Brecht? Gedichte, die Lehrer lieben
© Laura J. Gerlach

Nora Bossong wurde 1982 in Bremen geboren. Zuletzt erschien von ihr der Roman "Webers Protokoll" in der FVA
Brecht? Gedichte, die Lehrer lieben
Von Nora Bossong
Ach,
Herr Brecht,
zweieinhalbtausend Gedichte sind zu viel. Gedichte sollten nicht zur Massenware werden, das gilt auch für die Marxisten unter ihnen. Sie waren immer aktuell, so aktuell, dass ich die Zeitlosigkeit dazwischen gar nicht finde. Die Subtilität, nebenbei bemerkt, auch nicht. Lehrer lieben Sie. Und Schüler haben Sie zu lieben, gefälligst! Lieber Herr Brecht, Sie sind überall, und Sie sind überall berühmt. Hätte Sie eine solche Monokultur, von außen betrachtet, nicht auch skeptisch gemacht? Sie wussten alles, und Sie wussten alles besser, und Sie wussten es, noch ehe das erste Wort auf dem Papier stand. Eine Aussage, die vor den Worten feststeht und ihnen nur aufgedrängt wird, halte ich für eine dubiose Federführung, bei der die Worte lediglich als Kanonenfutter herhalten. Ist es nicht ein Merkmal von Literatur, dass sie den Worten Rechte einräumt und nicht als unterbezahlte Boten verwendet? Hätten Sie doch mehr Rilke gelesen, oder wären Sie einmal mit Ilse Aichinger spazieren gegangen. »Der schwierigere und längere Teil des Schriftsteller-Berufs besteht im Nicht-Schreiben«, hätte sie Ihnen gesagt, und Sie hätten an Ihrer Zigarre gezogen und vielleicht darüber nachgedacht. Bevor ich nun auf Wiedersehen sage – denn ein Wiedersehen mit Ihnen ist schwer zu umgehen –, muss ich Ihnen leider ein Letztes verraten: Gramsci schrieb einfach besser als Sie.
- Datum 25.05.2010 - 11:36 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 20.05.2010 Nr. 21
- Kommentare 23
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ich bezweifle ob die meisten Autoren/Werke die Sie hier endlagern wollen, wirklich jemals Klassiker waren.
Fragwürdig ist der Klassikerbegriff natürlich sowiso- aber wenn man ihn den schon verwendet:
Klassisch ist ein Werk meiner Ansicht nach dann, wenn es in seiner Zeit wurzelt und gleichzeitig über seine Zeit hinausweist und damit vielen Generationen etwas zu sagen hat, also eigentlich "nie" veraltet (Bsp. Tolstois Romane). Dies fehlt den meisten der hier besprochenen- diese nehmen ausschließlich die Zeitströmungen auf um dann, mit diesen, zu versiegen. Richtig wird bemerkt, dass diese Literatur notwendig ist und ihre Berechtigung hat. Es sind aber nun mal keine "Klassiker".
Widersprechen möchte ich aber bei Kafka ( hier ist mir Ihr Beitrag auch komplett unverständlich).Kafka ist alleine schon wegen seiner Sprache unsterblich.
Auch sollten einige Kurzgeschichten von Hemingway (Z.B. "Das kurze, glückliche Leben des Francis Macomber)ins klassische "gerettet" werden.
Ansonsten: Gelungene Entstaubungsaktion.
@ Mmblfrz
Danke für Ihre unverzügliche und nette Reaktion!
Erwarten wir nicht ernsthaft Loblieder, wenn wir Schriftsteller bitten, über andere Schriftsteller zu urteilen.
Über meine schönen blauen Augen sagt niemand etwas Positiv-Aufregendes! Das müssen wir halt selbst tun. Und am besten ist es dann, wenn wir die grauen und stumpfen Äuglein der anderen kritisch betrachten! Um so mehr strahlen dann die unsrigen...
,-)
@ Mmblfrz
Danke für Ihre unverzügliche und nette Reaktion!
Erwarten wir nicht ernsthaft Loblieder, wenn wir Schriftsteller bitten, über andere Schriftsteller zu urteilen.
Über meine schönen blauen Augen sagt niemand etwas Positiv-Aufregendes! Das müssen wir halt selbst tun. Und am besten ist es dann, wenn wir die grauen und stumpfen Äuglein der anderen kritisch betrachten! Um so mehr strahlen dann die unsrigen...
,-)
Die Rättin, vollgefressen, lag im hohen Grass des Flussufers. Ein Biber nagte an Döblins Kopf, der halb im Wasser, halb am Ufer lag. Der sog. Bachmann, so werden die Umweltbeauftragten in den österreichischen Gemeinden genannt, ging von Kaf zu Ka.
Auf dem Hemingway der Literatur zogen die Carver unauslöschlich ihre Spuren. Frisch legte sich der Tauk auf die Monblumen. Brecht diese nicht ab - gelungene Gedichte sind wie schöne Blumen.
Eine Handke wäscht die andere. Unauffällig und soft. Effi, ein raffiniertes Briest, wurde als Punk zu einem Klassiker. Als würde man mit Kanon' auf Re in der Marque Brandenburg schiessen.
Danke für diesen kafkaesken Beitrag.
Oberstufenniveau?
Danke für diesen kafkaesken Beitrag.
Oberstufenniveau?
Bei dem Beitrag von Frau Wolf fragt man sich schon, ob und wenn ja, was sie jemals von Kafka gelesen hat.
Danke für diesen kafkaesken Beitrag.
@ Mmblfrz
Danke für Ihre unverzügliche und nette Reaktion!
Erwarten wir nicht ernsthaft Loblieder, wenn wir Schriftsteller bitten, über andere Schriftsteller zu urteilen.
Über meine schönen blauen Augen sagt niemand etwas Positiv-Aufregendes! Das müssen wir halt selbst tun. Und am besten ist es dann, wenn wir die grauen und stumpfen Äuglein der anderen kritisch betrachten! Um so mehr strahlen dann die unsrigen...
,-)
Woher kommt denn dieser Lektürekanon? Gibt es denn so etwas noch? Gelesen wird, was gefällt - und für mich gehört Kafka dazu, genauso wie vieles - beileibe nicht alles - von Brecht. Jedem seinen Dachboden......;-)
Danke Frau Wolf, Kafka befreit zu haben - er hätte es zu schätzen gewusst - und danke an die ZEIT für die Aktion. Generationen von Deutschunterrichtsgeschädigten (wer besass damals schon die vom Deutschlehrer benutzte Sekundärliteratur? - toller Kommentar zu Brecht) werden hoffentlich der einen oder anderen Empfehlung folgen und die eigenen Sinne walten lassen!
Ich hoffe sie haben Catch22 gelesen. Zwischen diesem und "Im Westen nichts Neues" sehe ich keinen Aspekt eines Krieges der nicht abgehandelt wäre (ausser dass die jeweiligen Protagonisten die Zeit linear erleben).
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