Der sogenannte "Schmetterlingseffekt" geht zurück auf den Meteorologen Edward Lorenz . Der berechnete im Jahr 1961 auf einem Computer ein Modell zur Wettervorhersage. Anschließend ließ er dasselbe Programm noch einmal laufen, allerdings rundete er einen Eingangswert von sechs auf drei Nachkommastellen. Und prompt ergab sich ein völlig anderes Computerwetter!

Für weitere Artikel zur Serie "Stimmt's?" klicken Sie auf dieses Bild. © Jeff J. Mitchell/Getty Images

Das war die Geburtsstunde der Chaostheorie. Sie besagt, dass manche physikalischen Systeme, unter anderem das Wetter, sehr empfindlich gegenüber winzigen Veränderungen der Ausgangsbedingungen sind. Lorenz formulierte das zunächst so, dass der Flügelschlag einer Möwe den Verlauf des Wetters drastisch verändern könne. Später veränderte er die Metapher und stellte die Frage: Kann der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in Texas auslösen?

Lorenz’ berühmter Satz wird oft missverstanden. Der Forscher wollte nicht ausdrücken, dass eine kleine Turbulenz sich zu einem großen Wetterereignis verstärken kann nach dem Motto "kleine Ursache, große Wirkung". Überhaupt ging es ihm nicht darum, eine strenge Kausalkette aufzustellen, die sich nachher zurückverfolgen lässt. Der eine Flügelschlag ist nicht die Ursache des Sturms, aber derselbe Sturm hätte sonst vielleicht einen anderen Verlauf genommen.

Meteorologen legen Wert darauf, dass Lorenz den Schmetterlingseffekt als Metapher verstanden hat und nicht als wörtliche Aussage. Und im Übrigen ist das Wetter gar nicht immer so chaotisch wie Lorenz’ Modell: Es gibt sehr stabile Wetterlagen, an denen auch die Flügelschläge von Millionen Schmetterlingen nichts ändern könnten.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg, oder stimmts@zeit.de . Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Soeben ist ein neues Buch von Christoph Drösser erschienen: "Stimmt’s? Das große Buch der modernen Legenden" (rororo, 12 Euro)

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unterwww.zeit.de/audio