Ein Bild, das um die Welt ging: FünF Hedgefonds-Manager geben im November 2008 in Washington Auskunft über ihre Rolle in der Finanzkrise. Von links: George Soros, James Simons, John Paulson, Philip Falcone und Kenneth Griffin © Tim Sloan/AFP/Getty Images

Hedgefonds fallen über Firmen her, saugen sie aus und ziehen weiter

Es war im April 2005, als der damalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering via Bild am Sonntag über Finanzinvestoren herzog. »Sie bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter«, sagte er in dem legendären Interview. Das Erstaunliche dabei: Müntefering erwähnte Hedgefonds mit keiner Silbe. Trotzdem meinen viele Menschen seitdem zu wissen, dass es nur Hedgefonds sein können, von denen Übles ausgeht. »Hedgefonds werden oft und fälschlicherweise mit Private-Equity-Gesellschaften gleichgesetzt«, sagt Markus Sievers, geschäftsführender Gesellschafter des Finanzdienstleisters Apano Investments. Denn während Private-Equity-Fonds tatsächlich das Ziel verfolgen, sich an einem Unternehmen zu beteiligen und bei der Restrukturierung ein gewichtiges Wort mitzureden, nutzen Hedgefonds in der Regel Reformen in den Unternehmen passiv aus. »Die sogenannten Aktivisten sind eine Randerscheinung der Hedgefonds-Strategie ›Event Driven‹«, sagt Markus Sievers und bezieht sich dabei auf eine Anlagestrategie, die sich lediglich auf Unternehmen konzentriert, die vor außergewöhnlichen Ereignissen stehen. Er kritisiert: »Hedgefonds werden in eine Risikoecke gestellt, in die sie einfach nicht gehören.«

Allerdings sahen sich einige deutsche Konzerne durchaus schon mit »Shareholder-Activism« konfrontiert, also mit Eigentümern, die sich gegen Vorstand und Aufsichtsrat stellen. So geschehen der Deutschen Börse, bei der der Hedgefonds TCI im Jahr 2005 den Vorstandsvorsitzenden Werner Seifert letztlich zum Rücktritt zwang. »Ausgesaugt« oder »abgegrast« hat der Hedgefonds das Unternehmen allerdings nicht. Anders erging es dem Bad-Armaturen-Hersteller Grohe, dessen Private-Equity-Investor erst das Eigenkapital plünderte, dann die Werke schloss, die Produktion nach China verlagerte und zu guter Letzt massenhaft Stellen abbaute. »Den Shareholder-Activism findet man vorwiegend im Private Equity, seltener bei Hedgefonds«, sagt Dieter Kaiser, Hedgefonds-Experte beim Beratungshaus Feri Institutional Advisors. »Im Grunde agiert ein Hedgefonds ohnehin nicht so spektakulär, wie die Berichterstattung über dieses Segment suggeriert.« Der Anteil der extrem spekulativen Hedgefonds sei mit rund 7500 Fonds weltweit sehr gering, er betrage höchstens fünf Prozent, schätzt Kaiser.

Hedgefonds sind hoch spekulatives Teufelszeug

Hedgefonds unterscheiden sich von traditionellen Fonds durch eine größere Freiheit ihrer Anlagestrategien. Die Fonds spekulieren sowohl auf steigende Kurse als auch auf fallende. Dabei leihen sie sich in der Regel Geld, um eine größere Hebelwirkung und dadurch höhere Gewinne erwirtschaften zu können. Dieses sogenannte Leverage ist vor allem Politikern ein Dorn im Auge. Sie denken dabei an die Beinahepleite des Hedgefonds Long-Term Capital Management (LTCM) im Jahr 1998: LTCM hatte sich damals mit hauptsächlich geliehenem Geld verspekuliert und weltweit Notenbanken zum Eingreifen gezwungen, um einen Kollaps des Finanzsystems zu verhindern.

Dabei ist die Strategie eines Hedgefonds eigentlich nicht wirklich neu. Schon seit Jahrzehnten sichern sich beispielsweise Agrarhändler und Farmer gegen Ernteausfälle ab. An den Warenterminbörsen in den USA werden deshalb Schweinebauchhälften, Getreide, Mais oder Orangensaftkonzentrat mit Vorauskontrakten gehandelt. Dies glättet die Schwankungen zwischen Angebot und Nachfrage, sichert die Produzenten ab und bewahrt die Konsumenten vor plötzlichen Preisschwankungen. »Nur die wenigsten Hedgefonds sind Zocker«, sagt Jens Kummer, Head of Multi Management bei SEB Asset Management. Er verweist darauf, dass auch große Pensionskassen und Versicherungskonzerne zu den Kunden von Hedgefonds gehören. Viele der Strategien seien auch für Privatanleger sinnvoll, zum Beispiel Managed Futures-Fonds, die Terminkontrakte einsetzen, um von fallenden oder steigenden Preisen an den Finanzmärkten zu profitieren. Weil sie in der Regel gut funktionieren, wenn es an den Börsen ungemütlich wird, eignen sich diese Papiere auch für Privatanleger, die ihr Risiko streuen wollen. Auch die Equity-Hedge-Strategie ist nachahmenswert und kein Teufelswerk. Dabei kaufen Hedgefonds Aktien von unterbewerteten Unternehmen einer Branche und verkaufen Anteilsscheine von Firmen, die sie für zu teuer befinden.