140 Milliarden Dollar Umsatz erzeugt die Massentierhaltung im Jahr, und die Industrie wächst noch beständig. Unser Planet muss derzeit nicht nur 6,7 Milliarden Menschen ernähren, sondern auch mehr als vier Milliarden Nutztiere. Hierzulande leben heute rund 27 Millionen Schweine, knapp 50 Millionen Hennen und Küken, dazu Millionen Schlachtrinder. Zucht, Mast, Schlachtung sind industriell organisiert. Fleisch ist heute ein durch und durch globalisiertes Produkt. Bevor aus einem Mastschwein Wurst, Steak oder Separatorenfleisch wird, frisst es eine Tonne Futter (das oft aus Übersee stammt). Ein Bulle verschlingt gar sechs Tonnen, bis er anderthalb Jahre alt und schlachtreif ist.

Fast jeder zehnte Liter Süßwasser, den die Menschheit verbraucht, fließt in die Viehhaltung. Kunstdünger und Gülle vergiften vielerorts unzählige Liter Grundwasser, eine Folge von Überdüngung. Neun von zehn seit 1970 gerodeten Hektar des Regenwaldes am Amazonas wichen Weideland. Schon 30 Prozent der weltweiten Landfläche nimmt die Viehzucht in Beschlag. Und während in der westlichen Welt der Fleischkonsum mittlerweile halbwegs konstant ist, steigt er in China und Indien rapide an. Nach FAO-Schätzungen wird sich der globale Fleischverbrauch bis 2050 fast verdoppeln. Man muss nicht lange rechnen, um das Katastrophale in dieser Prognose zu erkennen.

Aber sind nicht wenigstens Bioprodukte ohne Konflikte zu konsumieren? Schön, wenn es so einfach wäre. »Es gibt kein gutes Fleisch, wenn man alle Kriterien gleichzeitig berücksichtigen will«, sagt Achim Spiller, Professor für Agrarökonomie an der Universität Göttingen. Er erforscht vor allem, wie Bioprodukte gekauft und vermarktet werden. Gerade hat er eine Empfehlung für ein neues europäisches Tierschutzlabel ausgearbeitet. Immerhin sind Abstufungen möglich: Für den Umweltschutz seien tierische Produkte aus ökologischer Landwirtschaft klar von Vorteil, sagt Spiller. Auch beim Tierschutz liege Bio vorn, »bei der Tiergesundheit ist Bio allerdings nicht viel besser als die konventionelle Haltung. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Betrieben sind in diesem Bereich sehr groß.«

Makellos ist Biofleisch also nicht. Ein riesiges Problem vor allem in der Schweine- und Geflügelmast ist der Einsatz von Soja als eiweißreiches Zusatzfutter. Der ist nach der EG-Ökoverordnung erlaubt, solange es sich nicht um genetisch veränderte Sorten handelt. Zwei Drittel des in Europa verwendeten Sojafutters stammen aus Südamerika. Der größte Teil davon wächst auf Rodungen, zahllosen Tier- und Pflanzenarten raubt er den Lebensraum. Auf ihn entfällt außerdem ein Großteil jener Kohlendioxidemissionen, welche die Treibhausgasbilanz des Fleischs verschlechtern.

Zwar verzichten einzelne Handelsmarken und einige Verbände – wie Bioland, Gäa und Neuland – auf Futterimporte aus Südamerika. Doch oft steckt auch im Schweinekotelett vom heimischen Ökometzger weit gereistes Sojaschrot. Zieht man also den Klimaschutz als Kriterium hinzu, stehen Fleisch und Milch aus ökologischer Produktion dann kaum noch besser da als konventionell hergestellte Waren.

Geradezu verheerend sieht es bei Rindfleisch aus. Laut einer von der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch beauftragten Studie aus dem Jahr 2008 kann mitunter mehr als viermal so viel Treibhausgas bei der Produktion eines Kilogramms Biorindfleisch entstehen wie beim Kilo Fleisch konventionell gemästeter Schweine. Im Vergleich zu herkömmlicher Ochsen- oder Bullenmast fallen bei der Biofleischproduktion rund 60 Prozent mehr Treibhausgase an. Futtern Tiere wie Maxl fast nur heimisches Gras, sieht laut neuen Analysen ihre CO₂-Bilanz zwar noch gut aus. Sobald Protein zugefüttert wird, kippt sie aber.

Spiller erklärt das mit den »hohen Veredelungsverlusten« beim Biorind. Die Tiere leben länger, bis sie geschlachtet werden, und brauchen in dieser Zeit mehr Futter. Gewöhnlich gehaltene Rinder sind produktiver. Pro Kilogramm Treibhausgas, das sie ausstoßen, liefern sie mehr Milch und Fleisch. »Ökoverfahren sind umweltfreundlicher, einige haben aber ein Problem mit der Effizienz«, sagt Jesko Hirschfeld vom Berliner Institut für ökologische Wirtschaftsforschung, der federführende Wissenschaftler hinter dem Foodwatch-Bericht.