Uni Lübeck Exzellent, aber nicht finanzierbar
Die Sparwut trifft die Uni Lübeck: Sie soll ihr Medizinstudium abschaffen
Das Sparpaket der Kieler Landesregierung hat in S chleswig-Holstein zu heftigen Protesten geführt . In Lübeck versammelten sich einige Hundert Studenten zu einer spontanen Kundgebung, die Lübecker Bürgerschaft kündigte an, eine Sondersitzung im Kieler Landeshaus abhalten zu wollen. Der Beschluss der Haushaltsstrukturkommission sieht vor, die Wirtschaftswissenschaften der Universität Flensburg sowie die Medizinische Fakultät der Universität zu Lübeck zu schließen. Damit wären zwei der bislang drei Universitäten im Bundesland faktisch ihren Status als Uni los.
Der Lübecker Uni-Präsident Peter Dominiak bezeichnete die Entscheidung als »mehr als nur nicht nachvollziehbar«. Während der Bundesgesundheitsminister vor einem Ärztemangel warne, setze das Land alles daran, diesen Mangel noch zu mehren. Der wirtschaftliche Schaden einer Schließung wäre darüber hinaus immens, sagte Dominiak: »Im Umfeld der Universität haben sich um die 50 Medizintechnik-Unternehmen angesiedelt, die 30 Prozent der lokalen Gewerbesteuer in unserer strukturschwachen Stadt einbringen.« Wissenschaftsminister Jost de Jager (CDU) verteidigte die Pläne: Es würden zwei seit Jahren anstehende Umstrukturierungsmaßnahmen umgesetzt. »Die Alternative wäre, an allen Hochschulen des Landes zu kürzen und sie gleichermaßen funktionsuntüchtig zu machen. Wir halten es für besser, zwei Stücke aus der Torte zu nehmen und dafür anderswo die Sahnehäubchen zu belassen.«
Die Universität Kiel soll von den Einsparungen ausgenommen werden, um, so de Jagers Hoffnung, bei der Exzellenzinitiative punkten zu können. Zu dem Vorwurf Dominiaks, mit der Lübecker Medizin werde ausgerechnet eine Einrichtung geschlossen, die bereits bundesweit einen exzellenten Ruf genieße, sagte der Minister: »Wir schließen sie ja nicht, weil sie schlecht ist, sondern weil sie nicht mehr finanzierbar ist.« Schleswig-Holstein biete im Schnitt aller Fächer 2,7 Prozent der deutschen Studienplätze an, doch ausgerechnet in der teuren Medizin seien es 4 Prozent. »Dieses Missverhältnis können wir uns nicht mehr leisten.« Bis Ende des Jahrzehnts sollen sich die Kürzungen in Lübeck auf jährlich 24 Millionen Euro summieren, in Flensburg auf etwa 1,7 Millionen. Ende des Jahres soll das Sparpaket im Landtag beschlossen werden.
- Datum 02.06.2010 - 17:40 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 02.06.2010 Nr. 23
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Und man muß befürchten, daß andere Länder sich ein Beispiel daran nehmen. Dabei ist die Argumentation schon arg haarsträubend. So sehr ich es meiner Alma Mater wünschen würde, aber die CAU zu Kiel ist vermutlich viel zu sehr Landesuni für die Gymnasiasten Schleswig-Holsteins mit recht wenig Anziehungskraft für Studenten aus anderen Bundesländern (die aus Richtung Süden spätestens an der Uni Hamburg und aus Osten in Rostock hängenbleiben), als daß die Exzellenzinitiative wirklich Erfolg haben könnte. Daß auf diesem Altar ausgerechnet die Lübecker Medizin geopfert wird, ist erschreckend.
für die großen Zusammenhänge.
Wie will SW denn sonst die Millionenboni für die HVS-Nordbank (Nonnenmacher etc) bezahlen?
Da muss man wohl Prioritäten setzen.
Dazu fällt mir nur noch ein:
Strg Alt Entf. Jost de Jager und PHC sanieren.See ya in Kiel 16.6.2010!!! Wir werden solange demonstrieren bis ihr nicht nur die Uni Lübeck von dieser Liste streicht, sondern auch alle anderen Punkte der Liste von FACHLEUTEN prüfen lasst(...nein...keine Kuhliebhaber). Bis jetzt gibt es von Regierungsseite ja noch nicht mal eine ImpactStudie zu den geplanten Kürzungen. Liebe Redakteure.. fordert diese doch mal von unserer Landesregierung an. Soweit ich weiß muß diese doch öffentlich zugänglich sein...Viel Spass dabei?! Jedem Aussenstehenden muss die Unwissenheit der Kieler Regierung über ihr eigenes Bundesland ja ein schallendes Gelächter entlocken..Aber Sie können mir Glauben. Dies ist alles andere als witzig.
Die Proteste werden sich erst wieder legen sobald einige Politiker in Kiel die Konsequenzen aus ihren Handlungen ziehen. Das Frau Merkel, Herr Rösler und Frau Schawan sich gar nicht ob ihrer Parteikollegen schämen? Wahrscheinlich nicht.
Die Schließung dieses zentralen Studiengangs unserer Universität, der seit vielen Jahren in Deutschland an Nr. 1 vom CHE gerankt wurde, ist gleichbedeutend mit dem Ende der Universität, denn sie ist aus der Medizin entstanden und alle anderen Studiengänge sind eng mit der Medizin vernetzt.
Darüber hinaus gefährdet die Landesregierung mit dieser Maßnahme sämtliche Forschungsprojekte an unserer Universität, die Sonderforschungsbereiche, die Klinischen Forschergruppen und nicht zuletzt die weitere Teilnahme an der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder und schädigt damit nachhaltig den Wissenschaftsstandort Lübeck und damit auch Schleswig-Holstein.
Die Universität ist gemeinsam mit dem UKSH Campus Lübeck der größte Arbeitgeber der Region (ca. 5000 Beschäftigte) und damit ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Die Schließung der Medizin würde viele direkte Arbeitsplätze, aber durch die Zulieferbetriebe auch indirekte Arbeitsplätze
vernichten und somit die Stadt Lübeck und die gesamte Region wirtschaftlich stark schädigen.
Außerdem entzieht die Landesregierung mit der Schließung der Medizin auch unseren beiden Fraunhofer Initiativen den Boden ihrer Existenz.
Der bereits entstandene Imageschaden für die Universität ist immens und kann nur durch ein deutliches Signal der Landesregierung für den Beibehalt des Medizinstudiums an der Universität zu Lübeck verringert werden.
Senat der Uni Lübeck
www.luebeck-kaempft.de
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