G-20-Treffen Egos unter sich
Die USA kritisieren Deutschland und umgekehrt – zu Unrecht
Dafür, dass die USA ihren Staatshaushalt nicht in den Griff bekommen, weiß ihr Finanzminister erstaunlich genau, was auf der Welt zu geschehen hat. Europa müsse sein Schuldenproblem in den Griff bekommen , fordert er. Und das solide Deutschland solle endlich mehr Geld für die Konjunktur ausgeben.
Mit ähnlich unbegründetem Selbstvertrauen verkauft sich Berlin als Hort der harten Finanzregulierung – und sieht sich regelmäßig durch die bösen Angelsachsen behindert.
Nun begegnen sich beide Länder beim G20-Treffen auf Ministerebene. Bald treffen auch die Regierungschefs der führenden Staaten aufeinander. Und um es rundheraus zu sagen: Beide Seiten sollten sich besinnen, statt ihre vertrauten Lieder abzusingen.
Die Bundesrepublik ist bisher erstaunlich gut durch die Krise gekommen – gerade weil sie nicht wie wild mit Geld um sich geschmissen hat. Ende 2008 hat sie sich der Panik angelsächsischer Konjunkturpolitiker versagt, denen kein Paket groß genug sein konnte. Und umsichtig hat die alte schwarz-rote Regierung die Kurzarbeit gefördert, damit möglichst wenige Arbeitnehmer zu Empfängern von teurem Arbeitslosengeld wurden.
Dass die Staatsverschuldung im globalen Vergleich noch im Rahmen bleibt , hilft heute in der Schuldenkrise nicht bloß der Bundesrepublik, sondern ganz Europa. Immerhin hat die Alte Welt noch ein großes Land, dessen Bonität niemand herunterstufen will.
Anders verhält es sich ausgerechnet bei der Regulierung der Finanzmärkte, bei der Amerika lange als der große Verhinderer galt. Berlin redet vor allem, Washington handelt auch. Zwar haben die Deutschen aus polittaktischen Gründen gerade einige Spielarten der Spekulation verboten, aber die kommen bei uns schon bisher kaum vor.
Es gibt wirksamere Pläne – Fachleute wollen den Banken beispielsweise eine Abgabe auf riskante Geschäfte untereinander auferlegen. Über solche Ideen wird viel debattiert, zwischen den Berliner Parteien und mehr noch mit den anderen Ländern in Europa und auf der Welt. Doch wenig geschieht.
Dagegen marschiert das Weiße Haus derzeit mit einem gravierenden Regelwerk durch die parlamentarischen Instanzen. Am Ende könnten es die USA sein, die mehr Verbraucherrechte für Bankkunden durchsetzen, klarere Gesetze für die Abwicklung maroder Geldhäuser haben und ihnen Fesseln bei der Zockerei anlegen.
Sowohl die Mächtigen in Washington als auch ihre Kollegen in Berlin hätten also einiges zum Nachdenken, bevor sie Vorwürfe erheben. Die besten Strategien zur Bewältigung der Krise entstehen vielleicht gerade, wenn man nicht immer dem folgt, der gerade am lautesten ruft.
- Datum 03.06.2010 - 11:04 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 02.06.2010 Nr. 23
- Kommentare 8
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Ob man sich dort auch treffen wird?
Ich habe etwas Zweifel, wenn der ehemalige Chef der New Yorker Bankenaufsicht uns nun über Geld belehren will. Die USA nutzen ihr Privileg der Leitwährung zur Geldfälschung und werden ihre Defizite knallhart monetarisieren und die Schulden abinflationieren.
Da können wir uns ja auch von Robert Mugabe beraten lassen.
.... Konjunktur ausgeben."
Dass die Bundesrepublik sehr wenig Geld zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise ausgab, sieht man am vergleichsweise geringen Defizit. Das tat sie, weil sie hoffte als Trittbrettfahrer über den Export an den fiskalischen Programmen der anderen Länder zu profitieren. Das monierte nicht nur Geithner sondern fast alle Partner Deutschlands.
Es kommt nicht auf die Menge an, sondern wie intelligent das Geld eingesetzt wird.
Lesen Sie bitte diesen Artikel:
http://www.project-syndic...
Deutschland erzeugt eine ganz erhebliche Nachfragewirkung durch seine soziale Absicherung sowie die fehlende Kultur der privaten Überschultung, was Deutschland sehr robust in Bezug auf Nachfrageschocks macht.
Es kommt nicht auf die Menge an, sondern wie intelligent das Geld eingesetzt wird.
Lesen Sie bitte diesen Artikel:
http://www.project-syndic...
Deutschland erzeugt eine ganz erhebliche Nachfragewirkung durch seine soziale Absicherung sowie die fehlende Kultur der privaten Überschultung, was Deutschland sehr robust in Bezug auf Nachfrageschocks macht.
Es kommt nicht auf die Menge an, sondern wie intelligent das Geld eingesetzt wird.
Lesen Sie bitte diesen Artikel:
http://www.project-syndic...
Deutschland erzeugt eine ganz erhebliche Nachfragewirkung durch seine soziale Absicherung sowie die fehlende Kultur der privaten Überschultung, was Deutschland sehr robust in Bezug auf Nachfrageschocks macht.
mit seinen verdrehten Tatsachen.
Immerhin - bei einigen Statements kann man ihm zustimmen, wenn auch nur mit Vorbehalten.
Deutschland ist mit knappem Abstand nach den USA der zweitgrößte Importeur der Welt. Die Stabilität des deutschen Konsums ist deshalb die derzeit stärkste konjunkturelle Stütze der Weltwirtschaft.
Deutschland importiert viel mehr Vorprodukte, die es integriert bzw. veredelt, wogegen die USA überwiegend Fertigprodukte importieren und damit ist D. stark abhängig von volatilen Währungen, die seinen Export stark behinern können.
Die Stabilität des deutschen Konsums könnte in Größenordnungen besser sein, gäbe es das nicht auch von Sinn befürwortete massive Lohndumping.
Ein echtes Problem aber haben natürlich die Amerikaner mit ihren exobitanten Schulden, die sich von der Welt beliefern lassen und das mit Schulden und Bankenkrise gleich noch vom Exportland finanzieren lassen bzw. die Knete zurückholen. Ist ja bei den PIGS auch nicht viel anders gelaufen.
Eigentlich hätten wir einen Großteil unserer Exporte gleich verschenken können. Das wäre billiger gewesen, hätte aber volks- und betriebswirtschaftlich nicht so chic ausgesehen, wenn man den Arbeitnehmern vom Niedriglohn dann gleich noch die "Exportspesen" abzieht. Zeitverschoben fällt das weniger auf.
Deutschland leidet einfach an zu viel unsinnigem Export bei deswegen zu schwachem Binnenmarkt - was aufgrund falscher Vorstellungen gewollt ist. Aber Hauptsache alles "fließt".
"Deutschland leidet einfach an zu viel unsinnigem Export bei deswegen zu schwachem Binnenmarkt - was aufgrund falscher Vorstellungen gewollt ist. Aber Hauptsache alles "fließt"."
Wie beurteilen Sie, dass sich entgegen dem Trend die Haushaltsverschuldung in Deutschland nicht erhöht hat, das heißt, die Binnennachfrage nicht durch zunehmende private Verschuldung anziehen konnte?
http://3.bp.blogspot.com/...
Man kann argumentieren, dass durch vergleichbare Verschuldungskultur auch die Binnennachfrage in Deutschland erheblich gestiegen wäre.
@ Betroffener (#5):
Seit der von Ihnen zitierten Vorkrisenlage hat sich durch die Krise in den Export-Import-Verhältnissen doch einiges verschoben. China ist heute Exportweltmeister, aber auch sein Importvolumen ist 2009 um 63% angestiegen, während das deutsche sank. Der um 15% gefallene Euro macht zudem Importe für uns jetzt teurer.
Dass "die USA überwiegend Fertigprodukte importieren" ist unrichtig, denn bekanntlich ist Roh-Petroleum der größte Importfaktor. Nicht uninteressant ist übrigens, dass US-Exporte nach China im abgeschlossenen 1.Quartal 2010 um 43% stiegen (nach Korea sogar um 60%).
US-Fertigprodukt-Importe wie Autos sind hingegen minimal. Aus der Jahresproduktion für 2010 von 11,5 Millionen Autos kommt nur knapp ein halbes Prozent aus Deutschland. Populärere ausländische Marken wie Honda und Toyota fertigen vor Ort.
Ich stimme Ihnen bei, dass unsere "Exporte" nach Griechenland in Wirklichkeit pure Geschenke waren, da wir ja jetzt selbst die Rechnungen bezahlen.
"Deutschland leidet einfach an zu viel unsinnigem Export bei deswegen zu schwachem Binnenmarkt - was aufgrund falscher Vorstellungen gewollt ist. Aber Hauptsache alles "fließt"."
Wie beurteilen Sie, dass sich entgegen dem Trend die Haushaltsverschuldung in Deutschland nicht erhöht hat, das heißt, die Binnennachfrage nicht durch zunehmende private Verschuldung anziehen konnte?
http://3.bp.blogspot.com/...
Man kann argumentieren, dass durch vergleichbare Verschuldungskultur auch die Binnennachfrage in Deutschland erheblich gestiegen wäre.
@ Betroffener (#5):
Seit der von Ihnen zitierten Vorkrisenlage hat sich durch die Krise in den Export-Import-Verhältnissen doch einiges verschoben. China ist heute Exportweltmeister, aber auch sein Importvolumen ist 2009 um 63% angestiegen, während das deutsche sank. Der um 15% gefallene Euro macht zudem Importe für uns jetzt teurer.
Dass "die USA überwiegend Fertigprodukte importieren" ist unrichtig, denn bekanntlich ist Roh-Petroleum der größte Importfaktor. Nicht uninteressant ist übrigens, dass US-Exporte nach China im abgeschlossenen 1.Quartal 2010 um 43% stiegen (nach Korea sogar um 60%).
US-Fertigprodukt-Importe wie Autos sind hingegen minimal. Aus der Jahresproduktion für 2010 von 11,5 Millionen Autos kommt nur knapp ein halbes Prozent aus Deutschland. Populärere ausländische Marken wie Honda und Toyota fertigen vor Ort.
Ich stimme Ihnen bei, dass unsere "Exporte" nach Griechenland in Wirklichkeit pure Geschenke waren, da wir ja jetzt selbst die Rechnungen bezahlen.
Die Ausführungen des Herrn Lauk scheinen irgendwie die passende Ergänzung zu des Professors Auslassungen zu sein:
http://www.heise.de/tp/r4...
Man beachte auch hier, bei WEM und WO "gespart" und WELCHE Gruppe wieder mal abgezockt werden soll.
Irgendwie fehlt - wie immer - eine schon mehrfach reich beschenkte, relevante Gruppe völlig - sowohl beim Sparen wie auch beim Steuern zahlen.
"Deutschland leidet einfach an zu viel unsinnigem Export bei deswegen zu schwachem Binnenmarkt - was aufgrund falscher Vorstellungen gewollt ist. Aber Hauptsache alles "fließt"."
Wie beurteilen Sie, dass sich entgegen dem Trend die Haushaltsverschuldung in Deutschland nicht erhöht hat, das heißt, die Binnennachfrage nicht durch zunehmende private Verschuldung anziehen konnte?
http://3.bp.blogspot.com/...
Man kann argumentieren, dass durch vergleichbare Verschuldungskultur auch die Binnennachfrage in Deutschland erheblich gestiegen wäre.
@ Betroffener (#5):
Seit der von Ihnen zitierten Vorkrisenlage hat sich durch die Krise in den Export-Import-Verhältnissen doch einiges verschoben. China ist heute Exportweltmeister, aber auch sein Importvolumen ist 2009 um 63% angestiegen, während das deutsche sank. Der um 15% gefallene Euro macht zudem Importe für uns jetzt teurer.
Dass "die USA überwiegend Fertigprodukte importieren" ist unrichtig, denn bekanntlich ist Roh-Petroleum der größte Importfaktor. Nicht uninteressant ist übrigens, dass US-Exporte nach China im abgeschlossenen 1.Quartal 2010 um 43% stiegen (nach Korea sogar um 60%).
US-Fertigprodukt-Importe wie Autos sind hingegen minimal. Aus der Jahresproduktion für 2010 von 11,5 Millionen Autos kommt nur knapp ein halbes Prozent aus Deutschland. Populärere ausländische Marken wie Honda und Toyota fertigen vor Ort.
Ich stimme Ihnen bei, dass unsere "Exporte" nach Griechenland in Wirklichkeit pure Geschenke waren, da wir ja jetzt selbst die Rechnungen bezahlen.
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