MotorsportDie Diagnosen des DoktorsSeite 2/3

Marko war in der Poleposition für die Rindt-Nachfolge. Der fesche steirische Kerl, der 1967 zum Doktor der Rechtswissenschaften promovierte, besaß mehr Ausstrahlung als Niki Lauda, das Kid aus der Wiener Buberlpartie, und kam auch früher in die Formel 1 als der Industriellenenkel.

Vereinzelt mischten sich Künstler als Groupies in die Rennszene, wahrhaftige Aficionados, lang bevor es von Firmen wie BMW und Mercedes als schick erkannt wurde, die Warhols und Jenny Holzers an die Rennwagen heranzuführen. Marko erlebte Objektkünstler wie Frank Stella, den Schweizer Jean Tinguely, dessen spätere Frau Niki de Saint Phalle sowie den Maler Hans Staudacher. Tinguely sammelte nach Blechschäden die Trümmer auf den Asphaltpisten ein und verbaute sie in seinen Meisterwerken der kinetischen Kunst. Am Rand der Rennstrecken ergaben sich ganz natürlich interdisziplinäre Abendprogramme: Der Künstler sucht den Kick aus der anderen Welt. Marko indes begann Bilder zu sammeln, Ausgangspunkt Staudacher.

Die Rennfahrerkarriere des Grazers, immerhin Sieger in Le Mans 1971, endete im Juli 1972 beim Grand Prix von Frankreich. Die Pisten waren damals nicht so glatt gefegt wie heute, die Visiere der Helme nicht schussfest. So konnte ein vom Vordermann bei Tempo 250 aufgewirbeltes Steinchen ein Unglück befeuern. Helmut Marko verlor sein linkes Auge und schied aus dem Casting für Österreich-sucht-den-neuen-Rindt aus. Lauda wurde immerhin dreimal Weltmeister, insofern war der nationale Schaden zu verschmerzen.

Marko, mittlerweile mit zahlreichen Immobilien in Graz und Umgebung gesegnet (der Vater war auch schon tüchtig gewesen), steckte sich ohne Lamento das Glasauge ins Gesicht. Dies sei eine journalistisch verkürzte Fassung, sagt Marko heute, sowohl beim Glasauge wie beim Grunderwerb. Er machte Geschäfte, brachte auch Stil in die Szene. Wenn es um Sanierung oder Neubau eines Objekts ging, war sein mittlerweile gewonnener Freund, der Architekt Günther Domenig gefragt. Entsprechend wuchs auch Markos Interesse an Architektur. Ein Rennwochenende in Helsinki oder Shanghai sollte auch Zeit freilassen für die Bauten des finnischen Architekten Alvar Aalto oder die Wolkenkratzer-Skyline von Pudong, dem Boom-Stadtteil der chinesischen Metropole.

Feingeistige Beflissenheit muss nicht unbedingt auf zartes Gemüt schließen lassen. Viel Feind, viel Ehr, damit konnte Marko bequem leben und zog es locker durch, ganz gern auch im Gerichtsweg, ob es um Grazer Bauordnungen oder die Verhübschung der Mur vor seinem Fenster ging.

Mit der Adaptierung eines uralten Hauses am Kai, hintendran der Schlossberg, vorn die Mur, diversifizierte sich der Vater von drei Kindern und Racing-Manager als Hotelier. Das Schlossberg Hotel war vor allem eine Chance, den mittlerweile angehäuften Kunstschätzen Raum zu geben. Da sind Klassiker wie Stella, Lassnig, Weiler, Mikl, Nitsch, Frohner, Kocherscheidt, Kippenberger, Ringel, Prachensky neben vielen, die im Kommen sind und vom Geschäftsmann frühzeitig wahrgenommen wurden und werden. Bei ausgereizten Preisen ist Helmut Marko nicht dabei.

Immer aber bei der Rennfahrerei: Ob Marko ein Team für Ford, Renault oder Alfa Romeo führte oder eigenes Geld investierte, es gab kaum ein österreichisches Talent, von Gerhard Berger bis Karl Wendlinger, von Alexander Wurz bis Christian Klien, das nicht durch seine Hände ging oder zumindest seiner Einschätzung unterlag. Langfristige Managementverträge standen für Markos Investitionsbereitschaft, er nannte sie »Anlage in hochriskante Aktien«. Diese Art von zumeist erfolgreichen Investitionen in die Zukunft festigte auch seinen Ruf als beinharter Geschäftsmann.

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