Literaturkanon Weg damit!
Gibt es Klassiker, die sich überholt haben? Ist Weltliteratur völlig unabhängig von Moden, Zeiten und Geschmack? Junge deutsche Autoren unter 35 prüfen den Literaturkanon.
Das Feuilleton der ZEIT hat deutsche Autoren unter 35 Jahren gebeten, den Kanon der Literatur einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Sie haben mit Brecht, Benn, Döblin und Kafka, die Helden der ersten Jahrhunderthälfte, einer zweiten Lektüre unterzogen, ebenso wie Max Frisch, Günter Grass oder Ingeborg Bachmann.
Das Ergebnis: Manches Pathos von einst klingt für die Nachgeborenen wie Kitsch, und manche gefeierte Kargheit entpuppt sich bei unbefangenem Lesen als Einfallslosigkeit. Am Ende stehen zehn Vorschläge von Literaten zur Entschlackung des literarischen Kanons – höchst individuell, natürlich ungerecht, in hohem Maße ehrlich und: sehr befreiend.
© Timm Kölln

Steffen Popp wurde 1978 in Greifswald geboren. Zuletzt erschien von ihm der Gedichtband "Kolonie zur Sonne" bei kookbooks
Grass’ Rättin? Ab auf den Dachboden
Von Steffen Popp
Der literarische Frühjahrsputz beginnt bei Franz Kafka : Das Schloss bekommt einen Logenplatz. Der Process hingegen rückt für 2010 in die Ecke. Die Verwirrungen des Zöglings Törleß von Robert Musil legen wir gleich in eine Kiste und entstauben dafür sein fantastisches Romanfragment Der Mann ohne Eigenschaften . Weiteres Ausräumen: Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz – überschätzt. Die Jahrestage von Uwe Johnson – auf jeden Fall zu dick, und er schrieb Besseres. Kindheitsmuster von Christa Wolf (keine Erinnerung an irgendeinen Inhalt). Unerträglich: Die Rättin von Günter Grass . Ab damit auf den Dachboden.Weiter im Lyrikregal: Günter Eichs Gedicht Inventur, es kotzte mich schon zu Schulzeiten an. Kein gutes Gedicht hinterließ Erich Fried . Es ist, was es ist – um des lieben Frühlings willen, raus damit aus dem Regal. Alles Gereimte von Gottfried Benn wird zu seinem eigenen Besten mit einem Cutter entfernt. Sämtliche Gedichte von Hermann Hesse gehen an Oxfam. Die Cantos von Ezra Pound wandern auf den Dachboden, allerdings obenauf; der graue Wintertag, an dem wir sie wieder hervorholen und uns mit ihnen herumärgern, kommt bestimmt.
Nach dieser Beräumung werden neu eingestellt oder besser platziert:
Molloy
von
Samuel Beckett
,
Anton Voyls Fortgang
von
Georges Perec
,
Jakob von Gunten
von
Robert Walser
und
Die Schule der Dummen
von
Sascha Sokolow
.
Welimir Chlebnikows
Werke
ist unser Jahresbuch für 2010. Voilà: Jetzt noch die
Buddenbrooks
durch
legende
von
Ronald M. Schernikau
und
Infinite Jest
von
David Foster Wallace
ersetzt, und der Frühling kann kommen.
© NRIKO

Thomas Klupp, geboren 1977 in Erlangen. Zuletzt erschien von ihm der Roman "Paradiso" im Berlin Verlag
Döblins Franz Biberkopf? Lebt nicht!
Von Thomas Klupp
Ich habe
Berlin Alexanderplatz
von
Alfred Döblin
dreimal gelesen. Einmal bis Seite 20, einmal bis Seite 34, einmal bis Seite 43. Ich werde das Buch nochmals lesen, vielleicht schaffe ich es nächstes Mal bis Seite 70, 2020 dann vielleicht bis Seite 100. Ich mag das Buch nicht, mag nicht, dass mir eingangs berichtet wird, was auf den folgenden Seiten passiert, wie es endet und was die Moral von der Geschichte ist. Ich will als Leser nicht entmündigt werden, will keine Figur wie diesen Franz Biberkopf sehen, der in Laborrattenmanier durch einen Versuchsaufbau gehetzt wird, bis am Schluss die Hypothese des Forschers/Autors belegt worden ist. Ich mag auch die Sprache nicht. Die Sprache ist sperrig und unelegant, die Geschichte zerfranst, fasert aus. Die Proportionen stimmen nicht. Ich glaube überdies: So wie in
Berlin Alexanderplatz
ist die Großstadt nicht. War sie vielleicht mal, ist sie aber nicht mehr. Das Buch hat keine Gegenwart, es lebt nicht mehr. Das Buch ist vorbei. Ich lese es trotzdem, lese es wieder und wieder, so lange, bis ich es begreife. Ich hege den Verdacht,
Berlin Alexanderplatz
nicht zu begreifen. Etwas entgeht mir, mutmaße ich. Ich weiß nicht, ob dieser Verdacht stimmt. Es ist ein Verdacht gegen mich selbst. Der Verdacht des literarischen Leichtgewichts gegen sich selbst. Döblin hat nichts damit zu tun. Döblin ist das Schwergewicht, das mich regelmäßig zu Boden streckt.
Berlin Alexanderplatz
ist seine Rechte, ich führe sie, sie zielt stets auf meinen Unterleib.
Bachmann? Kaum zu ertragen
Von Clemens Setz
So viele Leute, nein, im Grunde fast alle, die ich kenne, lieben und verehren
Ingeborg Bachmanns
Malina
. Ich nicht. Die Leute lesen es und loben hinterher jedes Mal dasselbe: die wunderbare Art, mit der dargestellt wird, wie das weibliche Ich (denn das ist die Hauptfigur in diesem Buch und nicht mehr, keine dreidimensionale Figur) an der männlich dominierten Welt zugrunde geht. Und ich verstehe sogar, warum sich so viele Leute darüber freuen – und freue mich leider nie mit. Denn dieser Roman ist in seiner ungenauen, mal rezitativartigen, mal pathetisch überhöhten Hilflosigkeitsprosa für mich wirklich kaum zu ertragen. Die viel gelobten und viel beschworenen »Träume« aus dem dritten Teil sind an Peinlichkeit und – teilweise – Lächerlichkeit nicht zu überbieten. Das war schon so bei der ersten Lektüre, und jede weitere Lektüre macht es nur noch schlimmer, und noch mehr negative Adjektive gesellen sich zu den alten: formlos, übertrieben, pseudo-poetisch, in sich widersprüchlich (und dies nicht einmal auf eine bereichernd-irritierende Art). Und die Liste wird immer länger und immer unfairer, und ich bekomme, selbst jetzt beim Schreiben dieser Zeilen, ein schlechtes Gewissen. Ein ähnlich schlechtes Gewissen wie damals, als ich die Bücher von Botho Strauß las und einfach nicht begreifen konnte, was alle daran finden. Nun ja, der Fehler liegt bestimmt bei mir. Mögen die, denen dieses Buch die Welt luzider und interessanter macht, mir nicht böse sein. Mögen andere vor ihm niederknien. Und sich am Ende sogar an dem so oft zitierten letzten Satz erfreuen: »Es war Mord« – und mir die Bemerkung verzeihen, dass es mir als wenig mehr als eine hohle literarische Geste vorkommt, wenn man das vielstimmige Chaos, aus dem man besteht, einfach in einen unübersichtlichen Männlichkeit-versus-Weiblichkeit-Tatort verwandelt.
© Timm Kölln

Uljana Wolf wurde 1979 in Berlin geboren. Zuletzt erschien ihr Gedichtband "falsche freunde" bei kookbooks
Kafka? Die Luft als Grab für Insekten
Von Uljana Wolf
Wie räumt man einen Canyon auf? Ich war noch nie in einem drin. Wo der Fluss in die Ebene schneidet, entsteht ein Graben. Alles läuft dann darauf hinaus, dass es in den Graben hineinläuft. Wer einmal zwischen die getreppten Hänge gerät, kommt nicht so leicht davon. Das weiß auch
Kafka,
der jeden Tag mit der New Yorker U-Bahn fährt. Eigentlich fährt Gregor Samsa, und auch nur mit einem Satz, dem ersten, unter der Zeile
»Train of Thought«.
Der Zug schleift täglich einen Tunnel in die Luft. Davon wird die Luft noch kein Grab, höchstens vielleicht für Insekten. Wo aber der sture Blick in die Zeit schneidet, entsteht durch tägliche Erosion ein Loch. Jeden Tag Kafka, einmal hin, einmal zurück. Die Lesestelle als Leerstelle. Ich würde, könnte man Canyons aufräumen (man kann es nicht, es gibt sie nicht), Kafka aus dem Canyon nehmen. Um mal irgendwo anzufangen. Er könnte dann in aller Ruhe und sonstigen Randlagen verzweigen, neue Stellen finden und anderer Leute Leseflüsse stören. »Die Lungenkrankheit ist nur ein Aus-den-Ufern-Treten der geistigen Krankheit.« Na also. Free Kafka now! From the Graben! Free shipping if you order what andere Kunden hier geordert haben.
© Juliane Henrich

Paul Brodowsky wurde 1980 in Kiel geboren. Zuletzt erschien von ihm der Erzählungsband "Die blinde Fotografin" im Suhrkamp Verlag
Hemingway? Da ist mir zu viel Schweiß
Von Paul Brodowsky
Mit siebzehn habe ich über den Tod von Robert Jordan geweint. Der Held in
Wem die Stunde schlägt
liegt mit gebrochenem Bein am Boden, die Feinde sind ihm auf den Fersen. Er schickt seine Kampfgenossen und seine Geliebte fort und erwartet sein Ende mit der Absicht, möglichst viele Faschisten mitzunehmen in den Tod. Heute erscheint mir dieser Schluss reichlich pathetisch. Kitsch geht für junge Leser schon in Ordnung. Aber was Hemingway von anderer Jugend-Weltliteratur (à la Hesse oder Salinger) unterscheidet, ist die sein ganzes Werk durchziehende Virilität: Es müffelt unentwegt nach schweißgegerbten Lederjacken, Stierkampfmachismo und Eigentlichkeitspathos. Noch in der finalen Szene von
Wem die Stunde schlägt
zwingt der Held seiner Geliebten mit einer Mischung aus Schutzdenken und kruder Befehlsrhetorik seinen Willen auf. Krieg als schreckliche, aber auch berauschende Grenzerfahrung, als Schauplatz der ultimativen Tapferkeit: Das mag 1940 zur Stärkung der Moral gegen Hitlers Angriffskrieg seine Berechtigung gehabt haben. Heute tönt das eher unangenehm, obwohl Robert Jordan gegen die Faschisten, also aufseiten des Guten kämpft. Dass mich dieser Roman mit siebzehn so berührt hat, hängt sicherlich auch mit Hemingways lakonischem Stil zusammen. Der Autor ist berühmt für seine Verknappungen, seine Kunst der Auslassung. Diese Technik involviert und sediert den Leser zugleich. Das funktioniert so: Aus den spärlichen Informationen muss man permanent auf das Ganze, vor allem auf den emotionalen Gehalt des Geschilderten schließen. Eine Identifikationsmaschinerie, die Sog erzeugt, aber die Reflexion des Erzählten unterdrückt. Noch ein Grund, diese Hollywood-Literatur jetzt endlich auszumisten. Und man stelle sich einmal die Literaturgeschichte ohne die Hemingway-Epigonen und Nachahmer der Nachahmer vor. Raymond Carver: nie da gewesen. Neues deutsches Erzählen: Was soll das sein? Stattdessen: Platz im Regal für genuin Literarisches. Sprachverliebte, sperrige Literatur. Papierne Brocken, Synapsenepilepsie.
© Joachim Unseld, FVA

Thomas von Steinaecker wurde 1977 in Traunstein geboren. Zuletzt erschien von ihm der Roman "Schutzgebiet" in der FVA
Raymond Carver? Literatur ist mehr als Verkürzung
Von Thomas von Steinaecker
Es war 2001. Ich besuchte neben dem Studium ein Creative writing -Seminar. Bis dahin hatte ich ausschließlich experimentelle Texte geschrieben: in Spalten unterteilte Seiten mit simultan ablaufenden Handlungssträngen, Fußnoten, Wortspielen und Ähnliches. Ich war bereit, meinen avantgardistischen Ansatz bis zum Äußersten gegen den bösen Kommerz zu verteidigen. Fast alle schwärmten damals von einem Autor, der meinem oberflächlichen Eindruck nach für faden Realismus und »bloßes« Erzählen stand: Raymond Carver . Nachdem ich dann erneut eine Hymne auf ihn gelesen hatte, beschloss ich, endlich einmal einen seiner Kurzgeschichtenbände genauer unter die Lupe zu nehmen – und war begeistert. Prägnante Dialoge, in denen kunstvoll Sprachlosigkeit verbalisiert wurde; minimalistische Sätze, in denen jedes Wort stimmte; der perfekt getimte Einsatz von Symbolen, über deren Bedeutung man nach dem offenen Schluss weiter nachdachte; dazu ein Personal, mit dem man sich als Student mit ungewisser Zukunft gern identifizierte: mittelalte Mittelklasse-Loser.
Heute ist meine Begeisterung verflogen. Das liegt nicht nur daran, dass mir die geringe Variation seiner Themen und die Larmoyanz seiner Stories, die stets nach einem ähnlichen Schema funktionieren, stärker ins Auge stechen. Sein später Erfolg hat dazu beigetragen, dass mittlerweile die Literaturlandschaft von lakonischen, neurealistischen Erzähltexten dominiert wird, die von der unmittelbaren Lebensumwelt des Autors handeln. Die Wirklichkeit wird aufs Kleinformat zurechtgestutzt. All das aber, was Literatur sonst noch vermag, rückt dabei in den Hintergrund: die sprachlich maximalistische und inhaltlich panoramaartige Beschreibung von Gegenwelten, in der auch die fantastischen Seiten des Lebens ihren Platz haben. Deshalb: Carver in die zweite Reihe und
Robert Musils
ebenso grandiosen wie vergessenen Erzählband
Drei Frauen
nach vorne.
© Stefan Maria Rother

Tilman Rammstedt wurde 1975 in Bielefeld geboren. Zuletzt erschien von ihm der Roman "Der Kaiser von China" bei DuMont
Max Frischs Montauk? Eitles Geraune
Von Tilman Rammstedt
Bei Kinder- und Jugendbüchern gibt es meistens eine Altersempfehlung: »ab 24 Monate«, »für kleine und große Leute ab 9 Jahre«, »für junge Erwachsene«. Ab ungefähr sechzehn muss man ohne diese Empfehlungen auskommen, und das kann verheerend sein. Manche Bücher las ich viel zu spät (zum Beispiel Narziss und Goldmund, Heimwerken für Anfänger), manche viel zu früh (zum Beispiel Die 120 Tage von Sodom, Heimwerken für Fortgeschrittene).
Montauk las ich erst vor wenigen Jahren. Vielleicht war das viel zu spät oder viel zu früh, vielleicht wäre es mit Anfang zwanzig mein Lieblingsbuch geworden (»Wie ergreifend ehrlich!«), und womöglich wird es mit Mitte sechzig noch dazu (»Wie schmerzhaft präzise!«), aber gerade ist es eher das Gegenteil: ein eitles Buch, eitel und verlogen und langweilig und eitel und ärgerlich und selbstmitleidig und selbstzufrieden und eitel. Bei Montauk handelt es sich – auch wenn es panisch versucht, das zu verhindern – um ein literarisches Altherrengedeck, diese üble Mischung aus sexueller Bestätigung und Impotenz, aus Prahlerei und Weinerlichkeit, aus Selbstbeweihräucherung und Beichte. Manche, Philip Roth zum Beispiel, hätten aus diesen Zutaten große Literatur gemacht, Max Frisch jedoch raunt einem in jeder Zeile zu: »Schau, wie schonungslos ich mit mir bin.«
Und dabei schont sich Frisch in Montauk bis zum Äußersten. Er geht butterweich mit sich ins Gericht, weil jede scheinbar ehrliche Einsicht sofort überschrieben wird vom Stolz auf diese Einsicht, und so kann er sich am Ende einfach nicht richtig böse sein, er hat sich wieder um den Finger gewickelt. Und daran sollen auch alle teilhaben.
Das will ich aber lieber nicht. Und noch weniger will ich, dass es in dreißig Jahren doch noch zu meinem Lieblingsbuch wird.
Montauk,
und das verzeihe ich ihm am wenigsten, bestätigt mich in meiner Angst vor dem Alter. Nicht, weil es so aufrichtig davon erzählt, sondern weil ich befürchte, dann auch selbst so eine Vorstellung von Aufrichtigkeit zu haben.
© Laura J. Gerlach

Nora Bossong wurde 1982 in Bremen geboren. Zuletzt erschien von ihr der Roman "Webers Protokoll" in der FVA
Brecht? Gedichte, die Lehrer lieben
Von Nora Bossong
Ach,
Herr Brecht,
zweieinhalbtausend Gedichte sind zu viel. Gedichte sollten nicht zur Massenware werden, das gilt auch für die Marxisten unter ihnen. Sie waren immer aktuell, so aktuell, dass ich die Zeitlosigkeit dazwischen gar nicht finde. Die Subtilität, nebenbei bemerkt, auch nicht. Lehrer lieben Sie. Und Schüler haben Sie zu lieben, gefälligst! Lieber Herr Brecht, Sie sind überall, und Sie sind überall berühmt. Hätte Sie eine solche Monokultur, von außen betrachtet, nicht auch skeptisch gemacht? Sie wussten alles, und Sie wussten alles besser, und Sie wussten es, noch ehe das erste Wort auf dem Papier stand. Eine Aussage, die vor den Worten feststeht und ihnen nur aufgedrängt wird, halte ich für eine dubiose Federführung, bei der die Worte lediglich als Kanonenfutter herhalten. Ist es nicht ein Merkmal von Literatur, dass sie den Worten Rechte einräumt und nicht als unterbezahlte Boten verwendet? Hätten Sie doch mehr Rilke gelesen, oder wären Sie einmal mit Ilse Aichinger spazieren gegangen. »Der schwierigere und längere Teil des Schriftsteller-Berufs besteht im Nicht-Schreiben«, hätte sie Ihnen gesagt, und Sie hätten an Ihrer Zigarre gezogen und vielleicht darüber nachgedacht. Bevor ich nun auf Wiedersehen sage – denn ein Wiedersehen mit Ihnen ist schwer zu umgehen –, muss ich Ihnen leider ein Letztes verraten: Gramsci schrieb einfach besser als Sie.
© Berlin Verlag

Leif Randt wurde 1983 in Frankfurt am Main geboren. Zuletzt erschien von ihm der Roman "Leuchtspielhaus" im Berlin Verlag
Handke? Fühlt sich soft an
Von Leif Randt
Manchmal, wenn ich einen Freund besuche und wir englische Partysongs hören und selbst gemixte Alkopops trinken, greife ich zwischendurch in seine Schrankwand und schlage einen Klassiker auf. In der Schrankwand des Freundes stehen die Bücher der S.Z.-Bibliothek: zweifarbig eingebundene Romane aus dem 20. Jahrhundert. Ich lese erste und letzte Absätze, auch Zeilen in der Mitte. Dieses Blättern und Querlesen zu Partysongs ist derzeit meine einzige Konfrontation mit einem Literaturkanon. Die Konfrontation fühlt sich soft und positiv an, ich denke zugewandte Dinge, ich denke: Dieser Handke , dieser Kafka , dieser Johnson , die konnten schon vor Jahrzehnten gute Sätze formulieren. 1970 schrieb Handke: »Auf den Weiden schliefen Kühe. Es war nutzlos, das abzustreiten.« Vierzig Jahre später schreibe ich: »In einer Kurve sind Kühe zu sehen, die auf einer Weide stehen und grasen. Am Himmel über den Kühen ist die Tageszeit nicht ablesbar.« Ich schreibe meine Sätze, ohne bewusst an 1970 zu denken, doch in den letzten Jahren haben die Siebziger, Achtziger, Neunziger plötzlich angefangen, Einfluss zu nehmen. Kanonisierte Bücher ragen heute quasi gleichrangig mit Blockbuster-Movies und Vorabendserien in meine Texte hinein. Die hineinragenden Bücher gefallen mir, die meisten anderen stehen noch ungelesen in Kanon-Schrankwänden.
© Lutz Edelhoff

Finn-Ole Heinrich wurde 1982 in Henstedt-Ulzburg geboren, Zuletzt erschien von ihm der Kurzgeschichtenband "Gestern war auch schon ein Tag" im Mairisch-Verlag
Effi Briest? Lieber Punk!
Von Finn-Ole Heinrich
Ich erinnere mich, wie ich als 16jähriger geschworen habe, bei jeder sich bietenden Gelegenheit über Fontane und seine Effi Briest zu fluchen. Was hatte dieser behäbige, langatmige Schinken mit meinem Leben und meinen Problemen zu tun? Ein Mädchen wird von einem lahmarschigen Baron geheiratet! Langeweile in Hinterpommern! Was habe ich mich aufgeregt über diese Gesellschaft, in der das Aufrechterhalten der Fassade so unsagbar wichtig war. Über einen schwachsinnigen Ehrenkodex. Vor allem über Fontane, der mich mit seinen seitenlangen Beschreibungen von Licht und Schatten gequält hat. Und der alles so ermüdend genau durchkonstruiert hatte, dass Schüler auch gute hundert Jahre später noch jedes langweilige Detail deuten und interpretieren durften: Platanen, Schaukel, Efeu und ein geheimnisvoller Spuk-Chinese, der die kleine Effi ängstigt. Wie weit war das von allem entfernt, was mich umgab? Was interessierte mich Ehre und ein Mädchen, das sich einen Märchenprinzen hinfantasiert und beim Aufwachen den Lover ihrer Mutter an der Backe hat, langweilig und mehr als doppelt so alt wie sie? Ich wollte Punk hören, Schule schwänzen, rebellieren, was haben mich die Rhabarberstauden auf dem Rondell vor dem alten Herrenhaus interessiert?
Aber so richtig gelingen will es mir nicht, dieses Buch so sehr zu hassen wie damals. Wenn ich heute durch die Themen jogge, sehe ich natürlich eine Reihe aktueller Bezüge: Was denken andere von mir, was sollen sie denken, wie sehr verbiege ich mich, um ein bestimmtes Bild zu erzeugen? Ehrenmord, Zwangsheirat, Jungfräulichkeit. Oder, was Effi in ihrer nervtötenden Art zielsicher auf den Punkt bringt, dass eine Flucht in die Vorstellung der allmächtigen Liebe mit ziemlicher Sicherheit in die Hose geht. Dass, naja, wer sich nicht selbst trägt, auch nicht von der Liebe getragen wird. Erst Recht nicht von diesem muffigen Baron. Auch wenn sich bestimmte Konventionen verflüchtigt haben: wer lebt nicht in und mit den Zwängen seiner Erwartungserwartungen?
Fällt mir schwer, dieses Buch kurzerhand aus dem Kanon zu putzen. Wahrscheinlich bleibt mal wieder alles am Lehrer hängen, der Bezüge zum Jetzt herstellen und packende, kluge, spannende aktuelle Themen in ein scheinbar antiquiertes Buch flechten muss. Vielleicht sollte er nicht die staubige Videokassette der Fassbinder-Verfilmung aus dem Keller holen, sondern lieber Feo Aladags die Fremde zeigen.
© Albrecht Fuchs / Suhrkamp Verlag.

Kevin Vennemann wurde 1977 in Dorsten geboren. Zuletzt erschien von ihm der Roman "Mara Kogoj" im Suhrkamp Verlag
Was ist ein Klassiker? Ein Buch, das gebraucht wird?
Von Kevin Vennemann
Ich glaube, ich will gar nicht "ausmisten". Es gibt mehr als genug Klassiker-Autoren, die ich nicht ausstehen kann (Martin Walser, Böll, Koeppen, Borchert, Grass, Benn ...); Autoren, von denen ich mir gar nicht vorstellen mag, dass die jemals wirklich jemand hat lesen wollen. Zu behaupten jedoch, dass sie oder nur irgendein Autor eines Klassikers diesen Status nicht verdient hätten, das würde ich dann doch nicht wollen.
Jede Generation von Lesenden wird sich mehr oder weniger bei Sinnen aus der Literatur ihrer Zeit herausgesucht haben, was eben dieser Zeit gerecht zu werden schien. Man wird dafür gute Gründe gehabt haben oder schlechte, und es wird Gründe geben, warum die einen Autoren heute eher vergessen, die anderen einfach nicht loszuwerden sind. Solche Gründe muss man nicht mögen, ausreichend Interessantes jedoch werden zu sagen haben über sowohl den Text und insbesondere seine Leser als auch die Jahre seit dem ersten Erscheinen.
Ohne sehr viel über Rezeptionsgeschichtsschreibung zu wissen, scheint mir nahe zu liegen, dass solche Gründe damit zusammenhängen, wie sehr ein Text zu seiner Zeit gebraucht worden ist, von dem man sich eigentlich gar nicht vorstellen will, dass derlei irgendjemand irgendwann einmal gebraucht hat. Scheint ein solches Gebrauchtwerden lang genug jedoch anzuhalten, um Autor und Werk über die Zeit und bis in die Gegenwart hinein zu schleppen, kann ihnen das eigentlich kaum mehr jemand nehmen.
Sehr viel länger gebraucht worden zu sein als der Durchschnittstext – ist das, was einen Klassiker ausmacht? Aber wer will entscheiden, dass das eine Brauchen mehr Wert gewesen sei als das andere, ohne ganz genau zu wissen, wann was warum und von wem gebraucht worden ist? Und sowieso: Wer kann von ihrem eigenen Werk schon behaupten, dass es wirklich gebraucht wird? Ich nicht. Schade eigentlich.
© Nils Christian Engel

Daniela Danz wurde 1976 in Eisenach geboren. Zuletzt erschien der Gedichtband "Pontus" im Wallstein Verlag
Von Daniela Danz
Ich möchte den Kanon nicht entrümpeln. Es soll alles darin bleiben. Wir haben ja das gegenteilige Problem: Wir beschränken uns im kulturellen Bereich immer mehr auf Weniges, das für herausragend gehalten wird. Und dann sind wir erfreut, uns in der gestutzten Welt so prächtig auszukennen. Wir müssen uns aber doch vielmehr fragen, ob unser Kanon beziehungsweise unsere diversen Kanones die Vielfalt unserer Literatur hinreichend abbilden. Ich glaube nicht. Es fehlen zum Beispiel viele Autoren, die aus Gründen, die ich nicht verstehe, als provinziell und daher bedeutungslos abqualifiziert werden. Warum jemand als Provinzautor angesehen wird, ist nur die Rückseite der Frage, warum ein Werk als kanonisch anzusehen ist. Wenn einer es mit der Provinz aufnimmt, die ihn unmittelbar umgibt, und immer wieder die Zerreißprobe zwischen dieser nicht virtuellen Gesellschaft und den Ansprüchen der Literatur wagt, stellt sich die Frage nach der literarischen Qualität schnell auf eine ganz unprovinziell radikale Weise.
Einer der zu kanonisierenden Autoren des 20. Jahrhunderts, Harald Gerlach, schreibt darüber: "Zu meiner ersten öffentlichen Lesung im Grabfeld erscheint eine erzürnte Provinzgemeinschaft und wirft mir Nestbeschmutzung vor. Seit diesem Abend begreife ich das Nachbardorf Bauerbach, Schillers Exilort, als Synonym für ständig drohende Konsequenzen aus dem spannungsgeladenen Verhältnis zwischen Dichtern und ihrer Heimat. Der Lebenswert einer Region läßt sich nur erfahrbar machen, wenn ihre Existenz anhand extremer Schicksale problematisiert wird. In einer solchen Nagelprobe kommt man der Landschaft auf den Grund. Die außerordentlichen Gestalten sind das Beste, was sie zu bieten hat. Erträgt sie diese, so hat sie bestanden." Weil der Kanon auch ein Abbild der geistigen Landschaft einer Gesellschaft ist, würde es ihm gut anstehen, mehr Außerordentliches zu ertragen, als er das bisher tut.
© Fabian Heinrich

Susanne Heinrich wurde 1985 in Leipzig geboren. Zuletzt erschien von ihr der Roman "So, jetzt sind wir alle mal glücklich" bei Dumont
Wo ist der neue Remarque?
Von Susanne Heinrich
Die meisten Bücher in den sogenannten Kanons stehen felsenfest, und ab und zu rüttelt einer an ihnen, um sich dessen zu versichern. Für solche Späße bin ich schlicht zu ungebildet. Hermann Hesse ist nun mal der einzige Seelsorger der Jugend, und selbst Fontanes Effi Briest konnte man irgendwann einmal etwas abgewinnen, auch wenn man längst vergessen hat, was. Bücher aussortieren oder gar ungeschrieben machen zu wollen steht mir nicht zu. Stattdessen wünsche ich mir eins: Einen Roman, der den Platz von Remarques Im Westen nichts Neues einnimmt. Einen neuen Kriegsroman über einen neuen Krieg. Über einen, der nicht aus harten Stellungskämpfen und blutiger Metzelei, sondern komplizierter Strategie und nervenzerreißender Warterei besteht.
Einen, in dem die Fronten weniger klar sind, weil er in Zeiten der Verschwörung und des Terrorismus, in Zeiten des Turbokapitalismus und des Niedergangs der Großmächte stattfindet. Ein Roman über einen Krieg, der nicht in aller Munde ist und alle gleichermaßen betrifft, sondern offiziell nicht existiert, obwohl er längst alle Kriterien eines Krieges erfüllt: den deutschen Krieg in Afghanistan. Als ein guter (Anti-)Kriegsroman müsste er es verstehen, durch akribische Schilderungen die Grausamkeit und Sinnlosigkeit kriegerischer Handlungen genauso zu verdeutlichen wie die so faszinierende wie erschreckende archaische Ästhetik der Gewalt und Macht. Er sollte im besten Falle enttarnen, mindestens aufklären: über neue Arten der Kriegsführung, neue Gegner, neue Opfer, neue Technik, Waffen, Rhetorik. Er müsste es schaffen, eine adäquate Form für dieses ambivalente und komplexe Gebilde, den "modernen Krieg" zu finden. Er könnte in der Lage sein, das Kriegsbild einer ganzen Generation zu prägen, Allgemeingültigkeit zu erlangen und später einmal als Relikt taugen, als Erinnerungsstütze und Teil eines kollektiven Gewissens. Er müsste im Hemingway’schen Sinne wahr sein. Aber wer könnte so einen Roman schreiben? Clemens (Meyer) , du vielleicht?
© Katja Zimmermann

Annika Scheffel wurde 1983 in Hannover geboren. Zuletzt erschien von ihr der Roman "BEN" bei kookbooks
Der Kanonbegriff muss weg!
Von Annika Scheffel
Heute ist der erste Frühlingstag und ich habe mir die Kanonfrage mit hinaus genommen, an den Fluss. Konsens im Bereich Gesundheit: Belüftet denkt es sich leichter. Na dann. Vorhin stand ich vor meinem Regal und habe die Bücher darin herausgefordert: Zeigt euch, hassenswerte Exemplare, Hochstapler, zukünftige Klorollen! Keines traute sich raus, kein Buch ist erschrocken umgekippt. Wie kann das sein? Gibt es in meinem Regal etwa kein Buch, das ich verreißen, zerstören, recyclen kann? Kanonwerke sind in steinerne Tafeln gemeißelt, ruhen in kalligraphischen Buchstaben auf handgeschöpftem Papier, werden beschützt von wissenden Instanzen. Ganz schön schwerwiegend, so ein Kanonroman. Trotzdem habe ich meine neulich in Umzugskartons verstaut und in den fünften Stock gewuchtet. Da stehen sie nun wieder, hübsch aufgereiht im Regal. Keines weckt bei mir abgrundtief schlechte Gefühle. Mir wird nicht übel, ich finde nichts ungerecht, ich kann mich nicht ärgern. Am Fluss herrscht Hochbetrieb, vorbei treiben Ausflugsdampfer, ich sehe mich um: Liest hier einer, flucht da wer, schläft jemand nach nur drei Sätzen ein? Nein. Die Leute, die lesen, sehen zufrieden aus. Ich stelle mir vor, dass ich jemanden entdecke, der Kanonroman X liest und dass ich mich spontan dazu entscheide, dieses Buch zu hassen. Ich stelle mir vor, wie ich zu dem fehlgeleiteten Menschen gehe. Ich sage: Hey du, gib mir das Buch, ich hasse es! Und er: Nie im Leben, das steht doch im Kanon. Und dann lache ich irre, er wird blass, weicht zurück, das Buch schützend an die Brust gedrückt. Ich rücke näher. Hinter mir Stimmen: Das mochte ich auch noch nie! Wir drängen Mensch und Buch bis zur Uferböschung, dann fallen beide in das brackige Wasser. Blubb - weg sind sie. Ich habe eventuell einen Sonnenstich und endlich fällt mir ein, dass es nicht Roman X ist, den ich verbannen will. Es ist der Kanonbegriff selbst, der macht alles so fahl, staubig, winterlich. Der kann ausgemistet werden, weggelüftet, der fehlt niemandem.
- Datum 25.05.2010 - 11:36 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 20.05.2010 Nr. 21
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ich bezweifle ob die meisten Autoren/Werke die Sie hier endlagern wollen, wirklich jemals Klassiker waren.
Fragwürdig ist der Klassikerbegriff natürlich sowiso- aber wenn man ihn den schon verwendet:
Klassisch ist ein Werk meiner Ansicht nach dann, wenn es in seiner Zeit wurzelt und gleichzeitig über seine Zeit hinausweist und damit vielen Generationen etwas zu sagen hat, also eigentlich "nie" veraltet (Bsp. Tolstois Romane). Dies fehlt den meisten der hier besprochenen- diese nehmen ausschließlich die Zeitströmungen auf um dann, mit diesen, zu versiegen. Richtig wird bemerkt, dass diese Literatur notwendig ist und ihre Berechtigung hat. Es sind aber nun mal keine "Klassiker".
Widersprechen möchte ich aber bei Kafka ( hier ist mir Ihr Beitrag auch komplett unverständlich).Kafka ist alleine schon wegen seiner Sprache unsterblich.
Auch sollten einige Kurzgeschichten von Hemingway (Z.B. "Das kurze, glückliche Leben des Francis Macomber)ins klassische "gerettet" werden.
Ansonsten: Gelungene Entstaubungsaktion.
@ Mmblfrz
Danke für Ihre unverzügliche und nette Reaktion!
Erwarten wir nicht ernsthaft Loblieder, wenn wir Schriftsteller bitten, über andere Schriftsteller zu urteilen.
Über meine schönen blauen Augen sagt niemand etwas Positiv-Aufregendes! Das müssen wir halt selbst tun. Und am besten ist es dann, wenn wir die grauen und stumpfen Äuglein der anderen kritisch betrachten! Um so mehr strahlen dann die unsrigen...
,-)
@ Mmblfrz
Danke für Ihre unverzügliche und nette Reaktion!
Erwarten wir nicht ernsthaft Loblieder, wenn wir Schriftsteller bitten, über andere Schriftsteller zu urteilen.
Über meine schönen blauen Augen sagt niemand etwas Positiv-Aufregendes! Das müssen wir halt selbst tun. Und am besten ist es dann, wenn wir die grauen und stumpfen Äuglein der anderen kritisch betrachten! Um so mehr strahlen dann die unsrigen...
,-)
Die Rättin, vollgefressen, lag im hohen Grass des Flussufers. Ein Biber nagte an Döblins Kopf, der halb im Wasser, halb am Ufer lag. Der sog. Bachmann, so werden die Umweltbeauftragten in den österreichischen Gemeinden genannt, ging von Kaf zu Ka.
Auf dem Hemingway der Literatur zogen die Carver unauslöschlich ihre Spuren. Frisch legte sich der Tauk auf die Monblumen. Brecht diese nicht ab - gelungene Gedichte sind wie schöne Blumen.
Eine Handke wäscht die andere. Unauffällig und soft. Effi, ein raffiniertes Briest, wurde als Punk zu einem Klassiker. Als würde man mit Kanon' auf Re in der Marque Brandenburg schiessen.
Danke für diesen kafkaesken Beitrag.
Oberstufenniveau?
Danke für diesen kafkaesken Beitrag.
Oberstufenniveau?
Bei dem Beitrag von Frau Wolf fragt man sich schon, ob und wenn ja, was sie jemals von Kafka gelesen hat.
Danke für diesen kafkaesken Beitrag.
@ Mmblfrz
Danke für Ihre unverzügliche und nette Reaktion!
Erwarten wir nicht ernsthaft Loblieder, wenn wir Schriftsteller bitten, über andere Schriftsteller zu urteilen.
Über meine schönen blauen Augen sagt niemand etwas Positiv-Aufregendes! Das müssen wir halt selbst tun. Und am besten ist es dann, wenn wir die grauen und stumpfen Äuglein der anderen kritisch betrachten! Um so mehr strahlen dann die unsrigen...
,-)
Woher kommt denn dieser Lektürekanon? Gibt es denn so etwas noch? Gelesen wird, was gefällt - und für mich gehört Kafka dazu, genauso wie vieles - beileibe nicht alles - von Brecht. Jedem seinen Dachboden......;-)
Danke Frau Wolf, Kafka befreit zu haben - er hätte es zu schätzen gewusst - und danke an die ZEIT für die Aktion. Generationen von Deutschunterrichtsgeschädigten (wer besass damals schon die vom Deutschlehrer benutzte Sekundärliteratur? - toller Kommentar zu Brecht) werden hoffentlich der einen oder anderen Empfehlung folgen und die eigenen Sinne walten lassen!
Ich hoffe sie haben Catch22 gelesen. Zwischen diesem und "Im Westen nichts Neues" sehe ich keinen Aspekt eines Krieges der nicht abgehandelt wäre (ausser dass die jeweiligen Protagonisten die Zeit linear erleben).
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