Adolf Hitler Massenagitator und Menschenfischer
Vom »Trommler« zum »Führer«: Der Historiker Ludolf Herbst beschreibt mit seiner Studie »Hitlers Charisma«, wie der Diktator zur Heilsfigur einer politischen Religion wurde
© Hulton Archive/Getty Images

Das Ungeheuer übt noch: Adolf Hitler posiert vor der Kamera (1925)
Dass Adolf Hitler sich zumindest in den ersten Jahren seines Regimes einer außerordentlichen Popularität erfreute, ist unter Historikern unstrittig. Aber besaß er auch Charisma? Die Frage scheint sich zunächst von selbst zu beantworten, wenn man unter Charisma, wie es gemeinhin geschieht, nur die Fähigkeit eines Politikers versteht, die Menschen in seinen Bann zu ziehen. Eine Antwort fällt jedoch sehr viel schwerer, wenn man sie wissenschaftlich angeht, das heißt das von Max Weber entwickelte Konzept der charismatischen Herrschaft zugrunde legt. Ebendies tut der Berliner Historiker Ludolf Herbst. Er möchte mithilfe von Webers Kategorien klären, »ob überhaupt von Hitlers Charisma gesprochen werden kann und in welchem Sinne dies möglich ist«.
Herbst ist nicht der Erste, der diesen Versuch unternimmt. Bereits Ian Kershaw hat in einer zweibändigen Hitler-Biografie (1998/2000) auf Max Weber zurückgegriffen, um die besondere Beziehung zwischen Hitler und großen Teilen der deutschen Gesellschaft zu charakterisieren. Und noch entschiedener hat Hans-Ulrich Wehler im vierten Band seiner Deutschen Gesellschaftsgeschichte (2003) das Konzept der charismatischen Gesellschaft als Schlüssel zur Erklärung von Hitlers Aufstieg zur Macht genutzt. Von beiden Werken unterscheidet sich Ludolf Herbsts Buch allerdings durch eine intensivere theoretische Diskussion und eine reflektiertere Anwendung des Konzepts. Auf den ersten fünfzig Seiten wird erörtert, was Weber selbst unter dem Charisma-Begriff verstanden wissen wollte und wie dieser sich für die historische Analyse sinnvoll einsetzen lässt. Die Lektüre der einleitenden Partien fordert dem Leser einige Geduld und intellektuelle Anstrengung ab; sie ist aber zum Verständnis des Weiteren unverzichtbar.
Im Zentrum von Webers Konzept charismatischer Herrschaft steht eine Führungspersönlichkeit, die mit »außeralltäglichen« Kräften und Fähigkeiten ausgestattet ist und deshalb als »gottgesandt oder als vorbildlich« empfunden wird. Auf die Biografie des jungen Hitler lässt sich das Konzept demnach nicht beziehen. Nichts in seinen ersten dreißig Lebensjahren deutet bereits auf eine außergewöhnliche Begabung, nicht einmal auf ein besonderes Interesse für die Politik hin.
Daher beschränkt sich der Autor auch auf eine Skizze von Hitlers Entwicklungsgang, wobei er im Unterschied zu manchen Biografen streng darauf achtet, nur das als gesichert anzunehmen, was die spärlichen Quellen tatsächlich hergeben. Allerdings fragt er danach, inwieweit Hitler in seinen Linzer, Wiener und Münchner Jahren vor 1914 bereits Prädispositionen erkennen lässt, die für seine spätere »Führer«-Rolle von Bedeutung gewesen sein könnten. Dazu zählt er etwa die Ausbildung einer »heroischen Weltsicht«, vermittelt über die Lektüre germanischer Heldensagen und den eifrigen Besuch der Opern Richard Wagners. Wichtig ist in diesem Zusammenhang der Hinweis, dass sich der Wagner-Fan mehr noch als für die Musik für die Inszenierung, für Bühnenbild, Lichteffekte und Kostüme interessierte.
Hitler betrat die Bühne der Politik in den Münchner Revolutions- und Nachkriegsjahren 1919/20 also nicht schon als Charismaträger. Seine größte Begabung, sein außergewöhnliches Redetalent, wurde damals erst von Reichswehroffizieren entdeckt und geschult, in der Absicht, daraus Nutzen für die Gegenrevolution zu ziehen. Ausführlich untersucht der Autor die Redeauftritte des Bierkellerdemagogen und die Gründe für seine Anziehungskraft. Wie kein Zweiter spielte Hitler auf der Klaviatur der Ängste, Vorurteile und Ressentiments seiner Zuhörerschaft, appellierte er an ihren Chauvinismus, Fremdenhass und vor allem an ihre Judenfeindschaft. So erfolgreich wie er fischte keiner im trüben Teich des rechten, völkisch-antisemitischen Milieus – einen »Virtuosen der Menschenfischerei« nennt ihn Herbst.
Um wirken zu können, braucht der charismatische Politiker, Max Weber zufolge, eine Gemeinde von Anhängern, die von seinen außerordentlichen Fähigkeiten überzeugt ist. Charisma konstituiert sich erst in der sozialen Beziehung zwischen »Führer« und »Gefolgschaft«. So beschreibt der Autor eingehend das personale Umfeld Hitlers – von der engeren Entourage bis hin zu den Sympathisanten und Förderern in den großbürgerlichen Salons. Er zeigt, wie sich bis zum Frühjahr 1923 eine kleine Gruppe von Gefolgsleuten herauskristallisierte, die fest an Hitlers Berufung glaubte und in ihm bereits den künftigen »Führer«, einen »deutschen Mussolini« erblickte. Besonders die völkischen Publizisten Dietrich Eckart und Alfred Rosenberg wurden nicht müde, die verbreiteten messianischen Erwartungen auf Hitler zu übertragen und ihn zum sehnsüchtig erwarteten »Retter der Nation« zu stilisieren.
- Datum 27.05.2010 - 08:51 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 20.05.2010 Nr. 21
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des "Friedens" von Versailles, der nur eines zu Ziel hatte: Deutschland für die nächsten 100 Jahre zu ruinieren.
Mit diesem Vertrag legten die Westmächte den Grundstein zum nächsten Krieg und ermöglichten den Aufstieg eines böhmischen Gefreiten, den Teile der damaligen Eliten zum Reichskanzler machten und damit Deutschland noch mehr ruinierten, als es sich die Westmächte je erträumt hatten.
...denn der Erste Weltkrieg war ja selbst schon Ergebnis eines "Erlösungs"-Wahns, dem Intellektuelle ebenso verfallen waren. Versaille mag alles verschärft haben, aber die Grundströmungen haben damit nichts zu tun - die waren schon vorher virulent...der mythisch angehauchte völkische "Reinigungsgedanke", der das "Heil" der Nationen und neue Orientierungsinstanzen schaffen sollte, war populär schon seit Ende des 19 Jh.s...
...denn der Erste Weltkrieg war ja selbst schon Ergebnis eines "Erlösungs"-Wahns, dem Intellektuelle ebenso verfallen waren. Versaille mag alles verschärft haben, aber die Grundströmungen haben damit nichts zu tun - die waren schon vorher virulent...der mythisch angehauchte völkische "Reinigungsgedanke", der das "Heil" der Nationen und neue Orientierungsinstanzen schaffen sollte, war populär schon seit Ende des 19 Jh.s...
..aus dem sich profilierungssüchtige Politiker der "konservativen" Denkrichtung geeignete Versatzstücke herausklauben können, um auf Stimmenfang zu gehen bzw. erfolgreicher zu werden.
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Warum machen Sie das, Herr Di Lorenzo?
Die Auflage/Klickrate sinkt, bringt mal wieder den Hitler - funktioniert immer, besser als Titten.
Sonderheft, Beilagen und Knopp - wir werden den "schrecklichen Mann mit dem Bart" (Zitat indonesischer Freunde, die aufgrund der deutschen Hitler-Hixiertheit immer wieder irritiert sind) wohl niemals los, wenn zur Zeit wohl eher aus kommerziellem Interesse.
Wie wäre Spiegel/Zeit/Focus etc. mal mit einer neuen Zeitschrift: "Tits and Hitler" oder "Hitler ´n Asses"... müsste doch weggehen wie warme Semmeln.
Die britische Presse (Zeitungen und Fernsehen) zeigen allerdings, dass es noch Steigerungspotential gibt. Gewissermaßen "Hitler and Tits and Asses".
Die britische Presse (Zeitungen und Fernsehen) zeigen allerdings, dass es noch Steigerungspotential gibt. Gewissermaßen "Hitler and Tits and Asses".
Die britische Presse (Zeitungen und Fernsehen) zeigen allerdings, dass es noch Steigerungspotential gibt. Gewissermaßen "Hitler and Tits and Asses".
...die Kommentare hier haben eher selbst nutzloses "Titten"-Lamentieren an sich. Die Erlöser-Hoffnung hatte seit Beginn des 20 Jh.s weite Teile auch der Intellektuellen ergriffen: Gott war tot; die Monarchien, d.h. die Kaiser, brachen zusammen...ebenso die Wirtschaft...und raushelfen sollte der (falsch-verstandene) "Übermensch"...der messianische Erlöser. Hitler gehört übrigens genau in die Generation der Expressionisten (von den Geburtsdaten her)...und Pathos und Erlöser-Formeln...ebenso wie theatralische Gebärden gehören in dieses "Heil"-Programm dieser geknechteten Generation...das betraf ebenso auch Juden (in den 10er u. 20er Jahren), die plötzlich alte Mythen wieder neu-beleben und damit die Politik ins 20. Jahrhundert führen wollten. Ein kollektives Wahngebilde mit Erlöser-Anspruch war schon eine ganze Zeit lang virulent...
...denn der Erste Weltkrieg war ja selbst schon Ergebnis eines "Erlösungs"-Wahns, dem Intellektuelle ebenso verfallen waren. Versaille mag alles verschärft haben, aber die Grundströmungen haben damit nichts zu tun - die waren schon vorher virulent...der mythisch angehauchte völkische "Reinigungsgedanke", der das "Heil" der Nationen und neue Orientierungsinstanzen schaffen sollte, war populär schon seit Ende des 19 Jh.s...
...ich frage dann wohl am besten Sie, die Sie so gar nichts hier zum Thema sagen möchten..., ausser dass "unqualifizierte" Aussagen gemacht werden...der hohe Ritter, der von oben nur den Daumen hebt und senkt und über die Materie lieber schweigt. Aha. Grandiose Analyse. Ich kritisiere die "tits and ass"-Fraktion, die im Hitler-Thema immer gleich den Reißer sehen will, ohne das Thema ernst zu nehmen..., dass es nämlich wirklich Fragen aufwirft, was das für ein seltsames letztes Jahrhundert war. Ich habe keine vorher festegelegten Analyseziele - die Sache ist kompliziert und vielschichtig genug (darauf zu deuten, ist vielleicht ein Ziel), mein guter Herr. Was für eine "Wissenschaft" betreiben Sie da - die immer vorher wissen muss, worauf das "Analysieren" dann (sowieso)hinausläuft? Mögen sich die Katzen immer in den Schwanz beißen, Sie Gurke. Amen.
...hat nur der "Wissenschaftler", der sich zwanghaft das Ergebnis seiner "Analyse" schon vorher vor die Nase hält...
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