Italien Techno mit Spitze
Meran wird hip: Im einst so braven Kurort legt ein Londoner DJ auf, und die neue Therme stammt von Matteo Thun
© Gionata Xerra/SMG

Die Therme Meran wurde von Stararchitekt Matteo Thun gestaltet
Wäre die Stadt Meran auf der Suche nach einer neuen Wappenfarbe, es spräche vieles für Orange. Orange wie eine Süßsauersoße beim Chinesen leuchtet es aus den bauchigen Gläsern, die auf fast jedem Cafétisch an der Freiheitsstraße im Zentrum des ältesten Kurorts Südtirols stehen.
Weißwein, Aperol, Mineralwasser: Das sind die Zutaten für den Veneziano, einen Cocktail, auf den sich in diesem Frühjahr hier offenbar alle geeinigt haben. Die Meraner und die Touristen. Die Ehepaare aus Deutschland und die jungen italienischen Mütter mit den dreirädrigen Kinderwagen. Die Hornbrillenträger und die Schüler mit ihren wollenen Ballonmützen. Meran ist orange gepunktet. Vormittags in den Einkaufsstraßen. Mittags vor den Pizzerien. Nachmittags im Panoramarestaurant oben an der Sesselliftstation. Nachts in den Bars. Der Veneziano schmeckt frisch und fruchtig und beduselt gerade so viel, dass die weiß gekalkten Altstadthäuser und die Schneereste auf den Alpengipfeln etwas pastelliger wirken.
Es gab Zeiten, da trank man keine Cocktails in Meran. Die Touristen, die in Bussen über den Brenner anreisten, kauften holzgeschnitzte Engel in den Geschäften. Sie kamen zur Apfelblüte und wohnten in Pensionen. Der Mythos der Kaiserin Sisi, die hier im 19. Jahrhundert mehrere Kuraufenthalte verbrachte, zog die Leute an.
»Volksmusik und Après-Ski, mehr gab es bei uns nicht«
Hätte man den Südtiroler Satiriker Norbert C. Kaser in den siebziger Jahren nach der Farbe von Meran gefragt, er hätte wahrscheinlich geantwortet: Beige. Beige wie Filterkaffee mit Milch. Seine Häme steckt den Meraner Touristikern bis heute in den Knochen. »Du gutes bundesdeutsches Altersheim, du feingliedrige Braut des Südens & schon Rentnerin, mit Magnolien geziert…«, spottete Kaser. Das Image der altmodischen Kurstadt klebte bis in die späten Neunziger an Meran. Langsam löst es sich ab.
- Unterkunft
Hotel Aurora, Kurpromenade 38, Tel. 0039-0473/211800, www.hotelaurora.bz, DZ ab 65 Euro pro Person. Einige Zimmer sind von Designern gestaltet
- Einkaufen
Alexandra Stelzer fertigt feminine Mode für Abend und Alltag, auch Brautkleider, Atelier de Call, Via Luis Zuegg 72/a, Tel. 0039-0473/201444, www.decall.it; Dimitri designt ausgefallene Mode, kräftige Muster, gepaart mit klassischen Elementen, Kurhauspassage Meran, Tel. 0039-0473/270202, www.bydimitri.com
- Essen
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Kalmünz, mediterran-japanische Fusion-Küche, viel Fisch, Hauptgerichte ab 18 Euro, Sandplatz 12, Tel. 0039-0473/212917, www.kallmuenz.it
Santer Klause, klassische Südtiroler Küche im historischen Steintorviertel, Passeirergasse 36, Tel. 0039-0473/234086, www.restaurantsanterklause.com
- Ausgehen
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Rossini, Café und Cocktailbar, Freiheitsstraße 19, Tel. 0039-0473/491085, www.rossini-bar.it;
Piccolo, Freiheitsstraße 5, Tel. 0039-0473/236765, www.barpiccolo.com; Forum, Kellerbar in historischem Weinkeller, Leonardo-da-Vinci-Straße 11;
Culti Café, Freiheitsstraße 22, Tel. 0039-0473/233091, www.culticafe.com
Club Lounge Sketch, Club und Lounge mit DJs, Tel. 0039-0473/211800, www.sketch.bz
- Kultur
KunstHaus Meran, Laubengasse 163, zeitgenössische Architektur, Literatur, Musik, Fotografie, Tel. 0039-0473/212643, www.kunstmeranoarte.com
- Auskunft
-
Marketinggesellschaft Meran, Tel. 0039-0473/200252, www.meranerland.com
Italienische Zentrale für Tourismus ENIT, Tel. 069/237434, www.enit-italia.de
Das hat auch mit Melanie Aukenthaler zu tun. Ihre Clublounge Sketch ist der Treffpunkt der Jugend. Tische und Stühle stehen vor der Tür und sind noch nicht wieder reingeräumt. Früher wäre so etwas unmöglich gewesen, jedenfalls um 23 Uhr. An der Flusspromenade mit den mächtigen Jugendstilvillen herrschte tagsüber Betrieb, wenn die Kurgäste hier frische Luft atmeten, um – wie Franz Kafka im Sommer 1920 – die Tuberkulose auszuheilen. Das gesunde Mikroklima beschert Meran 300 Sonnentage im Jahr und eine Flora aus Palmen, Lorbeer und Libanonzedern.
Melanie Aukenthaler, gebürtige Meranerin, in weißer Bluse und wadenlangem Rock schlichter gekleidet als ihre Gäste, serviert einen Veneziano nach dem anderen. Noch vor ein paar Jahren wären jetzt die elf Glockenschläge von der katholischen Pfarrkirche und das Gurgeln des Flusses Passer die einzigen Geräusche gewesen. Sie wären vielleicht in die Träume der Touristen eingesickert, die in ihren Hotelbetten schliefen und sich von den Wannenbädern im radonhaltigen Thermalwasser erholten. Die jungen Einheimischen hätten weder Passer noch Glocken gehört, zumindest nicht am Wochenende. Denn dann fuhren sie zum Feiern nach Bozen, Mailand oder München. »Ausgehen in Meran, das war praktisch nicht möglich. Volksmusik und Après-Ski – mehr gab es nicht«, sagt Melanie Aukenthaler. Heute führt der Weg der Nachtschwärmer auch in die umgekehrte Richtung.
- Datum 08.06.2010 - 06:50 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 20.05.2010 Nr. 21
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genial ist auch die Umgebung - u.a. Meran 2000, mit der Seilbahn in ein fantastisches Gebiet, keine Schluchten und waghalsige Wege ---. Alles normal, wenn man es will. Die Busse in die Umgebung von Meran sind außerordentlich preiswert - als Anreiz, das Auto stehen zu lassen. Besonders zu empfehlen sind die Unterkünfte in Obermais, ein Stadtteil von Meran etwas oberhalb der "Szene" direkt an der Passer gelegen.
Liebe Autorin,
für einen Veneziano mischt man entweder Prosecco mit Aperol oder Weißwein und Soda mit Aperol. Je nach Region kursieren unterschiedliche Bezeichnungen für diese zwei Aperitiv-Getränke, einmal eben Veneziano oder auch Aperol Sprizz. Probieren Sie mal die zweite Variante mit einer großen grünen Olive im Glas, das schmeckt sehr gut... am besten schmeckt allerdings der NEUESTE Aperitivdrink in Meran: Der HUGO
Sehr geehrter Saltinalto,
danke für den Hinweis. Da ist uns tatsächlich ein Fehler unterlaufen. Ich habe die Stelle korrigiert.
Herzliche Grüße
Jessica Braun
Sehr geehrter Saltinalto,
danke für den Hinweis. Da ist uns tatsächlich ein Fehler unterlaufen. Ich habe die Stelle korrigiert.
Herzliche Grüße
Jessica Braun
Ich weiss nicht, ob man Norbert C. Kaser mit Satire in Verbindung bringen sollte. Das Rezept für den Veneziano ist mir auch aufgefallen ... aber ansonsten ein wohltuender Bericht, der sich einmal wirklich von der Masse der Artikel aus der krachledernen Autorenfraktion abhebt.
Wie wäre es einmal mit einem Artikel über die Designhotels in und rund um Meran? Hier ballt sich diese Hotelgattung wie sonst in keinen anderen Feriengebiet im Alpenraum. Dazu beigetragen hat sicherlich die Therme und das (ehemalige) Steigenberger.
Da muss man gar nicht auf den Neubau des Vigilius (im Dorf Lana bei Meran) verweisen, auch "gewachsene" Hotels wie www.erika.it haben sich gemausert und werden schon mal in Hochglanzmagazinen wegen der Deko im Speisesaal abgelichtet.
Es tut sich was im Meraner Land.
Sehr geehrter Saltinalto,
danke für den Hinweis. Da ist uns tatsächlich ein Fehler unterlaufen. Ich habe die Stelle korrigiert.
Herzliche Grüße
Jessica Braun
Wir bedanken uns nochmals recht herzlich für diesen tollen Artikel! Super!
ganz liebe Grüße aus Meran
Das Aurora und Sketch-Team
Meran wird hip?????!!!!! Auch ohne die Fähigkeiten eines zeitgenössischen Nostradamus nehme ich mir heraus zu sagen, dass Meran sicher nie hip werden wird – niemals! Nur Weniges kann mit solcher Bestimmtheit behaupten werden.
Und nur, weil einige der Eingeborenen glauben durch das konsumieren eines „hippen“ Gesöffs, das man in affektiertem Italienisch durchs ganze Lokal schreiend bestellt, trendy zu sein wird das Stadtwappen wohl nicht orange eingefärbt; höchstens man möchte die geistige Nähe zu den orangen Kärntner Gesinnungsgenossen farblich unterstreichen, die aber auch so schon zu Genüge in Augenschein fällt. „Es gab Zeiten, da trank man keine Cocktails in Meran.“ Nein, echt jetzt?! Nunmehr trinkt man aber Cocktails und hat zu Metropolen wie New York oder Shanghai aufgeschlossen… Sehr lieb wird auch durch die Vergangenheitsform suggeriert, dass sich einiges geändert habe in den letzten beiden Jahrzehnten. Hat sich auch: die Touristen sind noch älter geworden und sie fahren neue Automodelle. N.C. Kaser ist tot aber das Geschriebene ist sicherlich von größter Aktualität. Und woran man erkennen soll, dass sich das Altersheim-Image ablöst, würde mich wirklich interessieren. Daran, dass die Thermen von einem bekannten Architekten/Designer gestaltet wurden?
Diese fetzige Clublounge oder wie immer Sie sie zu bezeichnen gedenken – Sketch – ist eine Paradebeispiel bäuerlicher Dorfdiskotheken und nicht mal im Ansatz von einer beliebigen Apresskihütte zu unterscheiden, und ganz bestimmt kommt niemals auch nur irgendwer von München oder Mailand nach Meran!!!! um dort aus zu gehen. Und ein DJ kommt eigens aus London, wow wo gibt’s denn so was?! Ach nein, der ist zufällig der Freund einer jungen Frau aus Meran, die auf Heimatbesuch ist und dieses Provinznest mit guter Mukke überraschen und ihrem Freund einen gut bezahlten Gig organisieren möchte. Oder glaubt hier ernsthaft jemand ein britischer DJ, und sei er auch noch so unbekannt, kommt nach Südtirol?! Bestimmt hat die Hälfte des Publikums nach zwei Songs verduzt auf den DJ gestarrt und lautstark ´Hey Baby´ von DJ Ötzi gefordert.
Zu den progressiven, etwas in der verstaubten Heimat verändern wollenden Rückkehrern und –kehrerinnen: jeder denkenden Mensch macht sich – ist er einmal zu Studienzwecken oder Dergleichen – im Ausland über seinen Wohnort Gedanken, d.h. sehr wenige Südtiroler, für ca. 80 % der jungen Leute die weg gehen gibt es ein Rückfahrticket. Was nicht sehr schwer fällt wenn dort ein vier Sterne Hotel auf der Promenade wartet, garniert mit dem Versprechen im Parterre auch noch einen tollen Club zu errichten. Dann fällt es auch nicht soooooooo schwer Mailand wieder zu verlassen.
Und – dafür kann der trendige junge Mann nichts - der Dreitagesbart mit Parka? Sollen wir einen Preis schicken, dass es jemand geschafft hat sich nicht wie ein Böhse Onkelz Fan aus den frühen 90ern zu kleiden?
„Schöne Welt. Böse Leut´“; so hat Claus Gatterer einst einen seiner Romane über Südtirol genannt. Auf die Leut´ will ich gar nicht eingehen, naturgemäß sind die nicht alle böse…
Das Land ist schön, der Herbst ist weltmeisterlich und die vielfältigste Natur hält einiges zum entdecken bereit.
Aber, dass Meran hip ist verwirrt die Einheimischen nur und schon langsam beginnt sich jeder wie ein Bozner zu benehmen, weil er seinen Provinzkomplex abgeworfen zu haben glaubt.
Greetz
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