Josef Hader "Ich habe mich von der katholischen Erziehung gelöst"

Der österreichische Kabarettist Josef Hader erzählt in der Serie "Das war meine Rettung" von seinem schwierigen Verhältnis zu Glaube und Unglück

ZEITmagazin: Herr Hader, Sie sind katholisch, ist Ihnen der Glaube eine Stütze?

Josef Hader: Nein, eher im Gegenteil.

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ZEITmagazin: Wie meinen Sie das?

Hader: Ich habe mich von meiner katholischen Erziehung gelöst. Das war für mich eine Art Rettung.

ZEITmagazin: Inwiefern?

Hader: Ich bin auf dem Land aufgewachsen und war in einem katholischen Internat. Grundsätzlich muss man sagen, dass ich eine sehr gute Zeit erwischt habe, katholisch erzogen zu werden, die beste in 2000 Jahren, nämlich die siebziger Jahre. Es war kurz mal ein wenig das Fenster offen, später hat es der polnische Papst wieder zugemacht, und der deutsche lässt gerade die Gardinen runter. Aber es war doch so, dass ich mir als Kind immer so unvollkommen vorkam.

Josef Hader
Josef Hader

48, ist einer der erfolgreichsten Kabarettisten Österreichs. Mit den Filmen »Komm, süßer Tod« und »Der Knochenmann« wurde er als Detektiv Simon Brenner auch in Deutschland bekannt. Er arbeitete auch an den Drehbüchern mit.

ZEITmagazin: Warum?

In meiner gläubigen Familie und auch beim Pfarrer hatte ich das Gefühl, Erwachsene haben nie Zweifel. Erst als ich merkte, dass die genauso unsicher sind wie ich, verlor ich das Gefühl, deformiert zu sein.

ZEITmagazin: In welchem Moment haben Sie das gemerkt?

Hader: Das war im Griechischunterricht, als ich die Dialoge des Sokrates von Platon las. Da wird gefragt: Welche Werte haben wir? Und Sokrates spricht mit all jenen, die diese Werte vertreten, und alle sind sehr selbstsicher, aber am Ende kommt raus, nichts ist sicher. Wir wissen nichts, das ist die einzige Gewissheit, die wir haben. Und ich habe mir gedacht, großartig! Schon vor über 2000 Jahren hat jemand so gedacht.

Das war meine Rettung
Alle Interviews aus der Serie des ZEITmagazins zum Nachlesen

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ZEITmagazin: Sind Sie noch in der Kirche?

Hader: Ja, aber ich glaube, es ist jetzt der Punkt erreicht, wo ich nicht mehr kann. Ich bin auch aus Rücksicht auf meine Mutter dringeblieben und sage manchmal scherzhaft, dass ich noch einen Papst abwarten will. Aber alle Kardinäle sind vom jetzigen Papst oder vom vorigen Papst ernannt worden, die werden wieder so einen wählen. Ich glaube, das geht jetzt stramm ins 19. Jahrhundert zurück.

ZEITmagazin: Was gefällt Ihnen nicht an der Kirche?

Hader: Die ganze Struktur dieser Männergesellschaft. Das Zölibat ist ja nur dafür gut, dass man in größtmöglicher Abhängigkeit von der Zentrale bleibt. Diese seltsame, kranke Struktur, wo ausschließlich Leute zum Zug kommen, die sich für eine menschenfremde Lebensweise entscheiden. Auch diese kranke Sexualität, die nun als Skandal an die Öffentlichkeit kommt. Aber auch dort, wo es keinen Skandal gibt: Wie viele verkrüppelte Leben so eine Struktur hervorrufen kann. Dann dieses Gemeindeleben, das dadurch, dass es nur noch so wenige Priester gibt, völlig ruiniert wurde im Lauf der letzten 20 Jahre. Dass man das alles in Kauf nimmt, nur damit das Zölibat bleibt.

Leser-Kommentare
  1. Das ist wohl eine Antwort verloren gegangen (nach Achterbahnfahrt) - Hader war neulich auch bei "Willkommen Österreich" zu Gast. Wer will, sieht das hier:
    http://www.willkommen-tv....

  2. Mit dem GLAUBEN ist das so eine Sache: Es fängt ja schon damit an, dass man das GLAUBT, was man sagt. Wenn man GLAUBEN auf das reduziert, was einem unangenehm ist am GLAUBEN, ist schon klar, dass es immer noch unangenehmer wird - auch wenn man versucht, sich ganz davon zu trennen. Das geht schlicht nicht. Die Fähigkeit des Menschen, ZU GLAUBEN, wirkt vom ersten bis zum letzten Atemzug. Der Mensch GLAUBT immer was, ob er mag oder nicht, ob es ihm bewusst ist oder nicht. Wir haben keine Wahl, OB wir GLAUBEN, wir haben nur die Wahl, in welcher QUALITÄT wir es tun. Der sinnvolle Weg wäre, mit seinen GLAUBENSkräften SOUVERÄN zu werden. É.Coué hat ganz praktisch (und mit weltweitem Erfolg) vorgemacht, wie das geht. Die in der Kirche mögen sich für DEN GLAUBEN für zuständig halten; für DAS GLAUBEN sind sie es nicht, da brauchen sie selber Hilfe. DER GLAUBE mag das Schloss sein, DAS GLAUBEN ist der Lebens-Schlüssel, der es öffnen kann.
    Ich grüße freundlich.
    Franz Josef Neffe

  3. Gut gesprochen. Meine Ergänzung: "Der Glaube aber ... ist ein Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht.", sagt der Hebräerbrief in Kapitel 11,1. Die beste Definition, die ich je über Glauben gelesen habe. Die verbreitetste Definition sagt, Glaube sei "Nichtwissen". Aber da ziehe ich die neutestamentliche Definition vor. Schon ein Architekt, der einen einfachen Steg über einen harmlosen Bach bauen will, "glaubt", denn er zeichnet, plant und arbeitet an etwas herum, das er noch nicht sieht. Aber er ist überzeugt, dass das Ding eines Tages stehen wird und arbeitet weiter, daraus folgt, => er glaubt. Der Zweifler dagegen wird die Fußbrücke kaum zustande bringen, weil er die kleine Brücke nicht vor seinem inneren Auge stehen sieht, sondern er schaut auf die Unmöglichkeiten, warum der Bau niemals gelingen würde, sei es dass die Finanzen noch nicht stehen, sei es dass der Untergrund zu weich ist und tausend Gründe mehr ... Der Glaubende hat zwar ebenfalls mit diesen Schwierigkeitn zu kämpfen, aber er überwindet sie, weil er die Brücke STEHEN SIEHT! Echter Glaube hat mit "Kirche" nichts zu tun, sondern mit dem täglichen Leben. Gott ist nicht in den Kirchengebäuden, sondern gerade hier und zwar jetzt!

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    Als Ich-kann-Schule-Lehrer schaue ich zuerst ins Herkunftswörterbuch: Got. "galaubjan" = "für lieb halten", lat. "cre-do" heißt "ich gebe das Herz". Wenn "weiser Mann" nicht "mit gespaltener Zunge spricht" und die Worte des Verstandes eben das sagen, was das Herz ausstrahlt, dann ist DAS Glauben so, dass man sagen mag: Der hat EINEN Glauben. Ich grüße freundlich.
    Franz Josef Neffe

    Als Ich-kann-Schule-Lehrer schaue ich zuerst ins Herkunftswörterbuch: Got. "galaubjan" = "für lieb halten", lat. "cre-do" heißt "ich gebe das Herz". Wenn "weiser Mann" nicht "mit gespaltener Zunge spricht" und die Worte des Verstandes eben das sagen, was das Herz ausstrahlt, dann ist DAS Glauben so, dass man sagen mag: Der hat EINEN Glauben. Ich grüße freundlich.
    Franz Josef Neffe

  4. Mit den restaurativen Päpsten, mit dem Zölibat, mit diesen süß-schwülen, männlichen Gerontokratien, damit kann man keinen vernünftigen Glauben leben. Wer dieses System durch Mitgliedschaft stützt, macht sich schuldig, nicht nur an sich selbst, auch gerade an den Priestern, Bischöfen und am Papst. Wie können diese armen Menschen nur selbst diesem Macht- und Wahnsystem entkommen? Man denke an Mixa, der treibt doch chancenlos in dieser degoutatnten Sauce herum.

  5. Jener Papst Johannes XXIII (Roncalli), dem die katholische Kirche das Zweite Vatikanische Konzil und die Öffnung der 1970er-Jahre zu verdanken hat, wurde von dem umstrittenen Papst Pius XII (Pacelli) zum Kardinal ernannt. Und viele andere der Kardinäle, die ihn 1953 zum Papst wählten, hatten ihren Purpur von dessen erzkonservativen Vorgänger Pius XI (Ratti) erhalten. Dennoch hat Johannes XXIII es geschafft, die Fenster des Vatikans zu öffnen und einen frischen Geist hineinzulassen. Warum sollte das beim nächsten Papst nicht auch möglich sein?

    Wer Kurt Waldheim und Jörg Haider überlebt hat, ohne aus Österreich zu flüchten, sollte gelassen in die Zukunft schauen. Gerade die österreichischen Katholiken haben ja gezeigt, dass man "von oben" begangene Fehlentscheidungen von unten korrigieren kann. Nur Mut, Herr Hader!

  6. ... aus dem Interview mit Django Asül (24jähriger Bankkaufmann, noch nie aufgetreten) hier bei Hader? Gleiche Vorlage benutzt?

  7. Hier wurde wieder einmal das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, d.h. der Glaube an unseren christlichen Gott mit der irdischen und somit zwangsläufig fehlerhaften Institution "Kirche". Schade! Aus persönlicher Erfahrung kann ich nur dazu raten, sich ganz auf Gott einzulassen! Wissenschaftliche Gründe dagegen gibt es jedenfalls NICHT (das sagte schon Einstein), wohl aber historische Fakten und Überlieferungen...

  8. Als Ich-kann-Schule-Lehrer schaue ich zuerst ins Herkunftswörterbuch: Got. "galaubjan" = "für lieb halten", lat. "cre-do" heißt "ich gebe das Herz". Wenn "weiser Mann" nicht "mit gespaltener Zunge spricht" und die Worte des Verstandes eben das sagen, was das Herz ausstrahlt, dann ist DAS Glauben so, dass man sagen mag: Der hat EINEN Glauben. Ich grüße freundlich.
    Franz Josef Neffe

    Antwort auf "Glaube @F.J.Neffe"

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