Spaghetti sind zwar sehr lecker, aber es ist riskant, sie zu bestellen. Denn es dauert ewig, bis sie fertig sind.

Alle Artikel zum Thema in der Übersicht © DIE ZEIT

Das liegt daran, dass Spaghetti nicht auf Bäumen wachsen und auch nicht in Höhlen hausen. Sie leben in Tümpeln. Jedes Mal, wenn ein Kind Spaghetti bestellt, muss der Koch seine Anglersachen anziehen, Regenjacke, Anglerhose, große Stiefel. Und er muss Köder kaufen. Dann geht er mit seiner Angel zum Tümpel.

Spaghetti sind scheu. Ein falsches Geräusch, und sie sind weg. Sie werden auch nicht gern angeguckt. Wenn der Koch ihnen in die Augen schaut, tauchen sie vor Schreck zehn Meter tief. Erst wenn sie sich sicher fühlen, knabbern sie am Köder. Spaghetti lieben gehacktes Rindfleisch. Doch niemals würden sie einen Angelhaken verschlucken.

Der Koch kriegt sie trotzdem. Er wartet, bis fünfzig oder mehr Spaghetti an seinem Köder knabbern. Dann taucht fast immer ein Karpfen oder ein Hecht auf, verschluckt – Happs – alle Nudeln auf einmal und hängt dann selbst am Haken.

Zurück in der Küche seines Restaurants schneidet der Koch den Fisch auf und hat jede Menge munterer Spaghetti, die er ins kochende Wasser wirft. Weil sie aber so lange im Fischmagen lagen, schmecken frische Spaghetti ein bisschen nach Fisch.