Eine Imkerin betrachtet auf dem Dach ihres Hauses eine Bienenwabe © Chris Hondros/Getty Images

Honigbienen sind »wilde, grausame, ungestüme und gefährliche Tiere«, befand das Amt für Gesundheit und geistige Hygiene der Stadt New York bis vor wenigen Wochen. Deshalb verbot es ihre Haltung ebenso streng wie den Besitz von Hyänen, Geiern und Kobras. Doch seit dem mysteriösen Massensterben der Apis mellifera 2007 ignorierten ansonsten gesetzestreue Bürger den Bann und gewährten den Bienen Unterschlupf in Hinterhöfen und auf Dächern. Sogar das Natural History Museum und die Radio City Music Hall hatten Bienenstöcke. Nektar finden die Bienen im Central Park und in Schnittblumen. Die angedrohte Strafe von 2000 Dollar erschien als tragbares Risiko für roof top- Imker, die ihr Produkt mit dem besonders floralen Geschmack für zehn bis fünfzehn Dollar pro Pfund auf den Märkten von Manhattan vertreiben.

Seit ein paar Wochen nun gilt das Bienenverbot nicht mehr.

Karen Washington dachte nicht ans Geldverdienen, als sie sich im Winter 2008 mit zwanzig anderen für einen Kursus über urbane Bienenhaltung einschrieb, dem sie sogar ihren sonntäglichen Kirchenbesuch opferte. Die 56-jährige Krankengymnastin wollte die Ernte ihres drei mal fünf Meter großen Gemüsebeetes im Gemeinschaftsgarten hoch oben im Norden der Stadt optimieren. Karen Washington stammt aus den heruntergekommenen Jacob Riis Projects an der Lower East Side, 1985 zog sie mit ihren beiden Kindern in ein neues Einfamilienhaus in der Bronx. Über Blumen und Pflanzen wusste sie nichts. Doch als sie zusehen musste, wie ein leeres Grundstück gegenüber ihrem gepflegten Heim als Müllkippe missbraucht wurde, ergriff sie die Initiative, und der erste Garten des »Bronx Green-up« Programms entstand dort: 23 Beete, in denen Dominikaner, Mexikaner und Puertoricaner Auberginen, Bohnen, Tomaten und Mangold anbauen und den Vögeln lauschen. Karen Washington investierte 390 Dollar in einen Imkeranzug, ein Rauchgerät zur Beruhigung nervöser Bienen und einen Bienenstock, der an einen kleinen Aktenschrank erinnert.

1000 Arbeiterinnen wurden in einem großen, stummen Karton aus North Carolina von FedEx geliefert, die Königin kam in eigener Schachtel. Doch sie erwies sich als schwach und starb bald nach ihrer Ankunft. Im Internet ließ sich keine Nachfolgerin finden, sämtliche Königinnen waren ausverkauft. Schließlich entdeckte ein Freund einen wilden Bienenstock in einem verwaisten Mietshaus in der Nähe, und die beiden Kolonien vereinten sich zu einem neuen Stadtstaat im Schatten eines Maulbeerbaumes. Von ihrem stillen Domizil, wo man die Klimaanlagen der Nachbarschaft leise summen und das Glockenspiel des Eiswagens hört, schwärmen die Bienen aus in den nahen Bronx Botanical Garden und bringen die Pollen exotischer Pflanzen aus aller Welt nach Hause. Im Oktober flossen zwei Liter bernsteinfarbenen, klaren Honigs mit lieblichem Aroma aus den Waben, eine ungewöhnlich große Menge für das erste Jahr. Karen Washington hält ihre Bienen für glücklich und gelassen, nur einmal wurde sie gestochen. »Ich zeige ihnen Respekt«, sagt sie. Das ist immer noch die wichtigste Grundregel der Bronx.