Karen Elson Schön und gut

Karen Elson ist das rätselhafteste der Supermodels. Jetzt singt "Le Freak", wie man sie in der Modebranche nennt, ihre eigenen Songs. Und auch die sind zauberhaft

Karen Elson kennt die Vorurteile gegenüber singenden Models: "Aber es gibt doch sehr viel mehr schreckliche Platten von Schauspielern als von Models, oder?"

Karen Elson kennt die Vorurteile gegenüber singenden Models: "Aber es gibt doch sehr viel mehr schreckliche Platten von Schauspielern als von Models, oder?"

Als Karen Elson die Tür ihrer zweistöckigen Hotelsuite in Hamburg öffnet, fällt ihr Blick auf ein Bügeleisen, das draußen im Flur steht. »Ich hab doch kein Bügeleisen bestellt!«, ruft sie. »Ich habe in meinem ganzen Leben noch kein Bügeleisen benutzt.«

In diesem Penthouse an der Hamburger Alster hat Karen Elson die Nacht über wach gelegen, geplagt von einem Grippevirus und vom Jetlag. Während sie die Treppe zu einem Sofa mit Alsterblick hinaufsteigt, versichert sie, dass sie grundsätzlich gar nichts gegen Bügeln habe, ihre Kleider aber lieber zerknittert trage: »Vielleicht liegt es daran, dass ich schon immer etwas anders war.«

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Ein Satz, den natürlich viele Stars von sich sagen. Könnte bei ihr vielleicht tatsächlich etwas dran sein? Unter Modeprofis jedenfalls gilt Karen Elson, 31, als das etwas andere Model, Spitzname: »le freak«. Außerhalb der Modewelt ist sie zwar nicht so bekannt wie Heidi Klum, Gisele Bündchen, Claudia Schiffer. Aber in der Branche gehört sie seit den späten Neunzigern zu den ganz Großen – und spielt in der Liga der Supermodels zugleich die Rolle der Außenseiterin. Karen Elson ist keine rabiate Diva wie Naomi Campbell, die an besonders impulsiven Tagen vermutlich mit Bügeleisen um sich wirft. Sie ist auch nicht berühmt für wüste Affären wie Kate Moss, die wahrscheinlich bügeln lässt. Karen Elson hat das Image einer dezent versponnenen Tagträumerin. Dazu passt es, wenn sie sagt, dass ihr weltliche Qualen wie das Bügeln fremd sind. Dazu passt auch das – zerknitterte – Blümchenkleid, das sie zum Interview trägt: Es könnte aus der Requisite eines Astrid-Lindgren-Films stammen.

Elson ist groß, bleich und dünn. Man glaubt es heute noch in ihr sehen zu können, das sonderbare zwölfjährige Mädchen, das in der Nähe von Manchester lebte und dem ein Junge immer wieder hinterherrief: »Ein wandelndes Gespenst!« Heute ist Karen Elson mit dem Musiker Jack White verheiratet, und so ist sie inzwischen auch Rockfans ein Begriff. Ihren Mann führt der amerikanische Rolling Stone auf Rang 17 der »Besten Gitarristen aller Zeiten«, berühmt wurde er mit dem Garagenrock-Duo The White Stripes, das mehr als zwölf Millionen Alben verkaufte und dessen Hit Seven Nation Army seit Jahren auch in deutschen Fußballarenen gegrölt wird.

Kein Wunder, könnte man denken, dass so ein Model mit einem Rockstar als Ehemann jetzt auch Musik macht. Elsons Album, benannt nach dem »wandelnden Gespenst«: The Ghost Who Walks, enthält zwölf gebremste Songs, in denen Country, Folk, Pop und Rock ’n’ Roll zu wehmütigen Balladen zusammenfließen. Sie schweben so geisterhaft schön wie der Soundtrack eines David-Lynch-Films. Und das ist das wirklich Erstaunliche an Karen Elsons Geschichte: dass The Ghost Who Walks ein wunderbar gelungenes Album ist. Die ansonsten verlässliche Gleichung: Model + Musik = Desaster – hier gilt sie nicht.

Elson weiß, dass sie diese Platte gegen lauter Vorurteile verteidigen muss: »Wenn ein Prominenter mit Musik anfängt, frage ich mich auch immer: Warum? Ist das ehrlich gemeint? Soll die Musik Publicity bringen oder nur Geld?« Auch deswegen habe es sie »Zeit und Überwindung« gekostet, sich an ihre Platte zu wagen. Während sie erzählt, vibriert ihr Handy: Zeit, das nächste Grippemedikament einzuwerfen. »Und natürlich werden alle sagen: Noch so ein größenwahnsinniges Model, das nicht genug kriegen kann.«

So einfach ist es in Karen Elsons Fall allerdings nicht. Das fängt schon damit an, dass The Ghost Who Walks nicht bei einem der weltumspannenden Musikkonzerne erscheint, sondern bei Third Man Records, einer kleinen, unabhängigen Plattenfirma mit sehr begrenztem Marketingbudget. Andererseits gehört diese Firma genau jenem Jack White, der nicht nur ein genialer Musiker ist, sondern eben auch ihr Mann. Man könnte leicht vermuten, dass sie einfach von ihm protegiert wird. Doch für die glamourösen Eheleute ist es eine recht heikle Sache, zu Geschäftspartnern zu werden. Geld brauchen sie nicht mehr so dringend; beide haben unabhängig voneinander Millionen verdient, als Paar werden sie auf den vorderen Rängen einer »Reichenliste« der britischen Sunday Times geführt. Und so haben sie mit dem Album mehr zu verlieren als zu gewinnen: Sie riskieren ihre guten Namen, ihre Glaubwürdigkeit. Und das wissen sie.

Leser-Kommentare
    • Gojira
    • 25.05.2010 um 2:47 Uhr

    tut schon reichlich weh. Natürlich, dir grobe Außenseiterin, die nur aus "Zufall" Model wurde, und nicht etwa, weil sie selber auch mal die Ellenbogen ausgefahren hätte.
    Man war als Model schon gescheitetert und wurde von den Mitbewohnerinnen als häßliches Entlein mit krummem Gesicht und schiefen Zähnen verspottet und hat dann doch einen Modelvertrag in Japan bekommen? So ein Unsinn, dass ist eine gutaussehende Frau, die im Gegensatz zum Großteil der weiblichen Bevölkerung auch die annährend magesüchtige Modelfigur hat.
    Die Frau hat eine ganz normale Modelkarriere nach Schema F gemacht, ist dabei einem Rockstar aufgefallen und hat dann unter dessen Aufsicht ein mittelmäßiges Album aufgenommen. Wenn man als Model die 30 hinter sich lässt, muss man sich natürlich was neues suchen, wenn man nicht nur Kataloge von früher durchblättern will.
    Der Artikel drückt sich höflich um eine echte Plattenkritik herum - Karen Elson legt Folk-musik hin, die nicht im geringsten aus der Masse heraus sticht, aber der Promibonus spült alles nach oben, und was dann nicht zum fremdschämen schlecht ist wird gleich zum neuen Meisterwerk erklärt und selbst in der Zeit präsentiert, als wäre es ein Artikel in der Bunte. Ekelhaft.

    P.S.: Karen Elson macht nette, nichtssagende Folksongs - das kriegt man in jeder Fußgängerzone mindestens gleichwertig. Soll sie ruhig weitermachen, aber wenn für so einen Quatsch die Marketingmaschine auf Maximum gedreht wird, sieht es einfach lächerlich aus.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • olm
    • 26.05.2010 um 10:04 Uhr

    Ihrem Kommentar ist nichts mehr hinzuzufügen. Nachdem ich mir auch noch das Lied angehört habe, kann ich dem nur voll zustimmen. Marketing wird mittlerweile leider auf allen verfügbaren Kanälen betrieben.

    • olm
    • 26.05.2010 um 10:04 Uhr

    Ihrem Kommentar ist nichts mehr hinzuzufügen. Nachdem ich mir auch noch das Lied angehört habe, kann ich dem nur voll zustimmen. Marketing wird mittlerweile leider auf allen verfügbaren Kanälen betrieben.

    • ztc77
    • 25.05.2010 um 10:07 Uhr

    ..und Altersweisheit irgendwie verkraften, Elson versucht es wenigstens etwas weiser als Campbell, Moss, Klum & Co.

    • Puqio
    • 25.05.2010 um 23:37 Uhr
    3. Super

    Natürlich ist da immer das Geld und der Neid von anderen auf das Geld.
    Aber völlig gelöst und unabhängig vom Geld sind da die Kunst, die Schönheit, die Musik und die Freiheit.

    Ich gönne dieser knochigen Stupsnase ihren Erfolg von ganzem Herzen.

    • olm
    • 26.05.2010 um 10:04 Uhr
    4. Genau

    Ihrem Kommentar ist nichts mehr hinzuzufügen. Nachdem ich mir auch noch das Lied angehört habe, kann ich dem nur voll zustimmen. Marketing wird mittlerweile leider auf allen verfügbaren Kanälen betrieben.

    Antwort auf "So ein Werbeartikel"
  1. dieses video da oben, was soll das sein, eine ü-ei version hiervon?: http://www.youtube.com/wa... ?
    naja, als schlauer marketing-futzi hätte ich ihr bei ihrem aussehen auch eher zu so einer volk-freaknummer geraten, authentisch ist das deswegen noch lange nicht, eher im gegenteil. da waren selbst milli vanilli authentischer, selbst mit playback ^^ echt ich muss lachen.

    • r
    • 30.05.2010 um 21:02 Uhr

    schade, dass die zeit einer- würd meinen wohl eher nicht sehr spannenden -musikerin solch grosse plattform bietet. gäbe nun wirklich tolle musik über die zu schreiben es sich lohnen würde. vielleicht könnte man sogar wieder mal etwas entdecken, aber nein wird nur über das berichtet das man sowieso schon von allen seiten um die ohren geschlagen bekommt.

  2. ist mir genauso egal wie die Frage wer sie ist. Ich habe mir - diesem Artikel sei Dank - "The Ghost Who Walks" einmal angehört und war sehr angetan. Die drückende Melancholie des Liedes erinnert mich an Nick Cave zu Zeiten seiner "Muder Ballads" und ihre Stimme ist vielleicht nicht allzu besonders aber angenehm.

  3. von der ersten bis zur letzten Zeilen gegen das Klischee, das man selbst aufstellt rechtfertigt, kann es bestenfalls ein mittelmäßiger artikel werden.
    Das Album gefällt mir- ich glaube aber kaum, das ich mich nächstes Jahr noch dran erinnern werde...

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