Ausgerechnet ein Sozialdemokrat hilft der schwarz-gelben Regierung beim Sparen. Werner Gatzer, seit 28 Jahren in der SPD, seit 2005 Staatssekretär im Bundesfinanzministerium: Der 51-Jährige hat die Finanzen der Großen Koalition gemanagt, und es galt als kleine Sensation, dass er nach dem Regierungswechsel im Herbst auf seinem Posten bleiben durfte. Als sich Angela Merkel und Wolfgang Schäuble am vergangenen Sonntag im Kanzleramt trafen, um vertraulich die ersten Leitlinien ihres Sparprogramms zu besprechen, war Gatzer dabei. Man könnte es für einen Zufall halten, dass die Regierung die Hilfe des politischen Gegners sucht. Aber es passt.

Seit dem 10. Mai, dem Tag nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, regieren in Berlin neue Prioritäten. Steuern senken, Leistungsträger entlasten – das war einmal. Nun heißt es: sparen. Früher hätte man so etwas wohl Wahlbetrug genannt. Tatsächlich aber war die Koalition so sehr in ihrer eigenen Welt gefangen, dass niemand in den Berliner Ministerien auch nur daran dachte, irgendwelche Giftlisten zu schreiben. Die finanziellen Probleme des Landes, die man nun lösen muss – noch vor wenigen Tagen existieren sie für diese Regierung nicht.

Es ist, als würde eine neue Agenda 2010 beschlossen. Jedes Jahr wieder

Dann verlor Schwarz-Gelb die Mehrheit in NRW.

Dann wurde aus einer Kreditzusage für Griechenland ein 750-Milliarden-Euro-Rettungspaket für den Euro – auch für die Währung der Deutschen.

Dann brach Hessens Ministerpräsident Roland Koch ein Tabu und forderte Kürzungen ausgerechnet im Sozialbereich: Bei Kitas und bei der Bildung.

Und nun? Kann man förmlich dabei zuschauen, wie eine Regierung das Regieren beginnt.

Insgesamt 60 Milliarden Euro muss die Koalition bis zum Jahr 2016 sparen, jährlich zehn Milliarden Euro streichen, kürzen, wegschneiden – so will es die Verschuldungsregel des Grundgesetzes, die Schuldenbremse. 60 Milliarden Euro weniger: Das ist ungefähr so, als würden Union und FDP eine Großreform wie die Agenda 2010 beschließen – und zwar jedes Jahr aufs Neue. Noch nie in der Geschichte dieser Republik war der Druck zu sparen so groß.