Messe für Bestatter Ein schöner Beruf

Zu Besuch bei Bestattern und Thanatopraktikern auf ihrer Messe in Düsseldorf

Nach dem »Seziertischsystem« kann aus verschiedenen Gründen nur noch die »Sargeinfahrmaschine« kommen. Erstens folgt sie im Ablauf der allerletzten Dinge auf die Edelstahlplatte. Zweitens ist ein Gespräch über Sargeinfahrmaschinen in sächsischen Krematorien noch irritierender als eines über das Seziertischsystem Proteus aus Erftstadt bei Köln.

Gelegenheit zu solchen Gesprächen und zur Besichtigung jener Gegenstände gibt es alle fünf Jahre, selten also, aber nichts gegen die Ewigkeit und ihre Gestaltung, das Thema der BEFA, der internationalen Bestattungsfachausstellung in Düsseldorf . Der Bundesverband deutscher Bestatter beweist Sinn für große Zusammenhänge, insofern er das Treffen am Himmelfahrtstage im Rheinland beginnen lässt. Ausgestattet mit der rheinischen Weisheit »Wat fott es, es fott«, ist ein Bummel zwischen Urnen und Särgen machbar.

Anzeige

»Man könnt den Sarch auch in die Mitte setzen, ne?« Der größte Vorzug des neuen Leichenwagens von Mercedes Benz, 37.000 Euro aufwärts, ist, wie der niederländische Verkäufer im Kundengespräch erklärt, dass man ihn zwei- und einsargig fahren kann. »Und was tut man in die vielen kleinen Fächer neben der Auflagefläche für den Sarg?« – »Das ist Stauraum.« Einen Leichenwagen sieht man selten von innen. Warum benötigt er überhaupt Fenster, die dann aufwendig zugeklebt und verziert werden?

Der Leichenwagen wird bunter werden, glaubt man bei Kuhlmann Cars. Bald schon soll ein tiefrotes Modell mit 19-Zoll-Felgen auf den Markt kommen.Trauerschwarz ist nicht mehr modern. Den Boden der Messehallen ziert quietschpinkfarbener Teppich. Pink ist die Farbe der BEFA. Die Werbeplakate zeigen eine Frau in Jeansjacke mit weit aufgerissenen Augen. Sie pustet dem Betrachter Konfetti entgegen. Über viele Jahrhunderte war Schwarz die einzig tragbare Trauerfarbe. Schwarz reflektiert kein Licht, Schwarz ist teuer, Schwarz umrahmt die Blässe der Leidenden. Man trug es ein Jahr lang, heute ist es sogar am Tag der Beerdigung selten geworden.

Für traditionsbewusste Bestatter, deren Berufskleidung stilvoll und schlicht sein muss, ist der Ausstatter der Wahl Vanitas aus Hamburg. Viel beschäftigte Damen nehmen Maß an Messebesuchern und erklären die Kollektion: Schwarzer Mantel, weiße Pelerine, schwarzer Dreispitz, weiße Paradehandschuhe – so kleidet sich ein Sargträger bisweilen in Norddeutschland. Hier im Rheinland auf der Messe »erinnert das die Leute einfach an Karneval, die kommen damit nicht klar, die halten das für Kostüme!«, klagt eine Maß nehmende Dame.

Vielleicht werden Sargträger sowieso bald überflüssig. Das denken jedenfalls die Feuerbestatter und die ihnen anhängige Industrie, die Urnenhersteller. Immerhin werden inzwischen fünfzig Prozent der anfallenden Leichen verbrannt. Eine Preisfrage? Die herkömmliche Beerdigung kostet – mit allem Drum und Dran – mindestens 2000 Euro. Einäscherungen »hinter der tschechischen Grenze« kosten nur 150 Euro. In Hamburg zahlt man 450. Thomas Landrock vom Krematoriumshersteller IFZW (»High Quality made in Zwickau«) ist ein sanfter Mann Anfang 30. Er erklärt die Vorzüge einer Feuerbestattung: In anderthalb Stunden ist alles vorbei, Würmer brauchen hundert Jahre! Heute sieht man auch keinen Rauch mehr. Schon wendet er sich zu einem Lesepult, darauf technische Zeichnungen: »Und hier fährt der Sarg dann ein.« Die Sargeinfahrmaschine beeindruckt nicht wenig, ebenso die saugseitige Reingasleitung, mit der das Feuer im Ofen entfacht wird. »Am Ende können Sie aus der Asche des Verstorbenen sogar Bleistifte machen oder Feuerwerk oder einen Diamanten.« Kohlenstoff, ein wandelbares Element!

Urnen, überall Urnen: Ein Oval aus vier wuchtigen Regalen umfängt den Interessierten gleich im Eingangsbereich. Vor den Regalen steht ein ∆alter schwarzer Leichenwagen von VW, ein »Todesbulli«. 139 Euro für die Urne aus Zellulose mit dem Motiv Sylter Ellenbogen. Tausend und mehr für das Modell mit Bourbonenlilie und Halbedelsteinen. Die liebenswürdigen Mitarbeiter reichen Blauschimmelkäse und Saft.

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service