Einsparungen Ist Hamburg Provinz?
Peinlichkeit des Jahres: Um Geld zu sparen, schließt die Kunsthalle
Sie hören richtig: Die Galerie der Gegenwart, der Ungers-Bau für die moderne Sammlung der Hamburger Kunsthalle, ist ab sofort bis zum Herbst geschlossen. Die mutmaßlich wohlhabendste Großstadt der mutmaßlich wohlhabendsten europäischen Großmacht macht also ihr größtes Museum dicht, weil man so die Lichtkosten sparen kann und das Geld für das Bewachungspersonal.
Als im vergangenen Sommer vonseiten des Stiftungsrates angeregt wurde, die Kunsthalle solle doch aus ihren Depots ein paar Bilder verkaufen (etwa die Gerhard Richters, weil der »überschätzt« sei, so die Begründung), hielt man das noch für das übliche kulturferne Fingerhakeln in Zeiten kommunaler Haushaltsdebatten. Nun aber wird Ernst gemacht. Zwar dürfen die Richters erst einmal bleiben, aber sie werden dem Licht und den Besuchern entzogen. Hamburg, so scheint es, verwechselt sein wichtigstes Museum mit einem Bankschließfach.
Offizieller Grund für die vorübergehende Schließung vonseiten der Kulturbehörde der Stadt ist der notwendige Austausch von Brandschutzklappen. Das allerdings halten sowohl der Vorsitzende des Freundeskreises der Kunsthalle, Ekkehard Nümann, als auch der Kunsthallen-Direktor Hubertus Gaßner für »vorgeschoben« – es gehe in Wirklichkeit um die Möglichkeit, 220.000 Euro einzusparen. In einem offenen Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt beschrieb jetzt ein fassungsloser Gaßner seine Irritation über die Expertenkommission der Kulturbehörde und die grotesken Auswüchse des Sparzwanges.
Hamburgs Kultur und seine Museen sind einst auf fast einzigartige Weise mithilfe der Bürgerschaft und deren Schenkungen entstanden. Nun wird die Hamburger Kunsthalle vom Senat auf fast einzigartige Weise beschädigt. Was sollen die Besucher der Elbphilharmonie eigentlich künftig vor ihren Konzerten angucken? Haushaltslöcher? Neue Brandschutzklappen? Oder vielleicht doch neue Ausstellungen in Hamburgs wichtigstem Museum?
- Datum 19.05.2010 - 14:25 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 20.05.2010 Nr. 21
- Kommentare 1
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:









es erübrigt sich ein Kommentar für Banausen.
Jedes Wort ist zuviel für das, was da passiert.
Grüsse aus München
Albinz
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren