Fondsanbieter Den Dax kopieren reicht nicht

Tausende Fondsanbieter buhlen um die deutschen Sparer. Die beginnen, die Angebote zu hinterfragen.

Was wurde nicht alles geredet in den vergangenen Wochen und Monaten. Als »Monster« hat Bundespräsident Horst Köhler die Spekulanten beschimpft. Schwedens Finanzminister Anders Borg verglich sie mit einem Wolfsrudel. Von Teufelszeug war zu lesen und von konspirativen Abendessen, bei denen Hedgefonds-Manager angeblich beschlossen haben sollen, den Euro aufzuweichen. 20 Prozent Rendite haben Hedgefonds im vergangenen Jahr im Schnitt erwirtschaftet. Und so vermischen sich auch ein wenig Neid und Faszination mit der Angst und der Wut, zumindest wenn sich Privatanleger über Hedgefonds aufregen.

Sie sind schon mehr als verunsichert, schließlich hat ihnen ihre Lieblingsanlage, klassische Investmentfonds, in der Finanzkrise herbe Verluste eingebracht. Vor allem im Jahr 2008, als sie retten wollten, was noch zu retten war, und den Fondsgesellschaften 28 Milliarden Euro entzogen. Davon hat sich die Fondsindustrie bis heute nicht erholt. Zwar verkündete der Branchenverband BVI Anfang Mai die Trendwende, schließlich seien derzeit wieder 1,75 Billionen Euro in fast 9000 Fonds investiert. Das ändert aber nichts daran, dass viele Anleger umdenken, dass sie nicht mehr glauben, dass Aktien langfristig immer nur steigen oder Staatsanleihen mündelsicher sind. Sie kaufen nicht mehr blind einen Fonds und zahlen brav die Gebühren, sondern beginnen, die Angebote zu hinterfragen.

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Warum setzen sich auf dem Fondsmarkt kaum Innovationen durch?

Eigentlich dürften Investmentfonds auch ein bisschen Hedgefonds sein. Zumindest erlauben ihnen die Europäische Union seit 2001 und Deutschland seit 2004, Derivate nicht mehr nur zur Absicherung, sondern auch zum Spekulieren zu verwenden. Das gilt – unter Auflagen – seit Verabschiedung der Ogaw-Richtlinie der EU (»Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren«). Bei der Umsetzung der Richtlinie kreierte die Bundesregierung 2004 mit ihrem Investmentmodernisierungs-Gesetz und der parallel in Kraft getretenen Derivateverordnung einen völlig neuen Fondstyp, den deutschen Hedgefonds. Zwar blieb der aktive Vertrieb von einzelnen Hedgefonds verboten, nicht aber der von Dachfonds, die sich an mehreren Hedgefonds beteiligen. Aufgelegt und verkauft hat die Branche nicht einmal 40 solcher Fonds, der Rating-Agentur Feri zufolge haben diese gerade mal 1,1 Milliarden Euro eingesammelt. Überhaupt hat die Branche die Möglichkeiten der Ogaw-Richtlinie fast nur bei neuen Produkten ausprobiert, nicht aber bei Flaggschiffen wie dem DWS Vermögensbildungsfonds I oder UniGlobal. »Bei den großen Publikumsfonds wird allenfalls ein wenig mit Derivaten optimiert«, schreiben die Autoren der Feri-Studie Fondsguide 2010 – vielleicht auch, weil sie glauben, dass der Durchschnittsanleger zu konservativ für solche Experimente ist.

Zwar versuchte es die Branche mit Absolute-Return-Fonds, die ähnlich wie klassische Hedgefonds damit werben, unabhängig von den Launen der Börse wirtschaften zu können, zum Beispiel mit komplexen Renten- oder Währungsstrategien. Diese Fonds feierte die Branche 2001 angesichts des sinkenden Zinsniveaus noch als lohnende Alternative zu Rentenfonds. Doch bis auf ein paar wenige Produkte kleinerer Häuser konnten die meisten diese Hoffnung nicht erfüllen.

Und auch das deutsche Investmentgesetz von 2008 hat nicht gerade für einen Innovationsschub gesorgt, obwohl es den Gesellschaften innerhalb der neuen Gattung »sonstige Sondervermögen« erlaubt, bis zu 30 Prozent ihres Kapitals in Single-Hedgefonds anzulegen. Zwar trat das Gesetz mitten in der Krise in Kraft, doch bis heute zögern die großen Fondshäuser bei solchen Produkten ebenso wie bei neuen Ideen für Sektoren- oder Themenfonds. Stattdessen erfinden sich die Anbieter lieber alle vier Jahre pünktlich zur Fußball-WM neu – dieses Mal mit dem Thema Südafrika, als ob Fonds, die in Goldminen investieren, eher vom rollenden Ball als vom explodierenden Feinunzenpreis profitierten.

Die meisten Angebote seien mehr ein Marketinggag denn eine ernsthafte Geldanlage, warnt die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW). Ein Vorwurf, den sich die Branche auch beim inflationär verwendeten Label »Nachhaltigkeit« gefallen lassen muss. Die meisten dieser Fonds operieren nach dem »Best in Class«-Ansatz, wonach es das Unternehmen in einen Fonds schafft, das umweltverträglicher arbeitet als der Rest seiner Branche. Ein Prozedere, das nicht erklärt, warum viele Nachhaltigkeitsfonds BP bis heute nicht aussortiert haben, obwohl bald der halbe Golf von Mexiko mit Öl vollgelaufen sein dürfte.

Sind Manager von klassischen Investmentfonds ängstlich?

»Sechs Jahre nach Einführung der Derivateverordnung fehlt es den meisten Managern an Expertise«, schreiben die Experten von Feri. Das Timing sei essentiell. Dabei trauen die Analysten ausländischen Anbietern eine größere Kompetenz zu als den deutschen Gesellschaften. Nicht überraschend, wenn man bedenkt, dass drei Viertel aller Aktienfonds ihren Index zu 90 Prozent nachbilden, wie im vergangenen Jahr eine Studie des Vermögensverwalters Gecam herausgefunden hat. Besser falle lediglich die Arbeit der Manager von Dach- oder Mischfonds aus, von denen der Studie zufolge lediglich 15 Prozent derart mit ihrem Index korrelierten.

Wie teuer ist eigentlich die Arbeit der Vermögensverwalter?

Wer sein Geld einem Fondsmanager anvertraut, will sich zurücklehnen und sein Geld beziehungsweise den Manager für sich arbeiten lassen. Der kümmert sich um die Auswahl der besten Aktien, Anleihen oder Immobilien und bekommt dafür eine Vergütung, weil er besser abschneidet als der Vergleichsindex. Nur mangelt es nicht an Studien, die belegen, dass die allermeisten Verwalter nicht besser sind. Vor allem langfristig nicht: Über einen Zeitraum von 25 Jahren schneidet nur einer von 200 Fonds besser ab, hat der US-Vermögensverwalter John Bogle ausgerechnet. Was die Branche nicht daran hindert, die Kosten für den Anleger zu erhöhen: So sind die Managementgebühren deutscher Aktienfonds seit 1998 um rund 30 Prozent auf durchschnittlich 1,47 Prozent gestiegen, bei Rentenfonds um ein Drittel auf 0,88 Prozent.

Weil inzwischen die Hälfte davon in den Vertrieb fließt, genehmigen sich die Fonds immer häufiger Erfolgsgebühren. Inzwischen würde jeder zweite Aktienfonds solche Gebühren verlangen, teilte die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) bei der Vorstellung ihres Schwarzbuchs 2009 mit. Vor acht Jahren noch hätten das nur drei Prozent gewagt. Insgesamt seien die Fixkosten laut einer Analyse des Research-Hauses Lipper Fitzrovia für Aktienfonds mit 1,89 Prozent und für Rentenfonds mit 1,18 Prozent doppelt so hoch wie in den USA. »Intransparente Kostenstrukturen und das Abkassieren beim Privatanleger scheinen immer mehr in Mode zu kommen«, kritisiert die SdK.

Sind börsengehandelte Indexfonds für Anleger eine Alternative?

»Transparent«, »günstig« und »leicht handelbar« – das sind die Argumente der ETF-Anbieter. ETF steht für Exchange Traded Funds, börsengehandelte Indexfonds, die die Wertentwicklung eines Index´ abbilden, ohne dass ein Manager aktiv Aktien oder Anleihen auswählt. Anleger verdienen mit ETFs zwar nicht mehr als der Markt, aber auch nicht weniger, sieht man mal von den niedrigen Gebühren ab, die laut SdK-Angaben im Schnitt bei 0,5 Prozent pro Jahr liegen. In den vergangenen sechs Jahren hat sich das ETF-Volumen in Deutschland fast verzehnfacht. Und trotzdem stecken nicht mal drei Prozent der Kundengelder in diesen Produkten. Europaweit sind es 140 Milliarden Euro. In zwei bis drei Jahren sollen es Feri zufolge allerdings schon 500 Milliarden sein. In den USA ist der Markt drei Mal so groß, fast die Hälfte des Geldes kommt von Privatanlegern, in Deutschland nicht einmal ein Fünftel. Dass sich die ETF-Industrie in den letzten Jahren zu einem Wettbewerber der klassischen Fondsanlage gemausert hat, das habe auch mit den Problemen der aktiven Fondsverwalter zu tun, heißt es in der Feri-Studie. Die 550 Mitarbeiter der DWS zum Beispiel verloren 2008 18,7 Milliarden Euro, ihre 20 ETF-Kollegen sammelten hingegen 13,5 Milliarden ein.

Muss ein Fonds überhaupt eine höhere Rendite erwirtschaften als der Markt?

Für institutionelle Anleger sind Indexfonds längst fester Bestandteil des Depots. Ihnen geht es nicht mehr darum, mühsam den richtigen Fonds auszuwählen, sondern darum, ihr Kapital über die einzelnen Anlageklassen zu streuen. So hat Martin Weber, Professor für Bankbetriebslehre an der Uni Mannheim, in einer Studie ermittelt, dass das Rendite-Risiko-Profil eines Depots besonders günstig ist, wenn man es zu 60 Prozent mit Aktien, zu 25 Prozent mit Renten und zu 15 mit Rohstoffen bestückt. Dafür genügten sechs ETFs, sagt Weber. Diese hat er unter dem Label Arero in einen Fonds gepackt, den Anleger für eine Gebühr von 0,45 Prozent pro Jahr erwerben können. Generell gilt: Je liquider der Markt, wie beispielsweise im Dax oder im S&P 500, desto schwieriger ist es für Fondsmanager, sich einen Informationsvorsprung zu verschaffen. Die Rating-Agentur Fitch prognostiziert denn auch, dass es neben vielen Indexfonds künftig nur noch einige Spezialisten geben werde. Je exotischer ein Markt, desto eher lohnt sich ein aktiv verwalteter Fonds, zum Beispiel für Wandelanleihen, für Rohstoffe oder für exotische Schwellenländer.

 
Leser-Kommentare
  1. "20 Prozent Rendite haben Hedgefonds im vergangenen Jahr im Schnitt erwirtschaftet. Und so vermischen sich auch ein wenig Neid und Faszination mit der Angst und der Wut, zumindest wenn sich Privatanleger über Hedgefonds aufregen."

    Warum sollte ich als Privatanleger auf diese Rendite neidisch oder von ihr gar fasziniert sein?

    Der Lyxor MSCI World - ein Indexfonds, welcher grob gesagt die größten Unternehmen der "entwickelten Märkte" abdeckt - hat in den letzten 12 Monaten eine Rendite von 25% abgeworfen... (Im Jahr 2009 war die Rendite sogar noch höher, so dass er nach jedem Verständnis von "im letzten Jahr" besser als der Durchschnitt der Hedgefonds abschnitt.)

    Da überlasse ich die mit hohen Gebühren ausgestatteten Hedgefonds gerne anderen Anlegern.

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