DIE ZEIT: Vergangene Woche hat der Finanzausschuss des Bundesrates zwei Ihrer zentralen Projekte abgelehnt: die Bafög-Erhöhung und die Einführung des Nationalen Stipendienfonds . Am Freitag entscheidet die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern über Ihr Zwei-Milliarden-Programm für die Lehre. Droht erneut eine Ablehnung?

Annette Schavan: Der Finanzausschuss hat ein Votum abgegeben. Selbstverständlich können die Länder da, wo sie finanziell beteiligt sind, Einspruch erheben. Die finale Abstimmung im Bundesrat steht aber erst im Juli an. Ich bin zuversichtlich, dass die Bafög-Erhöhung kommt, und auch das Stipendienprogramm gebe ich nicht auf.

ZEIT: Das klingt so, als seien Sie am Ende bereit, das unbeliebte Stipendienprogramm im Handel für die Bafög-Erhöhung dranzugeben.

Schavan: Nein, weil es zu einer besseren Studienfinanzierung beiträgt. Und im Übrigen werden wir da investieren, wo wir den Aufstieg durch Bildung verbessern. Wir werden uns auf jene Maßnahmen konzentrieren, die der Hebel dafür sind, dass wir in 10, 15 Jahren nicht mit um ein Vielfaches höheren sozialen Folgekosten konfrontiert sind, eben weil die junge Generation nicht angemessen ausgebildet worden ist.

ZEIT: Die Wackelkandidaten sind die Länder.

Schavan: Das gemeinsame Ziel, zehn Prozent der Wirtschaftsleistung für Bildung und Forschung zu investieren, steht. Ich bin sicher, dass wir beim Bildungsgipfel am 10. Juni den nächsten wichtigen Schritt in Richtung Bildungsrepublik gehen werden.

ZEIT: Beim Gipfel wollen Sie auch Ihr Konzept für Qualität in der Hochschullehre festzurren. Lange Zeit wollten Sie eine Reihe von Kompetenzzentren an den Hochschulen gründen, nun stattdessen eine zentrale Akademie für die Lehre. Woher kommt der Gesinnungswandel?

Schavan: Weder Hochschulen noch Länder halten die Einrichtung solcher Kompetenzzentren für vorrangig. Umgekehrt bietet die Bündelung in einer Akademie eine Menge Vorteile.

ZEIT: Welche wären das?

Schavan: Wir wollen eine Art Thinktank schaffen, in dem nationale und internationale Forscher zusammenarbeiten. Neue Ansätze der Hochschulforschung sollen dort verbunden werden mit einer konsequenten Weiterentwicklung bestehender Lehrkonzepte – als Plattform für den fachübergreifenden Erfahrungsaustausch. Dazu gehört, die Erfahrungen von Studierenden einzubeziehen. Die Akademie wird für die Förderung lehrbezogener Forschungsprojekte an den Hochschulen verantwortlich sein, sie wird Stipendien und Fellowships vergeben. Und sie wird die inhaltliche Bewertung der Anträge übernehmen, die die Hochschulen im Rahmen des Qualitätspakts Lehre einreichen.

ZEIT: Die Akademie wird mehr sein als eine Jury, die sich nach dem Pakt wieder auflöst?

Schavan: Die Grundidee ist entscheidend: Bund, Länder und Hochschulen ziehen an einem Strang. Die Fachleute klären derzeit, ob hierzu die Gründung einer Stiftung oder eines Vereins sinnvoll ist. Das ist dann eine Art Projektträger, wie wir ihn bei anderen Programmen auch kennen.