Gesunde Ernährung Gut Brot will Weile haben
Sie wollen nur eines: Brot, das möglichst lange frisch bleibt und so wenige Zutaten wie möglich enthält. Ein Besuch bei Deutschlands neuen Traditionsbäckern.
Was ist drin, im guten Brot? Rainer Hensen schüttelt mit dem Kopf. »Was ist nicht drin, muss die Frage heißen. Ins Roggenbrot gehören Roggen, Natursauer, Meersalz – mehr nicht.« Rainer Hensen ist Bäcker, außerdem einer von ganz wenigen Köchen mit Bio-Zertifizierung und Michelin-Stern, und er ist ein Purist.
Auf Reisen hungert er lieber, als ein Fertiggericht voller Zusatzstoffe anzurühren oder auch nur eine Pizza mit dem falschen Teig. Er ist nach Indien gereist, um zu sehen, wo der Pfeffer wächst, und an die Küsten, um zu beobachten, wie Meersalz gewonnen wird.
Auch beim Brot nimmt er es genau mit seinem Reinheitsgebot. »Ich liebe den klaren Roggenduft!«, sagt er. »Je mehr Roggen im Brot ist, desto länger bleibt das Brot frisch, aber ein reines Roggenbrot ist sehr schwer zu backen.« Ohne Backmittel, von Hand. »Deshalb sind Roggenmischbrote unter Bäckern so beliebt, weil der Weizen bessere Backeigenschaften hat, dann geht es leichter.«
Noch leichter geht es, wenn Fertigmischungen der Backmittelindustrie in die Knetmaschine geschüttet werden. Doch davon ist Hensen so weit entfernt wie ein Gourmet von Dosen-Ravioli. Seine Brote müssen »hundert Prozent Natur« sein, Experimente sind erlaubt. »Brot mit Walnüssen zum Beispiel ist sehr lecker. Und Brot mit ganz vielen, aber ungeschwefelten Früchten. Oder Kräuterbrot mit Thymian oder Rosmarin.«
Wer dem Sternekoch zuhört, bekommt Lust, es gleich selbst auszuprobieren. Einen Zweig frischen Rosmarin aufs Blech, den Teig darauf legen, und schon duftet das Brot – das klingt simpel. Oder Buchweizenspäne zum Glimmen zu bringen, um ein bisschen Holzofen-Geschmack ins Brot zu zaubern. Doch wenn Rainer Hensen beginnt, die »stundenlange Vorteigführung« zu erklären, wird klar, dass Brotbacken eine hohe Kunst ist, dass Hefeteige empfindlich sind wie Diven, die vorsichtig umsorgt sein wollen: »Es darf nicht zu viel Hefe in den Vorteig, und er muss ein paar Stunden stehen, aber nicht an der wärmsten Stelle in der Küche, zugig darf es auch nicht sein, und er muss abgedeckt werden. Und die Schüttflüssigkeit darf nicht zu warm sein!«
- Brotsorten
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Bio-Roggenbrot: Ein Brot aus 100 Prozent Roggenmehl, das aus biologischem Anbau stammt
Weißbrot: Ein Brot aus 100 Prozent weißem Weizenmehl
Graubrot: Ein Mischbrot, das zu mehr als der Hälfte aus Roggen- und zu weniger als der Hälfte aus Weizenmehl besteht
Bärlauchbrot: Ein aromatisiertes Mischbrot aus mehr als 50 Prozent Weizen- und weniger als 50 Prozent Roggenmehl
Dieses Wissen ist keine Selbstverständlichkeit, im Gegenteil. Hinter einer vermeintlichen Vielfalt an der Theke verkümmert in den Backstuben das Handwerk. Das ursprünglichste aller Lebensmittel, unser alltäglichstes, ist zu einem Baukastenprodukt geworden. Eine gewaltige Industrie hat seine Herstellung optimiert, um immer mehr Gebackenes unters Volk zu bringen. Die Qualität blieb dabei auf der Strecke. Jetzt aber besinnen sich einige Bäcker wieder auf ihre Kunst. Rainer Hensen steht für dieses neue Selbstverständnis, einfach nur gutes Brot backen zu wollen.
»Brot braucht Zeit«, sagt auch Axel Artmann, der Biologie studiert hat, bevor er 1986 in Göttingen die Bio- und Vollkornbäckerei Das Backhaus gründete. Auch er hat ein Reinheitsgebot für seine Roggenbrote aufgestellt: »Es muss ein echter Natursauerteig sein, einer, den der Bäcker selber zieht und in einem langen, aufwendigen Verfahren verarbeitet.«
Seit 25 Jahren arbeite das Backhaus mit dem gleichen Natursauerteig, erzählt er, manche Bäcker gäben ihren Teig sogar von Generation zu Generation weiter, und früher sollen ihn Reisende in fester Form unter den Sattel geklemmt haben, als sogenannten Krümelsauer. Der Sauerteig ist die Basis guten Brots, immer mehr Bäcker haben ihn in den vergangenen Jahren durch »Fertigsauer« aus der Tüte ersetzt.
Im Unterschied zum Hefeteig ist Sauerteig robust, eine stabile Bakterienkultur, die unter anderem Milch- und Essigsäure produziert. Er säuert und lockert den Teig, macht ihn geschmackvoller und leichter verdaulich. Roggenbrote kann man ohne Sauerteig gar nicht backen, sie blieben flach und hart. »In einem guten Natursauerteig bilden sich auch natürliche Hefen, da muss man keine industriellen hinzugeben«, sagt Artmann. »Eine unserer Auszubildenden sollte bei der Gesellenprüfung angeben, was man für ein Roggenbrot brauche. Hefe hat sie nicht angekreuzt, weil wir ja keine hinzugeben. Das ist ihr als Fehler angerechnet worden.« Es widersprach eben der Lehrmeinung an der Berufsschule und der gängigen Praxis, denn mit Hefezusatz im Sauerteig backt es sich schneller und einfacher.
Doch das Handwerk wird träge von solchen Praktiken. Artmann erzählt von einem Gespräch mit einem Bäckerkollegen über die viele Arbeit vor den Feiertagen. »Man muss so gut planen und schon 24 Stunden vor dem Backen richtig schätzen, wie viel Brote man verkauft«, habe er geklagt. Der Kollege jedoch habe erwidert: »Ich mach mir damit kein Problem: Wenn ich morgens um acht merke, dass mein Brot nicht reicht, mach ich einen Sack mit Fertigsauer auf und eineinhalb Stunden später hab ich Nachschub.« Er habe den Kollegen in diesem Moment ein bisschen beneidet, gesteht Artmann – und würde doch selbst nie so backen.
- Datum 28.05.2010 - 16:37 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 20.05.2010 Nr. 21
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Unser selbstgebackenes Brot enthält nur Getreide, Hefe bzw. selbsterzeugten Sauerteig, Salz und Wasser, schmeckt sehr gut - und hält gegebenenfalls mindestens eine Woche.
Wir manschen da keine Menschenhaare, keine Schweineborsten, keinen Gips, keine Schimmelpilze, keine Brauereiabfälle, keine weiteren Backtriebmittel rein und auch sonst nix.
Ich kann mich nur wundern darüber, was viele Bäcker bzw. Backmischungshersteller da alles ins Brot reinpanschen. Igittäbbä!
der aktuell verwendeten Backhilfsmittel und deren "Erscheinungsbild" gewesen. Ab und zu backe ich selber meine Brote und Backwaren. Die Rezepte bzw. die Zutaten für gutes Brot sind wirklich denkbar einfach. Es braucht nicht viel und die Mühe lohnt sich so oder so und es bereitet einfach freude sein eigenes Brot aus dem Ofen zu holen. Einzig mit dunklem Mehl zu backen war nicht sehr erfolgreich. Da muss ich also noch ein bischen üben. Schwer ist allerdings der Einkauf der Zutaten da nicht mal das Mehl über alle Zweifel erhaben ist. Erst im direkten vergleich fällt auf wie überaus eklig Industriebackwaren, auch viele von kleinen Bäckereien, überhaupt sind. Leider ist die Suche nach gesunden Lebensmitteln gerade auch wegen der sehr Industriefreundlichen Deklarationspflicht überaus mühsam und mit viel Frust verbunden weil man an jeder Ecke über den Tisch gezogen wird. Gerade das Thema Lebensmittel wird von der EU sehr Konsumentenunfreundlich behandelt. Es gibt da also noch einiges zu verbessern doch die Industrieverbände werden sich dank Lobbying zu helfen wissen und einmal mehr bleibt die Bevölkerung auf der Strecke. Die konstante Tiefpreishysterie und die komplett pervertierte Wettbewerbsideologie zieht leier alles mit nach unten... Lebensqualität im weitesten Sinn bleibt genau deswegen auf der Strecke. Aber auch so, die Serie über die Lebensmittelherstellung gefällt mir. Also gerne mehr davon :-)
....wo erschreckend viele Leute bei Aldi und Co einkaufen um sich dann ein Auto einer bestimmten Marke auf die Auffahrt setzen zu können, da können einem Leute wie diese Naturbäcker doch echt leid tun....
Im Osten der Republik werben viele Bäcker heute mit "Ostbrötchen" oder sogar "DDR-Brötchen".
Durch den technologischen Rückstand waren bis zur Wende industrielle Hilfsstoffe nicht üblich. Dementsprechend waren Semmeln kompakt und "bissig", und sie hielten problemlos 3 Tage, wurden dann nur weich.
Für die Ossis mit ihrem Glauben an westliche Überlegenheit war die Invasion des überbackenen Schaumstoffs ein kleiner Schock (neben all den größeren).
Einige wenige Dorfbäcker, in Thüringen zum Beispiel, haben ihre alten Steinöfen, Sauerteige und Rezepturen bis in die Gegenwart gerettet. Deren Backwaren sind traumhaft, auch wenn sie sich so etwas wie Biosiegel nicht leisten können.
das leider viel zu wenig Beachtung findet haben Sie hier aufgegriffen.
Vielen Dank für diesen lesenswerten Artikel...
Ich kann dessen Tenor nur zustimmen.
wurde wohl vergessen - die Hofpfisterei, backt ohne Zusätze seit 1331, seit 1984 auch biozertifiziert. Mit jede Menge Filialen in Süddeutschland, einigen in Berlin juhu! und für alle anderen Gegenden gibt's einen Brotversand. Deren Brot wird besser, wenn's ein paar Tage aufgehoben wird, was ja immer ein Merkmal von gutem Brot ist. http://www.hofpfisterei.de/
Schöner Artikel, dennoch heisst der Ort bei Stuttgart HerrenbErg und nicht HerrenbUrg.
Ich würde mich als Brot-Gourmet bezeichnen, zum selber backen bin ich allerdings zu faul.
Vor einiger Zeit war ich beruflich für 3 Monate in der Schweiz. Dort gibt es sogar in den großen Supermarktketten (Migros und co op) ausgezeichnetes Brot. Das ist so gut, das ich ernsthaft überlegt habe in die Schweiz auszuwandern ;-) Ich hatte in Deutschland noch nie so gutes Brot gegessen. Nach langer Suche habe ich einige gute Bäckereien im Ruhrgebiet/Raum Düsseldorf aufgetan: Die Bäckerei Horst Hemke (http://www.baeckerei-hors...) macht ein großartiges Brot namens "Zwirbelkruste". Nicht zu knapp mit Butter bestrichen (Empfehlung: Meggle, Landliebe oder Kaergarden) ein Gedicht! Andere Brote habe ich vom Horst allerdings noch nicht probiert. Weitere empfehlenswerte Bäckereien: Terbuyken (http://www.baeckerei-terb...) und Hinkel (http://www.baeckerei-hink...)
Probieren Sie mal die Kombination aus Brotbackautomat und Getreidemühle. Damit kann man einfach und ohne allzu großen Zeitaufwand sehr leckere und haltbare (von gesund nicht zu sprechen) Brote backen. Das einzige Zugeständnis bleibt bei mir der fertige Sauerteig, der aber immerhin "Bio" ist. Ansonsten: Wasser, manchmal auc Buttermilch, frisch gemahlenes Mehl oder Schrot, evtl. Hefe, Sirup oder Honig, vielleicht ein paar Kerne - fertig. Nach knapp vier Stunden hat man eine duftende Küche und ein Brot, dass einem aus den Hängen gerissen wird.
Probieren Sie mal die Kombination aus Brotbackautomat und Getreidemühle. Damit kann man einfach und ohne allzu großen Zeitaufwand sehr leckere und haltbare (von gesund nicht zu sprechen) Brote backen. Das einzige Zugeständnis bleibt bei mir der fertige Sauerteig, der aber immerhin "Bio" ist. Ansonsten: Wasser, manchmal auc Buttermilch, frisch gemahlenes Mehl oder Schrot, evtl. Hefe, Sirup oder Honig, vielleicht ein paar Kerne - fertig. Nach knapp vier Stunden hat man eine duftende Küche und ein Brot, dass einem aus den Hängen gerissen wird.
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