ignoriert, sondern sogar noch pervertiert, indem man aus etwas Guten eine neue Form der Sklaverei entwickelt, in welcher der Staat (also der Bürger) dem Sklavenhalter seinen Sklaven bezahlt. Nennt sich dann Lohnsubvention, Kurzarbeit und im schlimmsten Fall 1-Euro-Job.
...eigentlich einen Personaler?
@Diskutierender
In welchem Bereich suchen sie denn?
@Merle76
In so vielen Unternehmen arbeiten unglaublich inkompetente oder unproduktive ältere Mitarbeiter, die trotzdem ein saftiges Gehalt bekommen. Der Grund: Oft sind horrende Abfindungen nötig um diese herauszuwerfen. Ich rede nicht von einzelnen Monatsgehältern, sondern von Jahres oder 2-Jahres-Gehältern.
Ich selbst bin promovierter Physiker - also nicht gerade eine wenig gefragte Klientel - mit 7 Jahren Berufserfahrung in der Halbleiterindustrie (technische Projektleitung, interdisziplinäre Arbeit) sowie einem inzwischen zu ca. 80% absolvierten Aufbaustudium in BWL (Fernuni Hagen). Es ist für mich also auch durchaus möglich, in anderen Branchen oder Bereichen zu arbeiten.
Inzwischen habe ich eine Stelle bei einem sehr renommierten Unternehmen gefunden (ABB Schweiz) - nur eben nicht in Deutschland. Ich hatte zwar viele Vorstellungsgespräche in Deutschland, aber offenbar war ich vielen Personalen im Vorstellungsgespräch (ich empfinde es als Prüfungssituation) zu nervös oder sie wollten mich einfach nur mal ansehen ohne echte Einstellungsabsicht.
Daher macht es mich angesichts meiner eigenen Erfahrungen sehr wütend, wenn schon wieder von Fachkräftemangel die Rede ist oder die Wirtschaft sogar schon wieder von Zuwanderung spricht. Ich selbst habe erst vor 2 Monaten Deutschland verlassen.
Ob ich allerdings zurückkomme, ist auch fraglich. Die Schweiz ist ein Land mit hoher Attraktivität und Lebensqualität sowie guter Bezahlung - angesichts meiner Vorliebe für Berge, Skifahren und Mountain-Bike auch für mich ein attraktiver Standort.
Die Deutsche Wirtschaft sollte daher erst einmal aufhören, gute Leute ins Ausland zu vertreiben.
Ich kenne viele "junge Fachkräfte", denen jegliche soziale Kompetenz abgeht. Zurück zum Sachlichen: Es gibt gute und weniger gute Arbeitskräfte. Das hängt aber nicht mit dem Alter zusammen. Tasache ist aber auch eine massive Diskrimierung Ältere bei der Arbeitssuche. Beste Erfahrungswerte gibt es hier in Mittelfranken nach der Pleite der "Quelle". Und das Personaler den Kündigungsschutz (außer für sich selbst) ablehnen, um "Wild West" bei der Personalpolitik zu spielen, versteht sich von selbst.
Ich selbst bin promovierter Physiker - also nicht gerade eine wenig gefragte Klientel - mit 7 Jahren Berufserfahrung in der Halbleiterindustrie (technische Projektleitung, interdisziplinäre Arbeit) sowie einem inzwischen zu ca. 80% absolvierten Aufbaustudium in BWL (Fernuni Hagen). Es ist für mich also auch durchaus möglich, in anderen Branchen oder Bereichen zu arbeiten.
Inzwischen habe ich eine Stelle bei einem sehr renommierten Unternehmen gefunden (ABB Schweiz) - nur eben nicht in Deutschland. Ich hatte zwar viele Vorstellungsgespräche in Deutschland, aber offenbar war ich vielen Personalen im Vorstellungsgespräch (ich empfinde es als Prüfungssituation) zu nervös oder sie wollten mich einfach nur mal ansehen ohne echte Einstellungsabsicht.
Daher macht es mich angesichts meiner eigenen Erfahrungen sehr wütend, wenn schon wieder von Fachkräftemangel die Rede ist oder die Wirtschaft sogar schon wieder von Zuwanderung spricht. Ich selbst habe erst vor 2 Monaten Deutschland verlassen.
Ob ich allerdings zurückkomme, ist auch fraglich. Die Schweiz ist ein Land mit hoher Attraktivität und Lebensqualität sowie guter Bezahlung - angesichts meiner Vorliebe für Berge, Skifahren und Mountain-Bike auch für mich ein attraktiver Standort.
Die Deutsche Wirtschaft sollte daher erst einmal aufhören, gute Leute ins Ausland zu vertreiben.
Ich kenne viele "junge Fachkräfte", denen jegliche soziale Kompetenz abgeht. Zurück zum Sachlichen: Es gibt gute und weniger gute Arbeitskräfte. Das hängt aber nicht mit dem Alter zusammen. Tasache ist aber auch eine massive Diskrimierung Ältere bei der Arbeitssuche. Beste Erfahrungswerte gibt es hier in Mittelfranken nach der Pleite der "Quelle". Und das Personaler den Kündigungsschutz (außer für sich selbst) ablehnen, um "Wild West" bei der Personalpolitik zu spielen, versteht sich von selbst.
.. wenn man die Statistik betrachtet Anfang der 80-er jahre. Da war just der Zeitpunkt, als die geburtenstarken Jahrgänge auf den Arbeitsmarkt drängten. 10 Jahre später begann der Kommunismus in Osteuropa und auch in Asien zu bröckeln. Somit traten die Millionenheere von gut bis weniger gut Qualifizierten auf den kapitalistischen Markt. Hinzu kommen die Produktivitätssteigerungen, die per Saldo auch einen Arbeitsplatzreduzierung zur Folge haben. Unter Betracht dieser historischen Rahmenparameter ist völlig logisch, daß die Arbeitslosenzahlen, slebt bei Gutqualifizierten steigen. Aber dank geschickter Statistikmanipulationen hält unsere Regierung die Zahl bei 3,5 Mio konstant. Fachkräftemangel ist, unabhängig jeder Branche, eine Mär und dient Lobbyistenverbänden lediglich als Propagandamaterial. Beispiel Pflege: Dort herrscht ein massiver Mangel an 1 Euro Kräften, um den Ebit deutlich zu steigern.
Wie sehen die aktuellen Zahlen vom deutschen Arbeitsmarkt aus?
3.406.000 registrierte Arbeitslose und 1.58 Millionen unterbeschäftigte Personen in Arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen sowie 374.000 Nichtleistungsempfänger ergeben ohne große Recherche im großen Zahlenwerk des Monatsberichtes der BA 5 Millionen 360.000 Arbeitslose. Schaut man sich Seite 20 etwas genauer an, erkennt man schnell die wirkliche Dimension der realen und dennoch verschleierten Arbeitslosigkeit. Zitat: 3.013.000 Personen oder 51 Prozent bekamen Leistungen, ohne Arbeitslos zu sein.
S. 50 aktueller Bericht: 1.094.420 ALG I Empfänger + 5.073.954 erwerbsfähige ALG II Empfänger. In der Summe sind dies 6.168.374 Betroffene. Zusätzlich gibt es laut aktuellem Bericht auf Seite 20 weitere 374.000 Nichtleistungsempfänger. Jetzt sind es bereits 6.542.374 Menschen, welche von ALG I oder ALG II (sowie die Nichtleistungsempfänger) abhängig sind. Zusätzlich gibt es noch 890.000 Kurzarbeiter. Insgesamt sind dies bereits 7 Millionen 432.374 Personen.
Im April hatte die BA für den ersten, ungeförderten Arbeitsmarkt 302.000 freie Stellen zur Verfügung. Für Gesamtdeutschland hat das IAB nach aktuellen Zahlen ein Stellenangebot für den ersten Arbeitsmarkt von 659.000 freien Stellen angegeben.
Quelle: http://doku.iab.de/grauep...
Abzüglich von Scheinangeboten (Quelle: http://www.spiegel.de/wir...) und später zu besetzenden Stellen bleiben ca. 420.000 Stellenangebote auf dem ersten, ungeförderten Arbeitsmarkt, für über 6,5 Millionen nach „Arbeit“ suchender Menschen!
Wie sehen die aktuellen Zahlen vom deutschen Arbeitsmarkt aus?
3.406.000 registrierte Arbeitslose und 1.58 Millionen unterbeschäftigte Personen in Arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen sowie 374.000 Nichtleistungsempfänger ergeben ohne große Recherche im großen Zahlenwerk des Monatsberichtes der BA 5 Millionen 360.000 Arbeitslose. Schaut man sich Seite 20 etwas genauer an, erkennt man schnell die wirkliche Dimension der realen und dennoch verschleierten Arbeitslosigkeit. Zitat: 3.013.000 Personen oder 51 Prozent bekamen Leistungen, ohne Arbeitslos zu sein.
S. 50 aktueller Bericht: 1.094.420 ALG I Empfänger + 5.073.954 erwerbsfähige ALG II Empfänger. In der Summe sind dies 6.168.374 Betroffene. Zusätzlich gibt es laut aktuellem Bericht auf Seite 20 weitere 374.000 Nichtleistungsempfänger. Jetzt sind es bereits 6.542.374 Menschen, welche von ALG I oder ALG II (sowie die Nichtleistungsempfänger) abhängig sind. Zusätzlich gibt es noch 890.000 Kurzarbeiter. Insgesamt sind dies bereits 7 Millionen 432.374 Personen.
Im April hatte die BA für den ersten, ungeförderten Arbeitsmarkt 302.000 freie Stellen zur Verfügung. Für Gesamtdeutschland hat das IAB nach aktuellen Zahlen ein Stellenangebot für den ersten Arbeitsmarkt von 659.000 freien Stellen angegeben.
Quelle: http://doku.iab.de/grauep...
Abzüglich von Scheinangeboten (Quelle: http://www.spiegel.de/wir...) und später zu besetzenden Stellen bleiben ca. 420.000 Stellenangebote auf dem ersten, ungeförderten Arbeitsmarkt, für über 6,5 Millionen nach „Arbeit“ suchender Menschen!
Berufsfeldanalysen über den Werdegang der Absolventen einzelner Ausbildungswege gibt es immer wieder mal. Es wäre schon viel gewonnen, wenn in den Abschlußklassen von Schulden darauf hingewiesen würde, daß es Berufsfeldanalysen gibt und wie man sie zur Beurteilung der beruflichen Risiken einer bestimmten Ausbildung nutzen kann.
Ich selbst bin promovierter Physiker - also nicht gerade eine wenig gefragte Klientel - mit 7 Jahren Berufserfahrung in der Halbleiterindustrie (technische Projektleitung, interdisziplinäre Arbeit) sowie einem inzwischen zu ca. 80% absolvierten Aufbaustudium in BWL (Fernuni Hagen). Es ist für mich also auch durchaus möglich, in anderen Branchen oder Bereichen zu arbeiten.
Inzwischen habe ich eine Stelle bei einem sehr renommierten Unternehmen gefunden (ABB Schweiz) - nur eben nicht in Deutschland. Ich hatte zwar viele Vorstellungsgespräche in Deutschland, aber offenbar war ich vielen Personalen im Vorstellungsgespräch (ich empfinde es als Prüfungssituation) zu nervös oder sie wollten mich einfach nur mal ansehen ohne echte Einstellungsabsicht.
Daher macht es mich angesichts meiner eigenen Erfahrungen sehr wütend, wenn schon wieder von Fachkräftemangel die Rede ist oder die Wirtschaft sogar schon wieder von Zuwanderung spricht. Ich selbst habe erst vor 2 Monaten Deutschland verlassen.
Ob ich allerdings zurückkomme, ist auch fraglich. Die Schweiz ist ein Land mit hoher Attraktivität und Lebensqualität sowie guter Bezahlung - angesichts meiner Vorliebe für Berge, Skifahren und Mountain-Bike auch für mich ein attraktiver Standort.
Die Deutsche Wirtschaft sollte daher erst einmal aufhören, gute Leute ins Ausland zu vertreiben.
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