Arbeitsbedingungen Bank macht krank
Viele Bankangestellte stehen unter Druck, weil sie mehr Produkte verkaufen sollen. Die Gewerkschaft ver.di will sie davor schützen
Uwe Foullong hat die Auswirkungen der Finanzkrise sehr genau analysiert. Und dabei herausgefunden, dass sie bis heute jede Menge Opfer fordert – und zwar bei den Banken. Die Berater in den Filialen stünden mittlerweile unter einem weitaus größeren Druck als noch vor Ausbruch der Krise, sagt Foullong. Das mache viele von ihnen krank. Und genau das will er ändern.
Foullong ist Gewerkschafter. Für ver.di führt er die aktuellen Tarifverhandlungen mit den Banken. In der kommenden Woche gehen sie in die dritte Runde, nachdem die ersten beiden Treffen im Mai ohne Ergebnis geblieben waren.
ver.di fordert einen umfassenden Gesundheitsschutz für Bankangestellte. Vor allem aber will sie an die Zielvorgaben, Foullong zufolge eines der Grundübel in der Branche. Mit solchen Zielvorgaben legen die Banken bisher einseitig fest, wie viele Finanzprodukte die Berater innerhalb bestimmter Zeiträume an ihre Kunden verkaufen müssen. »Wenn eine feste Vorgabe herrscht, stecken Berater regelmäßig in der Zwickmühle«, sagt Foullong. »Einerseits wollen sie im Interesse des Kunden beraten, andererseits setzen ihre Vorgesetzten sie unter Druck, wenn die Vorgabe nicht erreicht wird.« Damit würden viele nicht mehr zurechtkommen und litten darunter, nicht das Beste für ihre Kunden tun zu können. In schlimmen Fällen führe das zu psychischen Problemen.
Ginge es nach ver.di, würden die Banken ihre Zielvorgaben in diesem Jahr komplett aussetzen und ihre Systeme zum Leistungsanreiz komplett überarbeiten. Den Verkaufsdruck der Bankangestellten zu verringern ist ver.di so wichtig, dass die Gewerkschaft in den aktuellen Tarifverhandlungen sogar auf eine klare Gehaltsforderung verzichtet. »Die Regeln zum Arbeits- und Gesundheitsschutz sind für uns essenzielle Forderungen«, sagt Foullong. Ihre Arbeitsbedingungen sollen die Bankangestellten künftig in sogenannten Gesundheitszirkeln selbst entwickeln und festlegen.
Für die Banken sind derlei Forderungen abenteuerlich. »Es gibt nur dann einen Tarifabschluss, wenn sich die Tarifparteien auf ein Kompromisspapier einigen können«, sagt Carsten Rogge-Strang. Er ist Foullongs Gegenspieler beim Arbeitgeberverband Banken und hält eine Einigung mit der Gewerkschaft derzeit für schwierig. Zumal die von ver.di geforderte Regelung viel zu tief in die Geschäftspolitik der Institute eingreifen würde.
Das Hauptargument der Arbeitgeber lautet: Die Regulierung der Beratung sei bereits gesetzlich vorgeschrieben und im Zuge der Finanzkrise sogar noch verschärft worden. Demnach müssen Berater seit Anfang des Jahres ihre Provisionen und Verdienste dem Kunden offenlegen und Protokoll über den Verlauf des Beratungsgesprächs führen. Von einem heimlichen Druck zulasten des Interesses der Bankkunden könne also keine Rede sein.
Die Arbeitgeber bestreiten zudem, dass die gesundheitliche Verfassung der Banker so schlimm sei, wie von der Gewerkschaft dargestellt. »Die Zahl der gemeldeten Krankheitstage liegt in der Bankenbranche weit unter dem Durchschnitt«, sagt Rogge-Strang. Ein Blick in die Statistik des Spitzenverbands der Betriebskrankenkassen verrät jedoch: Je nachdem wie man die Zahlen auslegt, hat mal die eine, mal die andere Seite recht. Während im Jahr 2009 jeder Angestellte im Bundesschnitt 14 Tage wegen Krankheit nicht zur Arbeit ging, waren es im Bereich des Kredit- und Versicherungsgewerbes knapp vier Tage weniger. Auf der anderen Seite liegt der Anteil der psychischen Erkrankungen leicht über dem Durchschnitt aller Branchen. Das freilich ist auch in anderen Dienstleistungsberufen so – wie etwa im Gesundheitswesen oder in der Medienbranche. Eben überall dort, wo die Angestellten nicht in erster Linie körperlich tätig sind.
- Datum 04.06.2010 - 06:59 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 02.06.2010 Nr. 23
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Die Gewerkschaft trifft ins Schwarze, wenn Sie die Zielvorgaben zum Gegenstand der Diskussion macht.
Allerdings wird das wenig bewirken, wenn nicht die Ursachen hierfür ebenfalls unter die Lupe genommen werden.
In den letzten Jahren sind die Zielvorgaben ständig gestiegen, häufiger sogar im 2-stelligen Prozentbereich von einem Jahr auf Andere.
Dieser Ertragsdruck ist allerdings hausgemacht, politisch wie unternehmenspolitisch verursacht worden.
Die hohen "Verbraucherschutzwälle", auch die jüngsten "Fortschritte" sind nämlich eher strukturerhaltende bzw. sogar aufblasende Ertragskiller und nützen den Verbrauchern wenig bis nichts.
Die Politik jedoch profitiert durch die Scheinregelungen, weil Haftungsfälle durch Wegfall der Anspruchsgrundlage weniger werden. die Unternehmen profitieren, dadurch, das für die unliebsame kleinere Konkurrenz die Stückkosten schneller steigen als für die Großen.
Was jahrzehntelang erlaubte, sich für Macht und gegen Profit bei der Unternehmenspolitik zu entscheiden.
Ohne diese versteckte Privilegierung wäre die meisten deutschen Banken sofort insolvent, mangels Konkurrenzfähigkeit.
H.
Wie wäre es z.B. wenn sich hier und da ein Bänker aus dem Paterrefenster stürzen würde ? Da wäre dann die Tragik, die wir in Ihrem Artikel so vermissen.
Irgendwie kommt mir der "Druck" der Bankstermanager auf ihre Angestellten bekannt vor. Das war in der kommunistischen Planwirtschaft nicht anders. Der Kreis beider Systeme hat sich also geschlossen. Der Kommunismus hat versagt und beim Kapitalismus dauert es nur etwas länger, da er wesentlich mehr "Monopoly" Geld hat.
Seltsamerweise habe ich mit den Bankangestellten kein Mitleid, zuviele Gelder haben ihre Arbeitgeber bekommen.
Man kann nur hoffen das die Bankangestellen mal anfangen zu streiken und ihren Instituten rote Zahlen bescheren. Anders lernen es die Chef`s nie. Das hat die Vergangenheit ja schon gezeigt.
...sitzen in klimatisierten Glashäusern. Niemand wird gezwungen sie aufzusuchen.
...brauchen die Kunden - nicht die Banker!
brauchen Krankenschwestern/Pfleger
denn die sollen die permanenten Mißstände unserer Gesellschaft
ausbaden . Wann begreift das endlich auch mal die ZEIT.
Banker ist das Synonym für eine Gruppe von asozialen Absahnern, die sich auf Kosten Anderer bereichern und nun sogar alles, was in Generationen in Deutschland erarbeitet und aufgebaut wurde, aus purem Narzissmus, Egoismus, vor allem aber wegen nackter Gier verspielt haben.
Das Schuldgeld, vor allem aber das Zinssystem - die Grundlage des Bankgeschäfts - ist nicht ohne Grund in allen großen Religionen, eingeschlossen dem Christentum - der ethisch, moralischen Grundlage unserer mitteleuropäischen Kultur - eine Todsünde.
Bänker hatten wegen ihrer Macht und natürlich wegen ihres Geldes ein nicht unbeträchtliches Ansehen in der Gesellschaft erreicht. Die Krise hat es nun aber für alle sichtbar ans Tageslicht befördert:
[...]
Bemühen Sie sich Ihre Meinung mit weniger agressiven und unangebrachten Ausdrücken darzustellen. Die Redaktion / mh
drücke ich ihnen dann und wann heimlich mein Butterbrot unter dem Schalter in die Hand und werde mit dem warmen Lächeln eines Menschen, der mit sehr wenig sehr glücklich zu machen ist, belohnt...
Selten so gelacht.
Ich stimmt Ihnen zu, dass Banker die direkten Nachkommen der alten "Wucherer" sind, die am Rande der Gesellschaft standen und z.B. in der Kneipe aus Gläsern mit Holzfuß trinken mussten, um sie sichtbar von den ehrbar arbeitenden Leuten abzutrennen. Niemand schlägt diese Karriere ohne Gier ein - selber schuld, wenn man dann zu den 99.9% gehört, die nicht in die Spitzenriege aufsteigen.
Leider wird Ihr Kommentar wohl bald kassiert werden...
Ich lobe ja nicht oft - aber Sie verdienen ein Kompliment für Ihre klaren Worte
drücke ich ihnen dann und wann heimlich mein Butterbrot unter dem Schalter in die Hand und werde mit dem warmen Lächeln eines Menschen, der mit sehr wenig sehr glücklich zu machen ist, belohnt...
Selten so gelacht.
Ich stimmt Ihnen zu, dass Banker die direkten Nachkommen der alten "Wucherer" sind, die am Rande der Gesellschaft standen und z.B. in der Kneipe aus Gläsern mit Holzfuß trinken mussten, um sie sichtbar von den ehrbar arbeitenden Leuten abzutrennen. Niemand schlägt diese Karriere ohne Gier ein - selber schuld, wenn man dann zu den 99.9% gehört, die nicht in die Spitzenriege aufsteigen.
Leider wird Ihr Kommentar wohl bald kassiert werden...
Ich lobe ja nicht oft - aber Sie verdienen ein Kompliment für Ihre klaren Worte
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