Ökumenischer Kirchentag Bloß nicht gehorchen

Warum wir zivilen Ungehorsam brauchen

Der 2. Ökumenische Kirchentag stand unter dem Motto »Damit ihr Hoffnung habt«. Hoffnung hat man auf etwas, was verwirklicht werden soll. Herrschaft, die Menschen unterdrückt, gibt keine Hoffnung. Ihr entspricht das Gehorsamkeitsprinzip, das von Machthabern stets gefordert wird. Macht und Machtmissbrauch sind siamesische Zwillinge, sagt der Philosoph Montesquieu. Daher fordern die Machthaber Gehorsam, der nicht dem Gewissen verpflichtet ist. Es ist ein blinder oder Kadaver-Gehorsam. So berichten die Evangelien, dass das Volk den religiösen Führern gehorsam war und dies für Jesus den Tod bedeutete. Die Philosophin Hannah Arendt betont: Keiner hat das Recht zu gehorchen. Keine Herrschaft ist daher heilig, auch nicht die katholische Hierarchie (Hierarchie heißt übersetzt heilige Herrschaft), sondern jede ist unheilig.

Gotthold Hasenhüttl

Gotthold Hasenhüttl, geboren 1933 in Graz, gehört zu den kirchenkritischen katholischen Theologen. Nachdem Hasenhüttl beim 1. Ökumenischen Kirchentag im Jahr 2003 gegen den Willen Roms einen gemeinsamen Abendmahlsgottesdienst für Protestanten und Katholiken zelebriert hatte, wurde er vom Priesteramt suspendiert. Beim Ökumenischen Kirchentag feierte er im Hörsaal 1180 der Münchener TU trotz Verbotes wieder ein ökumenisches Abendmahl. Seine Predigt ist nachzulesen unter www.hasenhuettl.de. Hasenhüttls Hauptwerk trägt den Titel "Glaube ohne Mythos", soeben erschien "Christen gegen Christen. Der Streit um das gemeinsame Abendmahl" im Radius Verlag.

Da Gott, christlich verstanden, die Liebe ist, darf niemand einer Autorität gehorchen, die gegen die Nächstenliebe verstößt. Ziviler Ungehorsam ist gegen eine korrupte Hierarchie gefordert. Die heilige Jeanne d’Arc ist für ihre christliche Hoffnung auf bessere gesellschaftliche Verhältnisse von der Kirche verbrannt worden. Die heilige Hildegard von Bingen starb unter dem Interdikt, das heißt, jedes Sakrament wurde ihr vom Bischof verweigert, weil sie einen aus der Kirche Ausgeschlossenen begraben hatte.

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Eine katholische Hierarchie heute ist korrupt, wenn sie die Eucharistie, die Symbol der Liebe Christi ist, missbraucht, um andere Menschen, etwa evangelische Christen, auszuschließen. Jesus hat selbst Judas beim letzten Abendmahl die Kommunion gereicht. Eine Ökumene ohne ökumenisches Abendmahl ist Simulation, Vortäuschung von Gemeinsamkeit. Heilig ist die Liebe, die niemanden ausschließt, sondern Ungläubige und auch Feinde einschließt. Korrupt ist ebenfalls eine Hierarchie, die sexuelle Gewalt vertuscht. Die Würde der Institution gilt dieser als heilig und steht über der Würde des Opfers. Wie anders ist die Haltung Jesu! Für ihn steht der konkrete Mensch im Mittelpunkt.

Überall, wo das Antlitz eines Menschen geschändet wird, ist ziviler Ungehorsam geboten. Daher kann für jeden Christen nur gelten, dass allein die Würde jedes Menschen unantastbar und heilig ist. Alle Gesetze, Gebote und Institutionen, für so »heilig« man sie halten mag, haben nur Sinn, wenn sie für den Menschen da sind und solidarische Gemeinschaft fördern. Alles andere ist höchst unheilig. Nur die Achtung vor den »Mühseligen und Beladenen« kann einen Schimmer der Hoffnung ins Dasein bringen. Nicht der Gehorsam, sondern der zivile Ungehorsam kann heilen, denn es ist besser, ein Gesetz zu brechen als ein Herz. Heilig ist allein die Liebe zum konkreten Menschen, die uns Jesus vorgelebt hat. Sie kann Gesellschaft verändern. Aufgrund der frohen Botschaft Christi dürfen und sollen wir Hoffnung wider alle Hoffnung haben.

 
Leser-Kommentare
  1. Martin Luther schrieb:
    Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan.

    Lasst uns tilgen die parteiischen Namen
    und uns Christen heißen,
    nach Christus, dessen Lehre wir haben.

    und der englische Prediger Spurgeon:
    Wir hören heute viel von der Einheit der Kirche, und die Meinungen darüber sind sehr erstaunlich. Man wünscht, dass die römisch-katholische, die evangelische und anglikanische Kirche sich vereinigen werden. Ich zweifle nicht daran, dass Gott seine Erwählten in all diesen Kirchen hat, aber eine Vereinigung dieser fragwürdigen Einrichtungen, würde den vorhandenen Schaden noch größer machen.Die Einheit der wahren Kirche muss nicht angestrebt werden, sondern sie besteht.

    Es war stets ein Hirte der Schafe vorhanden, unser Herr Christus und es gab stets nur eine Herde, die dem guten Hirten anvertraut ist, und es wird auch keine weiteren geben.

    Alle von Menschen gegründeten Kirchen erhalten Teile der einen Gemeinde Jesu Christi, aber es gab nie zwei Körper Christi und kann es nicht geben. Es gibt nur eine Gemeinde und ein Haupt der Gemeinde.

    ..Teil 2

  2. Charles H. Spurgeon:
    Ein geistlich gesinnter Christ sucht und findet immer Gemeinschaft mit solchen, die gleicher Gesinnung sind. Namenschristen haben gerne Krieg, aber lebendige Gläubige suchen den Frieden. Wenn der Mensch nichts anderes hat als eine religiöse Form, so wird er mit Leibeskräften für ihren Erhalt kämpfen, aber ein Christ, der seinen Herrn liebt und in Seiner Nähe lebt, erkennt das neue Leben bei seinen Mitchristen und hat Gemeinschaft mit Ihnen.

    Ich habe oft festgestellt, dass mich das Lesen eines guten Buches näher zu Gott gebracht hat und obwohl ich wußte, dass es von einem Mann geschrieben wurde, mit dessen Meinungen ich nicht immer übereinstimmen konnte, so habe ich mich doch nicht geweigert, mich durch ihn erbauen zu lassen in den Punkten, die jedem Christen klar sind.

    Alle, die durch das Blut Christi erlöst worden sind, haben ein gewisses Familiengefühl, das sie nicht abschütteln können. Jesus, unser Leben, bindet seine Gemeinde zusammen. Sein Leben fließt durch alle Wiedergeborenen wie das Blut durch alle Adern des Körpers.

    Laß das Äußere fallen und blicke durch den Glauben in den geistlichen Bereich, und du wirst eine Herde und einen Hirten sehen.

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    Wenn Sie mal Mist verzapfen, stufen Sie sich dann auch zum "Namenschristen" herab, mit dem man keine "Gemeinschaft haben" sollte?

    Oder können Sie als "wahrer Christ" gar nicht fehlgehen?

    Und was ist mit bekennenden Nichtchristen? Wie wollen Sie die aus der "Gemeinschaft" fernhalten?

    Wenn Sie mal Mist verzapfen, stufen Sie sich dann auch zum "Namenschristen" herab, mit dem man keine "Gemeinschaft haben" sollte?

    Oder können Sie als "wahrer Christ" gar nicht fehlgehen?

    Und was ist mit bekennenden Nichtchristen? Wie wollen Sie die aus der "Gemeinschaft" fernhalten?

    • TDU
    • 19.05.2010 um 17:38 Uhr

    Gerade um die Gemeinsamkeit geht es ja. Die Frage ist nur, ob da alle Unterscheide auf denen man besteht, gleichzusetzen sind mit Korruption und Hierarchie. Und Ökumene kann nur heißen, gemeinsam unter der Respektierung der jeweiligen Unterschiede (die sich natürlich ändern können).

    Mit Durcheinanderwerfungen und Gleichsetzungen wie Herr Hasenhüttl sie vornimmt, kann man jedwede Änderung einfordern.

    Nach dem Motto, wenn du dich nicht anpasst, bis du schlecht. Übetragen wir das mal auf Grundsätze unserer Verfassung im Lichte der Auffassungen in der Welt.

    Und alles der Gemeinsamkeit unterzuordnen ist schon ganz falsch. Frieden mit China unter Abschaffung unserer Vorstellung von Pressefreiheit?

    Die Abendmahlvorchrift schränkt weder die evangelischen noch anderen Christen ein und grenzt auch nicht aus, da alle anderen ihre eigenen Rechte haben, die nicht durch den katholischen Ritus eingeschränkt werden.

  3. In die jetzige Zeit und den Zustand der heutigen Amtskirchen denen es nicht um den Glauben, sondern um Ehre, Macht und Reichtum geht, passt das Bibelwort aus Matthäus 9, Vers 36:

    "Als Jesus das Volk sah, jammerte es ihn;
    denn sie waren verschmachtet und zerstreut,
    wie die Schafe die keinen Hirten haben."

    ..und Hesekiel 34, 7-9:
    "Darum, ihr Hirten, hört, was der HERR, sagt: 
    Ich schaue nicht mehr länger zu! 
    Meine Schafe wurden geraubt und von wilden Tieren gefressen,
    weil sie keinen Hirten hatten; 
    denn meine Hirten haben nur für sich selbst gesorgt
    und nicht für meine Herde.
    Darum hört, ihr Hirten, was der HERR sagt!
    So spricht der HERR, der mächtige Gott:
    Die Hirten meiner Schafe bekommen es mit mir zu tun, 
    ich fordere meine Herde von ihnen zurück! I
    ich setze sie ab;
    sie können nicht länger meine Hirten sein;" 

    "Aber es kommt die Zeit und ist schon jetzt,
    in der die wahren Anbeter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit;
    denn auch der Vater will solche Anbeter haben.
    Gott ist Geist, und die ihn anbeten,
    die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten."
    Joh.4,23.24

    Dazu muss man weder Kirchensteuer zahlen, keiner Kirche oder Glaubensgemeinschaft angehören und kein "Namenschrist" sein....

    "..denn welche der Geist Gottes treibt,
    die sind Gottes Kinder."
    Römer 8,14

    "Gott, der die Welt gemacht hat
    und alles, was darin ist,
    er, der Herr des Himmels und der Erde,
    wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind."
    Apg.17,24

  4. Wenn Sie mal Mist verzapfen, stufen Sie sich dann auch zum "Namenschristen" herab, mit dem man keine "Gemeinschaft haben" sollte?

    Oder können Sie als "wahrer Christ" gar nicht fehlgehen?

    Und was ist mit bekennenden Nichtchristen? Wie wollen Sie die aus der "Gemeinschaft" fernhalten?

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    sogen. "wahrer" Christen wie beispielsweise bei diesem inzwischen dafür bekannten Forenprediger hier, ist leider kein Kraut gewachsen.
    Denn:
    "Pharisäer sind immer die anderen!"
    Deren "Bühne" sind z.B.ZEIT-Online-Foren, wo Leserschaft sich ein eindrucksvolles Bild davon machen können, wie die wirklich "wahren" Frommen ticken.
    Als "Schriftgelehrte" geben sie sich offenbar noch der Illusion hin, dass Sie damit der "glaubenden" Christenheit einen segensreichen Dienst erweisen.
    Das ist das eigentlich Schlimme daran!

    Mit freundlichen Grüßen und weiterhin Spaß am konstruktiven Kommentieren!
    Lucy

    sogen. "wahrer" Christen wie beispielsweise bei diesem inzwischen dafür bekannten Forenprediger hier, ist leider kein Kraut gewachsen.
    Denn:
    "Pharisäer sind immer die anderen!"
    Deren "Bühne" sind z.B.ZEIT-Online-Foren, wo Leserschaft sich ein eindrucksvolles Bild davon machen können, wie die wirklich "wahren" Frommen ticken.
    Als "Schriftgelehrte" geben sie sich offenbar noch der Illusion hin, dass Sie damit der "glaubenden" Christenheit einen segensreichen Dienst erweisen.
    Das ist das eigentlich Schlimme daran!

    Mit freundlichen Grüßen und weiterhin Spaß am konstruktiven Kommentieren!
    Lucy

    • aram62
    • 19.05.2010 um 17:45 Uhr

    Wenn die katholische Hierarchie sich gegen die Abendmahlsgemeinschaft aller Christen wendet, ist sie mehr als nur korrupt. Sie ist häretisch und exkommuniziert sich durch dieses Verbot selbst. Denn sie wendet sich damit ausdrücklich gegen die von Jesus gepflegte offene Tischgemeinschaft.

    Jesus, der sich mit Dirnen und Steuerpächtern an einen Tisch setzte, verstand gerade diese nicht ausgrenzende Mahlgemeinschaft als Vorwegnahme der Gottesherrschaft.

    Die vorreformatorischen Kirchen haben Jesu Praxis in ihr Gegenteil verkehrt, in dem sie daraus einen heidnischen Opferkult machten.

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    Die nach-reformatorischen Kirchen sind demnach also auf der sicheren Seite. Geben Sie sich doch damit zufrieden, im Sinne Gottes zu handeln und lassen Sie den anderen den Spass korrupte Häretiker zu sein.

    Die nach-reformatorischen Kirchen sind demnach also auf der sicheren Seite. Geben Sie sich doch damit zufrieden, im Sinne Gottes zu handeln und lassen Sie den anderen den Spass korrupte Häretiker zu sein.

  5. Ich bin gerne römisch katholisch und freue mich an der Kirche und bin sehr froh über Papst Benedikt.

    Da sagt Prof. Hasenhüttl defacto alle die sich wie ich freuen sind Vollidioten - sonst würde sie ja keiner korrupten Hierarchie vertrauen. Und das wird als Ökumene verkauft.

    Ich vertraue ihr aber, nicht weil ich glaube, daß alle Bischöfe so toll sind, sondern weil der Heilige Geist in der Kirche wirkt. (Dieser Heilige Geist hat verhindert, dass selbst die schlechtesten Päpste in der frühen Neuzeit nichts am wesentlichen Glaubensgut verändert haben. )

    Prof. Hasenhüttl glaubt an seine eigene Definition von Christsein. Was in sich schon einmal unlogisch ist, wie kann er sich auf jemanden beziehen - Jesus Christus - der schon vor 2000 Jahren gestorben ist und jetzt plötzlich glauben die einzig richtige Auslegung gefunden zu haben ihn zu verstehen. Wenn Jesus Gott ist, dann wird er die Menschen nicht 2000 Jahren im unklaren lassen um dann Prof. Hasenhüttl zu erleuchten.

    Ökumene kann nur stattfinden mit jemanden der wirklich römisch katholisch ist und nicht mit einem Priester der inhaltlich scheinbar schon evangelisch geworden ist, aber halt noch behauptet katholisch zu sein.

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    "Wenn Jesus Gott ist, dann wird er die Menschen nicht 2000 Jahren im unklaren lassen um dann Prof. Hasenhüttl zu erleuchten."

    Woher wollen Sie das wissen?

    Gott hat schon so einiges weniger Nette vollbracht, inklusive Genozid im Großmaßstab (Sintflut), da ist ein bißchen In-die-Irre-laufen-Lassen verblendeter Gläubiger Kinderkram gegen.

    (Und ich sage das mit allem Respekt, um die Zensoren gewogen zu halten:)

    "Wenn Jesus Gott ist, dann wird er die Menschen nicht 2000 Jahren im unklaren lassen um dann Prof. Hasenhüttl zu erleuchten."

    Woher wollen Sie das wissen?

    Gott hat schon so einiges weniger Nette vollbracht, inklusive Genozid im Großmaßstab (Sintflut), da ist ein bißchen In-die-Irre-laufen-Lassen verblendeter Gläubiger Kinderkram gegen.

    (Und ich sage das mit allem Respekt, um die Zensoren gewogen zu halten:)

  6. Ebenso unheilig ist es, sich auf Kosten der Gläubigen eine mediale Plattform zu schaffen, auf der nichts weiter, als das eigene Ego zelebriert werden soll. Sie repräsentieren nur einen winzigen Prozentsatz der Gläubigen Katholiken der Welt.
    Weshalb, werter Autor, müssen Sie mit aller Gewalt Ihre persönlichen Ansichten hinaus posaunen, in einer Zeitung, die tendenziell aussenstehend ist, was das Thema betrifft? Wenn Sie sich hier eine faire Plattform und neue Erkenntnisse erhoffen, dann kann ich Ihnen als steter Teilnehmer versichern, dass Sie am falschen Ort sind.
    Als Teil der Hierarchie, welche Sie kritisieren, wäre es nur konsequent, Sie würden schnellstens den Hut nehmen.
    Die allermeissten Katholiken sind der Ansicht, und deshalb sind sie Katholiken, dass die Messe heilig ist. Heilig bedeutet, dass sie nicht beliebig ist. Deshalb gibt es gewisse Mindeststandards, zu denen eben auch gehört, dass jemand der an der Heiligen Messe teilnimmt, diese als solche zu würdigen weiss. Anderenfalls würden die religiösen Gefühle der anderen Gläubigen verletzt, denen es nicht passt, wenn das Allerheiligste für alles mögliche herhalten muss.
    Sie gehen in Ihrer Argumentation von der falschen Grundlage aus, dass evangelische Christen zum Kreis der "Ungläubigen und Feinde" gehören. Mitnichten. Evangelische Christen sind Christen, die andere Formen entwickelt haben. Es gibt keinen Anlass, dies nicht zu respektieren, schon gar nicht, wenn man in diesem Fall die eigenen Formen aufgeben soll.

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