Auf 550 Quadratzentimeter – weniger als DIN-A4-Format – wurden Legehennen jahrzehntelang gepfercht, ihre Käfige gestapelt, Akkordarbeit (300 Eier pro Jahr) auf engstem Raum. Vorbei: Seit Anfang dieses Jahres ist in Deutschland die Käfighaltung verboten.

Die Verbraucher wollten die Eier aus der Legebatterie ohnehin nicht mehr, sie haben längst am Eierregal abgestimmt. Seit fünf Jahren nämlich müssen Eier gekennzeichnet werden. Eine 0 steht für Bio, das bedeutet Freilandhaltung mit Biofutter, 1 steht für konventionelle Freilandhaltung, 2 für Bodenhaltung in großen Hallen und 3 für Käfighaltung. Stammten 2004 noch fast drei von fünf Eiern im Supermarkt aus Käfighaltung, waren es Ende 2009 nur noch 17 Prozent, heute ist es nicht mal mehr jedes zehnte.

0, 1, 2, 3 – alles ganz einfach also? Freiheit für die Hennen? Die Wirklichkeit ist komplizierter. Erstens gilt das Käfigverbot nur fürs Huhn, nicht fürs Ei. Eier aus Ländern, in denen die Käfighaltung noch erlaubt ist, dürfen also weiter importiert werden. In der Europäischen Union ist erst 2012 Schluss mit den Legebatterien, jenseits ihrer Grenzen sind diese Kleinstkäfige auch darüber hinaus erlaubt. Zweitens ist in Deutschland zwar die Käfighaltung verboten, nicht aber die sogenannte Kleingruppenhaltung in ausgestalteten Käfigen oder Kleinvolieren, die nach Meinung von Tierschützern nur wenig tiergerechter sind als die alten Legebatterien. Und drittens müssen nur ganze Eier gekennzeichnet werden, nicht aber jene, die in Fertiggerichten, Backwaren oder Nudeln stecken. Gerade für solche Produkte werden aber nach wie vor Billigeier verwendet, aus ausländischen Käfigen oder deutschen Kleinvolieren. So kommt es, dass wir Käfigeier konsumieren, ohne es zu wollen und ohne es zu merken. Mehr als ein Drittel aller Eier, die wir essen, sind in Fertigprodukten versteckt – auf zwei Frühstückseier kommt also eines in Schokokuchen oder Spätzle.

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Fast neun Milliarden Eier werden jedes Jahr nach Deutschland importiert. Die meisten davon in der Schale, ein Fünftel aufgeschlagen als flüssiges Vollei, als Eigelb (flüssig, getrocknet, gefroren) oder als Eieralbumin (häufigstes Protein im Eiklar). Viele der ganzen Eier und fast das gesamte Flüssigei landen in Fertigprodukten. Dazu kommen natürlich noch bereits im Ausland hergestellte Lebensmittel, die Ei enthalten.

Sieben Milliarden ganze Eier werden jedes Jahr aus dem europäischen Ausland in deutsche Supermärkte, Lebensmittelfabriken und Bäckereien transportiert, das sind gut 40 Prozent aller Eier, die hierzulande verbraucht werden. Der größte Teil – 5,5 Milliarden – kommt aus den Niederlanden. Aber auch Länder wie Spanien und sogar Litauen beliefern uns mit Eiern. Aus welcher Haltung diese stammen, lässt sich schwer sagen. "An der Grenze wird nicht danach gefragt", erklärt Margit Beck von der MEG, der Marktinfo Eier & Geflügel. Es gibt also keine genauen Zahlen, doch die 225 Millionen Importeier aus Spanien kommen wohl zum größten Teil aus konventioneller Käfighaltung, weil es dort kaum andere Haltungsformen gibt. Die 5,5 Milliarden Eier aus den Niederlanden dagegen stammen zum großen Teil nicht aus Legebatterien, meint Beck: "Die Niederlande sind sehr bemüht, den Anforderungen des deutschen Lebensmitteleinzelhandels gerecht zu werden. Deshalb haben auch dort viele Halter auf Bodenhaltung gesetzt."

Wie die Hennen leben, die die fast zwei Milliarden Eier legen, die Deutschland Jahr für Jahr als Flüssig-, Trocken- und Gefrierei importiert, lässt sich noch schlechter nachvollziehen. Es liegt nahe, dass im Tanklaster vor allem billige und damit viele Käfigeier landen, in der EU zumindest noch bis 2012. Bei Eiern, die bereits im Ausland in Fertigprodukte gemischt werden, ist die Lage vollends unübersichtlich. In Instantnudeln aus Asien stecken wohl kaum gute Eier. Wer ganz sichergehen will, dass im Rührkuchen oder in den Bandnudeln keine Käfigeier versteckt sind, dem bleibt zurzeit nichts anderes übrig, als reine Bioprodukte zu kaufen.

Denn auch in Deutschland werden weiterhin Eier der Kategorie 3 gelegt. Das bedeutet nämlich nicht mehr nur Legebatterie, sondern auch Kleinvoliere. Die aber "ist ganz eindeutig nicht tiergerecht", sagt die Biologin Inke Drossé, Referentin an der Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes. "Das Gesetz verlangt eine tiergerechte Haltung, darunter versteht man, dass die Grundbedürfnisse eines Tieres erfüllt werden müssen." Hennen brauchen Platz zum Scharren, Picken, Sandbaden und Eierlegen. Und sie müssen ungestört ruhen können. "In den ausgestalteten Käfigen ist so wenig Platz, dass das nicht möglich ist. Wenn sich die Hennen aber nicht so verhalten können, wie es ihrer Natur entspricht, fühlen sie sich nicht wohl, sie stehen dann unter Stress."