Kreativität erwünscht: Beim alljährlichen Studentenwettbewerb für Synthetische Biologie in Boston können die Projekte nicht verrückt genug sein © iGEM/David Appleyard

Am 5. November 2010 werden sich die Zauberlehrlinge wieder zum alljährlichen Wettstreit in der Nähe von Boston versammeln. Sie kommen aus aller Welt und gehen an die Grenzen der Biologie.

Was bringt Hefezellen dazu, auf einer Art Monitor bewegliche Strichmännchen zu simulieren? Und was haben Marsbakterien auf der Erde zu suchen? Beim alljährlichen Studentenwettbewerb für Synthetische Biologie (iGEM) in Boston können die Projekte nicht verrückt genug sein. Schon der Name iGEM (Internationaler Wettbewerb für genmanipulierte Maschinen) klingt verschroben und futuristisch zugleich. Beim großen Finale im November 2009 verbreiteten kostümierte Studenten mit ihren Schlachtrufen eine Atmosphäre zwischen Rockkonzert und Pfadfinderlager.

Manches scheint wie ein Jux überdrehter Jungakademiker, aber die mehr als 1000 Studenten, die Jahr für Jahr am Massachusetts Institute of Technology (MIT) ihre Projekte und Ergebnisse vorstellen, meinen es ernst. Natürlich könnten die in Tokyo entwickelten Bakterien eines Tages den Mars kolonisieren und für den Menschen bewohnbar machen. Und irgendwann werden wir vielleicht auf Mattscheiben schauen, auf denen blinkende Hefezellen Bildpunkte erzeugen, wie es das Studententeam aus Valencia in einer eindrucksvollen Show präsentierte.

Es regiert das Motto, das die britische Kinderfernsehserie Bob der Baumeister lange vor Barack Obama bekannt gemacht hat: »Yes we can!« Keine Angst vor dem Unmöglichen. Alles ist machbar. Dass es sich bei den vorgestellten Projekten möglicherweise um gefährliche Biotechnologie handelt und bei den »gentechnischen Maschinen« um Lebewesen, geht unter im Trubel aus schrägen Ideen und Optimismus.

Das Baumaterial, gewissermaßen die Legosteine der Biobastler, sind standardisierte Biomoleküle, die die Studenten in einfache Bakterien oder Hefezellen einbauen. Ihr »Material« erhalten die Studenten von einem zentralen Register am MIT (Massachusetts Institute of Technology). Mehr als 3500 sogenannte Biobricks (Biosteine) sind dort bereits registriert, und es werden täglich mehr. Denn alles, was innerhalb des Studentenwettbewerbs entsteht, wird in das Register aufgenommen.

Den Höhepunkt erreicht das Festival, wenn aus mehr als hundert Mannschaften das Siegerteam gekürt wird. Im November 2009 ging die iGEM-Trophäe, ein überdimensionaler Legostein, an ein britisches Team. Acht Studentinnen und Studenten aus Cambridge stürmten unter dem Jubel der 1000 Mitstreiter mit grell gefärbten Haaren auf die Bühne. In einem halben Jahr Laborarbeit hatten sie Bakterien so manipuliert, dass sie in allen Farben des Regenbogens leuchteten. Zusätzlich hatten sie die Zellen an Biosensoren gekoppelt, sodass sie Schadstoffe aufspürten und ab einer gewissen Schadstoffschwelle ihre Farbe veränderten.