Irische Butter Gras statt Mais
Irische Butter ist golden, cremig, ursprünglich. Das könnten deutsche Kühe auch liefern – wenn die Bauern sie auf die Weide ließen, statt sie im Stall mit Futter aus der Konserve abzuspeisen
Am liebsten schmieren sich die Deutschen irische Butter aufs Brot. Kerrygold, als »Gold der Grünen Insel« beworben und in güldenes Papier gehüllt, hat einen Marktanteil von rund 13 Prozent und ist Marktführer der Buttermarken, »drei Mal so groß wie die Nr. 2«, wie das Kerrygold-Marketing stolz verkündet.
Das ist ein bisschen gemogelt, denn die Iren haben nur Buttermarken wie eben Kerrygold, Weihenstephan oder Meggle in ihre Rangliste aufgenommen, nicht die Butter der Discounter und Supermärkte. »Die Deutsche Markenbutter hat einen Marktanteil von 85Prozent«, hält der Milchindustrie-Verband deshalb dagegen, wenn die Iren ihre Butter loben. Dennoch: Jedes siebte Butterpäckchen, das in deutschen Kühlschränken landet, kommt aus Irland.
Was haben die irischen Kühe, was den deutschen fehlt? Warum werden Jahr für Jahr rund 168 Millionen Päckchen Butter aus Irland importiert, wenn es bei uns doch genug Kühe gibt, um alle Frühstückstische mit Butter zu versorgen? Und wenn zugleich die preisverfallgeplagten Milchbauern hierzulande händeringend nach neuen Absatzmärkten suchen? Was ist das Geheimnis der irischen Butter?
»Es ist die irische Herkunft, die die Butter so einzigartig macht«, schwärmt Kerrygold im romantisierenden Werbesprech, »der volle Geschmack der Natur Irlands.« Onno Poppinga, Rinderzüchter und bis 2009 Professor für ökologische Agrarwissenschaften an der Universität Kassel-Witzenhausen, hat eine andere Antwort: »Das Geheimnis der irischen Butter ist das Versagen der deutschen Molkereien.« Nicht ein mysteriöser irischer Frühling färbt die Butter so goldgelb wie das Papier, in das sie gewickelt wird, sondern – ganz banal – das Gras. Und nicht etwa besonders frisches und würziges Gras, das nur in Irland sprießt, sondern ganz gewöhnliches Weidegras, wie es auch in Friesland oder auf der Schwäbischen Alb oder sonst wo in Deutschland wächst. Vielmehr: wachsen könnte.
Denn die deutschen Landwirte haben einen großen Teil der Weiden in den vergangenen Jahren umgepflügt, um darauf Getreide und Mais anzubauen. Der Mais wird nach der Ernte im Herbst als Silage haltbar gemacht und das ganze Jahr über an das Milchvieh im Stall verfüttert, Konservenfutter für Kühe. »Das Futter beeinflusst aber die Zusammensetzung der Milch: Gras enthält mehr Carotin als Mais, und das färbt die Butter gelb«, erklärt Poppinga. »Das Futter bestimmt auch die Zusammensetzung der Fette in der Milch: Die kurzkettigen Fette aus den Gräsern geben dem Milchfett eine andere Konsistenz, es macht die Butter weicher.« Das Geheimnis der irischen Butter ist also: Es gibt keines. Irische Butter ist Butter von Kühen, die fressen, was sie fressen sollten und wofür ihr Verdauungsapparat gemacht ist. Diese Butter ist nicht nur gelber und leichter zu streichen, sondern hat weitere Vorteile: Weidekühe leben gesünder und länger als Hochleistungskühe, die nie aus dem Stall kommen und mit Kraftfutter zu neuen Milchrekorden getrieben werden. Kühe, die vor allem Gras fressen, erkranken nicht an den schmerzhaften Labmagenverdrehungen, an denen Stallkühe häufig leiden, wenn sie zu viel Mais, Soja und Getreide gefressen haben. Außerdem ist Weidewirtschaft besser für den Boden als Maisanbau, sagen Ökologen. Denn die Weiden sind das ganze Jahr über grün, während Mais erst spät gesät wird; vorher liegt ist der Boden frei, Wind und Regen können ihn leichter abtragen.
Gesünder ist die Butter von Weidekühen wahrscheinlich auch, das zeigen Untersuchungen. »Milch von Kühen, die überwiegend Gras gefressen haben, enthält doppelt so viele Omega-3-Fettsäuren wie Milch von Stallkühen«, erklärt der Milchexperte und Molkereiberater Daniel Weiß, der an der Technischen Universität München den Einfluss des Futters auf die Milchqualität untersucht hat. Die Omega-3-Fettsäuren stehen in dem Ruf, das Risiko für einen Herzinfarkt zu senken. Weiß ist ein vorsichtiger Mann, er hält nichts von allzu simplen Ernährungsempfehlungen, aber seine Ergebnisse haben die Butterbranche aufgeschreckt. »Jetzt auf Weidemilch umzustellen wäre für die meisten Molkereien ein riesiges logistisches Problem«, sagt der Milchfachmann.
Warum aber haben die Landwirte in Deutschland ihre Kühe überhaupt in den Stall getrieben? »Das war politisch so gewollt, das Argument war die Effizienz. Hochleistungskühe im Stall geben mehr Milch«, erklärt Weiß. Gelb einfärben kann man die Butter auch noch in der Molkerei, die Zusatzstoff-Zulassungsverordnung erlaubt es, sie mit Carotinen zu versetzen.
- Datum 04.06.2010 - 16:50 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 20.05.2010 Nr. 21
- Kommentare 11
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:










Wir sind komplett auf unseren lokalen Bioladen umgestiegen. Das war anfangs teuer, weil wir dachten, wir kaufen weiter so wie im Discounter ein.
Nach wenigen Wochen schon hat sich unser Einkaufsverhalten geändert, es wird kaum noch Nahrung weggeschmissen, es wird gezielter gekauft. Die Ausgaben für Lebensmittel sind eher gesunken.
Dass die Butter dort goldgelb ist, das Gemüse schmackhaft usw., versteht sich von selbst.
Gute Gefühle macht es auch, ist in dem Geschäft doch nicht diese grauenhafte Hektik.
Stemmt Euch gegen diese blöde und entwürdigende Agrarindustrie.
Ganz komisch ist ja auch Folgendes: Als ich klein war, so in den 60er Jahren, war alles bio, sozusagen ganz selbstverständlich. Jetzt gilt das als Luxus.
Viele Spritzmittel, die heute wegen ihrer schlechten Abbaubarkeit und/oder Nebenwirkungen auf Mensch und Tier verboten sind, waren damals gang und gäbe. Ganz vorne DDT, das z. B. bei Vögeln zu hauchdünnen Eierschalen führt und im Nest zu Rührei. Die Felddüngung mit Gülle und künstlichen Stickstoffdüngern wurde damals noch mit der Maxime "viel hilft viel" dosiert. In den Bächen und Flüssen wucherten die Algen, die Teiche und Seen kippten um. Das ganze Blei, das damals, den Zylinderventilen zu gefallen, dem Benzin beigemischt war, schwängerte die Luft und lagerte sich dann auf den Pflanzen und im Boden ab. Bleimenninge mit Leinöl vermischt war auf allen Eisenflächen wegen der fantastisch rostdämmenden Wirkung die beliebteste Grundierung. Kläranlage war überwiegend ein Fremdwort. Die meisten Flüsse waren nach der Passage durch die ersten größeren Siedlungsanlagen mit "modernen" Produktionsmethoden biologisch tot. Damals wurden auch noch Schwermetallablagerungen nennenswerten Umfangs in den Flussschlämmen angesammelt. Noch heute sind die Quecksilber- und Cadmium-Nachweise in Rhein und Nordsee ein Leichtes. In ganz Deutschland gab es kaum Industrieschlote mit Filteranlagen. Die verschiedensten Dioxine konnten um sämtliche Industrieanlagen noch wirklich frei wirken, und durch die diversen Atombombenversuche war die Radioaktivität weltweit erhöht. -- Ja, damals...
Viele Spritzmittel, die heute wegen ihrer schlechten Abbaubarkeit und/oder Nebenwirkungen auf Mensch und Tier verboten sind, waren damals gang und gäbe. Ganz vorne DDT, das z. B. bei Vögeln zu hauchdünnen Eierschalen führt und im Nest zu Rührei. Die Felddüngung mit Gülle und künstlichen Stickstoffdüngern wurde damals noch mit der Maxime "viel hilft viel" dosiert. In den Bächen und Flüssen wucherten die Algen, die Teiche und Seen kippten um. Das ganze Blei, das damals, den Zylinderventilen zu gefallen, dem Benzin beigemischt war, schwängerte die Luft und lagerte sich dann auf den Pflanzen und im Boden ab. Bleimenninge mit Leinöl vermischt war auf allen Eisenflächen wegen der fantastisch rostdämmenden Wirkung die beliebteste Grundierung. Kläranlage war überwiegend ein Fremdwort. Die meisten Flüsse waren nach der Passage durch die ersten größeren Siedlungsanlagen mit "modernen" Produktionsmethoden biologisch tot. Damals wurden auch noch Schwermetallablagerungen nennenswerten Umfangs in den Flussschlämmen angesammelt. Noch heute sind die Quecksilber- und Cadmium-Nachweise in Rhein und Nordsee ein Leichtes. In ganz Deutschland gab es kaum Industrieschlote mit Filteranlagen. Die verschiedensten Dioxine konnten um sämtliche Industrieanlagen noch wirklich frei wirken, und durch die diversen Atombombenversuche war die Radioaktivität weltweit erhöht. -- Ja, damals...
Im Sommer 2008 verbrachten wir einen interessanten Urlaub auf dem Bauernhof der Familie GERDES bei Norddeich. Dort genossen wir mit großer Freude die frische Milch von den Kühen, die direkt von der Weide kamen. Auch die angedickte Milch von der "Fensterbank" schmeckte ausgezeichnet.
Nun wollten wir nach dem Urlaub unsere Milchgewohnheiten hier in Hildesheim fortsetzen. Es war ein Reinfall, denn die frische und angedickte Milch war nach kurzer Zeit ungenießbar. Der Grund: die Kühe kommen nicht mehr auf die Weide, sondern werden mit Silage gefüttert.
Es ist richtig, dass in Irland ideale Bedingungen herrschen und die Kühe das ganze Jahr über auf der Weide verbringen.
Ich habe über mehrere Jahre in der irischen Molkereiwirtschaft gearbeitet und darüber berichtet (siehe "IRLAND - ein Wiedersehen nach 20 Jahren!" unter www.rentner-billiger.de/R...).
Herzliche Grüsse
Klaus Metzger
HILDESHEIM
Tja, leider wird mittlerweile klar, dass der Ruf weitgehend unverdient ist. Soviel zum Herrn Milchexperten.
Milchkühe, die das ganze Jahr im Stall gehalten werden, fressen nicht ausschließlich Maissilage. Sie bekommen auch Gras, siliert, oder getrocknet(Heu). Einige Betriebe füttern das ganze Jahr Silage, andere mähen den Kühen während der Vegetationsperiode frisches Gras, das ist das billigste Futter. Auch Biokühe können das ganze Jahr im Stall gehalten werden, wenn sie einen Auslauf haben. Weidekühe fressen im Winter auch konserviertes Gras (Silage und Heu).
Beim System Kurzrasenweide (intensive Standweide)kann mit dem Weidegang sehr früh begonnen werden http://www.aelf-pk.bayern...
Eine Molkerei bietet Weidemilch an
http://www.topagrar.com/i...
Weidegang ist zeitaufwendiger wie Stallfütterung und es wird mehr Fläche benötigt.
Der Mais auf den umgebrochenen Wiesen wird nicht nur an Rinder verfüttert, ein großer Teil kommt in die Biogasanlagen.
können nicht nur mit Gras gefüttert werden, dann bringen sie ihre Milchleistung nicht.
Der Maisanbau für Biogasanlagen beträgt nur einige % des gesamten Maisanbaus.
können nicht nur mit Gras gefüttert werden, dann bringen sie ihre Milchleistung nicht.
Der Maisanbau für Biogasanlagen beträgt nur einige % des gesamten Maisanbaus.
Die Fütterung der Milchkühe, die Rinder- und Schweinemästung durch immer mehr Mais und Soja haben dramatische Auswirkungen auf die Volksgesundheit und sind der Hauptgrund für die weltweite epidemische Zunahme des Übergewichts. Siehe:
http://community.zeit.de/user/wulewuu/beitrag/2010/05/27/weltweite-epidemische-ausbreitung-des-übergewichts-warum
Es gibt keine epidemische Ausweitung des Übergewichts außer in den Medien und Hirnen der "Ernährungsberater". Das ganze kommt durch Statistiktricks dazu und immerwährende Propaganda.
Im Gegenteil, Magersucht und andere Esstörungen breiten sich aus.
Es gibt keine epidemische Ausweitung des Übergewichts außer in den Medien und Hirnen der "Ernährungsberater". Das ganze kommt durch Statistiktricks dazu und immerwährende Propaganda.
Im Gegenteil, Magersucht und andere Esstörungen breiten sich aus.
Viele Spritzmittel, die heute wegen ihrer schlechten Abbaubarkeit und/oder Nebenwirkungen auf Mensch und Tier verboten sind, waren damals gang und gäbe. Ganz vorne DDT, das z. B. bei Vögeln zu hauchdünnen Eierschalen führt und im Nest zu Rührei. Die Felddüngung mit Gülle und künstlichen Stickstoffdüngern wurde damals noch mit der Maxime "viel hilft viel" dosiert. In den Bächen und Flüssen wucherten die Algen, die Teiche und Seen kippten um. Das ganze Blei, das damals, den Zylinderventilen zu gefallen, dem Benzin beigemischt war, schwängerte die Luft und lagerte sich dann auf den Pflanzen und im Boden ab. Bleimenninge mit Leinöl vermischt war auf allen Eisenflächen wegen der fantastisch rostdämmenden Wirkung die beliebteste Grundierung. Kläranlage war überwiegend ein Fremdwort. Die meisten Flüsse waren nach der Passage durch die ersten größeren Siedlungsanlagen mit "modernen" Produktionsmethoden biologisch tot. Damals wurden auch noch Schwermetallablagerungen nennenswerten Umfangs in den Flussschlämmen angesammelt. Noch heute sind die Quecksilber- und Cadmium-Nachweise in Rhein und Nordsee ein Leichtes. In ganz Deutschland gab es kaum Industrieschlote mit Filteranlagen. Die verschiedensten Dioxine konnten um sämtliche Industrieanlagen noch wirklich frei wirken, und durch die diversen Atombombenversuche war die Radioaktivität weltweit erhöht. -- Ja, damals...
können nicht nur mit Gras gefüttert werden, dann bringen sie ihre Milchleistung nicht.
Der Maisanbau für Biogasanlagen beträgt nur einige % des gesamten Maisanbaus.
Es gibt keine epidemische Ausweitung des Übergewichts außer in den Medien und Hirnen der "Ernährungsberater". Das ganze kommt durch Statistiktricks dazu und immerwährende Propaganda.
Im Gegenteil, Magersucht und andere Esstörungen breiten sich aus.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren