Jasper Morrison"Als Objekt wäre ich ein Stuhl"

Der Designer Jasper Morrison hat schon so ziemlich alles entworfen - möglichst einfach von 

ZEITmagazin: Herr Morrison, Sie sind vor 25 Jahren angetreten mit dem Anspruch, als Designer hinter Ihren Produkten zu verschwinden. Heute sind Sie ein Superstar des Industriedesigns. Was ist eigentlich schiefgelaufen?

Jasper Morrison: Möglicherweise musste ich lernen, dass man heute als Person nicht mehr völlig im Hintergrund bleiben darf, wenn man als Designer erfolgreich sein will. Vielleicht habe ich mit meiner Art zu arbeiten einen Weg gefunden, Aufmerksamkeit für meine Auffassung von Design zu schaffen.

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ZEITmagazin: Sie haben den Begriff »supernormal« geprägt. Demnach ist ein Designgegenstand umso besser, je selbstverständlicher und natürlicher er aussieht. Sie sagen, dass neue Produkte nur einen Sinn haben, wenn sie ein vorhandenes Bedürfnis stillen. Neulich haben Sie für die Firma Rado eine Armbanduhr entworfen. Gibt es nicht schon genug Armbanduhren?

Morrison: Man hätte auch schon vor 500 Jahren sagen können, dass es genügend Stühle gibt und man deswegen keine weiteren zu entwickeln braucht. Wir würden dann heute sehr unbequem sitzen. Für mich ist der entscheidende Punkt nicht, ob es ein Produkt, das ich gestalte, schon gibt, sondern dass man sich damit lange wohlfühlt.

ZEITmagazin: Ihre frühen Arbeiten kann man als Gegenbewegung zum Designboom der achtziger Jahre verstehen, so schlicht waren sie. Wogegen rebellierten Sie?

Morrison: Meine Hauptkritik richtete sich gegen die Memphis-Gruppe um den italienischen Designer Ettore Sottsass. Das war Design, das direkt für das Museum geschaffen wurde und die Bedürfnisse des Nutzers überging. Ich fand das einfach lächerlich.

ZEITmagazin: Gerade feiert die Achtziger-Jahre-Ästhetik ein Comeback in der Mode, im Design...

Morrison: Oh, ist das so?

ZEITmagazin: Ja. Vielleicht mögen die Menschen einfach nutzlose Dekoration?

Morrison: Es gibt kein Bedürfnis nach sinnlosem Tand. Dekoration dient nur dazu, den Mangel an Gedanken, die man sich zu einem Produkt gemacht hat, zu überdecken. All die Sünden zu übertünchen. Gutes Design braucht keine Dekoration. 

ZEITmagazin: Sie stammen aus England, dem Land der gemusterten Tapeten und viel zu weichen Sofas. Warum kommt einer der größten Puristen gerade von dort?

Morrison: Vielleicht war das eine Gegenreaktion.

ZEITmagazin: Sie haben Ihre Karriere unter anderem in Deutschland gestartet – mit Türklinken.

Morrison: Ja, Deutschland war schon damals einer der wichtigsten Märkte für Design. Der Auftrag, eine Türklinke für FSB zu gestalten, war einfach großartig.

Leserkommentare
  1. Der Grund, warum lange noch nicht genug Stühle, dafür aber ausreichend Angelhaken entworfen wurden, hat sich mir im Interview nicht erschlossen.

    Vielleicht sind Fische, die bequemer schlucken wollen als Kunden nicht so interessant wie Menschen, die bequemer sitzen wollen?

    Ich wünsche Herrn Morrison jedenfalls, dass der Trend zur fernöstlichen Spiritualität inkl. stuhlfreiem Lotussitz nicht anhält. Ansonsten bliebe ihm wohl doch nur der Haken...

    • NalaChe
    • 30. November 2010 10:43 Uhr

    Berlin, Tokyo, Paris bei dem würde ich gerne mal ein Praktikum machen. Sehr schöne Sachen hat der Herr entwurfen nicht auschließlich aber doch kontinuierlich.

    [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf die Verlinkung werblicher Seiten. Danke. Die Redaktion/ag

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