Nicolas Berggruen geht durch das Tor in die Eingangshalle des Peninsula, eines der teuersten Hotels von Los Angeles. Die Pagen nicken ihm zu. An der Rezeption grüßt man ihn mit seinem Namen. Als er den Fahrstuhlknopf drückt, sagt er: "Ich bin schon zu lange hier."

Dritter Stock. Zimmer 356. Eine kleine Küche, der Kühlschrank ist leer. Im Gang ein Antikschränkchen mit goldenen Griffen. Im Wohnzimmer ein runder Tisch mit Papiertürmen darauf. Neben dem Plüschsofa stehen Schwarz-Weiß-Fotos von Kindern, sie gehören zum Raumdekor des Hotels.

Willkommen im Zuhause von Nicolas Berggruen. Wenn man eine Suite mit einer Tagesrate von 1300 Dollar so nennen kann. Hier wohnt der Milliardär, wenn er nicht mit dem Privatjet, Typ Gulfstream IV, unterwegs ist. Das ist er fast immer. New York, Berlin, Istanbul, Yamoussoukro – 80 Städte bereist er im Jahr, kümmert sich um Investitionen, kauft Kunst oder wirbt für seine neu gegründete Denkfabrik. "Ich habe kein Zuhause", sagt er auf Deutsch mit amerikanischem Akzent.

Der Deutschamerikaner ist schwer zu fassen. "Mysteriös", nennt ihn das Wall Street Journal. Auf der Forbes -Liste der Reichen fand man ihn bis vor Kurzem nicht. Dabei besitzt er Unternehmen und Immobilien im Wert von geschätzt drei Milliarden Dollar. In Shanghai gehören ihm Bürotürme, in Indien Hotels. Jüngst kaufte er den spanischen Medienkonzern Grupo Prisa mit dem Flaggschiff, der Tageszeitung El País. Davor den englischen Lebensversicherer Pearl.

Jetzt interessiert er sich für Karstadt. Die Kaufhauskette kennt er von seinen Deutschlandbesuchen. "Karstadt ist ein wichtiger Name und verfügt über gute Standorte", sagt er. "Es lohnt sich, die Marke zu retten." Das Problem seien die Mieten, sagt der Milliardär, der sich mit Immobilien auskennt. In Berlin gehören ihm Häuser und Grundstücke wie die Sarotti-Höfe und das Café Moskau im Wert von 140 Millionen Euro. Wie viele Filialen würde er schließen? "Dazu kann ich nichts sagen", erwidert er und bekundet, dass er ein langfristiger Investor sei. Und: "Ich würde gern mehr in Deutschland machen."

Er wuchs in Paris auf, aber zu Hause sprach die Familie Deutsch

Die Lebensgeschichte von Berggruen liest sich wie ein Reiseroman: Sohn des berühmten Kunsthändlers Heinz Berggruen. Saß als Kleinkind beim Familienfreund Pablo Picasso auf dem Schoß, wuchs in Frankreich, England und der Schweiz auf. Seine Mutter ist die Schauspielerin Bettina Moissi, der Großvater Alexander Moissi war ein Superstar. Er selbst ging als junger Mann an die Wall Street und machte ohne Unterstützung des Vaters ein Vermögen.