Umweltschutz »Energie muss teurer werden«

Umweltexperte Ernst Ulrich von Weizsäcker über Finanzgurus, Klimaschutz und grenzenloses Wachstum

DIE ZEIT: Professor von Weizsäcker, Sie haben vor einiger Zeit behauptet, das 21. Jahrhundert sei das Jahrhundert der Umwelt. Sind Sie immer noch davon überzeugt?

Ernst Ulrich von Weizsäcker:(zögert) Ja.

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ZEIT: Dafür haben Sie aber lange gebraucht.

von Weizsäcker: Ich bin davon überzeugt, aber es ist wirklich ein wenig ein Hin und Her gewesen, das mich zu dieser Überzeugung gebracht hat. 1989, ein Jahr vor dem Siegeszug der Ökonomen, habe ich zum ersten Mal das 21. Jahrhundert als das Jahrhundert der Umwelt bezeichnet. Zehn Jahre später dachte ich: Na ja, hast du dich wohl getäuscht; die Doktrinen, die du dem 20. Jahrhundert angedichtet hast, nämlich die Doktrinen der Wirtschaft, sind so zählebig, dass sie vielleicht noch das ganze 21. Jahrhundert ausfüllen. Natürlich habe ich nicht damit gerechnet, dass es 2008 plötzlich einen empirischen Beweis dafür geben sollte, wie fatal die Verabsolutierung der Ökonomie tatsächlich ist.

ZEIT: Sie meinen den Finanzkollaps.

von Weizsäcker: Genau. Seither kann man wieder locker über die Notwendigkeit einer Balance zwischen privaten und öffentlichen Gütern reden. Und man kann den Schutz der Lebensgrundlagen als höchstes Politikum beschreiben. Das meine ich, wenn ich vom Jahrhundert der Umwelt rede.

ZEIT: Ein Jahr nach dem von Ihnen zum Wendepunkt erklärten Jahr 2008 scheiterte die Klimakonferenz in Kopenhagen, und kürzlich bescherte eine explodierende Ölbohrinsel im Golf von Mexiko den Amerikanern eine ihrer größten Umweltkatastrophen. Das grüne Jahrhundert beginnt ziemlich ungrün.

Ernst Ulrich von Weizsäcker

Von 1991 bis 2000 leitete Weizsäcker das Wuppertal-Institut, das sich mit Klima- und Energiefragen beschäftigt und dem Land Nordrhein-Westfalen gehört. Effizienz ist sein Thema. Von 1998 bis 2005 saß Weizsäcker außerdem für die SPD im Bundestag. Er war Vorsitzender der Enquetekommission Globalisierung

von Weizsäcker: Ich habe nie behauptet, dass es einfach wird. Die Menschen, vorneweg die Amerikaner, sind immer noch süchtig nach Öl; die Benzinsteuern sind in den USA immer noch lächerlich niedrig. Gleichzeitig, und das ist die andere Seite der Medaille, gilt der Ausstoß von Kohlendioxid weltweit als einer der zuverlässigsten Wohlstandsindikatoren.

ZEIT: Je mehr CO₂ pro Kopf, desto größer der Wohlstand?

von Weizsäcker: Das ist die verquere Logik. Deshalb war es in Kopenhagen zu einer Schlachtordnung gekommen, die mit einer Niederlage für die Klimaschützer enden musste. Denn wer verzichtet schon auf Wohlstand?

ZEIT: Was folgt daraus für die weiteren Verhandlungsrunden, nächste Woche in Bonn und im Dezember in Cancun?

von Weizsäcker: Jedenfalls überhaupt nicht Resignation. Es kann doch wohl nur darum gehen, die Abkopplung des Wohlstands von den CO₂-Emissionen zu organisieren.

ZEIT: Davon ist vorerst nichts zu spüren.

von Weizsäcker: Ja, die Schadensmeldungen nehmen tatsächlich noch zu und leider nicht ab. In den kommenden 50 Jahren werden wir deshalb noch häufiger mit negativen Überraschungen rechnen müssen…

Leser-Kommentare
  1. "Die Menschen, vorneweg die Amerikaner, sind immer noch süchtig nach Öl; "

    Es ist notwendig. Hat mit Sucht nichts zu tun oder sind wir alle süchtig nach Sauerstoff zum Atmen?

    "Je mehr CO₂ pro Kopf, desto größer der Wohlstand?
    Das ist die verquere Logik. Deshalb war es in Kopenhagen zu einer Schlachtordnung gekommen, die mit einer Niederlage für die Klimaschützer enden musste."

    Falsch. Kopenhagen scheiterte, weil sich immer mehr herausstellte, dass die Klimaerwärmung die größte Lüge der Geschichte ist.

    "Solange die Politik in praktisch allen Ländern anstrebt, das Bruttosozialprodukt zu erhöhen"

    Dafür bin ich dankbar. Ich mag Fortschritt, der mit Wirtschaftswachstum einhergeht. Aber das muss jeder für sich ausmachen.

    "Preissignale setzen. Ein Preis, der die Verminderung der Energieintensität von Jahr zu Jahr lukrativer machte"

    Am besten die Energiepreise so hoch setzen, dass auch die letzten Unternehmen auswandern.

    " Breiter Wohlstand lässt sich schließlich auch dann herbeiführen, wenn die Wachstumsraten tendenziell zurückgehen"

    Blödsinn.

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    Na schick - gleich der erste Kommentar aus der "unendliches Wachstum im endlichen Raum ist möglich" - Ecke.

    Öl ist nicht notwendig. Es gibt Millionen Jahre, die ohne ausgekommen sind. Es ist vor allem die Bequemlichkeit, beim Alten zu bleiben, statt neue Wege zu suchen.

    Kopenhagen scheiterte, weil jeder vom anderen mehr Zugeständnisse erwartete, als er zu geben bereit war.

    @Wirtschaftswachstum: Um jeden Preis? Wenn ich eine Bank überfiele, stiege kurzfristig mein "Wirtschaftswachstum", langfristig wäre ich im Knast.

    @Auswandern: Tja, da helfen internationale Vereinbarungen. Plädiere ich schon lange in diversen Bereichen für, aber das ist ja pöhse neue Weltordnung. Wo kämen wir hin, wenn Unternehmen die Staaten nicht in einen Konkurrenzkampf à la "laxer, freier, billiger" drängen könnten?

    @Wachstumsraten: 90% der Weltbevölkerung profitieren nicht oder nur am Rande von den derzeitigen Wachstumsraten. Aber ich hätte nichts dagegen, wenn einige weniger Dreck zu sich nehmen müßten. Das ist auch Wohlstand.

    Na schick - gleich der erste Kommentar aus der "unendliches Wachstum im endlichen Raum ist möglich" - Ecke.

    Öl ist nicht notwendig. Es gibt Millionen Jahre, die ohne ausgekommen sind. Es ist vor allem die Bequemlichkeit, beim Alten zu bleiben, statt neue Wege zu suchen.

    Kopenhagen scheiterte, weil jeder vom anderen mehr Zugeständnisse erwartete, als er zu geben bereit war.

    @Wirtschaftswachstum: Um jeden Preis? Wenn ich eine Bank überfiele, stiege kurzfristig mein "Wirtschaftswachstum", langfristig wäre ich im Knast.

    @Auswandern: Tja, da helfen internationale Vereinbarungen. Plädiere ich schon lange in diversen Bereichen für, aber das ist ja pöhse neue Weltordnung. Wo kämen wir hin, wenn Unternehmen die Staaten nicht in einen Konkurrenzkampf à la "laxer, freier, billiger" drängen könnten?

    @Wachstumsraten: 90% der Weltbevölkerung profitieren nicht oder nur am Rande von den derzeitigen Wachstumsraten. Aber ich hätte nichts dagegen, wenn einige weniger Dreck zu sich nehmen müßten. Das ist auch Wohlstand.

  2. Na schick - gleich der erste Kommentar aus der "unendliches Wachstum im endlichen Raum ist möglich" - Ecke.

    Öl ist nicht notwendig. Es gibt Millionen Jahre, die ohne ausgekommen sind. Es ist vor allem die Bequemlichkeit, beim Alten zu bleiben, statt neue Wege zu suchen.

    Kopenhagen scheiterte, weil jeder vom anderen mehr Zugeständnisse erwartete, als er zu geben bereit war.

    @Wirtschaftswachstum: Um jeden Preis? Wenn ich eine Bank überfiele, stiege kurzfristig mein "Wirtschaftswachstum", langfristig wäre ich im Knast.

    @Auswandern: Tja, da helfen internationale Vereinbarungen. Plädiere ich schon lange in diversen Bereichen für, aber das ist ja pöhse neue Weltordnung. Wo kämen wir hin, wenn Unternehmen die Staaten nicht in einen Konkurrenzkampf à la "laxer, freier, billiger" drängen könnten?

    @Wachstumsraten: 90% der Weltbevölkerung profitieren nicht oder nur am Rande von den derzeitigen Wachstumsraten. Aber ich hätte nichts dagegen, wenn einige weniger Dreck zu sich nehmen müßten. Das ist auch Wohlstand.

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    • ADoria
    • 31.05.2010 um 21:18 Uhr

    damit der Ölverbrauch reduziert werden kann.

    • ADoria
    • 31.05.2010 um 21:18 Uhr

    damit der Ölverbrauch reduziert werden kann.

    • ovozim
    • 31.05.2010 um 21:07 Uhr

    Konsum muss besteuert werden - und zwar nur der Konsum. Wer die Dienste anderer, die Strukturen der Gesellschaft, die nicht unendlich vorhandenen Ressourcen beansprucht, soll Steuern zahlen. Nicht der der arbeitete und schafft. Absoluter Irrsinn was wir hier machen. Und mein Urteil wird noch vernichtender wenn ich mir den diskriminierenden Charakter der bisherigen Steuern anschaue, von denen Chinesen kaum, unsere Firmen aber in Unmaßen betroffen sind. Konsumsteuern lassen außerdem viel gezieltere Förderung zu, setzen die richtigen Anreize und machen Brutto=Netto möglich. Einziger Nachteil: der kleine Mann zahlt angeblich mehr. Nicht jedoch, wenn der allgemeine Konsum mit Mwst von nicht mit mehr als 40 oder 50% "belastet" wird. Probleme, die im Gegensatz zu den heutigen lösbar scheinen.

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    Wenn im Winter jeder zweite in Deutschland frieren muss weil es sich den Strom zum heizen nicht mehr leisten kann obwohl er 42 Stunden die Woche auf die Arbeit geht, weil irgendwer meist perverse Steuern auf Energie erheben zu müssen, dann wird das Volk unser politischer System hinwegfegen. – Zu Recht!

    PS: Der Mehrwert- bzw. Umsatzsteuersatz liegt bei 19%.

    Wenn im Winter jeder zweite in Deutschland frieren muss weil es sich den Strom zum heizen nicht mehr leisten kann obwohl er 42 Stunden die Woche auf die Arbeit geht, weil irgendwer meist perverse Steuern auf Energie erheben zu müssen, dann wird das Volk unser politischer System hinwegfegen. – Zu Recht!

    PS: Der Mehrwert- bzw. Umsatzsteuersatz liegt bei 19%.

    • ADoria
    • 31.05.2010 um 21:18 Uhr

    damit der Ölverbrauch reduziert werden kann.

    Antwort auf "Lostrollen..."
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    • ADoria
    • 31.05.2010 um 21:25 Uhr

    ?
    Bitte schün.

    Was spricht dagegen, zum Beispiel effizientere Autos zu benutzen?

    (Die Liste an Dingen, auf die man getrost verzichten kann, gerade durch gezielte Verteuerung herbeigeführte finanziellen Anreize, ist lang. Aber der Mensch ändert sich nicht, wenn es ihm gut geht)

    • ADoria
    • 31.05.2010 um 21:25 Uhr

    ?
    Bitte schün.

    Was spricht dagegen, zum Beispiel effizientere Autos zu benutzen?

    (Die Liste an Dingen, auf die man getrost verzichten kann, gerade durch gezielte Verteuerung herbeigeführte finanziellen Anreize, ist lang. Aber der Mensch ändert sich nicht, wenn es ihm gut geht)

    • ADoria
    • 31.05.2010 um 21:25 Uhr
  3. denn viele kleine Häuslebesitzer würden gern Energiesparmassnahmen durchführen, wenn nicht der hohe Energiepreis Ihre Einkommen auffressen würde.

    Nur eine Verteuerung trifft wieder die völlig Falschen

    • iDog
    • 31.05.2010 um 22:12 Uhr

    liegt es nicht an einer etwas sehr einseitigen und rigiden definition von wohlstand ?

    hier muesste unbediungt mal nachgebessert werden , dann wuerde sich eines aus dem anderen ergeben . aus standesbewusstsein wird dann wohlstandsbewusstsein ????

    man hat heute oft den eindruch wohlstand bezeichne die machbarkeit schlecht hin , obwohl man ja leangst nicht alles (mit)machen muss was moeglich ist. zuweil und immer mehr ist der wohlstand jagerade, dass man "es" nicht mitmachen muss.

    ... sich schoen viel stress zu machen oder sinnleerem aktivismus zu froehnen wird auch gerne mit wohlstand verwechselt, als wohlstand angepriesen oder als genuss bezeichnet ... dabei fallen die medienanfaelligen " individualisten " lediglich auf laue massenware herein, die jenseits jeden respekts und unter negierung jeder persoenlichen wuerde des angesprochenen an den konsumenten gebracht werden soll. ab wann ist "wohlstand" eigentlich irrationaler bloedsinn für dummkoepfe?

    wer sich da von politischer seite her beschwert, waehlt sicher die falschen parteien.

    bevor man den propagandierten "wohlstand" des konsumenten besteuert, sollte man die produktion desselben an sich hinterfragen und zb. die resultierende umweltzerstoerung nicht sozialisieren usw..

    ein verbot von werbung in von der allgemeinheit bezahlten medien waere ein anfang . :-)))

    • iDog
    • 31.05.2010 um 22:14 Uhr

    meinetn sie jetzt olivenoel oder wie?

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    • ADoria
    • 31.05.2010 um 22:20 Uhr

    War in dem Artikel von Olivenöl die Rede?

    • ADoria
    • 31.05.2010 um 22:48 Uhr

    Sinnfälligerweise wird gerade im unteren Artikel auf den neuen Chef von der BASF verwiesen. Dabei musste ich Haber-Bosch denken. Das Leben ist eben auch ein Meister aus Deutschland.
    Wieviel wäre von Norman Borlaugs Grüner Revolution gelungen, wenn nicht zuvor die Erzeugung von Kunstdünger technisch realisiert worden wäre, insbesondere Mineraldünger? Hätte so ein Mann wie Herr Weizsäcker 1948 mit dieser These Oberhand gehabt, wären Milliarden von Menschen verhungert.
    Derweil erkenne ich die Problematik. Ohne Grüne Revolution wäre es nicht zur Bevölkerungsexplosion in Asien gekommen.

    • ADoria
    • 31.05.2010 um 22:20 Uhr

    War in dem Artikel von Olivenöl die Rede?

    • ADoria
    • 31.05.2010 um 22:48 Uhr

    Sinnfälligerweise wird gerade im unteren Artikel auf den neuen Chef von der BASF verwiesen. Dabei musste ich Haber-Bosch denken. Das Leben ist eben auch ein Meister aus Deutschland.
    Wieviel wäre von Norman Borlaugs Grüner Revolution gelungen, wenn nicht zuvor die Erzeugung von Kunstdünger technisch realisiert worden wäre, insbesondere Mineraldünger? Hätte so ein Mann wie Herr Weizsäcker 1948 mit dieser These Oberhand gehabt, wären Milliarden von Menschen verhungert.
    Derweil erkenne ich die Problematik. Ohne Grüne Revolution wäre es nicht zur Bevölkerungsexplosion in Asien gekommen.

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