Ölfressende Mikroben Die Putzkolonne im Eisschrank
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Zu Beginn einer Ölpest helfen Mikroben nicht

Zu Beginn einer Ölpest allerdings seien die Mikroorganismen völlig überfordert. Zunächst müssten Maschinen die größte Menge Öl entfernen. Dümpeln dann nur noch einzelne Fetzen im Meer, helfen die Mikroben am besten. »Im Volksmund heißt es dann schlicht: Das war der Selbstreinigungsprozess der Natur«, sagt Schauer. Genau genommen haben jedoch tonnenweise Pilze, Hefen und Bakterien das Meer gesäubert. »Die arbeiten ohne Zutun des Menschen«, sagt Schauer, »aber der Mensch kann die Arbeit beschleunigen.«

Menschen können die Mikroben sozusagen düngen, mit Phosphor und Stickstoff beispielsweise, dann arbeiten sie schneller. Früher, erzählt Schauer, hätten Forscher gedacht, sie könnten die tierischen Putzhelfer nachzüchten und dann bei einer Ölpest tonnenweise ins Meer schütten. Das wolle heute aber niemand mehr. Zu teuer und zu aufwendig sei das.

An ihren Modellorganismen haben Schauer und sein Team genau studiert, unter welchen Bedingungen die Mikroorganismen das Öl wie zersetzen. Und wenn sie wissen wollen, wie eine Mikrobe auf einen neuen Schadstoff reagiert, können sie das an mehreren Stämmen gleichzeitig testen – ohne dass man erst losziehen und neue einsammeln muss. Zudem nutzen die Wissenschaftler ihre Sammlung für die Biotechnologie. Mithilfe der Organismen können sie chemische Produkte herstellen, die in der Industrie, Medizin und Chemie gebraucht werden.

Allerdings können die Mikroben nicht unbegrenzt auf Eis liegen: »Alle drei bis vier Jahre müssen wir sie zum Leben erwecken. Sonst würden sie langsam kaputtgehen«, sagt Schauer. Seine Kollegin hat gerade einen Trichosporon mucoides , einen Hefepilz, aus der eiskalten Tonne im Keller gefischt. Sie legt ihn erst in eine Petrischale, dann in einen Brutschrank, dort taut er gerade bei 30 Grad auf und beginnt zu wachsen.

Noch ein, zwei Tage, dann wird sie ihn mit vier Tropfen Phenylalkan, einem Erdölbestandteil, ernähren. Zusammen mit 100 Milliliter Wasser wird sie alles in einem Glaskolben vermischen, für einen Tag in einen Schüttelinkubator stellen und dort gut durchrütteln lassen. Wenn dann kein Ölbestandteil mehr im Wasser schwimmt, weiß sie: Der Hefepilz lebt noch und ist bereit für seine nächste Eiszeit. »Dann können wir ihn wieder für drei Jahre einfrieren«, sagt Schauer. »Wenn man so will, haben die Mikroorganismen bei uns ein ewiges Leben.«

 
Leser-Kommentare
  1. ... sehr interessantes Thema.

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