Ernährung im MittelalterDie Kirche als Koch

Verbot macht erfinderisch. Im Mittelalter war ein Drittel des Jahres strenge Fastenzeit. Historische Rezepte zeugen davon, wie man die strengen Regeln zu umgehen wusste von 

So alt der Glaube, so alt ist auch die Bevormundung – und in wenige Bereiche mischt sich Religion so rigoros ein wie in die Nahrungsaufnahme. Finger weg von heiligen Kühen (Hinduismus)! Sind die Gummibärchen auch halal (Islam)? Keine Sahnesoße zum Braten (Judentum)! Glauben und essen, das bedeutete von jeher: auf Ausnahmen achten.

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Das 1. Buch Mose empfahl den Menschen zwar "alle Pflanzen auf der ganzen Erde, die Samen tragen, und alle Bäume mit samenhaltigen Früchten" zur Nahrung (Genesis 1,29–30). Doch der Sonderfall folgte auf dem Fuß: Bloß kein Erkenntnisobst naschen (Genesis 3,1–24)! Wie die Geschichte weiterging, ist als Mahnung allgegenwärtig: Jede kulinarische Verfehlung kann gravierende Konsequenzen haben. Einmal kraftvoll zugebissen, auf ewig aus Eden verstoßen – in eine Welt hinein, in der falsches Essen ebenfalls zu Scherereien führt.

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Das Christentum brachte im Laufe seiner Geschichte viele kulinarische Verbote hervor, auch wenn diese im Vergleich zu denen der anderen Weltreligionen weniger kompliziert erscheinen mögen. Und Verbot macht erfinderisch. Es spornte Köche an, im Rahmen der Regeln das Leckerste herauszuholen oder die Grenzen der Norm geschickt zu dehnen. So wurde die Kirche selbst zum Koch, vor allem durch jene umfangreichen Fastenregeln, die sie ab Mitte des ersten Jahrtausends entwickelte und immer weiter elaborierte.

Mit dem noch heute bekannten Fasten vor Ostern fing es an. "Während der 40-tägigen Fastenzeit ist es verboten, das Fleisch von warmblütigen Tieren zu essen", hatte Papst Gregor im Jahr 590 verkündet. Seine Nachfolger eiferten ihm nach. Bis Ende des 15.Jahrhunderts waren Butter, Milch, Käse und Eier ebenfalls tabu. Und auch zeitlich wurde der Verzicht stetig ausgeweitet. Für Menschen des Mittelalters galten, so haben Historiker rekonstruiert, bis zu 130 Fastentage – ein Drittel des Jahres bestimmte die Kirche, was auf den Tisch kam.

Leserkommentare
  1. ... ihm Saurem! ;-)

  2. 1569 gab Papst Pius V. der Schokolade als Fastenspeise seinen Segen

    Hab ich in der Schule nicht aufgepasst, oder der Autor? 1569 und Mittelalter?

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    • mo__
    • 29. Mai 2010 21:57 Uhr

    Stimmt schon, die 'klassische' Definition lässt das Mittelalter mit dem Jahr 1500 enden, aber so harte Epochengrenzen sind natürlich für die Forschung nur begrenzt hilfreich. Insofern gibt es inzwischen fast so viele Gegenvorschläge, wie es Historiker gibt, die sich mit der Frage beschäftigen. Einige vertreten sogar die Ansicht, dass das Mittelalter politisch bis 1806 anhielt, denn erst dann endete das Heilige Römische Reich. Insofern wäre 1569 also noch absolut im zeitlichen Rahmen. :-)

    • mo__
    • 29. Mai 2010 21:57 Uhr

    Stimmt schon, die 'klassische' Definition lässt das Mittelalter mit dem Jahr 1500 enden, aber so harte Epochengrenzen sind natürlich für die Forschung nur begrenzt hilfreich. Insofern gibt es inzwischen fast so viele Gegenvorschläge, wie es Historiker gibt, die sich mit der Frage beschäftigen. Einige vertreten sogar die Ansicht, dass das Mittelalter politisch bis 1806 anhielt, denn erst dann endete das Heilige Römische Reich. Insofern wäre 1569 also noch absolut im zeitlichen Rahmen. :-)

    Antwort auf "Mittelalter"
  3. Redaktion

    Aus Saurem wurde nun Saures,

    Grüße aus der Wissenschaftsredaktion

  4. da der Großteil der Bevölkerung eh hauptsächlich von Hirse lebte, unabhängig von den Fastenregelungen..
    "Statt – carne vale – dem Fleisch nach Karneval Lebewohl zu sagen, ließen sich die Küchenchefs zu kryptokarnivorischer Kost inspirieren."
    -->Carne Vale..THX für den etymologischen Hinweis, als vegetarischer Nichtlateiner mit Interesse für Wortspielereien finde ich den gesamten Artikel sehr infotainig!

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