Lithium-AbbauDer Schatz im Salzsee

Nur wer den Rohstoff Lithium besitzt, kann Elektroautos bauen. In einem ausgetrockneten Salzsee in Bolivien lagern gigantische Vorräte, auf die Autofirmen aus aller Welt hoffen. Aber das arme Land will sich nicht billig abfinden lassen. Ein Pokerspiel beginnt.

Die Vergangenheit hat einen Auspuff. Man begreift das schnell an diesem Tag, im künstlichen Licht der Messehallen. Schöne Frauen ziehen Tücher von glänzenden Karosserien, Autos kommen zum Vorschein, E-Gitarren krachen, ein sorgfältig frisierter Vorstandsvorsitzender präsentiert den neuen Ford, den neuen Mazda, den neuen Lamborghini, und jedes Mal klingt es wie ein Abgesang. Wie ein Loblied auf ein großartiges Zeitalter, das gerade vorübergeht.

Die Vergangenheit ist ein Auto, das Benzin verbrennt.

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Es ist der erste Tag des Genfer Auto-Salons, der großen jährlichen Frühjahrsmesse der Fahrzeugindustrie. Es ist der Tag, an dem Toru Hashimoto der Welt die Zukunft erklärt.

Er ist ein zierlicher Mann von stillem Stolz, 54 Jahre alt, Ingenieur des japanischen Autoherstellers Mitsubishi. Neben ihm auf dem Messestand steht ein kleiner, rot-weißer Wagen ohne Tank. Hashimoto öffnet die Heckklappe, er zeigt auf einen schwarzen Kasten. Darunter verbirgt sich der Motor, 64 PS, aber so leise wie ein Fahrrad und genauso sauber, weil er nicht mit Benzin läuft, sondern mit Strom. Der Mitsubishi iMiEV ist das erste Auto eines Massenherstellers, dessen Kraft aus der Steckdose stammt. Das erste Auto, das keine Treibhausgase ausstößt. In Japan kann man ihn schon kaufen, in Deutschland kommt er im Herbst auf den Markt. Hier in Genf wirkt er wie das Symbol einer neuen Welt.

Einer Welt, in der Autofahrer ohne schlechtes Gewissen Gas geben können und in der nicht nur jeder Europäer und jeder Amerikaner einen Wagen besitzen kann, sondern auch jeder Afrikaner und jeder Asiate. In dieser Welt werden die Autokonzerne ewig leben, weil ihr Wachstum weder durch den Klimawandel noch durch versiegende Ölquellen gebremst wird.

»Imagine«, sagt Toru Hashimoto. »Stellen Sie sich vor.«

Er ist in den iMiEV gestiegen. Er spricht jetzt über das Geheimnis der ungebremsten Mobilität, die das Elektroauto verheißt. Es ist der Energiespeicher, der Akku, er verbirgt sich unter den Sitzen.

Die Elektroautos von früher wurden mit schweren Blei- oder Nickelbatterien angetrieben. Nach achtzig, neunzig Kilometern blieben sie liegen. Inzwischen aber gibt es neue Akkus. »Sie sind aus Lithium«, sagt Hashimoto. »Aus dem leichtesten Metall der Erde.« Es liegt an diesen Lithium-Ionen-Batterien, dass moderne Elektroautos mehrere Hundert Kilometer weit fahren können und ähnlich leistungsfähig sind wie Benzinautos.

Die Welt der Zukunft braucht kein Öl. Sie braucht Lithium.

Jahrhundertelang hatte die Menschheit wenig Verwendung für dieses Metall. Wie wertloser Schutt lag es unter der Erdkruste. Jetzt aber arbeiten die Ingenieure überall auf der Welt an Elektroautos, nicht nur bei Mitsubishi, auch auf den Teststrecken von Daimler, in den Windkanälen von General Motors oder den Fabriken von Renault. Die Autoindustrie wird bald Millionen von Batterien brauchen. Aus dem Lithium ist ein riesiger Schatz geworden.

Wer wird ihn heben? Wem wird er zu Reichtum verhelfen?

Hoch oben in den Bergen Boliviens liegt die weiße Wüste des Salar de Uyuni . Sie ist so groß, dass sie vom Mond aus zu sehen ist. So blendend, dass sich jede Entfernung darin verliert. So still, dass man allein den Wind hört, der über den riesigen ausgetrockneten Salzsee pfeift. Und ab und zu den Flügelschlag von Flamingos, die zu den sumpfigen Rändern der Wüste fliegen. Sonst nichts. Nur stille Verheißung.

Im Boden dieser Salzwüste verbergen sich die größten Lithiumvorkommen der Welt.

Moises Chambi hält eine Holzstange in der Hand. An ihrem Ende klemmt eine scharfe Eisenplatte. Mit diesem Schaber pflügt der Angehörige der Aymara-Indios durch die harte Kruste der Salzwüste, wie durch gefrorene Erde in eisigen Wintern. Früher benutzte sein Vater dieses Werkzeug, davor sein Großvater. Beide lebten sie davon, das Salz aus dem Salar de Uyuni zu brechen, 3653 Meter über dem Meer. Moises Chambi lebt ihr Leben weiter.

Leserkommentare
  1. Sie haben wohl noch nichts von der dortigen Zweiklassengesellschaft mitbekommen? Unabhängigkeit von den Wirtschaftsnationen ist mit Uyuni noch lange nicht gegeben. Diese Abhängigkeit hängt von viel mehr Faktoren ab, die uns vielleicht auch mitbeträfen. Es zeigt mir aber ihre naive Weltanschauung. Ein satter Erstweltler bin ich noch lange nicht, dass können Ihnen diejenigen bestätigen, die mich kennen. Die Geschichte gibt mir recht, dass Umwelt zerstört wurde durch nicht nachhaltigen Abbau und es denjenigen, die eigentlich Anspruch auf Profit gehabt hätten in den seltensten Fällen genützt hat. Ausserdem ist es berechtigt der Landschaft nachzutrauern, das tue ich auch, wenn hierzulande Naturschutzgebiete dem Strassenbau etc. weichen müssen. Die Notwendigkeit der jeweiligen Projekte hat dabei mit meiner Trauer nichts zu tun.

    Antwort auf "Typisch !"
    • sauce
    • 25.05.2010 um 19:31 Uhr

    Doch, ich kenne mich mit den dortigen Gegebenheiten ganz gut aus, ich bin schon lange mit einem Bolivianer verheiratet und natürlich haben uns die politischen und wirtschaftlichen Aspekte immer interessiert.

    Antwort auf "Typisch !"
    • sauce
    • 25.05.2010 um 19:45 Uhr

    Übrigens gibt es -entgegen der Darstellung in den Medien - nicht nur 2 Klassen in Bolivien sondern durchaus auch eine breite Mittelschicht. Es gibt relativ gut verdienende Marktfrauen, ein Heer von Beamten die nicht zur finanziell unteren Schicht gehören, Taxifahrer und Händler die Welten von den wirklich armen Leuten entfernt sind , genauso wie von den ganz Reichen.... aber die leben eben "ganz normal und unspektakulär" und sind aus genau diesem Grund den satten Erstweltlern ziemlich unbekannt.
    Ich habe ziemlich viel Zeit in Bolivien verbracht und kenne das Land nicht nur von außen sondern aufgrund der familiären Verflechtung auch von innen.

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    Wenn Sie natürlich die Bevölkerung von La Paz oder Santa Cruz de la Sierra als Durchschnitt nehmen, dann kommt das mit dem Beamtenkropf hin. Ich bin aber trotzdem gespannt inwiefern die Bevölkerung aus den Yungas oder den Altiplano von der Ausbeute des Lithiumschatzes profitieren wird. Nach Ihren Massstäben mögen die ganz reichen "ganz normal und unspektakulär" leben, ich empfinde dies aber nicht so. Über die "satten Erstweltler" werde ich nicht urteilen, da dies immer ein so gern genommenes Totschlagargument ist. Über mein Privatleben schweige ich lieber, da dies ein öffentliches Forum ist.

    Wenn Sie natürlich die Bevölkerung von La Paz oder Santa Cruz de la Sierra als Durchschnitt nehmen, dann kommt das mit dem Beamtenkropf hin. Ich bin aber trotzdem gespannt inwiefern die Bevölkerung aus den Yungas oder den Altiplano von der Ausbeute des Lithiumschatzes profitieren wird. Nach Ihren Massstäben mögen die ganz reichen "ganz normal und unspektakulär" leben, ich empfinde dies aber nicht so. Über die "satten Erstweltler" werde ich nicht urteilen, da dies immer ein so gern genommenes Totschlagargument ist. Über mein Privatleben schweige ich lieber, da dies ein öffentliches Forum ist.

  2. 20. La Paz

    Wenn Sie natürlich die Bevölkerung von La Paz oder Santa Cruz de la Sierra als Durchschnitt nehmen, dann kommt das mit dem Beamtenkropf hin. Ich bin aber trotzdem gespannt inwiefern die Bevölkerung aus den Yungas oder den Altiplano von der Ausbeute des Lithiumschatzes profitieren wird. Nach Ihren Massstäben mögen die ganz reichen "ganz normal und unspektakulär" leben, ich empfinde dies aber nicht so. Über die "satten Erstweltler" werde ich nicht urteilen, da dies immer ein so gern genommenes Totschlagargument ist. Über mein Privatleben schweige ich lieber, da dies ein öffentliches Forum ist.

    Antwort auf "Gesellschaft 2"
    • sauce
    • 25.05.2010 um 20:09 Uhr

    Ich schrieb nicht, daß die Reichen ganz normal und unspektakulär leben.... das tun sie ganz gewiß nicht, sondern die von mir beschriebene durchaus existente Mittelschicht.... normal und unspektakulär - damit meine ich, daß die Kinder dieser Familien ganz normal zur Schulegehen können und auch eine weitergehende Ausbildung genießen können, daß es immer genug zu essen gibt, meist eine Krankenversicherung besteht.

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    da habe ich Sie wohl missverstanden. Entschuldigen Sie die späte Antwort, lese das erst jetzt. Mmh man merkt aber ganz deutlich, dass Sie und ihr Mann nicht aus der bolivianischen Mittelschicht kommen. Ausserdem, warum sollte die von Ihnen definierte Mittelschicht anders als in anderen Südamerikanischen Ländern funktionieren? Ok im Vergleich geht es dann der afrikanischen Mittelschicht noch schlechter. Meine berechtigten Zweifel (berechtigt, aus historischer Sicht) ist, ob die Bevölkerung wirklich von der Zerstörung dieses Gebietes in dem Masse profitiert, wie propagiert.

    da habe ich Sie wohl missverstanden. Entschuldigen Sie die späte Antwort, lese das erst jetzt. Mmh man merkt aber ganz deutlich, dass Sie und ihr Mann nicht aus der bolivianischen Mittelschicht kommen. Ausserdem, warum sollte die von Ihnen definierte Mittelschicht anders als in anderen Südamerikanischen Ländern funktionieren? Ok im Vergleich geht es dann der afrikanischen Mittelschicht noch schlechter. Meine berechtigten Zweifel (berechtigt, aus historischer Sicht) ist, ob die Bevölkerung wirklich von der Zerstörung dieses Gebietes in dem Masse profitiert, wie propagiert.

  3. ... mach weiter so!

  4. 23. Naja...

    Alles schöne Träume, aber wenn die Elektroautomobilsten die ersten verbrannten Leichen in Ihren Autos nach Unfällen im Fernsehen sehen oder die reihenweise leigengeblieben E-Autos auf winterlichen Autobahnen werden wir vielleicht erkennen das es eher Sinn macht zu Hause elektrisch zu heizen (Wärmepumpe) und weiterhin mit fossilen Brennstoffen herumzufahren als andersherum...

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    Zum Glück ist den vergangenen 100 Jahren noch NIE ein Auto mit Explosionsmotor in Brand geraten, denn dann hätte man diese rollenden Gefahrguttransporter natürlich sofort verboten.
    Die brennenden Autos, von denen man ständig in den Verkehrsdurchsagen hört, sind alles Elektroauto-Prototypen.

    Oder haben Sie einfach nur schlecht geträumt?

    Zum Glück ist den vergangenen 100 Jahren noch NIE ein Auto mit Explosionsmotor in Brand geraten, denn dann hätte man diese rollenden Gefahrguttransporter natürlich sofort verboten.
    Die brennenden Autos, von denen man ständig in den Verkehrsdurchsagen hört, sind alles Elektroauto-Prototypen.

    Oder haben Sie einfach nur schlecht geträumt?

  5. Zum Glück ist den vergangenen 100 Jahren noch NIE ein Auto mit Explosionsmotor in Brand geraten, denn dann hätte man diese rollenden Gefahrguttransporter natürlich sofort verboten.
    Die brennenden Autos, von denen man ständig in den Verkehrsdurchsagen hört, sind alles Elektroauto-Prototypen.

    Oder haben Sie einfach nur schlecht geträumt?

    Antwort auf "Naja..."

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