Was können Eltern tun? Eigentlich gar nichts
Was können Eltern tun? Eigentlich gar nichts
Doch ob ein Mensch schließlich arbeitslos wird oder nicht, ob er einen Job findet, der ihn erfüllt, ob er CEO bei Goldman Sachs wird oder sich lieber mehr um die Kinder kümmert, ob er bereit ist, sich weiterzubilden, ins Ausland zu gehen, ob er eine Frau in Timbuktu kennenlernt, wegen seiner besserwisserischen Art überall rausfliegt oder bei jeder Prüfung Mutters metallische Stimme hört; ob sich irgendwann ein Vorgesetzter in ihm wiedererkennt und beschließt, ihn zu fördern, ob ihn seine Ehe in Depressionen stürzt, seinen Job kostet, hängt mit allem Möglichen zusammen – aber nicht mit dem, was in der vierten Klasse passiert. Der Gedanke, dass vieles im Leben vom Zufall abhängt, ist schwer auszuhalten. Lieber glauben Eltern an die magische Kraft eines Übertrittszeugnisses, für das sie folglich alles tun würden.
Vielleicht ist das das Erfolgsgeheimnis der braven Kleinstadtrealschule von Bad Iburg: Hier stören keine Eltern den Unterricht. »Schlummis« nennt Frau Hannibal ihre alten Schüler. Wahrscheinlich sind Schlummis einfach Jugendliche, die sich eine Zeit lang verpuppen. Was sie dabei erfahren? Dass sie fürs Leben lernen und nicht für die Schule. Und was Shakespeare betrifft: Der wird auch an Realschulen gelesen.
- Datum 20.05.2010 - 09:31 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin, 20.05.2010 Nr. 21
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Endlich wird es gesagt! Ihr Bildungsbürger (zu denen auch ich mich zähle) vor allem, hört auf damit, eure Kinder um jeden Preis aufs Gymnasium und in die Uni befördern zu wollen. Ich habe im Laufe meines Lebens viele Handwerker, Techniker, Kaufleute kennengelernt, die mit Freude und Erfolg in ihrem Beruf aufgehen - und mit denen man sich übrigens dennoch auch bestens über Politik, Literatur oder Musik unterhalten kann. Mindestens ebenso viele Menschen kenne ich, die sich heute – nach einem langwierigen und zermürbenden Studium – in ungeliebten Jobs wieder finden, für die sie eigentlich überqualifiziert sind. Warum achten wir Eltern nicht mehr darauf, was unseren Kindern wirklich Spaß macht. Warum dürfen unsere Kinder nicht mehr Elektriker, Kindergärtner oder Koch werden? Was treibt uns eigentlich, Lehrern jedwede Kompetenz abzusprechen, wenn es um die Zukunft unserer Kinder geht? Statt immer nur auf die Schule und das "System" zu schimpfen, sollten auch wir Eltern unsere eigene Rolle in diesem Spiel kritisch hinterfragen. Ihr Beitrag hat mich sehr nachdenklich gemacht und mich darin bestärkt, die vierte Klasse 2011 für meine dritte Tochter als Chance zu sehen, ihren Neigungen nachzuspüren, statt die Notenschraube anzuziehen.
Sehr gut recherchiert, klug argumentiert und erfrischend unverkrampft geschaut. Dankeschön!
Ich weiß nicht, ich teile Ihre Begeisterung nicht.
Der Autor vergleicht nicht Realschule mit Gymnasium, sondern einen Techniker oder Kaufmann mit einem Künstler. Der Abschluss scheint hier keine Rolle zu spielen. Das ist das einzig Überragende an dem Text.
Ich weiß nicht, ich teile Ihre Begeisterung nicht.
Der Autor vergleicht nicht Realschule mit Gymnasium, sondern einen Techniker oder Kaufmann mit einem Künstler. Der Abschluss scheint hier keine Rolle zu spielen. Das ist das einzig Überragende an dem Text.
Ich bin eine arbeitslose promovierte Akademikerin. Ich hätte mir gewünscht dass meine Eltern nicht so einen Druck auf mich ausgeübt zu haben, damit ich ins Gymansium, an die Uni und bis zur Promotion komme. Ich habe alle Erwartungen erfüllt in der minimal möglichen Zeit erfüllt. Meine Eltern wissen nichts von meiner Arbeitslosigkeit. Es ist kein schöner Zustand und habe daraus gelernt, dass meine Kinder einmal frei entscheiden können was sie tun wollen. Wenn man mit 27 Jahren nach Studium und Promotion ins Berufsleben startet weiss man vielleicht gerade was ein Brutto- und was ein Nettolohn ist. Die Erwartungen, die der Arbeitgeber an einen Studienabgänger heranträgt sind groß, immerhin ist man erwachsen und hochqualifiziert. Dass aber die wenigsten Hochschulabgänger schon einmal im Berufsleben standen, ist den wenigsten bewußt.
Ich hoffe auf baldige Besserung meiner Situation und dass ich dann nicht mehr bereuen muss, studiert und promoviert zu haben.
Auch ich danke Frau Faller, dass Sie dieses Thema offen angesprochen hat.
Frau Faller hat das Hohe Lied des dreigliedrigen Schulsystem gesungen. Schüler können in der Realschule genau am richtigen Platz sein. Die "Schlummis", die sich verpuppen und die Realschule abhocken, werden spätestens in der darauffolgenden Lehre mit dem realen Leben konfrontiert und entwickeln oder überdenken ihre Ziele. Zielführend ist nicht "Gymnasium für Alle" sondern Durchlässigkeit des Systems für alle, auch wenn zu bedenken ist, dass auch Krankenschwestern im System fehlen, wenn die Krankenpflegeausbildung Durchgangsstation zum Medizinstudium wird.
Zur Abwehr von Motivationslosigkeit bei Gymnasiasten geistert seit einiger Zeit die von Hentigsche Idee durch die Landschaft, innerhalb des Gymnasiums ein künstliches Gemeinschaftsjahr einzuführen. Ohne Zweifel ist die reale Lehre in der realen Arbeitswelt die bessere Schule fürs Leben.
Schüler, deren pubertäre Verpuppung zur Folge hat, dass sie immer mehr Stoff aufnehmen wollen, sind auf einem Gymnasium weiterhin richtig aufgehoben.
Fatal wären Schulformen, die dauerhafte Leistungsverweigerung nicht dezidiert mit Konsequenzen belegen oder sogar honorieren. Leider besteht die Befürchtung, dass diese Art Schulen soeben gezimmert und erfolgreich arbeitende Realschulen zerschlagen werden.
Der neuerliche Run aufs Gymnasium wird gerade hierdurch hervorgerufen und fördert möglicherweise massiv das beschriebene Peter-Pan-Syndrom mit Erwachen mit Vierzig.
...hat mir in den Siebzigern - ausgehend von Mittlerer Reife und Lehre - zunächst ein Fachhochschul- und danach ein Universitätsstudium ermöglicht - der damaligen Bildungspolitik bin ich noch heute dankbar dafür. Und auch meinen Eltern die - dank mehrerer Geschwister - zuwenig "Druckkapazität" mir gegenüber aufbauen konnten. Die Motivation kam schließlich von ganz allein - mit einjähriger Verzögerung.
von johanna redlich
des dreigliedrigen Schulsystems, aber die Feststellung das in der Politik dem Schulsystem eine extrem zu hohe Bedeutung beigemessen wird.
Die Probleme an den Schulen haben nur geringfügig etwas mit dem Schulsystem zu tun, aber sehr viel mit den hier geschilderten Zusammenhängen und Lehrplänen die von Schreibtischtätern entworfen wurden ohne jegliche echte Kompetenz!
Wenn alles in der Schule super und top organisiert ist, Schulen und Klassen klein sind, dann kann man mit einer Gesamtschule ein i-Tüpfelchen oben drauf setzen.
Vorher ist das System bedeutungslos, was ja die Bildungsevaluationen auch ständig beweisen.
Das jedenfalls ist meine Erfahrung mit meinen Kindern an Gymnasium, Hauptschule und kleiner privaten Gesamtschule.
Leider wird dieser Artikel verpuffen, schlicht weil es nirgends um Geld geht, das ein Politiker vergeben könnte.
Also werden wir weiter und weiter teure Schulrefomen mit Veränderungen in Struktur und Personal erleben. Nur ihren Zweck werden sie nie erfüllen.
Hoch lebe die Idiotie des Materialismus.
H.
...hat mir in den Siebzigern - ausgehend von Mittlerer Reife und Lehre - zunächst ein Fachhochschul- und danach ein Universitätsstudium ermöglicht - der damaligen Bildungspolitik bin ich noch heute dankbar dafür. Und auch meinen Eltern die - dank mehrerer Geschwister - zuwenig "Druckkapazität" mir gegenüber aufbauen konnten. Die Motivation kam schließlich von ganz allein - mit einjähriger Verzögerung.
von johanna redlich
des dreigliedrigen Schulsystems, aber die Feststellung das in der Politik dem Schulsystem eine extrem zu hohe Bedeutung beigemessen wird.
Die Probleme an den Schulen haben nur geringfügig etwas mit dem Schulsystem zu tun, aber sehr viel mit den hier geschilderten Zusammenhängen und Lehrplänen die von Schreibtischtätern entworfen wurden ohne jegliche echte Kompetenz!
Wenn alles in der Schule super und top organisiert ist, Schulen und Klassen klein sind, dann kann man mit einer Gesamtschule ein i-Tüpfelchen oben drauf setzen.
Vorher ist das System bedeutungslos, was ja die Bildungsevaluationen auch ständig beweisen.
Das jedenfalls ist meine Erfahrung mit meinen Kindern an Gymnasium, Hauptschule und kleiner privaten Gesamtschule.
Leider wird dieser Artikel verpuffen, schlicht weil es nirgends um Geld geht, das ein Politiker vergeben könnte.
Also werden wir weiter und weiter teure Schulrefomen mit Veränderungen in Struktur und Personal erleben. Nur ihren Zweck werden sie nie erfüllen.
Hoch lebe die Idiotie des Materialismus.
H.
...was ich bisher über dieses Thema habe lesen können. Ich kann aus eigener Erfahrung mit dem Schul-und Universitätssystem des zweiten Bildungsweges in den Siebzigern alles Geschriebene nur bestätigen. Mit Druck erreichten meine Eltern nichts. Sie haben mir aber eines - vielleicht unbewußt - mitgeben können: Eine ungeheure Lust am Lernen. Bis heute.
aber man muss es einfach sagen: die meisten Vorgesetzten von Ausgebildeten sind Akademiker, die meisten Politiker sind Akademiker und die Leute, die gesellschaftlich etwas zu sagen haben sind Akas. Ich kann ir mein Dasein als Sachbearbeiter schönreden, aber habe ich wirklich Lust, immer der Fußabtreter kleinbürgerlicher Großbürger zu sein?
wenn man sich als Fußabtreter fühlt, sollte man daran etwas ändern. Es gibt ja auch Abendgymnasium. Man kann sich als Putzfrau wie eine Königin fühlen, aber auch als Königin wie eine Fußabtreterin, nur man sollte es selbst entscheiden dürfen. Das wurde mit dem Artikel gut rübergebracht. Einem Kind seine eigenen Ängste aufzubürden oder vielleicht unterschwellig das Kind zu eigenen nicht vollendeten Leistungen zu treiben, ist eine hohe Bürde die kein Kind mitbekommen sollte. Denn dann fühlt es sich immer als Verlierer, denn es wird ja der gestellten Aufgabe nie gerecht. Man sollte das Kind lieber zu verstehen geben, auf sein Bauchgefühl zu hören, denn jeder besitzt eins. Daraus etwickelt sich Eigenverantwortung. Dann gebe es auch nicht so viele Kinder, die mit Bauchschmerzen in die Schule gingen und auch weniger frustrierte Lehrer, weil sie nicht das studieren oder arbeiten konnten, was sie wirklich wollten.
wenn man sich als Fußabtreter fühlt, sollte man daran etwas ändern. Es gibt ja auch Abendgymnasium. Man kann sich als Putzfrau wie eine Königin fühlen, aber auch als Königin wie eine Fußabtreterin, nur man sollte es selbst entscheiden dürfen. Das wurde mit dem Artikel gut rübergebracht. Einem Kind seine eigenen Ängste aufzubürden oder vielleicht unterschwellig das Kind zu eigenen nicht vollendeten Leistungen zu treiben, ist eine hohe Bürde die kein Kind mitbekommen sollte. Denn dann fühlt es sich immer als Verlierer, denn es wird ja der gestellten Aufgabe nie gerecht. Man sollte das Kind lieber zu verstehen geben, auf sein Bauchgefühl zu hören, denn jeder besitzt eins. Daraus etwickelt sich Eigenverantwortung. Dann gebe es auch nicht so viele Kinder, die mit Bauchschmerzen in die Schule gingen und auch weniger frustrierte Lehrer, weil sie nicht das studieren oder arbeiten konnten, was sie wirklich wollten.
...hat mir in den Siebzigern - ausgehend von Mittlerer Reife und Lehre - zunächst ein Fachhochschul- und danach ein Universitätsstudium ermöglicht - der damaligen Bildungspolitik bin ich noch heute dankbar dafür. Und auch meinen Eltern die - dank mehrerer Geschwister - zuwenig "Druckkapazität" mir gegenüber aufbauen konnten. Die Motivation kam schließlich von ganz allein - mit einjähriger Verzögerung.
Aber was machen die Eltern in der Großstadt? Da, wo eben nicht die von Frau Faller beschriebenen idyllischen Zustände herrschen? Da, wo nicht einmal an den Gymnasien das Minimum an sozialen Umgangsformen gewährleistet ist, das eigentlich für ein erfolgreiches Miteinander an einem Ort, an dem man als Kind den Großteil seiner Zeit verbringen muss, gewährleistet sein sollte?
Und keine Sorge, ich kenne genug Menschen ohne Abitur, und zwar aus dem realen Leben (RTL II - das guckt doch kein Bildungsbürger...;-)!) Aber ein Klischee durch ein anderes zu ersetzen, wie Frau Faller es gerne tun möchte, hilft auch nicht weiter. (Dass sie außerdem nicht genügend Stilgefühl hat, um ein Wort wie "neogroßbürgerlich" sofort wieder zu löschen, nachdem sie es hingeschrieben hat, nur am Rande. Und die Vernachlässigung von Jungen mit einem anklagenden Ausrufezeichen ironisch ad absurdum führen zu wollen, zeigt auch eher den Unwillen der Autorin, unangenehme Wahrheiten zur Kenntnis zu nehmen.)
Schade eigentlich: Denn den Grundüberlegungen des Artikels könnte man ohne Weiteres zustimmen.
doch ändert das wenig an dem Ergebnis dieses Artikels.
Im Gegenteil erlauben diese Erkenntnisse sich endlich mal den realen Problemen zu stellen, statt sie immerfort nur zu verstecken.
Denn auch die Gesamtschule ändert nichts an Klassenunterschieden oder an den klassenbedingten unterschiedlichen Karrierechancen.
Lösunge nsind eben nicht einfach, weil auch hehre Ideale auf den Boden der Tatsachen zurückholt werden müssen und jeder motivierte Helfer in der Politik nicht mehr um die Erkenntnis herumkommt, das es ohne sich ein bißchen schmutzig zu machen, keine Lösungen geben kann und das Umschichten von Geldern eben nichts ändert.
H.
doch ändert das wenig an dem Ergebnis dieses Artikels.
Im Gegenteil erlauben diese Erkenntnisse sich endlich mal den realen Problemen zu stellen, statt sie immerfort nur zu verstecken.
Denn auch die Gesamtschule ändert nichts an Klassenunterschieden oder an den klassenbedingten unterschiedlichen Karrierechancen.
Lösunge nsind eben nicht einfach, weil auch hehre Ideale auf den Boden der Tatsachen zurückholt werden müssen und jeder motivierte Helfer in der Politik nicht mehr um die Erkenntnis herumkommt, das es ohne sich ein bißchen schmutzig zu machen, keine Lösungen geben kann und das Umschichten von Geldern eben nichts ändert.
H.
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