Messe für Bestatter Ein schöner Beruf
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Seziertische und was so dazugehört

Der Schimmelkäse ist übrigens bloß der Anfang. Rostbraune Currywurstsoße in zwei großen Pfannen, nebeneinander stehend, suppt in der Kantine vor sich hin. Von oben betrachtet, sind die Pfannen symmetrisch. Sie formen eine liegende Unendlichkeitsacht. Wer ein Zeichen sehen will, der sieht es überall, zumal an Himmelfahrt.

Die Thanatopraktiker sind die Handwerker des Todes. Sie beginnen mit ihrer Arbeit dort, wo der Bestatter aufhört. Sie vernähen Wunden, richten gebrochene Gliedmaßen, frisieren und balsamieren den Leichnam für eine Aufbahrung ein. Auf den Stehtischen beim Verband dienstleistender Thanatologen liegen kleine Spritzen mit gefälschter Arterienflüssigkeit: Kugelschreiber. Dazu verschenken sie Schlafbrillen. Eine kleine Anspielung auf das Altertum: Hypnos, Gott des Schlafs, und Thanatos, Gott des Todes, bei den Griechen waren sie Zwillingsbrüder.

Marc Wechler, Bestatter und Thanatopraktiker, ein Mann mit großen kräftigen Händen und einem feingliedrigen Silberarmband am Gelenk, sagt: »Ich bin der erste fremde Mensch nach der Katastrophe, mit dem die Angehörigen reden. Ich lerne jeden Tag Menschen in Ausnahmesituationen kennen. Das verstehe ich als Auszeichnung. Ich habe einen schönen Beruf.« Etwa achtzig Thanatopraktiker gibt es in Deutschland. Gelernte Bestatter können das Handwerk nach einer einjährigen Schulung ausüben.

Familie Höhle aus Erftstadt bei Köln ist mit den Thanatopraktikern gut befreundet. Ihre Firma vertreibt Seziertische und was so dazugehört. Zum Beispiel Hautkleber, Mundformer oder Verödungsstifte. Familie Höhle ist ein wenig aufgekratzt. »Wir sind hier im Düsseldorfer Feindesland, also haben wir etwas Kölsch mitgebracht«, sagt Wilfried Höhle. Es sind genau zehn Kisten Peters Kölsch, geschmückt mit einer Kölner Flagge. Das Bier ist gut gekühlt, denn wer Seziertische verkauft, verkauft auch Kühlsysteme. Zwei Kisten hängen zwischen stählernen Zangen in der Luft. Der »Körperheber Hercules« kommt so zum Einsatz. »Eben war der Kuckelkorn hier«, sagt Herr Höhle, »ist das nicht klasse?« Christoph Kuckelkorn, 45, ist Bestatter und Thanatopraktiker. Er ist aber auch Leiter des Rosenmontagszugs in Köln. Kuckelkorn ist die Inkarnation des rheinischen »Wat fott es, es fott« und die Symbolfigur einer Branche, die so gern bunt wäre und doch das Schwarze nicht loswird.

Ganz am Ende, in der Lobby der Messehallen, stehen unkommentiert ein paar schmiedeeiserne Grabkreuze herum. »Ich bin die Auferstehung und das Leben«, liest man. Niemand nimmt Notiz. Einem gekreuzigten Christus hängt ein pinkfarbener BEFA-Ballon um den Arm. Er ist mit Helium gefüllt und schwebt in Richtung Himmel.

 
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