Ernährung im Mittelalter Die Kirche als Koch
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Karges Gebäck an Feiertagen

Auch in der Adventszeit galt einst das Fastengebot und brachte ein karges Gebäck hervor, den Stollen, der – so freudlos wollte es der Klerus – bloß aus Mehl, Hefe, Öl und Wasser bestand. Mitte des 15. Jahrhunderts lobbyierten Sachsens Kurfürsten bei Papst Nikolaus V., er möge Butter zulassen, Rosinen und Mandeln gleich dazu. Argumentiert wurde nicht mit Sinnesfreuden, sondern mit der Fähigkeit der beiden letzteren Ingredienzien, Fieber zu senken und den »Wolfsbiss« zu heilen. Noch vier weitere Päpste mussten die Sachsen beknien, bis Innozenz VIII. schließlich 1491 nachgab und aus dem Stollen eine Spezialität werden konnte. Diesen Verbotshandel ließ er sich freilich gut bezahlen: Ein »Buttergeld« wurde fällig, das dem Kirchenbau zufloss.

Noch wichtiger für die Entwicklung der Backkunst dürfte eine Ausnahme gewesen sein, die heutigen säkularen Fastenauffassungen gänzlich widerspricht: 1569 gab Papst Pius V. der Schokolade als Fastenspeise seinen Segen, nachdem ein gewisser Bruder Girolamo di San Vincenzo ihn bei einer Audienz davon hatte kosten lassen. Angewidert soll der Papst gewesen sein von jenem neuweltlichen Zeug. Und nur was begehrenswert erschien, war es ja überhaupt wert, verboten zu werden. Ein Trick des Bruders? Immerhin, es war bekannt, dass Pius auf Saures stand.

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Die berühmteste Gericht gewordene Schummelei ist sicher die schwäbische Maultasche, die einer Legende nach im Zisterzienserkloster Maulbronn bei Bretten erfunden worden ist: von Mönchen, die mitten in der Fastenzeit ein herrliches Stück Fleisch ergatterten. Was tun? Klein gehackt, mit Kräutern gemischt und in einen Teigmantel eingeschlagen, wurde die Fleisch- als Mehlspeise getarnt. Bis heute heißt sie im Volksmund »Herrgottsb’scheißerle«.

Dieser Artikel stammt aus dem ersten ZEIT-Spezial "Richtig essen", das der ZEIT Nr. 21 beiliegt. Den zweiten Teil finden Sie in der ZEIT Nr. 22 vom 27.5.2010.

 
Leser-Kommentare
  1. ... ihm Saurem! ;-)

  2. 1569 gab Papst Pius V. der Schokolade als Fastenspeise seinen Segen

    Hab ich in der Schule nicht aufgepasst, oder der Autor? 1569 und Mittelalter?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • mo__
    • 29.05.2010 um 21:57 Uhr

    Stimmt schon, die 'klassische' Definition lässt das Mittelalter mit dem Jahr 1500 enden, aber so harte Epochengrenzen sind natürlich für die Forschung nur begrenzt hilfreich. Insofern gibt es inzwischen fast so viele Gegenvorschläge, wie es Historiker gibt, die sich mit der Frage beschäftigen. Einige vertreten sogar die Ansicht, dass das Mittelalter politisch bis 1806 anhielt, denn erst dann endete das Heilige Römische Reich. Insofern wäre 1569 also noch absolut im zeitlichen Rahmen. :-)

    • mo__
    • 29.05.2010 um 21:57 Uhr

    Stimmt schon, die 'klassische' Definition lässt das Mittelalter mit dem Jahr 1500 enden, aber so harte Epochengrenzen sind natürlich für die Forschung nur begrenzt hilfreich. Insofern gibt es inzwischen fast so viele Gegenvorschläge, wie es Historiker gibt, die sich mit der Frage beschäftigen. Einige vertreten sogar die Ansicht, dass das Mittelalter politisch bis 1806 anhielt, denn erst dann endete das Heilige Römische Reich. Insofern wäre 1569 also noch absolut im zeitlichen Rahmen. :-)

    • mo__
    • 29.05.2010 um 21:57 Uhr

    Stimmt schon, die 'klassische' Definition lässt das Mittelalter mit dem Jahr 1500 enden, aber so harte Epochengrenzen sind natürlich für die Forschung nur begrenzt hilfreich. Insofern gibt es inzwischen fast so viele Gegenvorschläge, wie es Historiker gibt, die sich mit der Frage beschäftigen. Einige vertreten sogar die Ansicht, dass das Mittelalter politisch bis 1806 anhielt, denn erst dann endete das Heilige Römische Reich. Insofern wäre 1569 also noch absolut im zeitlichen Rahmen. :-)

    Antwort auf "Mittelalter"
  3. Redaktion

    Aus Saurem wurde nun Saures,

    Grüße aus der Wissenschaftsredaktion

  4. da der Großteil der Bevölkerung eh hauptsächlich von Hirse lebte, unabhängig von den Fastenregelungen..
    "Statt – carne vale – dem Fleisch nach Karneval Lebewohl zu sagen, ließen sich die Küchenchefs zu kryptokarnivorischer Kost inspirieren."
    -->Carne Vale..THX für den etymologischen Hinweis, als vegetarischer Nichtlateiner mit Interesse für Wortspielereien finde ich den gesamten Artikel sehr infotainig!

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